{"id":8763,"date":"2010-09-14T10:10:43","date_gmt":"2010-09-14T09:10:43","guid":{"rendered":"http:\/\/konsumpf.de\/?p=8763"},"modified":"2010-12-04T16:43:00","modified_gmt":"2010-12-04T15:43:00","slug":"lesetipps-%e2%80%9edie-legende-vom-nachhaltigen-wachstum%e2%80%9c-%e2%80%9eaktionismus-immer-die-falsche-idee%e2%80%9c-%e2%80%9euberteuerte-alltagsgegenstande-%e2%80%93%c2%a0die-man-trotzdem-kauf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/konsumpf.de\/?p=8763","title":{"rendered":"Lesetipps: \u201eDie Legende vom nachhaltigen Wachstum\u201c \/ \u201eAktionismus &#8211; immer die falsche Idee\u201c \/ \u201e\u00dcberteuerte Alltagsgegenst\u00e4nde \u2013\u00a0die man trotzdem kauft\u201c"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_8900\" style=\"width: 243px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.sxc.hu\/photo\/1196723\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8900\" class=\"size-full wp-image-8900\" title=\"euro_chart_1\" src=\"http:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/euro_chart_1.jpg\" alt=\"\" width=\"233\" height=\"132\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8900\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Ambrozio, stock.xchng<\/p><\/div>\n<p>In den letzten Tagen sind mir wieder einige interessante Artikel im Netz begegnet, die ich Euch nicht vorenthalten m\u00f6chte. Besonders spannend und den Tenor meines Blogs treffend ist <strong>Niko Paechs<\/strong> \u201e<a href=\"http:\/\/www.monde-diplomatique.de\/pm\/2010\/09\/10\/a0065.text.name,n,0\"><strong>Die Legende vom nachhaltigen Wachstum \u2013 ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr den Verzicht<\/strong><\/a>\u201c in <strong>Le Monde diplomatique<\/strong>. Hier erkl\u00e4rt der Wirtschaftswissenschaftler noch einmal seine Thesen, dass unser Wirtschaftssystem auch mit einer LOHASigen Begr\u00fcnung des Wachstums nicht vom Weg in den Abgrund wird abzubringen sein \u2013 vielmehr sind grundlegende Pr\u00e4missen zu \u00e4ndern, die nicht durch Elektroautos und Bio-\u00c4pfel aus Neuseeland zu erreichen sind. Ich empfehle UNBEDINGT die Lekt\u00fcre des kompletten Textes! Hier ein paar Ausz\u00fcge:<\/p>\n<blockquote><p>(&#8230;) Tagt\u00e4glich muss sich der zeitgen\u00f6ssische Konsument seinen Weg durch  ein dichtes Gestr\u00fcpp k\u00e4uflicher Selbstverwirklichungsangebote bahnen.  Auf dem Rummelplatz der glitzernden Verf\u00fchrungen den \u00dcberblick zu  behalten, kostet vor allem eines: Zeit. Alles will zur Kenntnis  genommen, betrachtet, gepr\u00fcft, abgewogen, verglichen, zum Gegenstand  einer Kaufentscheidung und eines Kaufakts werden und schlie\u00dflich auch  noch genutzt werden. Dabei wird auch die Zeit immer knapper, die den  vielen Konsumobjekten gewidmet werden muss, damit sie \u00fcberhaupt Genuss  stiften k\u00f6nnen. Dies liegt sowohl an der Reiz\u00fcberflutung, die unsere  Aufmerksamkeit und Zeit stiehlt, als auch daran, dass wir uns immer mehr  Dinge leisten k\u00f6nnen, auf die wir unsere Zeit verteilen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Inzwischen braucht man schon einen gewissen Selbstschutz, um in  diesem Hamsterrad nicht die Orientierung zu verlieren. Ein m\u00f6glicher  Ausweg best\u00fcnde in einem entschleunigten Lebensstil, angefangen mit  einer Entr\u00fcmpelung: Von welchen Energiesklaven, Konsumkr\u00fccken und  Komfort verhei\u00dfenden Infrastrukturen k\u00f6nnte sich die Gesellschaft und  jeder Einzelne freimachen? Der Abwurf von Wohlstandsballast wirkt  befreiend. Es gilt, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, statt  sich in einer frustrierenden Vielfalt von Gl\u00fccksversprechen zu  verlieren. (&#8230;)<\/p>\n<p>(&#8230;) Der innovationsgetriebene Fortschritt &#8211; auch der zwecks Nachhaltigkeit  forcierte &#8211; l\u00f6st soziale und kulturelle Ver\u00e4nderungen aus, die im  vorhinein schwer einzusch\u00e4tzen, oft kontraproduktiv und au\u00dferdem  unkorrigierbar sind. Vor allem aber ist die Innovationsorientierung im  Kern strukturkonservativ. Umweltfreundliche Produkte und Technologien  wie der Dreiwegekatalysator, der Hybridantrieb, der  Brennstoffzellenantrieb oder die Elektromobilit\u00e4t immunisieren ma\u00dflose  Mobilit\u00e4tsanspr\u00fcche gegen jede Kritik. Passivh\u00e4user legitimieren das  unausgesprochene &#8220;Menschenrecht&#8221;, nach Lust und Laune Einfamilienh\u00e4user  in die Landschaft zu bauen. Und dass die Erneuerbaren emissionsfrei  sind, wird als Rechtfertigung herangezogen, um unbequemes Energiesparen  zu vermeiden. (&#8230;)<\/p>\n<p>(&#8230;) Angenommen, es w\u00fcrde sich herausstellen, dass Mobilfunk als Teil jener  digitalen Revolution, der einst hohe Dematerialisierungspotenziale  zugetraut wurden, doch krebserregend ist. Wie k\u00f6nnte dann die  Handykommunikation, von der sich die Menschheit inzwischen vollst\u00e4ndig  abh\u00e4ngig gemacht hat, unterbunden werden? Das mobile Telefon ist l\u00e4ngst  Teil der Alltagskultur, keine Macht der Welt k\u00f6nnte es per R\u00fcckrufaktion  wieder aus dem Verkehr ziehen. Es bliebe nur eine n\u00e4chste  Innovationswelle, die wie ein Gegengift die negativen Folgen der  vorherigen Technologie neutralisieren w\u00fcrde &#8211; ohne diese zu entfernen. (&#8230;)<\/p>\n<p>(&#8230;) Nachhaltige Entwicklung kann indes nur eine Kunst der Reduktion sein.  Deshalb zielt eine Postwachstums\u00f6konomie darauf, Expansionszw\u00e4nge zu  \u00fcberwinden. Der wichtigste besteht in einem Lebensstil, der vollst\u00e4ndig  von geldvermittelter und global arbeitsteiliger Fremdversorgung abh\u00e4ngig  ist. Wenn Bed\u00fcrfnisse, die einst durch Handwerk, Eigenarbeit,  Subsistenz, lokale Versorgung und soziale Netzwerke befriedigt wurden &#8211;  oder auf deren Befriedigung man schlicht verzichtete -, durch k\u00e4ufliche  Produkte, Dienstleistungen und eine komfortable  Automatisierung\/Mechanisierung erf\u00fcllt werden, ist die Existenzsicherung  einer Geld speienden Wachstumsmaschine ausgeliefert.<\/p>\n<p>Mit zunehmender Spezialisierung, die eine immer gr\u00f6\u00dfere Distanz  zwischen Verbrauch und Produktion schafft, steigt die Anzahl der  Wertsch\u00f6pfungsstufen, deren Investitions- und Kapitalbedarf zur  Notwendigkeit \u00f6konomischen Wachstums beitr\u00e4gt. Eine  Postwachstums\u00f6konomie beginnt daher mit einer Gen\u00fcgsamkeitsstrategie.  Sie konfrontiert die verzweifelte Suche nach weiteren Steigerungen von  G\u00fcterwohlstand mit einer Gegenfrage: Welcher Plunder, der nur  wachstumsabh\u00e4ngig macht, lie\u00dfe sich \u00fcber Bord werfen?<\/p><\/blockquote>\n<p>Apropos Konsumismus \u2013 dazu passt auch dieser Artikel, den ich zuf\u00e4llig bei <strong>Yahoo<\/strong> entdeckte: \u201e<a href=\"http:\/\/de.biz.yahoo.com\/yahoo\/editorial\/teure_alltagsgegenstaende.html\"><strong>\u00dcberteuerte Alltagsgegenst\u00e4nde \u2013 die man trotzdem kauft<\/strong><\/a>\u201c. Einige erstaunlich kritische Momente tauchen in dem Text durchaus auf:<\/p>\n<blockquote><p>(&#8230;) Pro Jahr trinkt jeder Deutsche 123 Liter Wasser und hat dabei die Qual der Wahl zwischen rund <strong>600 Mineralwasser-Marken<\/strong>.  Mineralwasser ist das beliebteste alkoholfreie Getr\u00e4nk in Deutschland.  Noch vor rund 30 Jahren sah das anders aus: Damals war abgef\u00fclltes  Trinkwasser kaum \u00fcblich. Mittlerweile greifen laut der internationalen  Studie \u201eGreendex\u201c <strong>65 Prozent der Deutschen t\u00e4glich zum Wasser aus der Flasche<\/strong>,  mehr als in jedem anderen Land der Erde. Die Mineralwasser-Branche  freut sich: Unternehmen wie der Nestl\u00e9-Konzern verdienen j\u00e4hrlich  Milliarden damit, Wasser um die ganze Welt zu karren. (&#8230;)<\/p>\n<p>Vor allem stille W\u00e4sser sind in. Dabei ist gerade stilles Wasser eine  der am h\u00e4ufigsten vorkommenden Ressourcen in der Welt &#8211; und zumindest in  Deutschland aus zahlreichen Quellen viel preiswerter oder sogar  kostenlos erh\u00e4ltlich: aus dem Wasserhahn. Obwohl das Wasser aus der  Leitung laut Experten in der Regel genauso gesund ist wie das  abgef\u00fcllte, sind jedoch viele Menschen noch immer bereit, bis zu 3 Euro  f\u00fcr eine Flasche zu bezahlen und ihr Wasser regelm\u00e4\u00dfig kistenweise nach  Hause zu schleppen. Dabei ist Flaschenwasser nicht nur verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig  teuer, sondern wirkt sich auch negativ auf die Umwelt aus: Schlie\u00dflich  kosten <strong>Transport, Abf\u00fcllung und die Herstellung <\/strong>der Flaschen jede Menge Energie. Ganz zu schweigen davon, dass viele leere Flaschen nicht recycelt werden.<\/p>\n<p>(&#8230;) Bei vielen Alltagsgegenst\u00e4nden lohnt es sich, die Folgekosten genauer  unter die Lupe zu nehmen &#8211; oder deren Anschaffung g\u00e4nzlich zu  hinterfragen. (&#8230;)<\/p><\/blockquote>\n<p>Der naturgetr.eu-Blog, der sich ja auch kritisch zum Konsumismus und dem \u201eGreen New Deal\u201c der LOHAS \u00e4u\u00dfert, geht auch in einem seiner aktuellen Beitr\u00e4ge, \u201e<a href=\"http:\/\/naturgetr.eu\/762\/aktionismus-immer-die-falsche-strategie\/\"><strong>Aktionismus \u2013 immer die falsche Idee<\/strong><\/a>\u201c genau der Frage nach, inwieweit viele \u201eneue Gr\u00fcne\u201c davon ausgehen, dass etwas gr\u00fcner schon gr\u00fcn und damit gut sei:<\/p>\n<blockquote><p>Umweltschutzorganisationen wie z.B. (aber nicht nur!) Greenpeace setzen auf Aktion \u2013 wie die Gruppe selbst in ihrer <a href=\"http:\/\/www.greenpeace.de\/fileadmin\/gpd\/user_upload\/wir_ueber_uns\/erfolge_kampagnen\/30JahreGP_Finale_inLitho.pdf\" target=\"_blank\">Brosch\u00fcre zum 30j\u00e4hrigen Bestehen von Greenpeace Deutschland (PDF) <\/a>zeigt:  es wird besetzt, in der Welt herumgereist und \u00fcber die Weltmeere  getuckert. Kurz: Es wird Aufwand betrieben, der Energie und andere  Ressourcen kostet. Und immer mit dabei ist nat\u00fcrlich die <a href=\"http:\/\/naturgetr.eu\/639\/outdoor-klamotten-unokologisch-und-asozial\/\" target=\"_blank\">Quasi-Uniform so vielen Natur- und Umweltsch\u00fctzer, die Marken-Outdoor-Klamotte<\/a>.  Ich bezweifle, dass diese meist auf medienwirksamkeit getrimmten  Aktionen au\u00dfer der Medienpr\u00e4senz tats\u00e4chlich etwas bewirken, zumal  langfristig betrachtet. Mag sein, dass durch solche Aktionen veraltete  Technologien und Verfahrensweisen etc. angeprangert werden und diese  dadurch umgeformt werden.<\/p>\n<p>Aber auch die dann aufkommenden \u201calternativen\u201d Produkte und neuen  Technologien sind keine wirkliche  Abhilfe, sondern mehr ein \u201clinke Hand  \u2013 rechte Hand\u201d-Spiel. Energie und  Rohstoffe, die an der einen Stelle  eingespart werden, werden f\u00fcr die  Produtkion dieser Pseudo-Alternativen  gebraucht: Akkus statt \u00d6l,  Giftstoffhaltige Energiesparlamen statt  Gl\u00fchbirnen, energie- und  wasserintensive erzeugung von Sojaprodukten  statt <a href=\"http:\/\/naturgetr.eu\/762\/551\/zusammenhang-zwischen-klima-und-fleischkonsum\/\" target=\"_blank\">Fleisch<\/a> und \u2013 die neueste Uns\u00e4glichkeit \u2013 <a href=\"http:\/\/blog.einfachnachhaltig.de\/top-5-e-bikes-und-pedelecs-fuer-pendler\/\" target=\"_blank\">Elektrisch angetriebene Fahrr\u00e4der<\/a> statt Autos (damit man auch in Zukunft Kurzstrecken nicht aus eigener   Kraft zur\u00fccklegen muss\u2026). Immer wieder \u2013 anders kann man das nicht   sagen \u2013 <a href=\"http:\/\/planetgreen.discovery.com\/home-garden\/confusing-greener-green.html\" target=\"_blank\">wird gr\u00fcner mit gr\u00fcn verwechselt<\/a>. (&#8230;)<\/p>\n<p>(&#8230;) Probleml\u00f6sungen sind dementsprechend immer technische L\u00f6sungen \u2013 egal ob  im Umweltschutz, in der Medizin, in der Sicherheits- oder Sozialpolitik.<br \/>\nL\u00f6sungen, die auf soziokulturellen Ver\u00e4nderungen beruhen, werden weder  diskutiert noch in Betracht gezogen. Wie auch! Schlie\u00dflich bestimmen  mittlerweile nicht mehr Kultur und Gesellschaft die Technik, sondern die  Technik bestimmt Kultur und Gesellschaft. Wir stolpern auch im letzten  verbleibenden Rest gesellschaftlichen und kulturellen Lebens noch blind  dem <em>erl\u00f6senden Heiland Technik<\/em> hinterher, die mehr und mehr unseren Alltag vereinnahmt, unsere Lebenswelt grau und steril macht.<\/p><\/blockquote>\n<h3 class='related_post_title'>Verwandte Beitr\u00e4ge:<\/h3><ul class='related_post'><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=15133\" title=\"\u00dcberdruss im \u00dcberfluss \u2013 Vom Ende der Konsumkultur\">\u00dcberdruss im \u00dcberfluss \u2013 Vom Ende der Konsumkultur<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=14961\" title=\"Neue Perversionen der Reklameindustrie: das sprechende Fenster\">Neue Perversionen der Reklameindustrie: das sprechende Fenster<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=14908\" title=\"Lesetipps: Red Bull | AfD | Fu\u00dfballmanie | Wachstumswahn | Au\u00dfenwerbung\">Lesetipps: Red Bull | AfD | Fu\u00dfballmanie | Wachstumswahn | Au\u00dfenwerbung<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=13958\" title=\"Lesetipps: Reichtum &#038; Ruhm | Hilfe, LOHAS! |\u00a0Marlboro | Konsumverzicht\">Lesetipps: Reichtum &#038; Ruhm | Hilfe, LOHAS! |\u00a0Marlboro | Konsumverzicht<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=13769\" title=\"Werbung am Rande der Apokalypse (5. und letzter Teil)\">Werbung am Rande der Apokalypse (5. und letzter Teil)<\/a><\/li><\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den letzten Tagen sind mir wieder einige interessante Artikel im Netz begegnet, die ich Euch nicht vorenthalten m\u00f6chte. 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