{"id":5082,"date":"2009-07-20T10:16:52","date_gmt":"2009-07-20T08:16:52","guid":{"rendered":"http:\/\/konsumpf.de\/?p=5082"},"modified":"2009-07-16T19:33:05","modified_gmt":"2009-07-16T17:33:05","slug":"nochmal-streifzuge-%e2%80%93-%e2%80%9eenergiewende-zwischen-infantilen-phantasien-und-ernuchterung%e2%80%9c-und-mehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/konsumpf.de\/?p=5082","title":{"rendered":"Nochmal Streifz\u00fcge \u2013 \u201eEnergiewende zwischen infantilen Phantasien und Ern\u00fcchterung\u201c und mehr"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem ich inzwischen ein wenig intensiver in der neuen Ausgabe der \u201eMagazinierten Transformationslust\u201c, dem Heft <a href=\"http:\/\/www.streifzuege.org\/\"><strong>Streifz\u00fcge<\/strong><\/a>, gelesen habe (das man sich nach wie vor <a href=\"http:\/\/www.streifzuege.org\/wp-content\/data\/streifzuege-46-2009.pdf\">HIER<\/a> komplett als pdf herunterladen kann, und das kostenlos), m\u00f6chte ich Euch doch noch ein paar weitere Artikel daraus ans Herz legen. Das Oberthema der aktuellen Ausgabe ist <strong>\u201eRessource\u201c<\/strong>, und so geht es vor allem um Energiepolitik, erneuerbare Energien, aber auch um das generell ma\u00dflos Ressourcen verschlingende Wirtschaftswachstumssystem, in dem wir leben.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/solar_panel.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5109\" title=\"solar_panel\" src=\"http:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/solar_panel.jpg\" alt=\"solar_panel\" width=\"206\" height=\"262\" \/><\/a>Sehr interessant finde ich beispielsweise <strong>Bruno Kern<\/strong>s Beitrag \u201e<a href=\"http:\/\/www.streifzuege.org\/2009\/die-wahrheit-ist-dem-menschen-zumutbar\"><strong>Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar. Energiewende zwischen infantilen Phantasien und Ern\u00fcchterung<\/strong><\/a>\u201c, der sicher f\u00fcr LOHAS &amp; Co. etwas h\u00e4rtere Kost darstellen d\u00fcrfte, denn er r\u00e4umt mit dem Mythos auf, dass man nur einfach ein bisschen seinen Konsum \u201ebegr\u00fcnen\u201c und benzinbetriebene Autos durch Elektroautos ersetzen m\u00fcsse (wie das die Gr\u00fcnen planen), und schon k\u00f6nnen wir im Prinzip so weiterwirtschaften und -wurschteln wie bisher. Kern legt dar, dass ohne eine grundlegende Abkehr vom Wachstumszwang in der Wirtschaft auch solche Techniken uns nicht retten werden.<\/p>\n<blockquote><p>(&#8230;) Die gedanklichen Kapriolen, die man schl\u00e4gt, um der schlichten Einsicht zu entgehen, dass unser Wohlstandsniveau drastisch abgesenkt werden muss, sind abenteuerlich. Die ach so verhei\u00dfungsvolle Effizienzrevolution hat Fred Luks mit einer einfachen Rechnung ad absurdum gef\u00fchrt: Wenn der Ressourcenverbrauch in den Industrienationen bis 2050 um einen Faktor 10 sinken soll (was weitgehend Konsens ist), und wenn man gleichzeitig ein bescheidenes Wirtschaftswachstum von 2 Prozent j\u00e4hrlich unterstellt, dann m\u00fcsste die Ressourcenproduktivit\u00e4t (also die Menge an G\u00fctern und Dienstleistungen pro Einheit einer bestimmten eingesetzten Ressource) um den Faktor 27 wachsen! Ein Wirtschaftswachstum von 3 Prozent setzt bereits eine 43-fache Energie- und Ressourceneffizienz voraus. Um diese Absurdit\u00e4t zu verschleiern, beschr\u00e4nken sich die \u00f6kologisch-kapitalistischen Heilspropheten in ihren Bestsellern immer nur auf beeindruckende Einzelbeispiele. (&#8230;)<\/p>\n<p>(&#8230;) Ernst Ulrich von Weizs\u00e4cker spricht offen aus, worum es geht: \u201eEurop\u00e4ern, Amerikanern und Japanern zu empfehlen, sich in Sack und Asche zu kleiden und auf Wohlstand und Fortschritt zu verzichten, ist eine zum Scheitern verurteilte Strategie. Also sollte die neue Wirtschaftsweise den Charakter eines \u201aneuen Wohlstandsmodells\u2018 haben, um politisch durchsetzbar zu sein.\u201c (1992, S. 12)<\/p>\n<p>Hier wird \u00fcbrigens auch \u00fcberdeutlich, f\u00fcr wen dieses neue Wohlstandsmodell gilt und f\u00fcr wen nicht. Weltweit gesehen nimmt eine kleine Elite f\u00fcr sich in Anspruch, die immer knapper werdenden Ressourcen auch noch f\u00fcr den letzten Teil ihrer Wohlstandsparty einzusetzen. Der ressourcensparende, intelligente, \u00f6kologiekompatible Wohlstand ist bei Licht besehen chauvinistische Brutalit\u00e4t. Bereits jetzt sind es global gesehen nur 6 Prozent der Menschheit, die jemals in einem Flugzeug gesessen sind, w\u00e4hrend in Nigeria unter Lebensgefahr \u00d6lpipelines angezapft werden und im Sudan der erste Klimakrieg tobt. (&#8230;)<\/p>\n<p>(&#8230;) \u00dcberdeutlich wird der illusion\u00e4re Charakter der aktuellen Diskussion beim Thema \u201eMobilit\u00e4t\u201c. Verwundert reibt man sich die Augen, wenn man in gleich zwei Ausgaben des <em>SPIEGEL<\/em> hintereinander zu lesen bekommt, dass die Biomasse der Erde sieben- bis achtmal gr\u00f6\u00dfer ist als die Menge, die n\u00f6tig ist, um den alternativen Treibstoff f\u00fcr unser heutiges Mobilit\u00e4tsniveau zu sichern.<\/p>\n<p>Leider ist diese Aussage nicht weiter belegt. Aber der Unsinn liegt ohnehin auf der Hand. Die hohen Verluste an fruchtbarem Ackerland durch Bodenerosion, die Ausdehnung der W\u00fcsten etc. sind jedem auch nur oberfl\u00e4chlich Informierten bekannt. Selbstverst\u00e4ndlich steht die Erzeugung von Biomasse in unmittelbarer Konkurrenz zur Ern\u00e4hrung der Weltbev\u00f6lkerung. Der gegenw\u00e4rtige weltweite Boom beim Anbau von Plantagen f\u00fcr pflanzliche Treibstoffe bedeutet letztlich, dass weltweit gesehen 800 Millionen Autobesitzer (mit entsprechend mehr Kaufkraft) gegen die 2 Milliarden Menschen konkurrieren, die heute unter der Armutsgrenze leben. (&#8230;)<\/p><\/blockquote>\n<p>Abgesehen vom (hier nicht zitierten) Schlussabsatz des Textes, in dem der Autor quasi f\u00fcr eine staatlich gelenkte Verteilung der Ressourcen (also eine Art Planwirtschaft) eintritt, ist die Lekt\u00fcre des Artikels meines Erachtens in seiner G\u00e4nze nur zu empfehlen!<\/p>\n<div id=\"attachment_5106\" style=\"width: 257px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.sxc.hu\/photo\/1206020\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5106\" class=\"size-full wp-image-5106\" title=\"grun_parsley\" src=\"http:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/grun_parsley.jpg\" alt=\"grun_parsley\" width=\"247\" height=\"186\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5106\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 nkzs, stock.xchng<\/p><\/div>\n<p>Und wo wir schon mal beim Thema Illusionen in Bezug auf die Rettung des Systems durch h\u00f6here Effizienz sind \u2013 einen recht spannenden Beitrag verfasste auch <strong>Andreas Exner<\/strong> mit \u201e<a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/exner-sackgasse-gruenpartei-streifzuege-46-2009.pdf\"><strong>Sackgasse Gr\u00fcnpartei?<\/strong><\/a>\u201c (das sind die Gr\u00fcnen in \u00d6sterreich), in dem er vor allem auf die Grundproblematik JEDER Partei in unserem System eingeht, n\u00e4mlich im Grunde staatstragend zu sein. Das passt zu der hier im Blog entbrannten Diskussion bez\u00fcglich Anarchie &amp; Demokratie&#8230;<\/p>\n<blockquote><p>Den Charakter der politischen Partei pr\u00e4gt ihre Orientierung auf den Staat. Sie nimmt die Interessen, die der Kapitalismus setzt, in sich auf, formiert sie, tariert Antagonismen wie jenen zwischen Kapital und Arbeit aus und setzt den resultierenden Kr\u00e4ftevektor in Staatshandeln um.Die von einer Partei formierten Interessen zielen grunds\u00e4tzlich darauf, den Kapitalismus aufrechtzuerhalten: Lohnabh\u00e4ngige wollen Lohnarbeit und wollen ergo Lohn; Kapitalisten wollen Agenten des Kapitals bleiben und ergo Profit. Alle wollen Wirtschaftswachstum, denn ohne Akkumulation von Kapital l\u00e4uft im Kapitalismus nichts. (&#8230;)<\/p>\n<p>(&#8230;) Die Partei ist strukturell gesehen ein Stimmenmaximierungs-Apparat. Die Bedingung seiner M\u00f6glichkeit ist die Abtrennung der Einzelnen von ihren Entscheidungsm\u00f6glichkeiten. Die Abgabe der Stimme bei der Parteienwahl ist ein Mechanismus, mit dem der Staat sich Legitimit\u00e4t verschafft. Es ist kein Mechanismus der kollektiven Selbstbestimmung. Umgekehrt ist die Abtretung von Stimmen an eine Partei kein Mechanismus der Delegation von Entscheidungen zwecks Komplexit\u00e4tsreduktion. Ihr Ergebnis ist vielmehr Repr\u00e4sentation der Entscheidungsbefugnis, die den W\u00e4hlenden per Wahl entzogen wird. (&#8230;)<\/p>\n<p>(&#8230;) Der Partei geht es nicht wesentlich um die Ver\u00e4nderung gesellschaftlicher Verh\u00e4ltnisse, sondern um deren effiziente Ausnutzung zur Maximierung der eigenen Macht und Mittel. Ebenso wie der Markt dazu f\u00fchrt, dass sich TV-Programme angleichen, Zeitungen immer \u00e4hnlicher werden und Waschmittel nur an der Verpackung zu unterscheiden sind, tendiert jede Partei zur Mitte. Die Wirtschaftspolitik von SP\u00d6, \u00d6VP, Gr\u00fcnen, FP\u00d6 und BZ\u00d6 differiert marginal. Die marginale Differenz wird dadurch bestimmt, der anderen Partei nicht zu \u00e4hnlich sein zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Freilich, es ist denkbar, dass eine Partei dieser Handlungslogik, die in ihr als sozialer Form angelegt ist, explizit widerspricht. Die Gr\u00fcnparteien der Anfangsjahre sind daf\u00fcr ein Beispiel. Gerade sie zeigen allerdings auch, dass sich die Logik der Partei selbst in einer fundamentaloppositionellen Parteiarbeit letztlich durchsetzt. (&#8230;)<\/p>\n<p>(&#8230;) Wohlgemerkt: Am \u201eGreen New Deal\u201c ist nicht zu kritisieren, dass Geldmittel f\u00fcr erneuerbare Energiesysteme ausgegeben, die Effizienz gesteigert und der \u00f6ffentliche Verkehr verbessert werden sollen. Zu kritisieren aber ist die gef\u00e4hrliche Illusion, damit das \u00f6kologische Problem oder die Wirtschaftskrise zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p>Die Einsicht in die Borniertheit der Parteienlogik hei\u00dft jedoch nicht, die Parteien aus ihrer Verantwortung zu entlassen. Ganz im Gegenteil ist von allen Akteuren einzufordern, sich der Realit\u00e4t zu stellen. Profit- und Machtproduktion sind keine legitimen Argumente. Dissidente in den Gr\u00fcnparteien sind explizit zu st\u00e4rken und als Aufl\u00f6sungspunkte der Parteiform, das hei\u00dft notwendiger Teil einer emanzipatorischen Perspektive zu unterst\u00fctzen.<\/p><\/blockquote>\n<h3 class='related_post_title'>Verwandte Beitr\u00e4ge:<\/h3><ul class='related_post'><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=15161\" title=\"Guerilla-Strom\">Guerilla-Strom<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=13382\" title=\"Lesetipps: Krise und Wahn | 147 Konzerne kontrollieren die Wirtschaft | Fundamentalisten | \u00d6ko\">Lesetipps: Krise und Wahn | 147 Konzerne kontrollieren die Wirtschaft | Fundamentalisten | \u00d6ko<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=12607\" title=\"Der Crash-Kurs \u2013 bereit f\u00fcr die Krise?\">Der Crash-Kurs \u2013 bereit f\u00fcr die Krise?<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=11699\" title=\"Regenerative Energie dezentral gewinnen und dezentral speichern\">Regenerative Energie dezentral gewinnen und dezentral speichern<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=11760\" title=\"Lesetipps: Wie Goldman-Sachs die Agrar-Symmetrie zerst\u00f6rte | Energiewende | G\u00e4rtnern in der Stadt | Die Datenfresser | Apple(-Fanboys) in der Kritik\">Lesetipps: Wie Goldman-Sachs die Agrar-Symmetrie zerst\u00f6rte | Energiewende | G\u00e4rtnern in der Stadt | Die Datenfresser | Apple(-Fanboys) in der Kritik<\/a><\/li><\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem ich inzwischen ein wenig intensiver in der neuen Ausgabe der \u201eMagazinierten Transformationslust\u201c, dem Heft Streifz\u00fcge, gelesen habe (das man sich nach wie vor HIER komplett als pdf herunterladen kann, und das kostenlos), m\u00f6chte ich Euch doch noch ein paar weitere Artikel daraus ans Herz legen. 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