{"id":7217,"date":"2010-03-15T09:53:29","date_gmt":"2010-03-15T08:53:29","guid":{"rendered":"http:\/\/konsumpf.de\/?p=7217"},"modified":"2010-11-13T18:20:35","modified_gmt":"2010-11-13T17:20:35","slug":"la-law-%e2%80%93-wie-hollywood-unser-rechtssystem-formt-teil-12","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/konsumpf.de\/?p=7217","title":{"rendered":"L.A. Law \u2013 Wie Hollywood unser Rechtssystem formt, Teil 1\/2"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/business_law.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7256\" title=\"business_law\" src=\"http:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/business_law.jpg\" alt=\"business_law\" width=\"227\" height=\"151\" \/><\/a>Dass Fernsehen mehr ist als nur blo\u00dfe Unterhaltung und Zerstreuung, sondern massiven Einfluss auf das gesellschaftliche Leben aus\u00fcbt, sollte inzwischen jedem klar sein. Nicht nur werden politische Meinungen und Diskurse beeinflusst, Themen aufgebauscht oder unter der Decke gehalten, auch sorgen Reklame oder uns\u00e4gliche Shows wie Germany\u2019s Next Top Model f\u00fcr das Verbreiten und Aufrechterhalten stupider Klischees und kranker Sch\u00f6nheitsideale im Zeitalter von zu Tode gephotoshoppten Models. Gewisse Lebens- und Konsumstile oder auch Lebensentw\u00fcrfe werden als Vorbild und nachahmenswert dargestellt, andere wieder diffamiert und der L\u00e4cherlichkeit preisgegeben. Dass aber die Rechtssprechung durch Serien wie L.A. Law nicht unber\u00fchrt bleibt, war mir bis zur Lekt\u00fcre des Artikels \u201e<strong>L.A. Law: How Hollywood is shaping our legal system<\/strong>\u201c von <strong>Julie Scelfo<\/strong> (erschienen in McLaren\/Torchinsky: \u201e<a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=6386\">Ad Nauseam: A Survivor&#8217;s Guide to American Consumer Culture<\/a>\u201c) auch nicht bewusst \u2013 das Ganze klingt teilweise ganz sch\u00f6n kr\u00e4nk und auch reichlich bedenklich. Ich m\u00f6chte Euch den Text, der <a href=\"http:\/\/www.stayfreemagazine.org\/archives\/18\/sherwin.html\">urspr\u00fcnglich im Stay Free Magazine #18 (2001) unter dem Titel \u201eWhen law goes Pop\u201c erschien<\/a>, deshalb als \u00dcbersetzung pr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<p><strong>L.A. Law: Wie Hollywood unser Rechtssystem formt<\/strong><\/p>\n<p><em>Interview mit Richard Sherwin<\/em><\/p>\n<p>Auf seinem B\u00fcrosofa unter einem Poster von Andy Warhols Tomatensuppe sitzend, wirkt Richard Sherwin ganz ruhig. Trotz der Tatsache, dass sein aktuelles Buch <em>When Law Goes Pop: The Vanishing Line Between Law and Popular Culture<\/em> (The University of Chicago Press) die Aufl\u00f6sung des amerikanischen Rechtssystem beschreibt, ist Sherwin \u00fcberzeugt, dass es eine L\u00f6sung gibt. An einem tr\u00fcben Novemberabend traf ich den Jura-Professor in der New Yorker Law School, um mit ihm die Verbindung zwischen Wahrheit, Gerechtigkeit und dem Kino zu diskutieren.<\/p>\n<p><em>Julie Scelfo (J.S.:): Gab es ein spezielles Ereignis, das Sie dazu inspirierte, das Buch zu schreiben?<\/em><\/p>\n<p>Richard Sherwin (R.S.): Ich zeigte meinen Studenten Erroi Morris Film <em>The Thin Blue Line<\/em>, welcher als Dokumentation eingestuft ist. Er benutzt reale Parteien in einem realen schweren Mordfall. Sie sehen den Angeklagten Rendal Dale Adams, den realen Richter, die realen Anw\u00e4lte und die realen Zeugen. Es sind direkte Einzelinterviews mit all diesen Personen.<\/p>\n<p>Randal Dale Adams war ein S\u00fcndenbock, der in einem korrupten Rechtssystem von Dallas, welches der Film enttarnt, gefangen ist. Bevor ich ihn meinen Studenten zeigte, bat ich sie darum, all die Formfehler zu finden, die wir zusammen erarbeitet hatten. Sie liebten es und es ergab sich tats\u00e4chlich ein guter \u00dcberblick \u00fcber verschiedene Fehler, die in dem Gerichtssaal stattfanden. Aber als ich den Film einige weitere Male betrachtete, begann ich all das fiktionale Material zu bemerken, das Morris benutzte: alle m\u00f6glichen Formen von Wiederholungen, \u00dcberblendungen und nicht zuletzt der hypnotische Soundtrack von Philip Glass&#8230; Und das ist vor allem deshalb interessant, wenn man sich bewusst macht, dass Morris\u2019 Film eine Revision des Falles bewirkte. Randal Dale Adams wurde am Ende aus dem Gef\u00e4ngnis entlassen.<\/p>\n<p><em>J.S.: Der Film bewirkte seine Freilassung?<\/em><\/p>\n<p>R.S.: Nun, der Film war der Impulsgeber daf\u00fcr, den Fall wieder aufzurollen. Wenn Errol Morris diesen Film nicht gedreht\u00a0 h\u00e4tte, s\u00e4\u00dfe Randal Dale Adams vermutlich immer noch in einem Gef\u00e4ngnis in Dallas. Und vielleicht war es auch im Sinne der Justiz, dass dieser Film damit am Ende zu Adams Freilassung f\u00fchrte. Was ich auf jeden Fall spannend fand, war, dass in Morris\u2019 Film jede Menge manipulativer Techniken, fiktionaler Kunstgriffe vorkommen, die dazu benutzt wurden, einen Rechtsspruch zu machen.<\/p>\n<p><em>J.S.: Etwas, das mich in Ihren Buch erstaunt hat, war das Ausma\u00df, in dem Rechtssprechung in die Popul\u00e4r-Kultur eingesickert ist. Juristische Geschichten haben lange Zeit, nicht nur das Fernsehen sondern davor auch Film und Theater dominiert. Wie kommt das? Was macht Rechtssprechung so passend f\u00fcr popul\u00e4re Kultur und f\u00fcrs Geschichtenerz\u00e4hlen?<\/em><\/p>\n<p>R.S.: Nun, zum einen ist es dramatisch. Die grundlgende Struktur zweier gegnerischer Parteien bewirkt eine nat\u00fcrliche Spannung, wie die Perry Mason-Formel, der gro\u00dfe H\u00f6hepunkt der Entdeckung im Gerichtsstand \u2013 \u201eAha! DAS ist der Schuldige! Nicht mein Klient!\u201c Au\u00dferdem befasst sich Recht mit den brutalsten und extremsten Verhaltensweisen. Dies spricht nat\u00fcrlich unsere niederen Gel\u00fcste und unseren Voyeurismus an.<\/p>\n<p><em>J.S.: Nicht jeden Tag gibt es einen O.J. Simpson-Prozess. Denken Sie, dass Richter in den Gerichtsaal gehen und dort das gleiche Niveau an Drama erwarten, das sie vom Fernsehen und den Medien geliefert bekommen?<\/em><\/p>\n<p>R.S.: Ich habe keine wissenschaftliche Studie, aber was Menschen von der Rechtssprechung durch die ihnen zur Verf\u00fcgung stehenden Informationswege erfahren, ist stark verzerrt. Wenn Sie beispielsweise <em>Court TV<\/em> einschalten, so behaupten sie, dies sei \u201eRechtssprechung ohne Drehbuch\u201c. Sie stellen sich selbst als ein Fenster zur realen Rechtssprechung dar. Aber nat\u00fcrlich ist es das nicht, es ist Fernsehen. Wenn Sie die Art der F\u00e4lle, die in Court TV erscheinen, betrachten, folgen sie den selben dramatischen Mustern, die auch sonst im TV erfolgreich sind. Sie sind unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gewaltt\u00e4tig, in der Regel handelt es sich um Mordf\u00e4lle oder grausame Sexualverbrechen.<\/p>\n<p><em>J.S.: Wie Law and Order: Special Victims Unit. Es beschleunigte den Kitzel der urspr\u00fcnglichen Show.<\/em><\/p>\n<p>R.S.: Ja. Sobald Sie auf der Basis dieses Strickmusters drehen, haben Sie keine andere Wahl als regelm\u00e4\u00dfig die St\u00e4rke des Reizes zu erh\u00f6hen. Sogar in Russland \u2013 ich las heute \u00fcber Nachrichtensendungen, in denen die Interviewer nackt sind. Ich denke, Fernsehen neigt dazu, die Zuschauer davon abzubringen, sich gro\u00dfartig Gedanken \u00fcber das zu machen, was sie sehen, oder \u00fcberhaupt viel Inhalt aufzunehmen. Und die Gefahr, die ich sehe, liegt darin, dass Sie, wenn Sie die \u00c4sthetik der Fernsehunterhaltung in den Gerichtssaal bringen,\u00a0 die gleichen Muster an emotionaler Provokation und Gef\u00fchl und Belohnung nehmen, die man sonst auf dem Bildschirm sieht. Und das ist eine Form der \u00dcberzeugung die dazu neigt, Abw\u00e4gungen einzuebnen.<\/p>\n<p>Ich habe nichts gegen Unterhaltung und ich mag Popkultur, aber ich mache mir Sorgen, wenn die Rechtssprechung ein Synonym f\u00fcr Unterhaltung wird, so dass man nur \u00fcberzeugen kann, wenn man gleichzeitig unterh\u00e4lt.<\/p>\n<p><em>J.S.: K\u00f6nnten Sie uns den Gedanken der Rechtssprechung, die Pop wird (\u201eThe Law going Pop\u201c), erl\u00e4utern?<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/hammersche.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-7257\" title=\"hammersche\" src=\"http:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/hammersche.jpg\" alt=\"hammersche\" width=\"237\" height=\"158\" \/><\/a>R.S.: Der Titel funktioniert auf verschiedenen Ebenen. Auf der einen Seite spreche ich an, was es hei\u00dft, dass Rechtssprechung und Popkultur sich ann\u00e4hern. Popkultur hilft dabei, Rechtsvorstellungen zu erschaffen. Das f\u00fchrt zu etwas, was man vielleicht \u201ePop Law\u201c nennen k\u00f6nnte. Man sollte es sehr skeptisch sehen, was passiert, wenn das Recht zu sehr von der Popkultur angezogen wird, wenn es zu sehr wie Fernsehen und Reklame wirkt. Dann gibt es die Assoziation zur Pop Art. Andy Warhol und die Pop-Art-Bewegung waren ihrer Zeit weit voraus, wenn sie davon sprachen, wie die Kultur zu einer Ware geworden ist und was es hei\u00dft, Bilder \u00fcber Massenmedien zu verbreiten, die sich dann komplett von der Lebensrealit\u00e4t abkoppeln. Und schlie\u00dflich spiele ich auch auf das an, was passiert, wenn man mit einer Nadel in einen Ballon sticht \u2013 es macht \u201epop\u201c. Die gr\u00f6\u00dfte Bedrohung f\u00fcr die Rechtssprechung ist der Verlust ihrer Legitimation, \u00f6ffentliche Entt\u00e4uschung.<\/p>\n<p><em>J.S.: Denken Sie, dass die Rechtssprechung zu einer Handelsware geworden ist?<\/em><\/p>\n<p>R.S.: Fraglos ist es so. Juristisches war immer schon im Fernsehen und in Filmen pr\u00e4sent, aber nun haben wir zus\u00e4tzlich noch Sachen wie <em>Court TV, Divorce Court<\/em> und <em>Power of Attorney<\/em>, wo reale Anw\u00e4lte zu Stars werden. Diese Schilderung des Rechtssystems durch das so genannte \u201eReality\u201c-Fernsehen wird noch heimt\u00fcckischer dadurch, dass diejenigen, die sich diese Sendungen anschauen, ein bestimmtes Gef\u00fchl daf\u00fcr verinnerlichen, was Recht wirklich ist.<\/p>\n<p><em>J.S.: Hei\u00dft dass, dass die Eindr\u00fccke, die Zuschauer durch das Fernsehen dar\u00fcber bekommen, wie die Rechtspechung l\u00e4uft, einen Einfluss auf die Urteile haben, die sie machen, wenn sie als Geschworene t\u00e4tig werden?<\/em><\/p>\n<p>R.S.: Absolut. Es ist wie eine Feedbackschleife: Menschen, die ihr juristisches Wissen durch die Medien erlangen, bilden gewisse Erwartungen, wie Recht funktioniert und bringen diese Erwartungen in den Gerichtssaal. Strafverteidiger m\u00fcssen die Erwartungen der Leute erf\u00fcllen, und deshalb neigen sie dazu, die Form der Kommunikation, die die Menschen (aus dem TV) gewohnt sind, nachzuahmen.<\/p>\n<p><em>J.S.: Haben Sie ein paar Beispiele daf\u00fcr, wie Anw\u00e4lte ihre T\u00e4tigkeit ver\u00e4ndert haben, um sie an die Erwartungen der Geschworenen anzupassen?<\/em><\/p>\n<p>R.S.: Eine der wichtigsten \u00c4nderungen ist die Einf\u00fchrung von visuellen Medien in den Gerichtssaal. Der typische Gerichtssaal ist heutzutage oft mit Fernsehmonitoren best\u00fcckt. Es ist ein normaler Teil unseres Lebens, Informationen vom Bildschirm zu bekommen. Avi Stachenfeld in Oakland, Kalifornien, war einer der fr\u00fchesten Anwalts-Filmemacher, der visuelle Medien f\u00fcr Anw\u00e4lte bereit stellte. Er sagte, er wusste, dass er etwas Gro\u00dfem auf der Spur war, als er bemerkte, dass die meisten Leute in einem Gerichtssaal, vor die Wahl gestellt, das Geschehen live zu verfolgen oder auf einem Monitor sich f\u00fcr den Monitor entschieden.<\/p>\n<p><em>J.S.: Genauso wie einige Leute Fernseher zu einem Fu\u00dfballspiel mitnehmen?<\/em><\/p>\n<p>R.S.: Das stimmt. Und Geschworene haben in modernen Gerichtss\u00e4len mittlerweile oft ihre eigenen Bildschirme. Eidliche Aussagen werden auf dem Monitor verfolgt. Aussagen von Personen via \u00dcbertragung werden immer \u00fcblicher. Und wenn sie auf dem Bildschirm erscheinen, m\u00fcssen sie den Verhaltensnormen gehorchen, an die wir uns alle gew\u00f6hnt haben.<\/p>\n<p><em>J.S.: In Ihrem Buch nennen Sie dies \u201eMedien-Logik\u201c.<\/em><\/p>\n<p>R.S.: Denken Sie an heutige Politik. Sie ist ein gutes Beispiel daf\u00fcr, wohin unsere Rechtssprechung steuert. Was sehen wir? Sehr schnelle Bilder, die die gleichen \u00dcberzeugungstechniken benutzen wie wir dies von Werbetreibenden kennen. Das kurze Soundfragment. Die schnell geschnittenen Bilder. Denken Sie an Ronald Reagans Kampagnen-Video aus dem Jahre 1980. Seitdem hat sich jeder Pr\u00e4sidentschaftskandidat gezwungen gesehen, eine eigene Version zu erstellen.<\/p>\n<p><em>J.S.: In einem Wall Street Journal-Artikel erkl\u00e4rt ein Anwalt, wie er seine Anw\u00e4lte Stimmtraining durchlaufen l\u00e4sst, so dass sie Aussagen im gleichen Tonfall wie ein Nachrichtensprecher vortragen k\u00f6nnen.<\/em><\/p>\n<p>R.S.: Richtig. Mir haben Richter erz\u00e4hlt, dass zu der Zeit, als L.A. Law auf dem Popularit\u00e4tsh\u00f6hepunkt war, sie nicht nur erwarteten, dass sich Anw\u00e4lte so kleideten, sondern sie erwarteten auch Zweieinhalbminuten-Zusammenfassungen. Sie wissen schon: \u201eLasst uns das peppig r\u00fcberbringen.\u201c Aber was geschieht, wenn Sie Sachen auf den Bildschirm bringen? Sie unterwerfen sich der Bildschirm\u00e4sthetik, Sie m\u00fcssen Dinge unter Zuhilfenahme visueller Produktionsverfahren darbieten, und das ver\u00e4ndert alles. Es ver\u00e4ndert die Politik, es ver\u00e4ndert den Journalismus, es ver\u00e4ndert die Rechtssprechung.<\/p>\n<p><em>J.S.: Ein paar gute Beispiele?<\/em><\/p>\n<p>R.S.: Es gab da einen wirklich gro\u00dfen Prozess in Texas, in dem es um den Vorwurf von Insiderhandel ging. Eine texanische Firma verklagte Kidder-Peabody, eine New Yorker Investmentbank, weil sie glaubte, dass jedes Mal, wenn ein Analyst die Firma in Texas besuchte, er mit Informationen zur\u00fcckkehrte, die in einem pl\u00f6tzlichen Anstieg von Aktienkursen resultierten. Aus diesem Grund hatte das texanische Unternehmen den Eindruck, dass es erheblich mehr Geld f\u00fcr eine \u00dcbernahme zahlen musste als wenn sie diese Informationen nicht preisgegeben h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Die Frage war: \u201eWie macht man solch einen detaillreichen Fall den Sch\u00f6ffen begreiflich?\u201c Avi Stachenfeld kam mit einigen sehr \u00fcberzeugenden visuellen Gimmicks daher. Er benutze eine digitale Landkarte der USA, in der Texas \u00fcberproportional gro\u00df dargestellt war. Es war mit einer texanischen Flagge geschm\u00fcckt, welche in Texas, wo der Fall verhandelt wurde, \u00fcber alle Ma\u00dfen geliebt wird. Also haben Sie diese gro\u00dfe Staatsflagge in der Mitte der Karte, und dann gibt es dort diesen kleinen Staat am nord\u00f6stlichen Ende: New York. Pl\u00f6tzlich kamen die Gesichter des Kidder-Peabody-Teams aus New York herausgeflogen, mit Mike Milken in der Mitte, so dass er wir der Anf\u00fchrer wirkte.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend sehen wir etwas, das aussieht wie die texanische Flagge, die um New York herumfegt, wie ein Lasso. Und wissen Sie was? Das war genau wie in dem popul\u00e4ren Salsa-Werbespot, der damals \u00fcberall im Fernsehen lief. Sie erinnern sich vielleicht \u2013 es ist der, wo diese Cowboys um ein Lagerfeuer sitzen und dieser Koch versucht, ihnen nicht authentische New York Salsa unterzujubeln, und als sie h\u00f6ren, dass es aus New York stammt, rufen die Cowboys \u201eNew York City?!? Holt das Seil!\u201c Und am Ende sieht man, wie der arme Koch am Lagerfeuer gefesselt sitzt.<\/p>\n<p>Was Avi hier getan hatte, war eine Assoziation zu erzeugen \u2013 zu dem bekannten \u201ewir\/sie\u201c-Gegensatz Texas gegen New York. Aber dieser wird nur indirekt angesprochen.<\/p>\n<p><em>J.S.: Also benutze Avi diese Bilder, um eine emotionale Reaktion zu bewirken?<\/em><\/p>\n<p>R.S.: Ja, das Video ruft unausweichlich eine emotionale Reaktion hervor, die auf der unterbewussten Ebene wirkt. Es gibt ein sehr ber\u00fchmtes Video, das statt einer m\u00fcndlichen Zusammenfassung  in einem Prozess mit Price-Waterhouse (Anm. PM: eine gro\u00dfe amerikanische Investmentbank) angeboten wurde. Das Video wurde vom Kl\u00e4ger eingesetzt, der Price-Waterhouse wegen Sorgfaltspflichverletzung verklagte. Das Video versuchte zu sagen: \u201eWir verloren viel Geld, weil Price-Waterhouse es vers\u00e4umte, auf Warnsignale bei der Bank, die sie verfolgten, zu achten.\u201c<\/p>\n<p>In dem Video zeigten sie zun\u00e4chst das Bild der Titanic, wie sie den Hafen verl\u00e4sst, unter R\u00fcckgriff auf Originalmaterial. Die Titanic \u2013 das gr\u00f6\u00dfte Schiff seiner Klasse, Sie kennen den Ruf des unsinkbaren, des gr\u00f6\u00dften, des besten Schiffs. Nun, es sank, nicht wahr? Es sank auf Grund von Sorgfaltspflichtverletzung. W\u00e4hrend des gesamten Videos schnitten die Anw\u00e4lte des Kl\u00e4gers zwischen den Bildern der Titanic und denen der Warnsignale, die die Price-Waterhouse-Buchpr\u00fcfer \u00fcbersahen, hin und her. Interessanter Weise begann diese Zusammenfassung mit dokumentarischem Material, dann schnitt sie zu einem englischen Film aus dem Jahre 1957 mit dem Titel <em>A Night to Remember<\/em>. Nun sehen Sie also den Kapit\u00e4n Warnungen in den Wind schlagen, Sie sehen Wasser in die Unterdecks einbrechen und an einem Punkt sagt der ernste Erz\u00e4hler \u201eunerfahrene Wirtschaftspr\u00fcfer wurden eingesetzt, genau wie bei der Titanic\u201c. Und sie zeigten Matrosen, die aus den Unterdecks hasteten. Dies geschah in Arizona. (also fernab jeder K\u00fcste)<\/p>\n<p><em>J.S.: Und der Richter erlaubte den Einsatz dieses Bandes vor Gericht?<\/em><\/p>\n<p>R.S.: Er tat es, obwohl sie dadurch bei der Revision in Schwierigkeiten gerieten. Aber w\u00e4hrend des Prozess sagte der Richter zu den Anw\u00e4lten, dass, weil dieser Fall so viele Zahlen beinhaltete, er sie dazu einlade, etwas zu bieten, dass die Geschworenen wach halte. Deshalb konnte er das Video nicht so recht ablehnen, weil es genau das erreichte, was er wollte. Tats\u00e4chlich war die Summe, die per Urteil zugesprochen wurde, um die 350 Millionen $. Dies sind also sehr m\u00e4chtige Werkzeuge.<\/p>\n<p><em>&gt;&gt; <a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=7250\">Morgen geht es weiter mit dem zweiten Teil<\/a>!<\/em><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/7a475d787cb0470880c4e90d76ba187f\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n<h3 class='related_post_title'>Verwandte Beitr\u00e4ge:<\/h3><ul class='related_post'><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=7250\" title=\"L.A. Law \u2013 Wie Hollywood unser Rechtssystem formt, Teil 2\/2\">L.A. 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