{"id":8919,"date":"2010-09-17T10:08:20","date_gmt":"2010-09-17T08:08:20","guid":{"rendered":"http:\/\/konsumpf.de\/?p=8919"},"modified":"2010-10-25T09:20:16","modified_gmt":"2010-10-25T07:20:16","slug":"helden-des-alltags-keine-bild-%e2%80%9ezeitung%e2%80%9c-in-ottensen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/konsumpf.de\/?p=8919","title":{"rendered":"Helden des Alltags: Keine BILD-\u201eZeitung\u201c in Ottensen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Bloed.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8925\" title=\"Bloed\" src=\"http:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Bloed.gif\" alt=\"\" width=\"184\" height=\"192\" \/><\/a>Ich hatte mir geschworen, mich an dem ganzen Rummel um die \u00c4u\u00dferungen und das Buch Thilo Sarrazins hier im Blog nicht zu beteiligen, zumal der Herr mit seinen Thesen seine eigenen Behauptungen, dass Deutschland immer d\u00fcmmer werde, beeindruckend beweist. (Man muss dabei auch konstatieren, dass Sarrazin manches anspricht, was eine Reihe von B\u00fcrgern im Land ebenfalls so empfindet \u2013 und dieses Unbehagen, das manche Menschen beim Thema Integration, \u201eMultikulti\u201c etc. \u00fcberkommt, hat Herr S. nat\u00fcrlich nicht eigens erfunden, sondern nur (von latent rassistischen Untert\u00f6nen begleitet) verbalisiert und erneut auf die Tagesordnung gesetzt. So funktioniert Demagogie&#8230; Ein Thema aufgreifen, das vielen unter den N\u00e4geln brennt und dieses dann mit radikalen Thesen verkn\u00fcpfen. Eine sinnvolle und konstruktive Auseinandersetzung mit den tats\u00e4chlichen Problemen bei der Integration sieht anders aus.)<\/p>\n<p>Nun, da aber so ziemlich alle Medien auf das Thema auf- und angesprungen sind und die BILD-\u201eZeitung\u201c absto\u00dfende rechtspopulistische Kampagnen auff\u00e4hrt, wird eines klar: die Verdummung der Deutschen (und aller anderen Menschen) droht nicht von etwaiger \u201e\u00dcberfremdung\u201c o.\u00e4. Schim\u00e4ren, sondern durch besagte Medien selbst. Wer die BILD, Focus, Gala oder die Bunte liest, RTL, Pro7 &amp; Co. schaut, wird ganz bestimmt zumindest nicht kl\u00fcger, das ist offensichtlich. Gerade die verlogene Emp\u00f6rung <em>\u201eDas wird man ja wohl noch sagen d\u00fcrfen\u201c<\/em> ist, wie <strong>Martin Blumentritt<\/strong> in \u201e<a href=\"http:\/\/www.comlink.de\/cl-hh\/m.blumentritt\/agr80.htm\"><strong>Die PC-L\u00fcge<\/strong><\/a>\u201c es schon vor vielen Jahren ausgef\u00fchrt hat, nichts anderes, als ein plumper Versuch, jede noch so verquere Aussage vor jeglicher Kritik zu immunisieren:<\/p>\n<blockquote><p>(&#8230;) Man ist das ewige &#8220;man darf heute ja nicht sagen&#8221;, das jede ausl\u00e4nderfeindliche, antisemitische, nationalistische oder faschistische Rede einleitet, schon l\u00e4ngst satt, so oft hat man das geh\u00f6rt. Daher ist die Formulierung durch die Abwehr einer angeblichen Gefahr von &#8220;political correctness&#8221; ersetzt worden. Die Funktion ist die gleiche geblieben. Man will etwas sagen, was vorab das schlechte Gewissen beunruhigt und antezipiert die Kritik, die zwangsl\u00e4ufig der Ungeh\u00f6rigkeit der \u00c4usserung folgen mu\u00df.<br \/>\nDie Abwehr von PC f\u00e4llt auf den Autoren zur\u00fcck, sie k\u00fcndigt nur die Unversch\u00e4mtheiten an, die dann folgen werden. Wer etwas zu sagen hat, das nicht rechtens auf Emp\u00f6rung jeden anst\u00e4ndigen Menschen sto\u00dfen wird, der kommt nicht auf die Idee seine Rede mit &#8220;man darf das ja heute nicht sagen&#8221; oder &#8220;es entspricht nicht der PC&#8221;, was ich sagen will einzuleiten.<br \/>\nWenn ein Text damit beginnt gegen PC zu wettern mu\u00df man ihn nicht mehr zuendelesen, um zu wissen, da\u00df Verst\u00f6\u00dfe gegen die Menschenw\u00fcrde und Volksverhetzung folgen werden.<br \/>\nDie Abwehr von PC soll genau das Erreichen, was man einer angeblichen Durchsetzung von PC unterstellt, sie soll die eigenen in der Regel unakzeptable rassistischen, nationalistischen oder antisemitische Auffassungen gegen Kritik immunisieren, sie ist also Projektion. (&#8230;)<\/p><\/blockquote>\n<p><!--more-->\u201eDer Elektrische Reporter\u201c <strong>Mario Sixtus <\/strong>geht in \u201e<a href=\"http:\/\/sixtus.cc\/schwachfugsignalphrasen\"><strong>Schwachfugsignalphrasen<\/strong><\/a>\u201c ebenfalls der Frage nach, ob Meinungsfreiheit bedeute, dass man alles sagen d\u00fcrfe, ohne dass man auch Widerspruch ernten darf:<\/p>\n<blockquote><p>In  Debatten, egal ob in Parlamenten, in Medien, im Netz oder am   Kneipentresen, gibt es eine Hand voll Phrasen, die mit an Sicherheit   grenzender Wahrschenlichkeit die baldige Ankunft einer gro\u00dfen Menge   Schwachfugs in den darauffolgenden S\u00e4tzen ank\u00fcndigen. Man k\u00f6nnte   sie\u00a0Schwachfugsignalphrasen nennen. Hier eine Auswahl:<\/p>\n<ul>\n<li>&#8220;Es muss erlaubt sein zu sagen, dass&#8230;&#8221;<\/li>\n<li>&#8220;Es darf keine Denkverbote geben&#8230;&#8221;<\/li>\n<li>&#8220;Es darf kein Tabu sein zu sagen&#8230;&#8221;<\/li>\n<\/ul>\n<p>Solcherlei  Redewendungen sind trickreich und funktionieren  erstaunlich oft  erstaunlich gut. Ihr Sinn und Zweck: Sie sollen die  Emp\u00f6rung des  Gegen\u00fcbers als Reaktion auf den phrasenbegleiteten  Schwachfug  kanalisieren, umleiten, eint\u00fcten, etikettieren und entsorgen.  Das ist  f\u00fcr den Schwachfugproduzenten \u00e4u\u00dferst praktisch, da er sich auf  diese  Weise einer inhaltlichen Debatte entziehen kann. (&#8230;)<\/p><\/blockquote>\n<p>Auch <strong>Robin Meyer-Lucht<\/strong> befasst sich auf Carta mit diesem Thema \u2013 \u201e<a href=\"http:\/\/carta.info\/33358\/bild-erliegt-dem-boulevard-gen-man-wird-doch-wohl-noch-sagen-duerfen-kampagne-fuer-sarrazin\/\"><strong>BILD erliegt dem Boulevard-Gen \u2013 man wird doch wohl noch sagen d\u00fcrfen \u2013 Kampagne f\u00fcr Sarrazin<\/strong><\/a>\u201c (in diesem Artikel kann man auch das absto\u00dfende Titelblatt der BILD \u201ebewundern\u201c, in dem das Blatt die volle Hetzkanonade abfeuert, genauso wie im Beitrag von <strong>bleib-passiv<\/strong> \u201e<a href=\"http:\/\/www.bleib-passiv.de\/\"><strong>Es geht schon wieder los \u2013 das darf doch wohl nicht wahr sein!<\/strong><\/a>\u201c):<\/p>\n<blockquote><p>(&#8230;) Auf drei Seiten ausgebreitet, stellt die <em>Bild<\/em>-Geschichte \u00fcber \u201cMeinungsfreiheit\u201d und \u201cSprechverbote\u201d die wohl gr\u00f6\u00dfte und sch\u00e4rfste politische Kampagne der <em>Bild<\/em> seit einiger Zeit dar. So wie <em>Bild<\/em> vom gro\u00dfen Presseinteresse f\u00fcr das Sarrazin-Buch schw\u00e4rmt, so gro\u00df ist nun auch die eigene Kampagne im Blatt.<\/p>\n<p>Nachdem sich <em>Bild<\/em> am Donnerstag bereits teilweise von Sarrazin distanziert hatte (\u201c<a href=\"http:\/\/www.bild.de\/BILD\/news\/standards\/post-von-wagner\/2010\/09\/02\/post-von-wagner.html\">schei\u00dfe, besch\u00e4mend, widerlich<\/a>\u201c-Wagner), fiel sie nun am Samstag in die zuletzt von Guido Westerwelle popularisierte \u201c<a href=\"http:\/\/fragenbeantworten.blog.de\/2010\/02\/25\/westerwelle-deutschland-sagen-duerfen-8070106\/\">Man muss doch noch sagen d\u00fcrfen<\/a>\u201c-Rhetorik zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Sarrazins krude biologistischen Gen-Thesen sind pl\u00f6tzlich vergessen \u2013 und<strong> <\/strong><em>Bild<\/em> konzentriert sich auf den kampagnenf\u00e4higen Teil des Sarrazin-Buches (&#8230;)<\/p>\n<p>(&#8230;) Die <em>Bild<\/em>-Kampagne verortet den Sarrazin-Konflikt in den  Bezugsrahmen \u201cMeinungsfreiheit vs. Sprechverbote\u201d und  \u201cintellektualisierter \u00f6ffentlicher Diskurs vs. Alltag der einfachen  Menschen\u201d. Ein typischer Boulevard-Frame: \u201cWir kleinen Leute\u201d gegen die  \u201cabgehobene Politik\u201d. (&#8230;)<\/p>\n<p>(&#8230;) Dabei enth\u00e4lt Sarrazins Buch von der drohenden \u201cAbschaffung\u201d der  Deutschen auch zahlreiche S\u00e4tze, die man als Vorstand der Bundesbank  lieber nicht sagen sollte. Entsprechende Zitate aber hat <em>Bild<\/em> lieber nicht auf seine Titelseite gehoben \u2013 sie h\u00e4tten nicht in die  einfache Boulevard-Logik von Meinungsfreiheit, dr\u00f6ger Parteipolitik und  Sprechverboten gepasst. (&#8230;)<\/p><\/blockquote>\n<p>Als Konsequenz aus den Ungeheurlichkeiten, die sich die BILD seit jeher erlaubt, haben nun zwei Kaufleute im Hamburger Stadtteil Ottensen gehandelt und die BILD-\u201eZeitung\u201c aus ihren Sortiment genommen, wie die <strong>taz<\/strong> in \u201e<a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/nord\/hamburg\/artikel\/1\/jetzt-ist-schluss\/\"><strong>Jetzt ist Schluss<\/strong><\/a>\u201c berichtet. Die Erkl\u00e4rung der beiden Hamburger, Winfried Buck und Andr\u00e9 Krause, die sie an ihr Gesch\u00e4ft geklebt haben, ist wirklich sehr sch\u00f6n und die ganze Aktion mehr als zu begr\u00fc\u00dfen \u2013 so sollten viel mehr Gesch\u00e4fte reagieren:<\/p>\n<blockquote><p><em>Die BILD und Sarrazin haben recht \u2013 die Deutschen werden immer d\u00fcmmer. Dieser Trend muss gestoppt werden. Deshalb wird in diesem Laden keine Bild\u201ezeitung\u201c mehr verkauft.<\/em><\/p>\n<p><strong>Andr\u00e9 Krause:<\/strong> Die Bild-Zeitung hat f\u00fcr mich St\u00fcrmer-Qualit\u00e4t. Es geht immer gegen die  Hartz-4-Empf\u00e4nger und die Migranten. Ich wollte die Zeitung schon vor  zwei Jahren rausnehmen, aber da war ich relativ neu hier und habe sie  mit geballter Faust in der Tasche weiter verkauft. Aber als ich die  Aktion meines Nachbarn gesehen habe, war f\u00fcr mich klar: Jetzt ist  Schluss.<strong><\/strong><\/p>\n<p><strong>Winfried Buck: <\/strong>Als  Alternative hatte ich erwogen, jeden Tag einen Zettel auf die  Bild-Zeitung zu kleben mit der Aufschrift: Dies ist das schlechteste  Blatt, das Sie hier kaufen k\u00f6nnen. Bezeichnenderweise sagt der  Bild-Zeitungs-K\u00e4ufer ja auch selbst: Eine Bl\u00f6d-Zeitung bitte, ein  L\u00fcgenblatt bitte, ein Schmutzblatt bitte. Niemand w\u00fcrde zum B\u00e4cker gehen  und sagen: &#8220;Ich h\u00e4tte gern ein Schei\u00df-Br\u00f6tchen.&#8221; (&#8230;)<\/p>\n<p>(&#8230;) <strong>Winfried Buck: <\/strong>Das  ist bei mir \u00e4hnlich. Manche Leute verlassen auch v\u00f6llig verwirrt diesen  Laden, weil es die Zeitung hier nicht mehr gibt. Erschreckenderweise  haben aber auch einige Kunden gesagt: &#8220;Es stimmt doch, dass wir hier zu  viele Ausl\u00e4nder haben&#8221;. Das, was die Zeitung erreichen will, kommt  anscheinend bei ihnen an. Die gehen dann nebenan zum B\u00e4cker, aber  kriegen die Bild-Zeitung da auch nicht. Das hat schon eine gr\u00f6\u00dfere  Wirkung, als wenn das nur einer alleine macht.<\/p><\/blockquote>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/7ae705bc8a8440da9853abe8f1abd04d\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n<h3 class='related_post_title'>Verwandte Beitr\u00e4ge:<\/h3><ul class='related_post'><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=13983\" title=\"Initiative ALLE GEGEN BILD\">Initiative ALLE GEGEN BILD<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=12383\" title=\"Lesetipps: Manipulative Reklame | Hedonistische Internationale | Kranke Medien | Verst\u00fcmmelte Interviews\">Lesetipps: Manipulative Reklame | Hedonistische Internationale | Kranke Medien | Verst\u00fcmmelte Interviews<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=10950\" title=\"Wir Sind Helden wollen nicht f\u00fcr BILD werben\">Wir Sind Helden wollen nicht f\u00fcr BILD werben<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=14194\" title=\"Lagerfeld z\u00fcndet Autos an \u2013 und weitere Adbusts\">Lagerfeld z\u00fcndet Autos an \u2013 und weitere Adbusts<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=14000\" title=\"Fernsehtipp \u201eBild. 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