{"id":6535,"date":"2009-12-20T09:07:57","date_gmt":"2009-12-20T08:07:57","guid":{"rendered":"http:\/\/konsumpf.de\/?p=6535"},"modified":"2009-12-19T11:17:10","modified_gmt":"2009-12-19T10:17:10","slug":"volvic-%e2%80%93-alles-nur-augenwischerei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/konsumpf.de\/?p=6535","title":{"rendered":"Volvic \u2013 alles nur Augenwischerei?"},"content":{"rendered":"<p>Diesen, unl\u00e4ngst auf den <strong>NachDenkSeiten<\/strong> erschienen Artikel \u201e<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=4417#more-4417\"><strong>Verbirgt sich hinter der Trinkwasserinitiative von Volvic mehr als positives Product-Placement und Effekthascherei?<\/strong><\/a>\u201c von Christine Wicht m\u00f6chte ich Euch doch auch zur Lekt\u00fcre anempfehlen \u2013 und da er unter einer Creative Commons-Lizenz steht, ver\u00f6ffentliche ich ihn hier in meinem Blog ebenfalls, damit m\u00f6glichst viele \u00fcber Volvics Augenwischerei erfahren. Wasser, das aus anderen L\u00e4ndern nach Deutschland gekarrt wird, zu trinken halte ich ja eh f\u00fcr einen unglaublichen Unfug&#8230;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/water_stream.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6542\" title=\"water_stream\" src=\"http:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/water_stream.jpg\" alt=\"water_stream\" width=\"300\" height=\"200\" \/><\/a>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<h3 id=\"post-4417\">Verbirgt sich hinter der Trinkwasserinitiative von Volvic mehr als positives Product-Placement und Effekthascherei?<\/h3>\n<p><span class=\"preview\">Spendenaktionen f\u00fcr eine gute Sache, insbesondere in Kooperation mit der UNICEF, erfreuen sich bei Unternehmen zunehmender Beliebtheit. Auch werden gern bekannte Werbebotschafter in die Aktionen einbezogen. Im Rahmen einer deutschlandweiten Malaktion sollten Grundsch\u00fcler Wassertropfen gestalten, um Volvic und UNICEF beim Brunnenbau in \u00c4thiopien zu unterst\u00fctzen. Volvic wirbt damit, f\u00fcr jeden eingesendeten Wassertropfen bis 100 Liter sauberes Trinkwasser in \u00c4thiopien zu spenden. Au\u00dferdem werden pro gekauftem Liter \u201cVolvic naturelle\u201d 10 Liter sauberes Trinkwasser in \u00c4thiopien sichergestellt. Lt. Pressemeldung hat die Volvic-Trinkwasserinitiative 122 Brunnen finanziert, wovon bislang 64 fertig gestellt seien, die mindestens 10 Jahre betrieben werden k\u00f6nnen (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.volvic.de\/unicef\/\">volvic.de<\/a>). <em>Von Christine Wicht<\/em><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><strong>Augenwischerei? <\/strong><\/p>\n<p>Volvic (Danone) hat in diesem Jahr zum f\u00fcnften Mal eine Trinkwasseraktion durchgef\u00fchrt, die bis zum 31. Oktober befristet war.<br \/>\nDie Organisation CharityWatch hat zur Trinkwasser-Initiative 2008 herausgefunden, dass die Verbraucher durch Volvic und UNICEF get\u00e4uscht werden: \u201eSo wurde zum Beispiel im Juli 2008 von der Unicef-Pressesprecherin mitgeteilt, dass voraussichtlich mindestens 800.000 Euro f\u00fcr den Brunnenbau aus den bisher vier Aktionsjahren zusammenkommen seien. Ein Brunnen soll im Schnitt 6.000 US-Dollar kosten. Als die Rechnung dann aber nicht aufging, erg\u00e4nzte Helga Kuhn (Pressesprecherin UNICEF) telefonisch, dass durchschnittlich noch weitere 3.000 US-Dollar pro Brunnen f\u00fcr Schulungen und andere Ausgaben ben\u00f6tigt werden. Damit stimmte die Aussage von 112 Brunnenbauten zumindest ansatzweise. Allerdings wollte sie nicht weiter ausf\u00fchren, was die Basis pro verkauften Liter Volvic-Wasser f\u00fcr die H\u00f6he der Zuwendung sei. Das m\u00fcsste Danone beziffern. Doch hier war Eva Podlich, Pressesprecherin, Danone Waters Deutschland GmbH, sehr zugekn\u00f6pft. Konkrete Anfragen per Mail blieben unbeantwortet. So bleibt als Anhaltspunkt nur die im ersten Telefonat am Rande erw\u00e4hnte Zahl, dass mit 800.000 Euro etwa vier Milliarden Liter sauberes Trinkwasser produziert werden k\u00f6nnen. Umgerechnet w\u00e4ren das 400 Millionen Liter verkauftes Volvic. Bei diesem Ansatz erg\u00e4be sich pro Liter eine Spende von 0,002 Euro an Unicef. Anders ausgedr\u00fcckt, wird vom Verkaufspreis eines Kasten Volvic-Wassers im Supermarkt rund 0,3 Prozent gespendet. Ob dieser bescheidene Anteil jedem Verbraucher bewusst ist?<\/p>\n<p>Nach Meinung von CharityWatch zeigt ein einfaches Zahlenbeispiel warum der Spendenanteil v\u00f6llig unzureichend ist: 400 Millionen Liter Volvic kosten im Laden gut 250 Millionen Euro. Wenn wegen der Spendenaktion zehn Prozent mehr verkauft worden w\u00e4re, sind das rund 25 Millionen Euro Umsatz. Um damit die Spende von 800.000 Euro an Unicef zu verdienen, reicht eine Gewinnmarge von 3,2 Prozent. Da diese vermutlich h\u00f6her ist, k\u00f6nnte problemlos mehr gespendet werden.\u201c CharityWatch stellt die Frage: \u201eW\u00fcrde ein Verbraucher statt Evian Volvic kaufen, wenn er wei\u00df, dass von seinem Kaufpreis nur magere 0,018 Euro pro Kasten oder etwa 0,3 Prozent des Kaufpreises gespendet werden? Wenn Danone das wirklich glauben w\u00fcrde, dann k\u00f6nnten sie es ja offen zugeben. Da sie das aber nicht tun, nehmen sie in Kauf, dass der Verbraucher \u00fcber die Spendenh\u00f6he get\u00e4uscht wird. Und bei so etwas macht Unicef mit! Derartige undurchsichtige Spendenpraktiken sollte gerade eine Organisation wie Unicef, die nach der Aff\u00e4re Anfang 2008 besonders aufmerksam beobachtet wird, nicht mittragen.\u201c (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.charitywatch.de\/index.asp?id=354\">charitywatch.de<\/a> )<\/p>\n<p><strong>Kinder \u2013 die Kunden von morgen<\/strong><\/p>\n<p>Vor allem dort, wo der B\u00fcrger aus dem \u00f6ffentlichen Leitungsnetz Wasser von guter Qualit\u00e4t beziehen kann, ist der Kauf von Flaschenwasser eigentlich \u00fcberfl\u00fcssig. Mit Aktionen, die einen sozialen Anstrich haben, wird Kindern die Marke Volvic positiv ins Ged\u00e4chtnis gepflanzt und bereits eine Markenbindung geschaffen. Die Markenbindung beginnt \u2013 wie erforscht wurde &#8211; im Alter von 12 Jahren. Es ist f\u00fcr die Hersteller daher wichtig, vorher schon im Bewusstsein der Kinder pr\u00e4sent zu sein und bis dahin ein positives Image aufgebaut zu haben. Kinder und Jugendliche werden immer \u00f6fter zur Zielgruppe f\u00fcr Werbung und Marketingkampagnen und staatliche Institutionen machen sich zum Erf\u00fcllungsgehilfen der Unternehmen (siehe auch die Artikel zu \u201cMedia Smart\u201d und zum Projekt \u201cWirtschaft und Schule\u201d und <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1387\">\u201cGesunde Ern\u00e4hrung als Deckmantel: Mineralwasserwerbung in der Schule\u201d<\/a> ). Beim Volvic-Projekt erhalten die zehn Schulen mit den meisten Einsendungen jeweils die Patenschaft f\u00fcr einen neuen Brunnen in \u00c4thiopien sowie ein Leuchtglobus-Set f\u00fcr jede Klasse. Der Fernsehjournalist und Projektpate des Brunnenprojekts, Markus Lanz, \u00fcberreicht den Schulen, die die ersten drei Pl\u00e4tze belegen, die Brunnen-Patenschaft. Die \u00fcbrigen sieben Gewinnerschulen erhalten die Patenschaft im Rahmen einer Roadshow (Pr\u00e4sentation) von Volvic und UNICEF. Ein Unternehmen, das Schulen in seine Projekte einbindet, erweitert seine Vertriebskan\u00e4le. Schulen werden so zum Schauplatz strategischer Marketingaktionen.<\/p>\n<p>Gerade an Schulen m\u00fcsste aus diesem Grunde ein Wasserprojekt stattfinden, das sich unabh\u00e4ngig und ohne finanzielle Mittel der Industrie, mit der weltweiten Wasserknappheit befasst und Wasserhersteller kritisch unter die Lupe nimmt. Beispielsweise ist der Film \u201e FLOW \u2013 WASSER IST LEBEN\u201c von 2008 als Unterrichtsmaterial gedacht. Er behandelt Themen wie Kommerzialisierung der Wasserversorgung, Recht auf Wasser, Wasserverschmutzung und vieles mehr. Abschlie\u00dfend wird im Film auf die Allgemeine Erkl\u00e4rung der Menschenrechte der Vereinten Nationen eingegangen, die insgesamt 30 Artikel umfasst. Der Film fordert einen 31. Artikel: \u201eWir wollen die Vereinten Nationen mit einer Petition bitten, das Recht auf Wasser in die Menschenrechtscharta aufzunehmen: \u201eJeder hat das Recht auf sauberes und frei zug\u00e4ngliches Wasser, das dem Einzelnen und seiner Familie Gesundheit gew\u00e4hrleistet. Niemandem darf der Zugang und die Qualit\u00e4t dieses Wassers aus individuellen wirtschaftlichen Gr\u00fcnden verwehrt werden. \u201c (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.materialserver.filmwerk.de\/arbeitshilfen\/flow_wasser_ist_leben_ah.pdf\">filmwerk.de [PDF &#8211; 2.5 MB]<\/a> )<\/p>\n<p><strong>Das Gesch\u00e4ft mit dem Wasser <\/strong><\/p>\n<p>Nach UN-Sch\u00e4tzungen w\u00e4ren j\u00e4hrlich 30 Milliarden Dollar mehr n\u00f6tig, um den Planeten mit sauberem Trinkwasser zu versorgen, 2007 wurde dreimal so viel f\u00fcr abgef\u00fclltes Wasser ausgegeben. Lebensmittelkonzerne wie Danone (Evian, Volvic), Nestl\u00e8 (Perrier, Contrex, Vittel) und Hindustan Lever (eine Tochter von Unilever auf dem indischen Markt) kontrollieren einen gro\u00dfen Teil des globalen Marktes f\u00fcr in Flaschen und Kanister abgef\u00fclltes Wasser. Weltweit w\u00e4chst der Absatz von Flaschenwasser. Gesch\u00e4fte lassen sich sowohl in den reichen Industriel\u00e4ndern als auch in der dritten Welt machen. F\u00fcr die Menschen in armen L\u00e4ndern stellt Flaschenwasser oft einen kaum bezahlbaren Luxus dar.<\/p>\n<p>Volvic Mineralwasser wurde 1978 auf zahlreichen medizinischen Kongressen vorgestellt, von Heilpraktikern empfohlen und zun\u00e4chst nur in Reformh\u00e4usern, Naturkostl\u00e4den und Apotheken vertrieben. Eine geschickte Marketing- und Werbestrategie: Das Produkt wurde vom Hersteller als besonderes Wasser auf speziellen Kongressen angeboten und erhielt so das Image eines hochwertigen gesunden Wassers. Danone wirbt damit, dass Volvic heute f\u00fcr viele Menschen weltweit t\u00e4glicher Bestandteil einer ausgewogenen Ern\u00e4hrung und gesunden Lebensf\u00fchrung ist (http:\/\/www.volvic.de\/ursprung\/quelle\/).<\/p>\n<p>Mit einem Jahresumsatz von rund 150 Mio. Euro z\u00e4hlt Danone Waters Deutschland zu den bedeutendsten Unternehmen in Bereich abgef\u00fcllter W\u00e4sser in Deutschland und ist <a href=\"http:\/\/www.volvic.de\/allgemein\/unternehmen\/\">marktf\u00fchrend im Segment der Mineralw\u00e4sser ohne Kohlens\u00e4ure<\/a>. Die Quelle von Volvic entspringt im Herzen Europas, in der franz\u00f6sischen Auvergne, in 90 m Tiefe unter dem Vulkan \u00bbPuy de Dome\u00ab, der im \u00dcbrigen auf dem Etikett jeder Volvic Flasche abgebildet ist. Die Quelle wurde 1927 entdeckt, seit 1938 wird Wasser in Flaschen gef\u00fcllt und in \u00fcber 60 L\u00e4ndern der Welt vertrieben.<\/p>\n<p>Nun br\u00e4uchte die Bev\u00f6lkerung Unternehmen wie Danone nicht, wenn fl\u00e4chendeckend klares Trinkwasser von hoher Qualit\u00e4t aus den Wasserh\u00e4hnen k\u00e4me. Wasserkonzerne profitieren vielfach auch davon, dass die Wasserversorgung vielerorts nicht funktioniert. Unter den Maximen der noch immer vorherrschenden neoliberalen Wirtschaftspolitik wird schon lange an dieser S\u00e4ule der Daseinsvorsorge heftig ger\u00fcttelt. Weltweit wird von Konzernen, der Welthandelsorganisation, der Europ\u00e4ischen Union, Regierungen und Parlamenten eine Liberalisierungs- und Privatisierungspolitik vorangetrieben \u2013 auch im Bereich der Wasserversorgung. Es gibt jedoch eine Vielzahl von Beispielen, wonach Privatisierungen vor allem bei leitungsgebundenen Leistungen zu regionalen privaten Monopolanbietern oder fl\u00e4chendeckend zu wirtschaftlichen Oligopolen gef\u00fchrt haben. In der \u00fcberwiegenden Zahl der F\u00e4lle f\u00fchrte dies zu keinen Verbesserungen f\u00fcr die Versorgung der B\u00fcrger. Wenn sich die Wasserqualit\u00e4t verschlechtert, sind die B\u00fcrger gezwungen Wasser in Flaschen bzw. Kanistern zu kaufen \u2013 das ist ein gewinnbringendes Gesch\u00e4ft, so wird die Wasserquelle zur Geldquelle.<\/p>\n<p>Der Worldwide Fund for Nature (WWF) geht zudem lt. einer Studie davon aus, dass die Wasserindustrie j\u00e4hrlich 1,5 Millionen Tonnen Kunststoff f\u00fcr die Herstellung von Wasserflaschen ben\u00f6tigt. Bei deren Entsorgung entstehen noch giftige Chemikalien, die die Umwelt belasten. Ein Gro\u00dfteil des Flaschenwassers wird zudem f\u00fcr Exportm\u00e4rkte abgef\u00fcllt, beim aufw\u00e4ndigen Transport um den halben Globus wird weitere Energie verbraucht, und es entstehen zus\u00e4tzliche Emissionen. Au\u00dferdem werden f\u00fcr die Reinigung der Flaschen wiederum Wasser, Energie und Chemikalien ben\u00f6tigt. Ein Drittel der Flaschen landen auf dem M\u00fcll. Auf den weltweit wachsenden Plastikm\u00fcllberg macht auch der Filmemacher Werner Boote in seinem neuesten Werk \u201cPlastic Planet\u201d plastic-planet.at, aufmerksam. (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.sonnenseite.com\/Aktuelle+News,Australische+Stadt+verbannt+Plastik-Wasserflaschen,6,a13239.html\">sonnenseite.com<\/a>).<\/p>\n<p>Konzerne, die Quellen kaufen, Brunnen bohren, Wasser in Flaschen abf\u00fcllen und zu teuren Preisen verkaufen, sind in den letzten Jahren immer mehr in die Kritik geraten, denn \u00fcber allem schwebt die Frage \u201eWem geh\u00f6rt das Wasser\u201c und haben Unternehmen das Recht eine Quelle zu erwerben, Wasser in Flaschen abzuf\u00fcllen um es teuer zu verkaufen?<\/p>\n<p><strong>Wasser in Flaschen ist weder politisch noch \u00f6kologisch korrekt<\/strong><\/p>\n<p>Zum Beispiel hat die australische Kleinstadt Bundanoon den Verkauf von Wasser in Flaschen verboten. Ausl\u00f6ser war die Anfrage eines Getr\u00e4nkeherstellers, der aus einem Grundwasserreservoir Wasser f\u00fcr den Getr\u00e4nkehandel gewinnen wollte. Das Unternehmen wollte das Wasser dort entnehmen, um es nach Sydney zu transportieren, es dort in Flaschen zu f\u00fcllen, um es wieder am Ort der Quelle zu verkaufen. Die Kampagne wird auch vom Premierminister des Bundesstaates New South Wales unterst\u00fctzt. Der Einkauf von verpacktem Wasser wurde von der Regierung gestoppt und die Mitarbeiter dazu angehalten, Leitungswasser zu trinken. Angesichts der f\u00fcr das F\u00f6rdern, Abf\u00fcllen und Transportieren ben\u00f6tigten Ressourcen entschieden sich die Einwohner nahezu einstimmig, auf den Verkauf von Wasserflaschen g\u00e4nzlich zu verzichten. Stattdessen werden in Bundanoon jetzt Wasserspender aufgestellt, aus denen die B\u00fcrger selbst mitgebrachte Flaschen kostenlos mit Trinkwasser f\u00fcllen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Die Zusammenarbeit zwischen Industrie und Vereinten Nationen <\/strong><\/p>\n<p>Eine Bewegung, die das Trinken von Leitungswasser propagiert ist schlecht f\u00fcr\u2019s Gesch\u00e4ft. Umso dringender muss Volvic sein Image aufpolieren. Welcher Partner w\u00e4re besser gew\u00e4hlt als die UNICEF?<\/p>\n<p>Doch die Vereinten Nationen sind nicht so neutral wie es gern nach au\u00dfen dargestellt wird. Mit dem am 31. Januar 1999 von Kofi Annan auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos vorgeschlagenem und im Jahr 2000 ins Leben gerufenem Global Compact, wird eine Kooperation der Vereinten Nationen mit transnationalen Konzernen angestrebt, die auf diese Weise verst\u00e4rkt in die Arbeit der Vereinten Nationen einbezogen werden, mit dem Bestreben, im Rahmen dieser Partnerschaft weltweit Fortschritte im Sinne der erkl\u00e4rten Prinzipien des Vertrages (Menschenrecht, Umwelt, Korruption, Arbeitsbeziehungen) zu erzielen.<\/p>\n<p>Der Global Compact stellt sich jedoch mehr und mehr nicht als ein Instrument der politischen Einflussnahme der UN heraus, sondern gerade umgekehrt setzt sich die UNO aufgrund dieser Partnerschaft der Gefahr einer schleichenden Strukturver\u00e4nderung aus: Bislang war die UNO eine (politische) Organisation der Regierungen von Nationalstaaten mit der Funktion transnationale, weltweite Interessen zum Ausgleich zu bringen und einen Beitrag zum Frieden in der Welt zu leisten. Damit \u00fcbt die UNO eine den einzelnen Staaten \u00fcbergeordnete Kontrolle \u00fcber friedliches Zusammenleben der V\u00f6lker, weltweiter Schonung der Umwelt und der Einhaltung der Menschenrechte aus, jedenfalls so lange die Nationalstaaten die Verbindlichkeit der politischen Vorgaben der UN anerkennen bzw. die V\u00f6lkergemeinschaft Verst\u00f6\u00dfe politisch sanktioniert haben. Mit dem Global Compact werden hingegen die transnationalen Konzerne (also nicht politische, sondern wirtschaftliche Institutionen) zu Partnern der UNO. Dadurch bekommen die transnationalen Konzerne (parallel zu und neben den Mitgliedstaaten) auf internationaler Ebene ein anderes Gewicht. Ein Teil der Macht der Staaten wird zugunsten des Einflusses der Wirtschaft verschoben. So entsteht nicht nur ein n\u00e4herer Kontakt zwischen UNO und privaten Unternehmen, sondern der Global Compact wird gewisserma\u00dfen ein (politisches) Spielfeld der transnationalen Konzerne. Die UNO wird von ihrer weltweiten Kontroll- und \u00dcberwachungsfunktion in eine Mitspielerrolle abgedr\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Es stellt sich die Frage, warum Konzerne und ihre internationalen Vertretungen ein derartiges Interesse an einem Zusammenschluss mit den Vereinten Nationen haben. Zun\u00e4chst ist die Mitgliedschaft im Global Compact als Werbema\u00dfnahme zu sehen. Der Global Compact schlie\u00dft zwar eine automatische Vergabe des UN-Logos bei Eintritt aus. Unter der Bedingung, dass die transnationalen Konzerne die Aktivit\u00e4ten und Ziele der Vereinten Nationen unterst\u00fctzen, ohne dass dies mit ihren eigenen Zielen in Einklang zu bringen ist, darf das Logo verwendet werden, nicht aber f\u00fcr eigene Ziele. Es besteht jedoch die M\u00f6glichkeit, zur Verlinkung auf die Website der Vereinten Nationen, welche gerne genutzt wird. Die Unternehmen d\u00fcrfen sich in ihrem Werbematerial und Prospekten \u201ePartner der Vereinten Nationen\u201c nennen. Dies ist eine ausgezeichnete M\u00f6glichkeit f\u00fcr PR-Ma\u00dfnahmen. Konzerne profitieren mittels dieses Angebots von dem blauen Logo der Vereinten Nationen und k\u00f6nnen sich auf diese Weise sozusagen \u201eblauwaschen\u201c. Wertpapiere der beteiligten Unternehmen k\u00f6nnen als ethisch einwandfrei gehandelt werden, was einen erheblichen Imagegewinn bringt. (mehr dar\u00fcber im Beitrag <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=1132\">\u201cDer Global Compact, gedacht als Instrument zur weltweiten B\u00e4ndigung des Kapitalismus, wird zum Einfallstor der transnationalen Konzerne f\u00fcr die Aush\u00f6hlung der Charta der Vereinten Nationen und f\u00fcr eine Privatisierung der Weltpolitik\u201d<\/a>).<\/p>\n<p>Weltweit herrscht eine enorme Ungleichheit bei der Verf\u00fcgbarkeit von Wasser. Aus Mangel an Wasser entstehen zunehmend Konflikte. Vor allem die Menschen in den L\u00e4ndern des S\u00fcdens sp\u00fcren massiv die Folgen der globalen Erw\u00e4rmung. Extreme Trockenheit, D\u00fcrren und \u00dcberschwemmungen rauben ihnen die Lebensgrundlagen. Die Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me nehmen zu, weil in vielen Regionen Wasser und Nahrung knapp sind. Der G\u00f6ttinger Umweltgeologe Professor J\u00fcrgen Schneider bef\u00fcrchtet, dass sich durch den anhaltenden Klimawandel weltweit Hunger und Gewaltkonflikte bis hin zu Kriegen verbreiten. (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.epd.de\/niedersachsen_bremen\/niedersachsen_bremen_index_69239.html\">epd.de<\/a>).<\/p>\n<p>Nach Auskunft der Organisation \u201eMenschen f\u00fcr Menschen\u201c haben in \u00c4thiopien lediglich elf Prozent der l\u00e4ndlichen Bev\u00f6lkerung Zugang zu sauberem Wasser. Hinzu kommt die zunehmende Erosion deren Ursache das Abholzen von W\u00e4ldern zur Landgewinnung ist, beispielsweise f\u00fcr den Ackerbau. J\u00e4hrlich werden deshalb rund zwei Millionen Tonnen Boden weggeschwemmt. Ein Teufelskreis, denn 82 Prozent der \u00c4thiopier leben von der Landwirtschaft. D\u00fcrren und \u00dcberschwemmungen wirken sich damit sofort auf Millionen \u00c4thiopier aus, Hunger, Krankheiten und Epidemien sind die Folge.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zu den Brunnenprojekten von Volvic und UNICEF: Sie haben eine kalkulierte Lebenszeit von nur ca. 10 Jahren. Nach Angaben von UNICEF wird Grundwasser (Aquifere) gezapft. Wenn jedoch nicht genug Regenwasser die fossilen Grundwasservorkomman auff\u00fcllt, fallen die Brunnen trocken. Da Aquifere unterirdisch und teilweise grenz\u00fcberschreitend sind f\u00fchren sie zu vielerorts zu Konflikten. Gerade UNICEF sollte sich daf\u00fcr einsetzen, dass nachhaltig auch wirklich nachhaltig hei\u00dft und nicht 10 Jahre, gem\u00e4\u00df der Definition der Brundtlandkommission 1987:<\/p>\n<blockquote><p><em>Dauerhafte Entwicklung ist Entwicklung, die die Bed\u00fcrfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass k\u00fcnftige Generationen ihre eigenen Bed\u00fcrfnisse nicht befriedigen k\u00f6nnen.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Es w\u00e4re eine wichtige Aufgabe der Vereinten Nationen alle Kr\u00e4fte anzuspannen, dass Wasser endlich als Menschenrecht und nicht als Ware behandelt wird. Mit der Unterwanderung der Vereinten Nationen durch die Wirtschaft ist dies jedoch ein schwieriges Unterfangen. Wenn k\u00fcnftig nicht ein weltweites Wasserfirmenkartell unser Wasser weltweit kontrollieren soll, Menge und Preise festlegt und \u00fcber das wichtigste Grundbed\u00fcrfnis der Menschen bestimmt, dann sollten die Vereinten Nationen schnell handeln.<\/p>\n<h3 class='related_post_title'>Verwandte Beitr\u00e4ge:<\/h3><ul class='related_post'><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=15234\" title=\"Unilever und die Ekligkeit der Reklame\">Unilever und die Ekligkeit der Reklame<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=14210\" title=\"Greenwashing \u2013 der ganz legale Betrug\">Greenwashing \u2013 der ganz legale Betrug<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=13191\" title=\"Schleichwerbung macht sich breit\">Schleichwerbung macht sich breit<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=11982\" title=\"RWE, die \u00dcberallmitmischer\">RWE, die \u00dcberallmitmischer<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=10927\" title=\"Jetzt mit Werbung!\">Jetzt mit Werbung!<\/a><\/li><\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diesen, unl\u00e4ngst auf den NachDenkSeiten erschienen Artikel \u201eVerbirgt sich hinter der Trinkwasserinitiative von Volvic mehr als positives Product-Placement und Effekthascherei?\u201c von Christine Wicht m\u00f6chte ich Euch doch auch zur Lekt\u00fcre anempfehlen \u2013 und da er unter einer Creative Commons-Lizenz steht, ver\u00f6ffentliche ich ihn hier in meinem Blog ebenfalls, damit m\u00f6glichst viele \u00fcber Volvics Augenwischerei erfahren. 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