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Monsanto, der schamlose Konzern

Den US-amerikanische Pflanzen„schutz“mittelhersteller und Genforschungsverfechter Monsanto hatte ich ja gestern schon in meinen Lesetipps erwähnt, und auch sonst in meinem Blog des öfteren sehr kritisch beäugt – sei es wegen ihrer Versuche, Gensoja weltweit in die Märkte zu drücken (mit all den daraus entspringenden negativen Folgen für die Umwelt und auch die Bauern) oder die Natur mit ihrem Gift Glyphosat bzw. Roundup zu zerstören. Nun bin ich auf zwei weitere Artikel gestoßen, die zeigen, mit welchen Methoden dieser Konzern vorgeht, um seine Marktmacht zu sichern und seine Produkte zu etablieren.

Dass er dabei keinerlei Rücksicht auf die Menschen nimmt und nur seinen Profit im Blick hat, ist natürlich keine neue Erkenntnis – seine Skrupellosigkeit stellte die Firma ja auch schon als Hersteller von Agent Orange unter Beweis, jenem Entlaubungsmittel, dass die US-Armee im Vietnamkrieg eingesetzt hat und das verheerende Folgen für die Zivilbevölkerung hatte. Dass so ein Unternehmen heutzutage zur besten Sendezeit im Fernsehen für Unkrautvernichtungsmittel werben darf, ist schon sehr makaber. Leider ist aber nicht nur die Monsanto-Vergangenheit mit dunklen Flecken übersät, sondern auch in der Gegenwart stellen sie unter Beweis, dass ihenn für ihren Profit kein Mittel zu schmutzig ist.

Auf der Schweizerischen Website Infosperber fand ich den Beitrag „Gen-Saatgut: Monsanto wälzt Haftung auf Käufer ab [1]“, in dem wir lesen dürfen, dass Monsanto sich bauernschlau aus jeglicher Verantwortung für die Probleme, die aus ihrem Saatgut entspringen können, herauszustehlen versucht:

Der Weltkonzern zahlt Bauern selbst bei Riesenschäden, die sein genverändertes Saatgut anrichtet, höchstens den Preis des Saatguts.

Es läuft wie bei den Kernkraftwerken: Langfristige Grossrisiken und Katastrophen bezeichnen die Konzerne als unmöglich oder extrem unwahrscheinlich. Das geht ihnen leicht von den Lippen, weil sie sich weitgehend aus der Verantwortung stehlen können, wenn etwas Grösseres passiert.

Lizenzverträge mit unmoralischem Kleingedrucktem

Der Saatgut-Konzern Monsanto schliesst mit Landwirtschaftsbetrieben und Bauern Lizenzverträge ab. Im Kleingedruckten heisst es darin, dass bei jeglichen Schäden, die aus der Nutzung und Handhabung des genveränderten Saatguts entstehen, Monsanto und seine Händler höchstens den Preis des Saatguts zurückzahlen müssen. Dabei können Monsanto oder die Händler erst noch wählen, ob sie diese Entschädigung in Geld oder in Form einer neuen Saatgutlieferung zahlen möchten. Das hat Genet-News, eine Plattform europäischer Non-Profit-Organisationen, enthüllt. (…)

(…) Bei den Risiken der Gentechnologie geht es wie beim Atommüll um mögliche Langzeitschäden. Gentechnisch veränderte Organismen GVO können sich infolge einer technischen Panne oder menschlichem Versagen ungewollt freisetzen, sich ausbreiten und verheerende ökologische Folgen verursachen.

Im Unterschied zum Einsturz einer Brücke oder dem Bruch eines Staudamms kommt es nicht zu einem einmaligen, abgeschlossenen Schaden. Vielmehr droht ein Schaden, der vielleicht erst Jahrzehnte nach der Panne entdeckt wird. Da biologische Systeme komplex sind, gibt es bei der Veränderung von genetischem Erbmaterial unzählige Kombinationsmöglichkeiten. Das Risiko konkreter Langzeitschäden, die sich aus diesen Kombinationsmöglichkeiten ergeben können, ist wissenschaftlich bisher nicht erforscht und deshalb nur zu erahnen (wer hat schon ein Interesse, eine solche Forschung zu finanzieren?). Wie bei der Atomindustrie ist die Versicherungswirtschaft nicht bereit, Langzeitrisiken auch nur einigermassen angemessen zu versichern. (…)

Im Wom-Blog steht ein weiterer Beitrag, der Monsanto als offenbar komplett moralbefreiten Marktakteur zeigt: „Argentinien: Genmanipuliertes Saatgut ‚Monsanto hat keinen Respekt vor dem Leben‘ [2]“:

Der multinationale Pestizidproduzent Monsanto bediene sich eines besorgniser- regenden politischen und medialen Lobbyismus, um genmanipulierte Baumwolle der Marke Cotton BT in der Region anzubauen. Das erklärte Horacio Lucero, Leiter des Laboratoriums für Molekularbiologie an der Universidad Nacional del Nordeste in der nordargentinischen Provinz Chaco, in einem Interview mit dem Sender “Radio Ciudad”.

Die Situation versetze ihn in Unruhe, nicht nur aufgrund des Einsatzes von Technologien mit fragwürdigem Effekt auf Mensch und Umwelt, sondern auch aufgrund der weltweiten üblen Vorgeschichte des Konzerns, so Lucero.

“Diese Nachricht verheißt nichts Gutes. Wir müssen im ganzen Land die Konsequenzen des Anbaus von genmanipuliertem Soja tragen. Die genetische Manipulation sorgt dafür, dass die Samen gegen Herbizide wie zum Beispiel Glyphosat resistent werden. Genau das lässt die Verkäufe der Samen exponentiell ansteigen” äußerte sich Lucero besorgt. “Die Leute, die in diesem Bereich arbeiten, benutzen jedes Mal mehr chemische Produkte, da sich jedes Lebewesen durch natürliche Selektion anpasst. Jeder Schädling, der durch die Herbizide nicht vernichtet wird, wird resistenter” erklärte der Biologe gegenüber Radio Ciudad.

“So werden sie Ernte für Ernte mehr von den Schädlingsbekämpfungsmitteln brauchen. Außerdem mischen sie diese mit Insektiziden wie Endosulfan, die wohl schon bald vom Markt geholt werden, weil ihre Auswirkungen für Menschen zu schädlich sind. Es gibt viele Firmen, die das Gleich tun, aber Monsanto hat eine schlimme Vorgeschichte auf der ganzen Welt. Den Behörden müsste doch bewusst sein, dass diese Firma sich einen Dreck um die Lebensqualität der betroffenen Bevölkerung schert. Das macht mir große Sorgen.” (…)

(…) “Das einzige Ziel bei der Herstellung genmanipulierter Samen liegt darin, diese so zu manipulieren, dass sie resistent gegen Pflanzengifte sind”. Im Fall des Sojas sei dies ein Herbizid und bei anderen Samen würden es entsprechend andere Herbizide sein, beklagt Lucero und schließt: “Es geht einzig darum, die Produktion zu erhöhen, um den Bedarf an Schädlingsbekämpfungsmitteln zu erhöhen.”

Ich erinnere in diesem Zusammenhang auch noch einmal an den Vortrag von Prof. Andrioli zum Thema „Gen-Soja – Fluch oder Segen? [3]“, den er vor einer Weile an der Universität Kiel gehalten hat.

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