{"id":7607,"date":"2010-05-10T10:05:18","date_gmt":"2010-05-10T08:05:18","guid":{"rendered":"http:\/\/konsumpf.de\/?p=7607"},"modified":"2010-10-28T12:54:23","modified_gmt":"2010-10-28T10:54:23","slug":"was-ist-mit-werbung-nicht-in-ordnung-what%e2%80%99s-wrong-with-advertising-teil-2-eindringeneinmischung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/konsumpf.de\/?p=7607","title":{"rendered":"Was ist mit Werbung nicht in Ordnung? (What\u2019s wrong with advertising?) Teil 2: Eindringen\/Einmischung"},"content":{"rendered":"<p>Heute setze ich endlich meine \u00dcbersetzung der Texte von <strong>Prof. Hugh Rank<\/strong> von der <strong>Governors State University<\/strong> in Illinois fort, in denen es um <a href=\"http:\/\/www3.govst.edu\/h-rank\/\">Persuasion Analysis<\/a>, und darin speziell um Werbung geht. <a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=3512\">Teil 1 war ein \u00dcbersichtsartikel<\/a>, der die vielen m\u00f6glichen Kritikpunkte an Werbung auflistete. Im heutigen Artikel geht es um den ersten Punkt \u2013 \u201e<a href=\"http:\/\/www3.govst.edu\/h-rank\/Advertising\/Wrongs\/intrusion.htm\"><strong>Eindringen\/Einmischung (\u201e&#8230; zu viele Anzeigen\u201c)<\/strong><\/a>\u201c.<\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"font-family: arial; font-size: x-small;\"><span style=\"font-size: medium;\"><strong><span style=\"color: #990000;\">Was ist mit Werbung nicht in Ordnung?<em><br \/>\nEindringen\/Einmischung<\/em><\/span><em> <\/em><\/strong><\/span><em> <\/em><\/span><\/p>\n<p>Viele Menschen beklagen sich \u00fcber das nervige Eindringen von Werbung in \u201eihre Zeit\u201c, weil Anzeigen permanent ihr Fernsehprogramm unterbrechen: \u201ezu viel, zu oft, zu viel Reklame\u201c.<\/p>\n<p><em>\u201eDas wachsende Eindringen von Marketing und Werbung hat zu einem \u00fcbers\u00e4ttigten Markt gef\u00fchrt und hebt den Widerstand der Konsumenten auf ein Allzeit-Hoch&#8230;\u201c<\/em> (<a href=\"http:\/\/www3.govst.edu\/h-rank\/Assets\/PDF_files\/Yankelovich.pdf\">Yankelovich Report<\/a>, April 2004)<\/p>\n<hr \/>\n<div id=\"attachment_7628\" style=\"width: 270px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.pixelio.de\/details.php?image_id=361173&amp;mode=search\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7628\" class=\"size-medium wp-image-7628\" title=\"tsq\" src=\"http:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/tsq-300x202.jpg\" alt=\"tsq\" width=\"260\" height=\"175\" srcset=\"https:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/tsq-300x202.jpg 300w, https:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/tsq.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 260px) 100vw, 260px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-7628\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 O. Fischer, pixelio<\/p><\/div>\n<p>Typische Kommentare von <strong>Studenten<\/strong> \u00fcber die Zudringlichkeit von (TV-)Werbespots:<\/p>\n<p>\u201e&#8230; zu viele Spots&#8230; sie unterbrechen das Spiel&#8230; wiederholen sich zu sehr&#8230; Sie spielen die selben Werbeclips immer wieder und wieder&#8230; Man kann ein gutes Fernsehprogramm nicht genie\u00dfen, wenn man andauernd unterbrochen wird&#8230; Werbung nervt einen die ganze Zeit&#8230; Werbung nimmt zu viel Platz ein&#8230; Reklame nimmt zu viel Zeit innerhalb eines Programms in Anspruch&#8230; Ich habe Kabelfernsehen, um Werbung zu vermeiden, aber sie ist immer noch da&#8230; zu lang&#8230; sie unterbrechen das Programm immer an den interessanten Stellen&#8230; gerade wenn der Film spanennd wird&#8230; Werbung ist zu laut&#8230; die selben Spots werden so oft wiederholt, bis man sie nicht mehr ertragen kann&#8230; ein Gro\u00dfteil meiner E-Mails besteht aus Spam&#8230; Firmen geben zu viel Geld f\u00fcr Werbung aus&#8230; Ich hasse diese langen Infomercials&#8230; Werbung ist \u00fcberall&#8230; Es werden so viele Werbespots hintereinander gebracht, dass man vergisst, worum es in der Sendung \u00fcberhaupt ging&#8230; Radiowerbung ist langweilig, wenn ich darauf warte, Musik zu h\u00f6ren&#8230; \u00dcbers\u00e4ttigung&#8230; Ich f\u00fchle mich von Werbung \u00fcberschwemmt&#8230; Eindringen in mein Privatleben&#8230; Sie ist \u00fcberall&#8230;\u201c<\/p>\n<hr \/>\n<p>Viele dieser Klagen sind naiv, egozentrisch und fu\u00dfen auf Ignoranz, auf einem fehlenden Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, dass:<\/p>\n<p>\u2013 Kommerzfernsehen der Hauptmarktplatz unserer Gesellschaft ist.<br \/>\n\u2013 Fernsehprogramme haupts\u00e4chlich deshalb existieren, um Werbetreibenden ein Publikum zu bieten.<br \/>\n\u2013 \u201eWer die Band bezahlt, bestimmt die Musik.\u201c<\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"font-size: x-small;\"><strong><span style=\"color: #990000; font-size: medium;\">Verstopfung\/Zum\u00fcllung<\/span><\/strong> <\/span><\/p>\n<p>Auch Werbetreibende machen sich Sorgen \u00fcber \u201ezu viele Anzeigen\u201c. Aber sie bef\u00fcrchten eher, dass ihre Werbung, ihr Produkt, in der Verstopfung durch all die anderen Anzeigen untergeht. Vor dem Amtsantritt von Ronald Reagan gab es eine Verordnung, die die maximal zul\u00e4ssige Sendezeit von Werbung begrenzte. Dann wurden diese Beschr\u00e4nkungen aufgehoben. Heutzutage k\u00f6nnen Fernsehstationen so viel Werbung senden wie sie wollen, beschr\u00e4nkt nur durch die Gefahr, ihre Zuschauer zu verlieren.<\/p>\n<p>Deshalb hat bis zum Jahr 2000 die Sendezeit f\u00fcr Werbung auf inzwischen 13 Minuten (25\u201330 Spots) pro Stunde in der Hauptsendezeit zugenommen. Andere Programme mit einem \u201egefesselteren Publikum\u201c (wie Samstagvormittags-Kindersendungen und Sp\u00e4tfilme) weisen noch mehr Spots pro Stunde auf. Wenn Sie 7 Stunden Fernsehen am Tag schauen (wie Nielsen es f\u00fcr die \u201eDurschnittsfamilie\u201c herausfand) sehen Sie t\u00e4glich \u00fcber 182 Werbespots (7 x 13 Minuten = 91 Minuten x 2 durch 30 Spots = 182).<\/p>\n<p><strong>Zum Zeitpunkt seines Grundschuleintritts hat ein 6j\u00e4hriges Kind in Amerika bereits \u00fcber eine Viertelmillion an Werbebeitr\u00e4gen im Fernsehen geschaut.<\/strong><\/p>\n<p>Mehr \u00fcber diese Zum\u00fcllung finden Sie im 2005er PBS-Programm \u201e<a href=\"http:\/\/www3.govst.edu\/h-rank\/Advertising\/Wrongs\/pbs_transcript.htm\">Frontline \u2013 The Persuaders<\/a>\u201c.<\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"font-size: medium;\"><strong><span style=\"color: #990000;\">Ausma\u00df an Toleranz<\/span> <\/strong><\/span><strong> <\/strong><\/p>\n<p>Menschen ertragen mehr Anzeigen in Printmedien (Zeitungen und Zeitschriften), weil sie die Anzeigen leichter \u00fcberfliegen und so diejenigen, die sie nicht interessieren, \u00fcberbl\u00e4ttern k\u00f6nnen. Au\u00dferdem suchen sich manche Leute gewisse Zeitschriften (Modehefte, Hochzeitsmagazine, Kochen, Dekoration) und lokale Zeitungen speziell wegen der Anzeigen darin aus.<\/p>\n<p>Zuschauer tolerieren Werbung eher im <strong>kommerziellen Fernsehen<\/strong> (wo sie Kommerz erwarten) als im Kabelfernsehen oder auf \u00f6ffentlich-rechtlichen Sendern. Zu Beginn waren alle kommerziellen Fernsehsender in den USA \u201efrei\u201c f\u00fcr die Zuschauer (finanziert durch Werbung), anders als in anderern L\u00e4ndern, wo eine j\u00e4hrliche Geb\u00fchr erhoben wird, um werbefreies Fernsehen zu finanzieren. Als das Kabelfernsehen aufkam, versprach es seinen bezahlenden Kunden werbefreie Spezialprogramme, doch bald erschienen Reklamespots auch auf den meisten dieser Sender.<\/p>\n<p>Zu Beginn des \u00f6ffentlich-rechtlichen Fernsehens (und Radios) waren diese werbefrei (finanziert durch parteienneutrale Regierungsstellen). Doch schon bald \u201ezwangen\u201c die Politik und Unterfinanzierung die Sender, auch Gelder von Firmen-\u201esponsoren\u201c zu akzeptieren, die viele \u201eweiche\u201c, \u201eWohlf\u00fchl\u201c-Anzeigen schalteten und solche, die das Konzernimage st\u00e4rken sollten. (Wie k\u00f6nnen Sie sich \u00fcber die \u00d6lfirmen aufregen, wenn sie so ein gutes Programm sponsorn?) Zuerst zielte solche Werbung nur auf Erwachsene ab (Sonntagmorgens, Talkshows), aber nun attackieren viele Sponsoren Vorschulkinder in ihren Kinderprogrammen; z.B. die Juicy-Juice \u201eWohlf\u00fchl\u201c- und Markenerkennungs-Spots, so dass 4- oder 5j\u00e4hrige, die mit ihrer Mutter einkaufen gehen, diese Produkte w\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Leute ertragen Werbung, die in Filmen eingebettet ist (\u201eProduct Placement\u201c), eher in Hintergrundszenen als in Gro\u00dfaufnahmen, wenn der Filmheld eine Dose eines Softdrinks hochh\u00e4lt, die von dem Konzern produziert wird, der beides (Filmstudio &amp; Getr\u00e4nkeproduktion) besitzt.<\/p>\n<p>Pop-Ups und blinkende Werbebanner im Online-Bereich entwickeln sich rasch zu der st\u00f6rendsten Form des Eindringens der Werbung.<\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"font-size: medium;\"><strong><span style=\"color: #990000;\">Allgegenwart<\/span><\/strong> <\/span><\/p>\n<p>Werbung ist praktisch \u00fcberall in unserer Gesellschaft. Man kann Reklame nicht ausweichen.<em> [Anm. PM: Zwar nicht komplett, aber einen Gro\u00dfteil der Kommerzpropaganda kann man schon aus seinem Leben verbannen: kein Privat-TV oder -Radio, Adblocker im Browser, keine werbefinanzierten Zeitschriften, kein Flanieren in Shopping-Centern.]<\/em> Werbung wird nicht verschwinden.<\/p>\n<p>Beispiele f\u00fcr viele neue Techniken finden Sie hier: \u201e<a href=\"http:\/\/www3.govst.edu\/h-rank\/Advertising\/ABCs\/zapping.htm\">Zipping and zapping ads works with VCRs, but not in reality<\/a>\u201c (Wegzappen von Werbung geht beim Videorecorder, aber nicht im realen Leben)<\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"font-size: medium;\"><strong><span style=\"color: #990000;\">Ger\u00e4uschbel\u00e4stigung<\/span><\/strong> <\/span><\/p>\n<p>Gl\u00fccklicherweise gibt es in den meisten amerikanischen St\u00e4dten Gesetze gegen Lastwagen, die mit ihren pl\u00e4rrenden Lautsprechern umher fahren, aber diese Wagen sind in anderen L\u00e4ndern ohne solch strengen Gesetze oder Konsumentenschutz, durchaus \u00fcblich.<\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"font-size: medium;\"><strong><span style=\"color: #990000;\">Visuelle Verschmutzung<\/span><\/strong> <\/span><\/p>\n<p>Im Jahre 1965 leitete die Frau von Pr\u00e4sident Lyndon Johnson (Lady Bird Johnson) eine Kampagne f\u00fcr den \u201eHighway Beautification Act\u201c, um die 600.000 Plakatw\u00e4nde loszuwerden, die schnell am Rande des neuen Interstate-Autobahnnetzes entstanden waren. Unter gro\u00dfem \u00f6ffentlichen Druck verabschiedete der Kongress schlie\u00dflich das Gesetz.<\/p>\n<p>Aber nachdem das \u00f6ffentliche Interesse wieder eingeschlafen war, \u00fcberzeugten die Werbetafel-Lobbyisten im Stillen gen\u00fcgend Mandatstr\u00e4ger, um den Etat zu begrenzen, der jedes Jahr n\u00f6tig war, um den Besitzern der existierenden Plakatw\u00e4nde die \u201eEntsch\u00e4digung\u201c zu zahlen. Deshalb stehen auch 40 Jahre sp\u00e4ter noch \u00fcber 200.000 Plakatw\u00e4nde an den Stra\u00dfen.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">Viele St\u00e4dte verkaufen heutzutage Werbefl\u00e4che (B\u00e4nke, Bushaltestellen) und \u201eSponsor\u201crechte f\u00fcr \u00f6ffentliche Erholungseinrichtungen, und erlauben so das zeitweise Aufstellen von Plakaten und Werbebanner bei Konzerten, Festivals, Rennen oder jeglicher Versammlung gr\u00f6\u00dferer Menschenmengen im \u00f6ffentlichen Raum.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\">In den Schulen verspricht Channel One seinen Werbekunden, dass sie keine \u00dcberf\u00fcllung zu bef\u00fcrchten habe, keine andere Werbung, im wertvollen \u201eTagesteil\u201c (9 Uhr morgens bis 3 Uhr nachmittags), w\u00e4hrend sie ein Zielpublikum von \u00fcber 8 Millionen Sch\u00fclern in 15.000 Schulen liefern. <em>[Anm. PM: Zum Gl\u00fcck gibt es inzwischen immer mehr Initiativen an Schulen, die diesen Sender aus dem Unterricht verbannen.]<\/em><br \/>\n<\/span><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/5bb5b0ae7eb44a8f984c2c5a74237722\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n<h3 class='related_post_title'>Verwandte Beitr\u00e4ge:<\/h3><ul class='related_post'><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=3512\" title=\"Was ist mit Werbung nicht in Ordnung? (What&#8217;s wrong with advertising?) Teil 1\">Was ist mit Werbung nicht in Ordnung? (What&#8217;s wrong with advertising?) 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