{"id":6337,"date":"2009-11-24T10:05:15","date_gmt":"2009-11-24T09:05:15","guid":{"rendered":"http:\/\/konsumpf.de\/?p=6337"},"modified":"2010-11-03T10:19:00","modified_gmt":"2010-11-03T09:19:00","slug":"subversive-akionen-%e2%80%93-adventures-in-medialand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/konsumpf.de\/?p=6337","title":{"rendered":"Subversive Akionen \u2013 Adventures in Medialand"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2009\/11\/backtotheroots.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-6348\" title=\"backtotheroots\" src=\"http:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2009\/11\/backtotheroots-300x229.jpg\" alt=\"backtotheroots\" width=\"248\" height=\"189\" srcset=\"https:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2009\/11\/backtotheroots-300x229.jpg 300w, https:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2009\/11\/backtotheroots.jpg 500w\" sizes=\"(max-width: 248px) 100vw, 248px\" \/><\/a>Seit einer Weile lese ich mit gro\u00dfer Freude das brandaktuelle Buch \u201e<a href=\"http:\/\/www.adnauseam.info\/\"><strong>Ad Nauseam \u2013 A Survivor\u2019s Guide to American Consumer Culture<\/strong><\/a>\u201c von <strong>Carrie McLaren und Jason Torchinsky<\/strong>, die Begr\u00fcnder des inzwischen eingestellten <a href=\"http:\/\/www.stayfreemagazine.org\/archives\/index.html\"><strong>Stay Free!-Magazines<\/strong><\/a> (einer Art US-amerikanischen Adbusters). Eine ausf\u00fchrlichere Rezension folgt demn\u00e4chst in diesem Theater, aber heute m\u00f6chte ich Euch erst einmal nur ein kurzes Kapitel aus diesem Werk in \u00fcbersetzter Form vorstellen \u2013 in den kommenden Monaten werde ich noch einige weitere Artikel daraus \u00fcbersetzen, mit freundlicher Genehmigung von Carrie.<\/p>\n<p>Im letzten Teil des Buches geht es um subversive Aktionen, darum, Widerstand gegen den allesverschlingenden Konsumiermoloch zu leisten \u2013 wie in \u201e<strong>Adventures in Medialand<\/strong>\u201c, dem einf\u00fchrenden Kapitel dieses Abschnitts, das sich konkret um die l\u00e4stigen und h\u00e4sslichen Minipanzer (SUV\/Gel\u00e4ndewagen) und auch um grunds\u00e4tzliche Gedanken zu Akten des Protests dreht.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Ich spazierte zum millionsten Mal durch das todschicke Brooklyner Viertel Park Slope, als mir etwas ins Auge stach: die Autos, die diese Wohnstra\u00dfe s\u00e4umten, waren \u00fcberwiegend SUVs. Park Slope ist bekannt daf\u00fcr, eine Hochburg der wohlhabenden Liberalen zu sein, jene Art von Menschen, die gr\u00fcne Haushaltswaren kaufen und ihr Obst &amp; Gem\u00fcse im Bioladen erstehen. Darum betrachtete ich dies als ein sch\u00f6nes Beispiel f\u00fcr den schr\u00e4gen Sinn der Konsumenten f\u00fcr Werte. Der negative Umwelteinfluss eines SUV \u00fcberwiegt den Gewinn von z.B. dem Kauf von recycelten Papierprodukten oder ungiftigem Katzenstreu bei weitem. (Abgesehen davon verf\u00fcgt das n\u00f6rdliche Ende von Park Slope \u00fcber eine exzellente Anbindung durch die \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel; folglich gibt es hier ohnehin nur sehr wenig Gr\u00fcnde, ein Auto zu besitzen.)<\/p>\n<p>Das brachte mich auf eine Idee: gef\u00e4lschte st\u00e4dtische \u201eSUV-Parken verboten\u201c-Schilder zu erstellen, die aussahen wie die echten. Wir k\u00f6nnten Bolzen benutzen, um sie an den normalen Parkschildern zu befestigen, und SUV-Fahrer, die herumkurven, um einen freien Parkplatz zu finden, \u00fcberlegen es sich vielleicht zwei Mal, wo sie anhalten.<\/p>\n<p>Meine Freunde waren von der Idee begeistert und so druckte ich einige \u201eSUV-Parken verboten\u201c-Schilder auf Plastikbretter, und erstellte au\u00dferdem eine Strafzettelparodie, die an die SUVs in der Gegend geklemmt w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Dann, an einem verabredeten Abend, machten sich zwanzig von uns paarweise auf den Weg, die Schilder aufzuh\u00e4ngen und die Strafzettel zu verteilen. Ein paar Stunden sp\u00e4ter versammelten wir uns an einer nahen Wasserstelle und schwatzten \u00fcber die Erfahrung. Am n\u00e4chsten Tag sandte ich eine Pressemitteilung raus, und unser Streich bekam eine Menge Aufmerksamkeit durch die Medien \u2013 Aufmerksamkeit, die sehr viel wichtiger war, unsere Botschaft zu verbreiten als die einzelnen Begegnungen mit den Fahrern in der Nachbarschaft. Journalisten benutzten die Geschichte als \u201eAufh\u00e4nger\u201c um die vielen Fallstricke und Nachteile von Amerikas Entwicklung hin zu immer gr\u00f6\u00dferen Fahrzeugen zu diskutieren, unsere steigende Abh\u00e4ngigkeit von \u00d6limporten und die mit dem Auto verbundenen Gefahren f\u00fcr die menschliche Gesundheit und die Umwelt. Noch wichtiger war es vielleicht, dass die Medien dabei halfen, das Bild eines SUV als dekadenten, verschwenderischen und \u2013 oh Schreck! \u2013 zunehmend aus der Mode kommenden Gef\u00e4hrts zu vermitteln.<\/p>\n<p>Hat diese Aktion die Welt ver\u00e4ndert oder einen der von uns aufs Korn genommenen SUV-Fahrer dazu gebracht, sofort mit dem Fahren aufzuh\u00f6ren? Vermutlich nicht, aber schlie\u00dflich ist das auch nicht zu erwarten. Warum sollte eine \u00f6ffentliche Aktion mehr erreichen als eine durchschnittliche Reklame? Eine typische nationale Werbekampagne wird von Millionen von US$ und Teams von ausgebildeten Spezialisten getragen. Und dennoch scheitert die normale Reklame nicht nur daran, die Welt zu \u00e4ndern, sondern schafft es auch nicht, irgendeinen sp\u00fcrbaren Unterschied im Leben eines Einzelnen zu machen. Dies macht Reklame jedoch nicht zu einem Misslingen; Werbung wirkt durch \u201efederleichte\u201c Effekte: kleine, kaum feststellbare Ver\u00e4nderungen, die \u00fcber die Zeit hinweg und durch permanente Wiederholung sich zu etwas Gr\u00f6\u00dferem aufbauen.<\/p>\n<p>Das gleiche kann man von Aktionen wie unserem SUV-Streich sagen. Sie tragen zu einem Klima des Widerstands bei, zu einer kritischen \u00f6ffentlichen Meinung, die \u2013 kombiniert mit z.B. Zeitungsartikeln, Unfallstatistiken und Berichten \u00fcber die Erderw\u00e4rmung \u2013 schlie\u00dflich eine tats\u00e4chliche Wirkung entfalten k\u00f6nnen.<em> (Anm. PM: Dies entspricht auch dem \u201eMeme Warfare\u201c, dem Kampf der Ideen und Gedanken \u2013 auch hier gilt es, durch permanentes Verbreiten von anderen Ideen den gleichgeschalteten Strom des Zeitgeists und des kommerziellen Unfugs zu durchbrechen.)<\/em> Mit \u201eeine tats\u00e4chliche Wirkung entfalten\u201c meine ich, legislative \u00c4nderungen zu bewirken. \u00d6ffentliche Emp\u00f6rung hat nur eine gewisse Haltbarkeitsdauer: Menschen protestieren gegen bestimmte Dinge nur eine Weile und geben dann auf, um mit ihrem sonstigen Leben fortzufahren. Die einzige M\u00f6glichkeit, \u00c4nderungen best\u00e4ndig zu machen, ist, dass die Regierung es in Gesetze gie\u00dft: Grenzwerte f\u00fcr den Aussto\u00df von giftigen Gasen zu senken, den Einfluss von Tabaklobbys zu begrenzen, der Reklame in Schulen wirkliche Grenzen zu setzen usw.<\/p>\n<p>Selbst wenn unsere SUV-Aktion gar nichts bewirkt haben sollte \u2013 und auch die Medien nicht dar\u00fcber berichtet h\u00e4tten und alles unbemerkt geblieben w\u00e4re \u2013, so war es dennoch wert, es zu tun. Ich habe interessante Menschen getroffen, habe ein paar sch\u00f6ne Geschichten zu erz\u00e4hlen und bekam ein wenig Erfahrung. Und nicht zuletzt haben wir eine M\u00f6glichkeit der Gemeinsamkeit und des Zusammentreffens gefunden, das sich nicht ums Konsumieren dreht \u2013 keine geringe Herausforderung in diesen Tagen und diesem Zeitalter.<\/p>\n<p>Die kleinen Akte von Protest, die wir in diesem Abschnitt des Buches vorstellen, erz\u00e4hlen eine \u00e4hnliche Geschichte: die von allt\u00e4glichen Menschen, die kreative Wege finden, die gro\u00dfe Maschine zu untergraben, auszuschlachten oder einfach nur zu \u00fcberleben. W\u00e4hrend keine von ihnendie Welt ver\u00e4nderte oder unbedingt notwendige L\u00f6sungen aufzeigte, so brachten sie uns zum Lachen \u2013 und inspirierten die Davids, dort drau\u00dfen gegen die Goliathe zu k\u00e4mpfen.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/2c341921b887479eb40deef390ef45f3\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n<h3 class='related_post_title'>Verwandte Beitr\u00e4ge:<\/h3><ul class='related_post'><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=14462\" title=\"Helft den Yes Men bei der Revolte!\">Helft den Yes Men bei der Revolte!<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=13845\" title=\"Logo- &#038; Sloganpersiflagen\">Logo- &#038; Sloganpersiflagen<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=13488\" title=\"Surftipp: Destructables \u2013 Anleitungen zum Widerspruch\">Surftipp: Destructables \u2013 Anleitungen zum Widerspruch<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=13147\" title=\"Lesetipps: Danke, KiK! | H&#038;M | K\u00fcnstlerwettbewerb Anti-Konsum | Deutsches Fleisch\">Lesetipps: Danke, KiK! | H&#038;M | K\u00fcnstlerwettbewerb Anti-Konsum | Deutsches Fleisch<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=12433\" title=\"Wall Street besetzen\">Wall Street besetzen<\/a><\/li><\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit einer Weile lese ich mit gro\u00dfer Freude das brandaktuelle Buch \u201eAd Nauseam \u2013 A Survivor\u2019s Guide to American Consumer Culture\u201c von Carrie McLaren und Jason Torchinsky, die Begr\u00fcnder des inzwischen eingestellten Stay Free!-Magazines (einer Art US-amerikanischen Adbusters). 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