{"id":8084,"date":"2010-06-27T10:10:15","date_gmt":"2010-06-27T08:10:15","guid":{"rendered":"http:\/\/konsumpf.de\/?p=8084"},"modified":"2010-10-20T22:15:12","modified_gmt":"2010-10-20T20:15:12","slug":"in-was-fur-einer-gesellschaft-leben-wir-eigentlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/konsumpf.de\/?p=8084","title":{"rendered":"In was f\u00fcr einer Gesellschaft leben wir eigentlich? 1\/2"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/McDoof-Baby.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-8093\" title=\"McDoof Baby\" src=\"http:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/McDoof-Baby.png\" alt=\"\" width=\"240\" height=\"231\" srcset=\"https:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/McDoof-Baby.png 427w, https:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/McDoof-Baby-300x290.png 300w\" sizes=\"(max-width: 240px) 100vw, 240px\" \/><\/a>Aktuell findet die <a href=\"http:\/\/karmakonsum.de\/konferenz\/\">10. KarmaKonsum-Konferenz<\/a> in Frankfurt\/Main statt. Eher zuf\u00e4llig entdeckte ich bei Twitter eine Aussage von Bernd Kolb, der in seiner Er\u00f6ffnungsrede erstaunliche Daten zu Geh\u00f6r brachte: \u201e<a href=\"http:\/\/twitter.com\/Birgitmunich\/status\/16999077500\"><strong>9% aller deutschen Kindergeburtstage werden inzwischen bei McDonald\u2019s gefeiert<\/strong><\/a>.\u201c Als ich dies las, fehlten mir zun\u00e4chst einmal die Worte \u2013 wie schrecklich ist das, dass so viele Kinder ihren Geburtstag in einer industriell gefertigten, von Marketingzombies und \u201eStoredesignern\u201c erdachten 08\/15-Kunstwelt feiern und dabei mit miesem, ungesundem und umweltsch\u00e4dlichem Fast Food abgef\u00fcllt werden? Welche Eltern lassen so einen Unfug zu und f\u00fchren ihre Kinder schon fr\u00fch in eine normierte Marken- und Konsumorientierung? Traurig.<\/p>\n<p>Wie das Leben so spielt passte diese Meldung hervorragend zu einigen anderen Artikeln, die mir in den letzten Tagen \u00fcber den Weg gelaufen sind und die ich deshalb unter dem Blickwinkel des Zustands der momentanen Gesellschaft, in der wir leben, hier versammeln m\u00f6chte. Sie zeigen nebenbei, dass auch die so oft geschm\u00e4hten Mainstreammedien durchaus immer mal wieder Interessantes zum kritischen Diskurs beitragen (k\u00f6nnen). Dass unsere \u201ePr\u00e4-Kollaps-Gesellschaft\u201c unter dem Einfluss neoliberalen Ellenbogendenkens an allen Ecken zu br\u00f6seln beginnt, zeigt und f\u00f6rdert die Politik quasi t\u00e4glich durch ihre volksfernen, klientelgesteuerten Entscheidungen. J\u00fcngstes Beispiel: Das Gekl\u00fcngel um die Wahl des Bundespr\u00e4sidenten. Ohne viel Federlesens \u201ezauberte\u201c unsere Kanzlerdarstellerin den ihr genehmen Kandidaten aus dem Hut, ohne R\u00fccksicht darauf, welcher Kandidat sich eher eignen w\u00fcrde. Der Philosoph und Autor <strong>Richard David Precht<\/strong> stellt in seinem flammenden Pl\u00e4doyer in der ZEIT klar, dass solch ein Gebaren ein weiterer Sargnagel f\u00fcr eine lebendige Demokratie ist und die Menschen weiter in Politikverdrossenheit treibt \u2013 \u201e<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2010\/24\/Bundespraesident-Wahl?page=all\"><strong>&#8230; und keiner wacht auf \u2013 Leben wir noch in einer Demokratie oder \u00fcberlassen wir die Politik lieber einer kleinen F\u00fchrungselite?<\/strong><\/a>\u201c:<\/p>\n<blockquote><p>[&#8230;] Es ist schwierig, Angela Merkel etwas begreiflich zu machen, wenn ihr  Machterhalt darauf beruht, es nicht zu begreifen. Ein geeigneter  Kandidat f\u00fcr das h\u00f6chste Amt im Staate f\u00fcr Merkel \u2013 das ist nicht der  Integerste, der Begabteste, der Kl\u00fcgste, der Eigenst\u00e4ndigste,  Umsichtigste, der Brillanteste. Ein geeigneter Kandidat ist der aus  Sicht der Kanzlerin geeignetste Kandidat. Das hei\u00dft: nicht der  Integerste, der Begabteste, der Kl\u00fcgste, der Eigenst\u00e4ndigste, der  Umsichtigste oder der Brillanteste. [&#8230;]<\/p>\n<p>[&#8230;] Die Aufgabe, die auf einen k\u00fcnftigen Pr\u00e4sidenten zukommt, ist mit keiner  zuvor vergleichbar. Das Land hat die mutma\u00dflichen Grenzen seiner  wirtschaftlichen Expansion erreicht. Was ansteht, ist der geordnete  R\u00fcckzug aus dem Wachstumswahn. Sparzw\u00e4nge und Verteilungsk\u00e4mpfe nie  gekannten Ausma\u00dfes werden das Klima in der Bundesrepublik ver\u00e4ndern. Die  Luft wird d\u00fcnner, der Tonfall rauer. Wir wissen nicht, wie lange es  noch Parteien in Deutschland gibt, aber allesamt arbeiten sie ungebremst  an ihrem Verschwinden. Die Wahlbeteiligungen sinken dramatisch, das  Ansehen unserer Politiker ist auf dem Tiefstand. [&#8230;]<\/p>\n<p>[&#8230;] Das Risiko dabei ist offensichtlich: Politik, ebenso wie Wirtschaft, ist  an Voraussetzungen gebunden, die sie nicht selbst erzeugen kann. Wenn  jeder in der Wirtschaft ausschlie\u00dflich zweckrational seine Gewinne  mehrt, wird das Fundament untersp\u00fclt: Vertrauen, Fairness, Augenma\u00df und  Anstand. Die Marktnormen kannibalisieren die Sozialnormen. Und die Folge  sind Wirtschaftskrisen, am Schwarzen Freitag nicht anders als heute.  Die Politik aber, und dies bleibt zumeist unbemerkt, folgt den gleichen  Gesetzen. Sie setzt ein Interesse an der Demokratie voraus, ein  Vertrauen in die Regierenden und die Annahme von Wahrhaftigkeit: dass  ein jeder sich m\u00fcht, nicht zu seinem eigenen Besten, sondern zum Besten  des Landes. Die Zweckrationalit\u00e4t des Regierens jedoch folgt einer ganz  anderen Logik \u2013 das Kanzleramt ist nicht Deutschland. An der Macht zu  bleiben verlangt nicht Wahrhaftigkeit und Fairness. Regieren gebiert  keine Solidarit\u00e4t, sondern sie verzehrt sie. Erneuernde Wechsel, die  mehr sind als ein \u00bbWeiter so!\u00ab unter anderen Fahnen, sind deshalb  unumg\u00e4nglich. [&#8230;]<\/p><\/blockquote>\n<p>Wenn R\u00fccksichtslosigkeit und egozentrische Selbstverwirklichung das moderne Credo darstellen, dann kann es nicht verwundern, dass auch die zuk\u00fcnftige \u201eintellektuelle Elite\u201c oft einen eindimensionalen, karrierefixierten und eigennutzenmaximierenden Weg einschl\u00e4gt. Auf Spiegel Online schildert <strong>Klaus Werle<\/strong> in \u201e<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/unispiegel\/jobundberuf\/0,1518,675629,00.html\"><strong>Karriere, Karriere, Knick<\/strong><\/a>\u201c den bedr\u00fcckend flachen geistigen Horizont der heutigen Studentengeneration:<\/p>\n<blockquote><p>Studenten machen sich selbst zum passgenauen Firmenfutter.  Ultra-pragmatisch perfektionieren sie ihre Lebensl\u00e4ufe, straff, stur,  strategisch. Doch bei allem Ehrgeiz vergessen sie das Wichtigste:  Manchmal sind die krummen Wege die geraden. [&#8230;]<\/p>\n<p>[&#8230;] Aber profitieren auch die Studenten selbst? Zumindest glauben es viele;  die Optimierung der Bildung haben sie l\u00e4ngst verinnerlicht. &#8220;Alles Tun  wird auf die eigene Marktg\u00e4ngigkeit, die Verwertbarkeit im Lebenslauf  hin abgeklopft&#8221;, so Jugendforscher Hurrelmann. Anna-Lena sagt: &#8220;Wir sind  schon eine ichbezogene Generation. Jeder will in Rekordzeit, mit  Rekordnoten durch die Uni. Manchmal frage ich mich, wie ich das Pensum  noch steigern soll, wenn ich im Beruf bin.&#8221; Ironisch schaut sie auf ihre  schmale Festina-Uhr, als sei es deren Schuld, dass der Tag nur 24  Stunden hat. [&#8230;]<\/p>\n<p>[&#8230;] Woran es fehlt, sind Menschen mit K\u00f6pfchen und Neugier. Die mit  Kreuzungen, Sackgassen und Umleitungen umgehen k\u00f6nnen &#8211; nicht nur mit  Einbahnstra\u00dfen. Die mit individuell Besonderem statt mit  Mainstream-Wissen \u00fcberzeugen. Das lernt man nicht, indem man einen  normierten Ausbildungskanon im Rekordtempo absolviert. [&#8230;]<\/p><\/blockquote>\n<p>Morgen geht es weiter mit Teil 2.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/37f9bd9da9914e7c935f0eebf2cf8f5f\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n<h3 class='related_post_title'>Verwandte Beitr\u00e4ge:<\/h3><ul class='related_post'><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=8870\" title=\"Lesetipps: \u201eDie Diktatur des Lebenslaufs\u201c \/ \u201eWelch hoffnungsloses Menschenbild!\u201c \/ Feuchte Luft und Hundekot k\u00f6nnen Strom liefern\">Lesetipps: \u201eDie Diktatur des Lebenslaufs\u201c \/ \u201eWelch hoffnungsloses Menschenbild!\u201c \/ Feuchte Luft und Hundekot k\u00f6nnen Strom liefern<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=15404\" title=\"Mein Leben als Werbefl\u00e4che: Youtube und die Generation Z\">Mein Leben als Werbefl\u00e4che: Youtube und die Generation Z<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=15332\" title=\"Gef\u00e4hrliche Geheimnisse \u2013 Das Freihandelsabkommen\">Gef\u00e4hrliche Geheimnisse \u2013 Das Freihandelsabkommen<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=15307\" title=\"Reklame an Schule \u2013 Markenindoktrination schon bei den Kleinen\">Reklame an Schule \u2013 Markenindoktrination schon bei den Kleinen<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=15214\" title=\"Adbusting: Schmiererei oder Konsumkritik?\">Adbusting: Schmiererei oder Konsumkritik?<\/a><\/li><\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aktuell findet die 10. 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