{"id":6571,"date":"2009-12-25T10:18:29","date_gmt":"2009-12-25T09:18:29","guid":{"rendered":"http:\/\/konsumpf.de\/?p=6571"},"modified":"2010-11-05T19:03:17","modified_gmt":"2010-11-05T18:03:17","slug":"kaufer-aufgepasst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/konsumpf.de\/?p=6571","title":{"rendered":"K\u00e4ufer aufgepasst!"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/1211740_shopping_bag.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-6578\" title=\"1211740_shopping_bag\" src=\"http:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/1211740_shopping_bag.jpg\" alt=\"1211740_shopping_bag\" width=\"203\" height=\"203\" srcset=\"https:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/1211740_shopping_bag.jpg 300w, https:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/1211740_shopping_bag-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 203px) 100vw, 203px\" \/><\/a>Subversive Spielchen, die man in Bezug auf Konsum und Kommerz und Reklame treiben kann, gibt es ja so einige. Sehr h\u00fcbsch finde ich beispielsweise die nachfolgende Idee, die <strong>Gaylord Fields<\/strong> in seinem Artikel \u201e<a href=\"http:\/\/www.stayfreemagazine.org\/archives\/21\/gaylord_fields.html\"><strong>Buyer beware<\/strong><\/a>\u201c im Stay free! Magazine (und im Buch \u201e<a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=6386\">Ad Nauseam<\/a>\u201c) schildert, und die jede und jeder im Supermarkt um die Ecke selbst ausprobieren kann.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<p class=\"head\"><strong>K\u00e4ufer aufgepasst!<\/strong><\/p>\n<p class=\"head\"><strong>Wie reagieren Supermarktkunden, wenn man fremde Dinge in ihren Korb legt? Gaylord Fields probiert es aus.<\/strong><\/p>\n<p>Mehrere j\u00fcngst ver\u00f6ffentlichte Studien legen nahe, dass Superm\u00e4rkte darauf ausgerichtet sind, den durchschnittlichen K\u00e4ufer einzulullen und in einen trance\u00e4hnlichen Zustand zu versetzen, und dass diese \u201eglasiger Blick\u201c-Bet\u00e4ubung dazu f\u00fchrt, dass die Kunden mehr Sachen kaufen. Dies \u00fcberrascht mich nicht, da diese Ergebnisse meinen eigenen Entdeckungen entsprechen, die ich vor drei\u00dfig Jahren machte, als ich unter dem Deckmantel jugendlicher Streiche einige Experimente in sozialer Psychologie unternahm.<\/p>\n<p>Die Zeit: die fr\u00fchen 1970er Jahre. Der Ort: ein typischer Upper West Side Manhattan-Supermarkt, welcher, f\u00fcr alle, die sich nicht mit New Yorks Gesch\u00e4ftsimmobilien auskennen, in etwa die gleiche Fl\u00e4che einnahm wie die Obst- &amp; Gem\u00fcse-Abteilung eines typischen amerikanischen Megamarkts heutiger Tage. Die Forscher: anfangs ein Trio gelangweilter 13j\u00e4hriger, sp\u00e4ter zusammengeschrumpft auf einen werdenden Sozialwissenschaftler, sowie jede Menge anonymer K\u00e4ufer und Kassierer, denen ich nachtr\u00e4glich meinen Dank schulde.<\/p>\n<p><strong>PHASE EINS<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend unserer anf\u00e4nglichen Streifz\u00fcge in den Supermarkt der Gegend, pr\u00fcften wir das Ausma\u00df an Kooperation unserer gastgebenden Anlaufstelle. Einfacher ausgedr\u00fcckt, probierten meine Kollegen und ich, womit wir unter dem Argusauge eines konvexen Spiegels (wir reden von der Vor-\u00dcberwachungskamera-Zeit 1973) davon kommen w\u00fcrden. Dies bestand vor allem aus solchen Aktivit\u00e4ten, sich die Taschen mit Marken-Schokoriegel vollzustopfen und Toilettenpapierrollen in Tiefk\u00fchltruhen zu packen. Wir zogen sehr wenig Aufmerksamkeit von den besch\u00e4ftigten Kunden und vor allem von den Angestellten auf uns, und entwickelten in der Folgzeit die Kaltbl\u00fctigkeit, Fingerfertigkeit und Heimlichkeit, die wir f\u00fcr einen erfolgreichen Abschluss unseres Einsatzes ben\u00f6tigten.<\/p>\n<p><strong>PHASE ZWEI<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr diesen Teil des Experiments war die Beteiligung meiner Kollegen nicht mehr vonn\u00f6ten, da wir als Gruppe m\u00e4nnlicher Teenager unn\u00f6tige Aufmerksamkeit auf uns gezogen h\u00e4tten. Dieser wissenschaftlich-orientierte junge Erwachsene musste den Weg alleine gehen. Denn an diesem Punkt begann das Experiment in seiner Ernsthaftigkeit, und ich werde meine Entdeckungen mit den sp\u00e4ter folgenden Studien, von denen ich im ersten Absatz sprach, verbinden.<\/p>\n<p>Das Experiment war einfach aufgebaut: es beinhaltete das heimliche Platzieren verschiedener Supermarktwaren in den Einkaufskorb oder -wagen eines durch den Experimentator, sprich: mich, ausgesuchten Kunden (das \u201eSubjekt\u201c). Ich folgte dem Subjekt dann an eine Stelle direkt hinter ihm oder ihr in der Schlange an der Kasse und beobachtete, ob er oder sie den Kaufakt vollendete, indem er oder sie das eingeschmuggelte fremde Produkt (den \u201eGegenstand\u201c) kaufte.<\/p>\n<p>Weil wir Wissenschaftler auch nur Menschen sind, kann ich nun zugeben, dass ich das Protokoll etwas verletzte, indem ich im Vorfeld spekulierte, welche Resutate ich bek\u00e4me. Ich nahm an, dass, je weniger Produkte jemand in seinem Korb h\u00e4tte, er den Gegenstand umso eher ablehnen w\u00fcrde. Ich nahm ebenfalls eine einfache Korrelation zwischen der Ungew\u00f6hnlichkeit eines Gegenstands und seiner Ablehnung an. Deshalb war mein anf\u00e4nglicher Gedanke, es auf die sichere Tour zu spielen, indem ich bekannte Marken in einen vollgeladenen Wagen legte. Ich vermutete, dass ich durch einen gewissen Grad an Erfolg (den Kauf des Gegenstands durch das Subjekt) mit der Zeit das Risiko des Entdecktwerdens w\u00fcrde erh\u00f6hen k\u00f6nnen, ungew\u00f6hnlichere Dinge, z.B. eine Packung Airwick-Luft-Best\u00e4uber oder Knorr H\u00fchnerbouillon-W\u00fcrfel k\u00f6nnten in einen Korb hineingelgt werden, der blo\u00df vier oder f\u00fcnf Sachen enthielte.<\/p>\n<p><strong>SCHLUSSFOLGERUNG<\/strong><\/p>\n<p>Innerhalb eines Jahres der Versuche, durchschnittlich zwei Mal pro Woche durchgef\u00fchrt, <em>lehnte nicht ein einziges Subjekt den Gegenstand ab oder schaute ihn auch nur befremdet an; alle Gegenst\u00e4nde wurde ohne weitere Frage gekauft.<\/em> Es spielte keinerlei Rolle, ob es ein unglaublich gew\u00f6hnlicher und allgegenw\u00e4rtiger Gegenstand war, so wie eine Rolle Scott K\u00fcchent\u00fccher, oder ein eher ausgefallenes Produkt wie ein Fleischthermometer. Vierzig Gegenst\u00e4nde oder vier, die Einhaltungsrate lag bei erstaunlichen 100 Prozent! Jeder kaufte, was ihm in den Korb gelegt wurde, ohne eine Sekunde zu z\u00f6gern.<\/p>\n<p>Leider wurde mein jugendlicher Aufstieg in die Sozialwissenschaften durch eine Reihe von Faktoren gebremst, vor allem die \u00fcberw\u00e4ltigend einseitigen Daten, die ich gesammelt hatte, die Ablenkungen eines zunehmend herausfordernden High-School-Studienplans und mein Bewusstwerden der Tatsache, dass ich einen quiekenden Hund mitsamt seinem Wurf nuckelnder Welpen in den Wagen einer Person h\u00e4tte legen k\u00f6nnen, ohne dass dieser es bemerkt h\u00e4tte. Aber vor allem war es das Wissen, dass, falls meine Experimente durch diejenigen entdeckt werden w\u00fcrden, die es ablehnen k\u00f6nnten, die Bedeutung meiner Mission zu verstehen,\u00a0 ich den Schutz meines jugendlichen Status verl\u00f6re, sobald ich das Alter von 18 Jahren erreichte. Ich warte nun auf Phase drei meines Experiments, die irgendwann nach dem Jahr 2030 stattfinden wird, wenn die vermutete Senilit\u00e4t des Autoren der Deckmantel sein wird, unter dem ich meine Studien wieder aufnehme, und dann wird es eine noch breitere Palette an Dingen geben, die ich einer ganz neuen Generation von K\u00e4ufern aufdr\u00fccken k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<p>Als Variation dieses sch\u00f6nen \u201eExperiments\u201c bietet es sich vielleicht an, besonders schreckliche Dinge (Nestl\u00e9-, Milka- oder Coca-Cola-Dreck beispielsweise) aus einem Einkaufswagen zu entfernen und z.B. durch Biowaren zu ersetzen (oder halt ganz wegzulassen). Mal schauen, ob das jemand bemerkt. :)<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/3af1df77d128416087be6f0486a9597f\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n<h3 class='related_post_title'>Verwandte Beitr\u00e4ge:<\/h3><ul class='related_post'><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=14462\" title=\"Helft den Yes Men bei der Revolte!\">Helft den Yes Men bei der Revolte!<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=13488\" title=\"Surftipp: Destructables \u2013 Anleitungen zum Widerspruch\">Surftipp: Destructables \u2013 Anleitungen zum Widerspruch<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=12433\" title=\"Wall Street besetzen\">Wall Street besetzen<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=8706\" title=\"Surftipp: sniggle.net \u2013\u00a0The Culture Jammer\u2019s Encyclopedia\">Surftipp: sniggle.net \u2013\u00a0The Culture Jammer\u2019s Encyclopedia<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=10749\" title=\"Fernsehtipp: Rebellen im Namen der Erde und Tokyo Freeters\">Fernsehtipp: Rebellen im Namen der Erde und Tokyo Freeters<\/a><\/li><\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Subversive Spielchen, die man in Bezug auf Konsum und Kommerz und Reklame treiben kann, gibt es ja so einige. 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