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Berliner FDP-Busting (+ Vollgas für Jörg Haider)

Hurra, endlich darf wieder gewählt werden! Diesmal sind die Berliner die Glücklichen, die in den Genuss eines intensiven Wahlkampfs kommen – von Werbeagenturen ausbaldowerte Slogans werden den Bürgern in derselben Form, wie man auch Waschmittel und Schokoriegel in den Abverkauf bringt, angepriesen und komplexe politische Inhalte mundgerecht zu Simpelparolen runtergebrochen. Dazu Hochglanzfotos von Politikern, ein bisschen Signalton-Farbe, und fertig ist die Politik zum Anfassen und Plakatieren. Dass dabei – genau wie bei „richtiger“ Reklame für Konsumprodukte – vieles verschwiegen, manches verbogen und so einiges dreist behauptet wird (im Wissen, dass es in der Realität doch nicht umsetzbar ist), sind wir ja alle schon längst gewohnt; von daher frage ich mich sowieso immer, ob sich tatsächlich irgend jemand noch von den Konterfeis, die da am Straßenrand stehen oder großflächig von Häuserwänden herab lächeln, überzeugen und in seiner Wahlentscheidung beeinflussen lässt.

Aber dem scheint ja so zu sein, wenn man den Schilderwald betrachtet, der alle paar Jahre die Städte überzieht. Bei der plötzlich anschwellenden Masse an Plakaten ist es kein Wunder, dass auch die Reaktionen aus dem Volk heftiger ausfallen und man auf die der Reklame eigene Einbahnstraßen-Kommunikation mit entsprechenden Mitteln antwortet. Sei es mit dem klassischen aufgemalten Schnurrbärtchen oder dem Abreißen von Plakaten radikaler Parteien – ganz ohne Reaktion gehen Wahkämpfe selten ab. Vor allem in letzter Zeit gab es dabei auch immer wieder sehr schöne Adbusting-Aktionen, über die ich auch in meinem Blog hin und wieder schrieb (z.B. bei den NPD-Plakat-Remixen in Dresden [1]).

Aktuell gibt es nun auch schöne „Korrekturen“ von Wahlplakaten in Berlin, wie Bleib passiv! in „Wahlplakate-Busting: Berlin-Wahlkampf 2011 [2]“ zu berichten weiß. Dabei ist bereits das Ausgangsplakat der FDP ein Musterbeispiel dafür, was passiert, wenn eine gesichtslose, stromlinienförmige Partei sich von einer vermutlich hippen und teuren Werbeagentur eine genauso gesichtslose und durchgestylte Kampagne hinklatschen lässt. Schon das Motto „Die neue (FDP) Wahlfreiheit“ ist völlig sinnentleert, denn es ist ja nun nicht so, als stünde die FDP nicht bereits seit Jahr und Tag als Alternative auf dem Wahlzettel; und „neu“ ist bei der FDP auch nichts. Auf jeden Fall ergibt das geadbustete Wahlplakat auf dem Alexanderplatz sehr viel mehr Sinn als der verlogene Kram vorher:

Auch weitere nette Beispiele, z.B. von Die Partei, die das abstoßende „Gas geben“-Plakat der NPD entsprechend korrigierte und mit dem Konterfei von Jörg Haider versah, sind im Bleib passiv!-Artikel zu sehen:


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