{"id":6827,"date":"2010-01-25T10:19:00","date_gmt":"2010-01-25T09:19:00","guid":{"rendered":"http:\/\/konsumpf.de\/?p=6827"},"modified":"2010-01-21T18:22:40","modified_gmt":"2010-01-21T17:22:40","slug":"werbung-ist-krieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/konsumpf.de\/?p=6827","title":{"rendered":"Werbung ist Krieg"},"content":{"rendered":"<p>Weil es so perfekt in meinem Blog passt (z.B. zu meiner Serie \u201e<a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=2044\">Werbung schadet<\/a>\u201c), m\u00f6chte ich den neuesten <a href=\"http:\/\/www.egon-w-kreutzer.de\/0PaD2010\/3.html\"><strong>Paukenschlag<\/strong><\/a> von <strong>Egon W. Kreutzer<\/strong> hier (mit freundlicher Genehmigung) in G\u00e4nze ver\u00f6ffentlichen \u2013 der Artikel ist nicht immer ganz unpolemisch, spiegelt aber (deswegen?) sehr gut auch meine Meinung wider!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/1097140_advertise.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-6854 aligncenter\" title=\"1097140_advertise\" src=\"http:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2010\/01\/1097140_advertise.jpg\" alt=\"1097140_advertise\" width=\"300\" height=\"230\" \/><\/a><br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">Werbung ist Krieg<\/span><\/strong><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Arial;\">Eine Frau<\/span><\/strong><span style=\"font-family: Arial;\">,<br \/>\nvielleicht Mitte 30, versucht seit Jahren, immer in der Erk\u00e4ltungszeit, vor fast jeder Nachrichtensendung im \u00f6ffentlich-rechtlichen Fernsehen, uns weiszumachen, sie habe sich infiziert: <strong><em>&#8220;Sp\u00e4testens Morgen hat es mich dann voll erwischt!&#8221;<\/em><\/strong>, sagt sie mit kr\u00e4chzender Stimme &#8211; und ist doch wunderbarerweise am n\u00e4chsten Tag immer noch nicht krank &#8211; sie f\u00fchlt sich nur weiterhin und unerm\u00fcdlich, Tag f\u00fcr Tag &#8220;Voll erwischt.&#8221;<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Arial;\">Ein quietschfideler Herr<\/span><\/strong><span style=\"font-family: Arial;\"> <\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\">im prostatarelevanten Alter tr\u00e4umt nur noch davon, nachts weniger m\u00fcssen zu m\u00fcssen &#8211; doch dann, oh Schreck, platzt bei ihm die Blase. Tagt\u00e4glich. Ekelhaft, auch wenn es nur eine Spruchblase ist. <\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Arial;\">Ein Schwiegervater in spe<\/span><\/strong><span style=\"font-family: Arial;\"> <\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\">h\u00e4lt den Fahrer eines gro\u00dfen Autos, das die Umwelt nach Herstellerangaben um einen Deut weniger belastet als die anderen ganz gro\u00dfen Autos, f\u00fcr einen Hippie, dem er seine Tochter unter keinen Umst\u00e4nden anvertrauen m\u00f6chte.<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Arial;\">Eine Bank<\/span><\/strong><span style=\"font-family: Arial;\"> <\/span><span style=\"font-family: Arial;\">quatscht uns nimmerm\u00fcde zu, mit ihrem Slogan von der Leistung aus Leidenschaft, und verspricht dem umworbenen Anleger sagenhafte 2,5 % Sparzinsen, ohne auch nur mit einer Silbe zu erw\u00e4hnen, dass h\u00f6here Sparzinsen nur deshalb nicht gezahlt werden k\u00f6nnen, weil diese das Renditeziel der Eigent\u00fcmer der Bank, n\u00e4mlich eine Kapitalrendite von 25 Prozent j\u00e4hrlich zu erreichen, gef\u00e4hrden w\u00fcrden.<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Arial;\">K\u00e4se<\/span><\/strong><span style=\"font-family: Arial;\"> <\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\">mit besonders runden Ecken und besonders aromatischer K\u00e4se sowie besonders leichter K\u00e4se und besonders besonderer K\u00e4se wetteifern mit allerlei nat\u00fcrlichen und artifiziellen Brotaufstrichprodukten aller Art um unsere Gunst. <\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Arial;\">Teew\u00fcrste,<\/span><\/strong><span style=\"font-family: Arial;\"> <\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\">Kr\u00e4uterlik\u00f6re und eingelegte Gurken, alles nach uralten Geheimrezepten, und Gefriertorten, von denen &#8211; nicht zu Unrecht &#8211; die Sage geht, keine schmecke <\/span><strong><em><span style=\"font-family: Arial; color: #ff0000;\">so<\/span><\/em><\/strong><span style=\"font-family: Arial;\"> wie diese, wollen gekauft und verzehrt werden.<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Arial;\">Zahncremes,<\/span><\/strong><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\">wohlschmeckende wie antibakterielle, antiplaquetuelle und antiverf\u00e4rbuelle, dazu unl\u00f6sbar haftende Haftcremes, unendlich zarte Handcremes, extrem faltengl\u00e4ttende Tag- und Nachtcremes, versprechen gesunde Sch\u00f6nheit und sch\u00f6nste Gesundheit.<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Arial;\">Papiere von der Rolle,<\/span><\/strong><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\">rei\u00df- und ribbelfest, wunderweich-sanft, holzfrei und chlorfrei gebleicht, verw\u00f6hnen die zarteste Haut ebenso wie  6-fach-federnd gelagerte, tiefergelegte und hinter Gittern eingesperrte Rasierklingen. <\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Arial;\">Sp\u00fcl- und Waschmaschinenchemie<\/span><\/strong><span style=\"font-family: Arial;\"> <\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\">als Tabs, als Perls und als Liquids, f\u00fcr die r\u00fcckstandsfrei radikale und zugleich absolut schonende, ja sogar Farbe, Form und Glanz regenerierende Schmutz- und Fleckentfernung bei allen Temperaturen zwischen 15 und 95 Grad Celsius, versprechen &#8211; gender-mainstreamend &#8211; sowohl h\u00f6chstes Hausmanns- als auch h\u00f6chstes Hausm\u00e4nninnen-Gl\u00fcck.<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Arial;\">Im Briefkasten<\/span><\/strong><span style=\"font-family: Arial;\"> <\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\">vermehren sich die Wurfsendungen der ortsans\u00e4ssigen Filialen aller gro\u00dfen Handelsketten wie von selbst, dazwischen finden sich die Hochglanzprospekte der billigsten Optiker aller Zeiten und der sch\u00e4rfsten Sexshops zwischen Hildesheim und Wanne-Eickel, obendrauf, f\u00fcllig und jede Woche dreimal neu, die aktuellen Sonderangebote der drei oder vier gro\u00dfen Superm\u00e4rkte im Umkreis von 15 Kilometern &#8211; und irgendwo zwischendrin der immer wieder originelle Flyer des Pizza-Homeservices mit dem Kn\u00fcller der Woche: Zur  128&#215;96 cm Mega-Leichenschmauspizza gibt es diesmal &#8211; so lange der Vorrat reicht &#8211; eine 3-Liter- Flasche Lambrusco Landwein, garantiert europ\u00e4ischen Ursprungs, gratis. <\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Arial;\">Im World Wide Web <\/span><\/strong><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\">unterwegs, zwischen blinkenden, aufpoppenden, pl\u00f6tzlich aus den Lautsprechern losdr\u00f6hnenden, der Maus impertinent ausweichenden Werbebotschaften, und zu versuchen, dennoch zum eigentlichen Ziel zu navigieren, ist eine hohe Kunst. Wer sie nicht beherrscht, wird sich immer wieder aufs Neue im Nirwana der Internetwerbung  verlieren.<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">Werbung ist \u00fcberall.<\/span><\/strong><span style=\"font-family: Arial;\"> <\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\">Im Fernsehen, im Rundfunk, in den Tageszeitungen, auf Plakatw\u00e4nden und Litfa\u00dfs\u00e4ulen, sie kriecht aus den Werbebildschirmen an den Bahnh\u00f6fen, springt uns von den Werbebildschirmen in den Wartezimmern der Arztpraxen ebenso an, wie von den als Bande benutzten Werbebildschirmen in den Stadien &#8211; und wenn gerade Saison ist, wuchern an allen Stra\u00dfenecken die Plakatst\u00e4nder der Parteien und lassen die daraufgeklebten Kandidaten hoffnungsfroh ins Volk grinsen.<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Arial;\">Die allermeiste Werbung ist dabei einfach nur doof, zielt mit dem Holzhammer auf archaische Triebe und niedere Instinkte, versucht die Eitelkeit des Kunden auszunutzen und wird, damit sie auch ankommt,  bis zum Erbrechen<br \/>\nwiederholt. <\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Ein kleiner Teil der Werbung bem\u00fcht sich, den potentiellen K\u00e4ufer mit Humor zu \u00fcberlisten. Ein winziger Teil appelliert sogar an die Intelligenz der Zielgruppe, beziehungsweise an das, was die Kreativen in den Agenturen und ihre Auftraggeber daf\u00fcr halten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Werbung, die wahre und vollst\u00e4ndige Informationen \u00fcber das beworbene Produkt transportiert, die neben seinen Vorteilen auch die Nachteile anspricht, die nicht nur den attraktiv erscheinenden Preis, sondern auch die Betriebs- und Folgekosten nennt und einem potentiellen Kunden<br \/>\nauch einmal vom Kauf abr\u00e4t, wenn das Produkt nicht f\u00fcr ihn passt, ist so selten, dass mir lange keine mehr unter die Augen gekommen ist.<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Arial;\">Fakt ist, dass auch noch die fieseste und bl\u00f6deste Werbung, die man uns zumutet, funktioniert.<br \/>\n<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Warum das so ist, hat Vance Packard schon 1957 in seinem vielbeachteten Buch <\/span><em><span style=\"font-family: Arial;\">&#8220;Die geheimen Verf\u00fchrer &#8211; der Griff nach dem Unbewussten in jedermann&#8221;<\/span><\/em><span style=\"font-family: Arial;\"> <\/span><span style=\"font-family: Arial;\">beschrieben. An den wesentlichen Prinzipien, mit deren Hilfe die Werbung den Verstand der Konsumenten ausschaltet oder austrickst, hat sich seitdem nichts ge\u00e4ndert.<\/span><\/p>\n<p>Der gravierende Unterschied zu 1957 ist, dass heute die Reaktionen der Kunden sehr viel schneller, sehr viel besser und pr\u00e4ziser erfasst und ausgewertet werden k\u00f6nnen, als das damals der Fall war, was eine schnelle und gezielte Optimierung der Marketingstrategie und der Werbema\u00dfnahmen erm\u00f6glicht.<\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"font-family: Arial;\">Plakatw\u00e4nde hinter denen  Kameras montiert sind, die die Gesichtsz\u00fcge der Passanten beim Wahrnehmen der Werbung aufnehmen und ihre Bilder an Computer  senden, die diese Reaktionen auswerten,<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Arial;\">Kundenkarten jeder Art, die dem Einzelhandel verraten, wer sich regelm\u00e4\u00dfig mit welchem Mix aus Joghurt, M\u00fcsli, Frischgem\u00fcse und Pr\u00e4servativen oder aus Fertigmen\u00fcs, Pralinen, Cognac und Erotikmagazinen versorgt, und wie sich das Einkaufsverhalten der Karteninhaber infolge neuer Werbebotschaften ver\u00e4ndert &#8211; oder nicht,<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Arial;\">Cookies und Consorten, die jeden Internetuser begleiten, seine Suchanfragen protokollieren, seine Interessen erforschen, seine Eink\u00e4ufe im Netz protokollieren und festhalten, auf welche Reize er anspricht,<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Arial;\">Raffinierte Instrumente zur Erfolgsmessung von Werbebotschaften in Testm\u00e4rkten,<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Arial;\">usw.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Arial;\">usw.<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">alles das erm\u00f6glicht heute eine Feinsteuerung der Werbemittel, die jedem, der sich dieser Mittel und Methoden bewusst ist, gespenstisch erscheinen muss &#8211; denn der Versuch, der allgegenw\u00e4rtigen Werbung zu entkommen, ist &#8211; will man nicht auf eigene Kosten zum Eremiten umschulen &#8211; aussichtslos. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Doch die Erscheinungsformen der Werbung, denen wir tagt\u00e4glich unentrinnbar ausgesetzt sind, sind nur die Spitze des Eisbergs, die Bl\u00fcten der Verlockung. Sie lassen von dem Dschungelkrieg hinter den Kulissen, von dem unerbittlichen Zwang zu immer mehr Werbung, dem fast alle Unternehmen unterliegen, nichts ahnen.<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">Werbung ist Krieg. <\/span><\/strong><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Arial;\">Die Sieger in diesem Krieg gehen als Marktf\u00fchrer vom Schlachtfeld und verdienen sich ab dann dumm und d\u00e4mlich.<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Die Verlierer gehen in Insolvenzen und \u00dcbernahmen, in Gesch\u00e4ftsaufgaben und Totalausverk\u00e4ufen unter. <\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Arial;\">Die Gr\u00f6\u00dfenordnungen<\/span><\/strong><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\">Rund 30 Milliarden Euro flie\u00dfen in Deutschland j\u00e4hrlich in die Werbewirtschaft. Das scheint, gemessen am BIP nicht viel, gerade einmal 1,25 Prozent. Kann dieses bisschen Geld tats\u00e4chlich zur kriegsentscheidenden  Gr\u00f6\u00dfe werden?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Oh ja. Doch zun\u00e4chst einmal gilt es, die wahren Relationen aufzuzeigen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Mit den 30 Milliarden, die in Deutschland j\u00e4hrlich von der Werbewirtschaft verbraten werden, zielen die Wirtschaftsunternehmen nicht auf die volkswirtschaftliche Gesamtleistung, sondern fast ausschlie\u00dflich auf jenen Teil, der den Konsumenten davon als Kaufkraft zur Verf\u00fcgung steht. Das ist weit weniger. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Die Arbeitnehmerentgelte, einschlie\u00dflich der Arbeitgeberbeitr\u00e4ge zur Sozialversicherung machen brutto gerade einmal die H\u00e4lfte des BIP aus. Wenn Steuern und Sozialversicherungsbeitr\u00e4ge sowie die zur\u00fcckflie\u00dfenden Transferleistungen aus dem Steuers\u00e4ckel und aus den Sozialkassen ber\u00fccksichtigt werden, bleiben davon als freie Kaufkraft der Konsumenten noch etwa 800 Milliarden zur Verf\u00fcgung. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Feststehende Ausgaben, wie Miete und Nebenkosten, Zins und Tilgung, langfristig laufende Versicherungsvertr\u00e4ge         mindern das per Werbung erreichbare Nachfragevolumen weiter, w\u00e4hrend es durch die Vergabe neuer Kredite erweitert wird.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Ich gehe in meinen Absch\u00e4tzungen davon aus, dass sich die Gesamtaufwendungen der Werbewirtschaft in Deutschland auf ein Kaufkraftvolumen von rund 600 Milliarden Euro j\u00e4hrlich beziehen. Mag sein, dass es 50 oder 100 Milliarden mehr oder weniger sind &#8211; das ist gar nicht entscheidend. Entscheidend ist, dass das Volumen der Massenkaufkraft von nur zwei Faktoren abh\u00e4ngt, n\u00e4mlich von den Lohnabschl\u00fcssen und vom         Kreditgebaren der Banken, und durch Werbung allenfalls marginal beeinflusst werden kann.<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Arial;\">Werbung kann folglich <\/span><\/strong><strong><span style=\"font-family: Arial;\">&#8211; mangels Einfluss auf die verf\u00fcgbare Kaufkraft &#8211; <\/span><\/strong> <strong><span style=\"font-family: Arial; \">kein Wirtschaftswachstum hervorbringen.<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Die Theorie, Werbung alleine k\u00f6nne Mehr-Ums\u00e4tze generieren, die zu Wirtschaftswachstum f\u00fchren, ist irrig. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Werbung zielt einzig darauf ab, den Umsatz des werbenden Unternehmens und damit seinen Marktanteil zu Lasten der Konkurrenten zu erh\u00f6hen oder zumindest zu halten. Die betriebswirtschaftliche Begr\u00fcndung daf\u00fcr ist vielschichtig. Ein wesentlicher Ansatzpunkt findet sich in der sogenannten Fixkostendegression. Das klingt kompliziert, und ist eigentlich ganz einfach.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Fixkosten sind jene Kosten, die unabh\u00e4ngig vom Umfang der Produktion bzw. des Umsatzes in unver\u00e4nderter H\u00f6he dauerhaft anfallen. Das Gegenteil sind die variablen Kosten, die jedem einzelnen erzeugten Produkt, haupts\u00e4chlich in Form von Material- und Lohnkosten, direkt  zugerechnet werden k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Arial;\">Die verheerende Wirkung der Werbung auf den Markt.<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"font-family: Arial;\">Dargestellt an einem fiktiven Beispiel:<\/span><\/strong><\/p>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"5\" cellpadding=\"15\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"100%\" bgcolor=\"#ddffdd\"><span style=\"font-family: Arial;\">Hat ein Unternehmen einen Investitionskredit von 5 Millionen Euro aufgenommen und muss daf\u00fcr j\u00e4hrlich 300.000 Euro Zinsen zahlen, dann handelt sich bei den <strong>Zinsen<\/strong> um Fixkosten.<\/span> <span style=\"font-family: Arial;\">Auch die <strong>Abschreibung<\/strong> f\u00fcr die Investitionen, die 10 Jahre lang j\u00e4hrlich 500.000 Euro ausmacht, geh\u00f6rt zu den Fixkosten, die vollkommen unabh\u00e4ngig davon anfallen, wie viel produziert und verkauft wird.<\/span> <\/p>\n<dl>\n<dt><span style=\"font-family: Arial;\">Nehmen wir an, dieses Unternehmen verkauft hochwertige Regenschirme zum Preis von 15 Euro pro St\u00fcck an den Fachhandel, <\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\">nehmen wir weiter an, das Unternehmen muss pro Regenschirm Material- und Energiekosten in H\u00f6he von 2 Euro sowie Lohnkosten in H\u00f6he von 3 Euro aufwenden. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">So bleibt (wenn wir alle anderen Kosten ausklammern) pro Schirm ein sogenannter &#8220;Deckungsbeitrag&#8221; von 10 Euro. Diese 10 Euro pro Schirm m\u00fcssen nun zun\u00e4chst verwendet werden, um die Fixkosten in H\u00f6he von 800.000 Euro j\u00e4hrlich zu decken. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Das wiederum bedeutet: <\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"font-family: Arial;\">erst wenn 80.000 Schirme verkauft               sind, sind die 800.000 Euro Fixkosten von den &#8220;Deckungsbeitr\u00e4gen&#8221;               gedeckt. <\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Arial;\">Bis zum Schirm Nummer 79.999               macht das Unternehmen Verlust.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Arial;\">Erst mit Schirm Nummer 80.000               schreibt das Unternehmen eine schwarze Null.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Arial;\">Doch ab Schirm Nummer 80.001               wirft jeder weitere verkaufte Schirm 10 Euro Gewinn ab.<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Nehmen wir nun an, unser Schirmproduzent               k\u00f6nnte &#8211; aufgrund der Qualit\u00e4t seiner Produkte, die               ihnen den Platz in den Regalen der Schirmfachgesch\u00e4fte sichert               &#8211; ohne jeden Werbeaufwand pro Jahr 120.000 Schirme absetzen,               so ergibt sich ein Jahresgewinn von 400.000 Euro.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Damit ist unser Schirmfabrikant               recht zufrieden, er legt die H\u00e4nde in den Scho\u00df und               freut sich seines Daseins.<\/span><\/p>\n<\/dt>\n<\/dl>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"100%\" bgcolor=\"#009999\"><span style=\"font-family: Arial; color: #e6e6e6;\">Da schl\u00e4gt             er eines Tages, es ist Ende Oktober, seine Lieblings-Illustrierte             auf. <\/span> <span style=\"font-family: Arial; color: #e6e6e6;\">Und was springt             ihm ins Gesicht? <\/span> <span style=\"font-family: Arial; color: #e6e6e6;\">Eine ganzseitige             Farbannonce der fern\u00f6stlichen Konkurrenz, mit der die neuen,             modischen Modelle der Herbst- und Winterkollektion angepriesen             werden.<\/span> <\/p>\n<dl>\n<dt><span style=\"font-family: Arial; color: #e6e6e6;\">Das macht ihn               unruhig. <\/span> <\/dt>\n<dt> <\/dt>\n<dt><span style=\"font-family: Arial; color: #e6e6e6;\">F\u00fcr eine               angemessene Reaktion sei es bereits zu sp\u00e4t, erkl\u00e4rt               der stellvertretende Direktionsassistent einer namhaften Werbeagentur.               Die Kampagne der Konkurrenz, die sich ja nicht auf diese eine               Illustrierte und diese eine Ausgabe beschr\u00e4nkt, erreiche               gut und gerne 70 bis 80 Prozent der Zielgruppe, meint er, und               diese Zielgruppe sei eine modebewusste Zielgruppe, die auf neue               Trends schnell reagiert und sich von der gut gemachten Kampagne               sicherlich beeinflussen l\u00e4sst &#8211; f\u00fcr heuer sind die               Schirme verkauft.               Aber f\u00fcr n\u00e4chstes Jahr k\u00f6nne man miteinander eine               eigene Kampagne entwickeln, um dem Verlust an Marktanteilen,               der sicherlich zu erwarten ist, kraftvoll und kreativ entgegen               zu treten.<\/span> <\/dt>\n<dt> <\/dt>\n<dt><span style=\"font-family: Arial; color: #e6e6e6;\">Tats\u00e4chlich               geht der Schirmabsatz unseres Herstellers in diesem Krisenjahr               auf knapp unter 80.000 St\u00fcck zur\u00fcck. Statt 400.000               Euro Gewinn schreibt er einen kleinen, aber dennoch schmerzhaften               Verlust.<\/span> <\/dt>\n<\/dl>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"100%\" bgcolor=\"#000099\"><span style=\"font-family: Arial; color: #00ffff;\">Die Agentur entwickelt             ein Konzept &#8211; und stellt daf\u00fcr 60.000 Euro in Rechnung. <\/span> <span style=\"font-family: Arial; color: #00ffff;\">F\u00fcr die             Realisierung der Kampagne, die \u00fcber vier Wochen lang, von             Mitte Oktober bis Mitte November mit vielen intelligenten, viertelseitigen             Farb- und Schwarz-Wei\u00df-Anzeigen in ausgew\u00e4hlten Printmedien             laufen soll, werden rund 340.000 Euro veranschlagt.<\/span> <\/p>\n<dl>\n<dt><span style=\"font-family: Arial; color: #00ffff;\">Die Bank des               Schirmfabrikanten bewilligt einen auf ein Jahr Laufzeit begrenzten               Kredit \u00fcber 400.000 Euro &#8211; und weil das Risiko hoch ist,               werden 10% Zinsen vereinbart.<\/span> <\/dt>\n<dt> <\/dt>\n<dt><strong><span style=\"font-family: Arial; color: #00ffff;\">Die Folge               ist:<\/span><\/strong> <\/dt>\n<dt> <\/dt>\n<dt><span style=\"font-family: Arial; color: #00ffff;\">Die Fixkosten               steigen von bisher 800.000 Euro auf 1.240.000 Euro. <\/span> <\/dt>\n<dt> <\/dt>\n<dt><span style=\"font-family: Arial; color: #00ffff;\">Es m\u00fcssen               nicht mehr 80.000 sondern 124.000 Schirme verkauft werden, um               die st\u00fcckzahlunabh\u00e4ngigen Kosten, die jetzt auf 1,24               Millionen Euro gestiegen sind, bezahlen zu k\u00f6nnen, und<\/span> <\/dt>\n<dt> <\/dt>\n<dt><span style=\"font-family: Arial; color: #00ffff;\">um den urspr\u00fcnglichen               Jahresgewinn von 400.000 Euro wieder zu erreichen, m\u00fcssen               164.000 Schirme verkauft werden.<\/span> <\/dt>\n<dt> <\/dt>\n<dt><span style=\"font-family: Arial; color: #00ffff;\">164.000 Schirme               entsprechen aber einem Marktanteil von beinahe 20 Prozent im               Segment h\u00f6herwertiger Markenschirme, die zu Ladenpreisen               zwischen 39 und 89 Euro zum Verkauf kommen. Das ist in einem               Markt, den sich ein rundes Dutzend in- und ausl\u00e4ndischer               Hersteller teilen, ein verdammt gro\u00dfer Happen, um den hart               gek\u00e4mpft wird.<\/span> <\/dt>\n<\/dl>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"100%\" bgcolor=\"#cf0e48\"><span style=\"font-family: Arial; color: #ffffff;\">Aber lassen wir             unseren Schirmfabrikanten mit Hilfe seiner Werbeagentur die Schlacht             dieses Herbstes gewinnen.<\/span> <\/p>\n<dl>\n<dt><span style=\"font-family: Arial; color: #ffffff;\">Besser als erwartet               werden seine Schirme nachgefragt, insgesamt werden sogar 194.000               Schirme verkauft. <\/span> <\/dt>\n<dt> <\/dt>\n<dt><strong><span style=\"font-family: Arial; color: #ffffff;\">Der Gewinn               ist gestiegen,<\/span><\/strong><span style=\"font-family: Arial; color: #ffffff;\"> <\/span> <\/dt>\n<dt> <\/dt>\n<dt><span style=\"font-family: Arial; color: #ffffff;\">allerdings nicht               um 300.000 auf 700.000 Euro, wie erwartet, sondern nur um rund               150.000 auf 550.000 Euro. Es mussten neue Mitarbeiter eingestellt               werden, die in der Anlernzeit noch nicht die volle Leistung erreichten,               es gab Engp\u00e4sse in der Materialversorgung, die durch teure               ad hoc Eink\u00e4ufe bei unbekannten Lieferanten \u00fcberbr\u00fcckt               werden mussten, die Umstellung auf den 2-Schicht-Betrieb hat               den Wartungsaufwand f\u00fcr die Maschinen erh\u00f6ht und die               Standzeiten der Werkzeuge verk\u00fcrzt &#8211; und, was besonders               schmerzt, der Anteil der Schirme, die wegen fehlerhafter Verarbeitung               als Ausschuss entsorgt werden mussten, ist von 0,3 Prozent auf               \u00fcber 4 Prozent gestiegen. Trotzdem kam es zu einem Anstieg               der Reklamationen und der Garantieleistungen. <\/span> <\/dt>\n<dt> <\/dt>\n<dt><strong><span style=\"font-family: Arial; color: #ffffff;\">Was hat die               Werbung bewirkt?<\/span><\/strong> <\/dt>\n<dt> <\/dt>\n<dt><span style=\"font-family: Arial; color: #ffffff;\">Eine Hinwendung               der Zielgruppe zu den Schirmen des Herstellers X &#8211; und die Abwendung               der Zielgruppe von den Produkten der Hersteller A, B, C, &#8230;               bis Y.<\/span> <\/dt>\n<dt> <\/dt>\n<dt><span style=\"font-family: Arial; color: #ffffff;\">Die Konkurrenz               hat insgesamt 74.000 Schirme weniger verkauft als in normalen               Jahren und damit etwa 740.000 Euro weniger verdient. <\/span> <\/dt>\n<dt><span style=\"font-family: Arial; color: #ffffff;\">Der Hersteller               X hat 74.000 Schirme mehr verkauft, als in normalen Jahren und               damit etwa 150.000 Euro mehr verdient.<\/span> <\/dt>\n<dt> <\/dt>\n<dt><strong><span style=\"font-family: Arial; color: #ffffff;\">Insgesamt               hat die Branche ein schlechteres Gesch\u00e4ft gemacht als in               den normalen Jahren vor dem Beginn des Werbungskrieges.<\/span><\/strong> <\/dt>\n<dt> <\/dt>\n<dt><span style=\"font-family: Arial; color: #ffffff;\">Der eigentliche               Gewinner ist die Werbewirtschaft, die ein Umsatz-Plus von 400.000               Euro erzielen konnte.<\/span> <\/dt>\n<\/dl>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"100%\" bgcolor=\"#000000\"><strong><span style=\"font-family: Arial; color: #c0c0c0;\">Der Zwang             zum Weiterwerben             und weitere Zwangsl\u00e4ufigkeiten<\/span><\/strong> <\/p>\n<dl>\n<dt><span style=\"font-family: Arial; color: #c0c0c0;\">Ein Wettbewerber,               dessen Schirme zwar von hoher Qualit\u00e4t waren, aber fern               aller modischen Str\u00f6mungen seit Jahrzehnten in den gleichen               Varianten von grau-uni, grau-gew\u00fcrfelt, anthrazit-uni und               anthrazit-fischgr\u00e4t produziert und vermarktet wurden, hat               aufgegeben. Das entspannt den Markt ein bisschen. <\/span> <\/dt>\n<dt> <\/dt>\n<dt><span style=\"font-family: Arial; color: #c0c0c0;\">Drei weitere               Wettbewerber hoffen einfach darauf, dass sich der Markt in der               n\u00e4chsten Saison normalisieren wird. <\/span> <\/dt>\n<dt> <\/dt>\n<dt><span style=\"font-family: Arial; color: #c0c0c0;\">Sechs Wettbewerber               beschlie\u00dfen, mit massiven Preissenkungen in den Markt zu               gehen &#8211; und die asiatische Konkurrenz verdoppelt ihren Werbeetat               und senkt die empfohlenen Ladenpreise um durchschnittlich 30               Prozent.<\/span> <\/dt>\n<dt> <\/dt>\n<dt><span style=\"font-family: Arial; color: #c0c0c0;\">Unser Schirmhersteller               hat dies von seiner Werbeagentur \u00fcber deren Buschfunk erfahren,               au\u00dferdem muss er st\u00e4ndig Anfragen von Fachh\u00e4ndlern               nach seiner Preisliste f\u00fcr die neue Saison beantworten,               da man seine Schirme nur noch ins Sortiment nehmen k\u00f6nne,               wenn er sich den ver\u00e4nderten Marktpreisen einigerma\u00dfen               anpasse.<\/span> <\/dt>\n<dt> <\/dt>\n<dt><strong><span style=\"font-family: Arial; color: #c0c0c0;\">Die Lage               ist bedrohlich.<\/span><\/strong> <\/dt>\n<dt> <\/dt>\n<dt><span style=\"font-family: Arial; color: #c0c0c0;\">Letztlich wird               beschlossen, die erfolgreiche Kampagne des Vorjahres mit leichten               Modifikationen zu wiederholen, was wiederum 400.000 Euro + 40.000               Euro Zinsen kosten wird, und den Abgabepreis der Schirme um 20               Prozent von 15 auf 12 Euro zu senken, um den Handel nicht zu               verprellen.<\/span> <\/dt>\n<dt> <\/dt>\n<dt><span style=\"font-family: Arial; color: #c0c0c0;\">Das hei\u00dft,               der Deckungsbeitrag pro Schirm sinkt von 10 auf 7 Euro. <\/span> <\/dt>\n<dt> <\/dt>\n<dt><span style=\"font-family: Arial; color: #c0c0c0;\">Um die Fixkosten               von 1,24 Mio Euro zu decken, m\u00fcssen also 177.143 Schirme               verkauft werden.               Selbst wenn der Rekordumsatz des Vorjahres mit 194.000 Schirmen               wieder erreicht werden sollte, sinkt der Jahresgewinn von 550.000               auf 118.000 Euro. <\/span> <\/dt>\n<dt> <\/dt>\n<dt><span style=\"font-family: Arial; color: #c0c0c0;\">Da eine weitere               Steigerung des Werbeetats nicht m\u00f6glich ist, schon alleine               weil die Bank sich weigert, die Kreditlinie auch nur um einen               Cent zu erweitern, wird ein Kostensenkungsprogramm beschlossen.<\/span> <\/dt>\n<dt><span style=\"font-family: Arial; color: #c0c0c0;\">Die Personalkosten,               die im Vorjahr eine H\u00f6he von 582.000 Euro erreichten, m\u00fcssen               um 200.000 Euro auf 1,97 Euro pro Schirm sinken, die Materialkosten               von zuletzt  398.000 Euro sollen um mindestens 82.000 Euro auf               1,63 Euro pro Schirm fallen, so dass ein Deckungsbeitrag von               8,40 Euro pro Schirm verbleibt und bei unver\u00e4ndertem Umsatz               wenigstens wieder mit einem Gewinn von 400.000 Euro gerechnet               werden kann.<\/span> <\/dt>\n<dt> <\/dt>\n<dt><span style=\"font-family: Arial; color: #c0c0c0;\">Man beschlie\u00dft,               die Materialkosteneinsparung durch Materialeinsparung zu realisieren.               Die Schirmfl\u00e4chen werden um 10 Prozent reduziert, das wiederum               erm\u00f6glicht eine Verk\u00fcrzung wesentlicher Teile der Aufspannmechanik,               kleinere Schirmh\u00fcllen usw., und es wird eine leichtere Stoffqualit\u00e4t               gew\u00e4hlt.<\/span> <\/dt>\n<dt><span style=\"font-family: Arial; color: #c0c0c0;\">Durch Vereinfachung               der Fertigungsprozesse, insbesondere durch den Wegfall von Pr\u00fcfschritten               w\u00e4hrend der Herstellung, wird es m\u00f6glich, die Produktivit\u00e4t               der Mitarbeiter soweit zu erh\u00f6hen, dass insgesamt 6 Arbeiter               und ein Qualit\u00e4tskontrolleur freigestellt werden k\u00f6nnen. <\/span> <\/dt>\n<dt> <\/dt>\n<dt><strong><span style=\"font-family: Arial; color: #c0c0c0;\">Die Kostenziele               werden erreicht.<\/span><\/strong><span style=\"font-family: Arial; color: #c0c0c0;\"> Die Umsatzziele nicht.<\/span> <\/dt>\n<dt> <\/dt>\n<dt><span style=\"font-family: Arial; color: #c0c0c0;\">Trotz aller               Anstrengungen k\u00f6nnen nur 120.000 Schirme verkauft werden.               Dem Gesamtumsatz von 1.440.000 Euro stehen Personalkosten von               382.000 Euro, Materialkosten von 316.000 Euro, Werbeaufwand von               400.000 Euro, Abschreibungen von 500.000 Euro und Zinslasten               von 340.000 Euro gegen\u00fcber.<\/span> <\/dt>\n<dt><span style=\"font-family: Arial; color: #c0c0c0;\">Es ergibt sich               ein Verlust von 498.000 Euro &#8211; und im Lager stehen 74.000 unverk\u00e4ufliche               Schirme.<\/span> <\/dt>\n<dt> <\/dt>\n<dt><strong><span style=\"font-family: Arial; color: #c0c0c0; font-size: x-small;\">Im n\u00e4chsten               Sommer wird das Unternehmen an einen gro\u00dfen, international               agierenden Konkurrenten verkauft. \u00dcber den Kaufpreis wurde               Stillschweigen vereinbart.<\/span><\/strong> <\/dt>\n<\/dl>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><strong><span style=\"font-family: Arial; font-size: medium;\">Werbung ist Krieg.<\/span><\/strong><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\">Den Konsumenten f\u00e4llt dabei         die Rolle von Bomben, Minen und Sprengfallen zu, und die Werbung         liefert die Z\u00fcnder, mit denen diese Sprengs\u00e4tze zur         Explosion gebracht werden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Die Konsumenten, denen man einredet,         bl\u00f6d zu sein, wenn sie nicht den Sirenenges\u00e4ngen der         Werbung folgen, sind nat\u00fcrlich auch dann nicht bl\u00f6d,         wenn sie ihnen folgen. Sie sind nur kurzsichtig.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Und so zerst\u00f6ren sie in         ihrer Kurzsichtigkeit, mit dem guten Gef\u00fchl, eine gute,         preiswerte Wahl getroffen zu haben, den Markt, die Vielfalt und         den Wettbewerb.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Erst sind die Tante-Emma-L\u00e4den         gestorben, dann die kleinen, kompetenten Fachh\u00e4ndler, jetzt         kracht es bei den Gro\u00dfen. Baum\u00e4rkte und M\u00f6belh\u00e4user,         Drogeriemarkt- und Buchhandelsketten, Lebensmittelgro\u00dfverteiler,         Schuh-Discounter, altmodische Kaufh\u00e4user und Versandh\u00e4ndler         sind angetreten, um die letzte gro\u00dfe Schlacht um den Markt         Europa auszutragen &#8211; im realen und im virtuellen Laden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Von den Werbekampagnen der schon         \u00fcbergro\u00dfen Anbieter willenlos getrieben, w\u00e4hlen         die Kunden &#8211; wie die d\u00fcmmsten K\u00e4lber den Metzger &#8211;         ihren k\u00fcnftigen Monopolisten selber.<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Arial; \">Machen Sie endlich die Augen auf!<\/span><\/strong><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Arial;\">Gro\u00dfer Werbeaufwand         ist kein Qualit\u00e4tsmerkmal!<\/span><\/strong><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Arial;\">Schauspieler,<\/span><\/strong><span style=\"font-family: Arial;\"> die in Werbefilmen begl\u00fcckt die         Augen verdrehen,          wenn sie sich das beworbene Produkt in die Haare schmieren,           werden f\u00fcr diese Rolle engagiert und bezahlt.          Die nehmen das nicht selbst!<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Arial;\">Sportler,<\/span><\/strong><span style=\"font-family: Arial;\"> die sich vor den Karren der Werbung         spannen lassen,          haben wom\u00f6glich ihr ganzes Leben lang hart trainiert,          um auf dem Umweg \u00fcber die Goldmedaille zum          bestbezahlten Werbeschauspieler           mutieren zu d\u00fcrfen.<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Arial;\">Gute, n\u00fctzliche und preiswerte Produkte verkaufen sich von selbst, solange sie nicht mit Hilfe aggressiver Werbung von schlechten, unn\u00fctzen und \u00fcberteuerten Produkten verdr\u00e4ngt werden, von Produkten die sich ohne massive Werbung gar nicht verkaufen lie\u00dfen.<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial; \">Versuchen <\/span><strong><em><span style=\"font-family: Arial;\">Sie<\/span><\/em><\/strong><span style=\"font-family: Arial;\"> doch einfach einmal, <\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial;\">beim n\u00e4chsten Einkauf nur solche Produkte in den Wagen zu legen, die Ihnen noch nie in der Werbung begegnet sind.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Und dann schreiben Sie einen Erfahrungsbericht \u00fcber die Produkte, die Sie neu f\u00fcr sich entdeckt haben &#8211; beleben Sie die Mund-zu-Mund-Propaganda im Internet.<\/span><\/p>\n<hr \/>\n<dt><span style=\"text-decoration: underline;\"><span style=\"font-family: Arial;\">Zum Schluss eine wahre Geschichte<\/span><\/span>:<\/p>\n<p><strong><span style=\"font-family: Arial;\">Es war einmal eine Vertreterversammlung einberufen worden.<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Der Vertriebsvorstand und seine Au\u00dfendienstler mussten sich vom Vorstandsvorsitzenden der         Gesellschaft \u00fcbel beschimpfen lassen, weil sie die Verkaufsziele         weit verfehlt hatten. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Da fingen die Vertreter an zu         klagen: <\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"font-family: Arial;\">Wenn wir gute Produkte h\u00e4tten,           die einen klaren Vorteil gegen\u00fcber der Konkurrenz bieten, <\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Arial;\">wenn wir Produkte h\u00e4tten,           deren Qualit\u00e4t anerkannt und durch Garantien abgesichert           ist, oder <\/span><\/li>\n<li><span style=\"font-family: Arial;\">wenn wir wenigstens Produkte           h\u00e4tten, die nur so gut sind, wie die der Konkurrenz, aber           entschieden billiger &#8211; <\/span><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">dann k\u00f6nnten wir die Verkaufsziele erf\u00fcllen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Da erhob sich der Vorstandvorsitzende, trat ans Rednerpult und sprach:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial; color: #0000ff; \">Sie sollten           dankbar sein, dass Sie die Gelegenheit haben, genau die Produkte           zu verkaufen, die wir im Angebot haben.<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: Arial; color: #ff0000;\">H\u00e4tten           wir die Produkte im Angebot, die Sie sich w\u00fcnschen, meine           Herren, dann br\u00e4uchte ich Sie n\u00e4mlich nicht. <\/span><\/p>\n<\/dt>\n<h3 class='related_post_title'>Verwandte Beitr\u00e4ge:<\/h3><ul class='related_post'><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=6386\" title=\"Buchbesprechung: Carrie McLaren &#038; Jason Trochinsky \u201eAd Nauseam: A Survivor\u2019s Guide to American Consumer Culture\u201c\">Buchbesprechung: Carrie McLaren &#038; Jason Trochinsky \u201eAd Nauseam: A Survivor\u2019s Guide to American Consumer Culture\u201c<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=15342\" title=\"Werbe-Piraten bei der Arbeit\">Werbe-Piraten bei der Arbeit<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=14469\" title=\"Affluenza \u2013 das Konsum-Virus \u2013 \u201eDer Markt ist unser Gott\u201c\">Affluenza \u2013 das Konsum-Virus \u2013 \u201eDer Markt ist unser Gott\u201c<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=13874\" title=\"Lesetipps: Angst macht b\u00f6se | Verlierer der deutschen Krise | Geplante Obsoleszenz | Der Barbar als Kulturheld\">Lesetipps: Angst macht b\u00f6se | Verlierer der deutschen Krise | Geplante Obsoleszenz | Der Barbar als Kulturheld<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=13488\" title=\"Surftipp: Destructables \u2013 Anleitungen zum Widerspruch\">Surftipp: Destructables \u2013 Anleitungen zum Widerspruch<\/a><\/li><\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weil es so perfekt in meinem Blog passt (z.B. zu meiner Serie \u201eWerbung schadet\u201c), m\u00f6chte ich den neuesten Paukenschlag von Egon W. 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