{"id":2689,"date":"2009-02-18T10:05:55","date_gmt":"2009-02-18T09:05:55","guid":{"rendered":"http:\/\/konsumpf.de\/?p=2689"},"modified":"2009-10-31T14:27:52","modified_gmt":"2009-10-31T12:27:52","slug":"die-%e2%80%9efinanzkrise%e2%80%9c-%e2%80%93-nun-also-doch-eine-systemkrise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/konsumpf.de\/?p=2689","title":{"rendered":"Die \u201eFinanzkrise\u201c \u2013 nun also doch eine Systemkrise?"},"content":{"rendered":"<p>Tja, nun ist aus dem, was Politik und Medien uns letztes Jahr noch als reine <strong>\u201eFinanzkrise\u201c<\/strong> verkauft haben, inzwischen dann doch eine ausgewachsene Wirtschafts-, wenn nicht gar <strong>Weltwirtschaftskrise<\/strong> geworden. Fast t\u00e4glich h\u00f6rt man in den Nachrichten von Firmen, die die schlechte Auftragslage durch Kurzarbeit ihrer Mitarbeiter abzufedern versuchen, oder die wie im Falle der deutschen Renommiermarken <strong>M\u00e4rklin<\/strong> oder <strong>Schiesser<\/strong> gleich ganz Konkurs anmelden. Und dennoch habe zumindest ich immer noch den Eindruck, das eigentlich alles bei uns seinen gewohnten Gang geht. In meinem Umfeld ist niemand direkt betroffen, die Regale sind voll, die Stra\u00dfen ebenfalls, das Einzige, was ich von der Krise geh\u00f6rt habe, waren zwei \u00c4u\u00dferungen von zwei Bekannten \u2013 der eine war unl\u00e4ngst in Kalifornien, wo man die Angst der Menschen wohl selbst als Au\u00dfenstehender richtig sp\u00fcren soll, der andere in der T\u00fcrkei, wo die Wirtschaft massiv zu schw\u00e4cheln beginnt. Und in Deutschland? Da hat \u201eunsere\u201c Regierung ja scheinbar alles im Griff, so viel Aktionismus, wie sie verbreitet, und wenn man sieht, wie sehr sie um die Autoindustrie und die Banken bem\u00fcht ist.<\/p>\n<div id=\"attachment_3010\" style=\"width: 510px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.timesfreepress.com\/news\/2008\/sep\/24\/rescue-plan\/?editorialcartoons\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3010\" class=\"size-full wp-image-3010\" title=\"Bennett editorial cartoon\" src=\"http:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/bennett_rescue_plan.jpg\" alt=\"Bennett editorial cartoon\" width=\"500\" height=\"336\" srcset=\"https:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/bennett_rescue_plan.jpg 600w, https:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/bennett_rescue_plan-300x201.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3010\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Chattanooga Times Free Press \/ Bennett<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: left;\">Und man h\u00f6rt sogar schon die ersten Optimisten (wie unseren <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,607724,00.html\">Neuwirtschaftsminister von und zu Guttenberg<\/a>), dass im Fr\u00fchjahr, sp\u00e4testens im Herbst (2009!) der Abschwung wieder vorbei sein solle und es danach mit dem \u201eAufschwung\u201c (den es de facto ja nie gab; jedenfalls kam er bei den meisten Menschen nicht wirklich an) weiter gehen wird, wie wir es gewohnt sind \u2013 also alles halb so schlimm? Ich glaube nicht. Tats\u00e4chlich fand sich in den vergangenen Wochen eine Vielzahl von kritischen Stimmen und Analysen sowohl im Internet wie auch erstaunlicherweise in der bislang eher zur\u00fcckhaltenden Mainstreampresse.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Vor gut zwei Wochen forderte <strong>Die Zeit<\/strong> in \u201e<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2009\/06\/Ratlosigkeit?page=all\">Jetzt mal ehrlich<\/a>\u201c (bezeichnenderweise unter der Rubrik \u201eRatlosigkeit\u201c!) zu einer schonungsloseren Sicht auf die Lage auf und sprach sich f\u00fcr ein Ende des Sch\u00f6nredens und Verdr\u00e4ngens aus, das die Politik im gro\u00dfen Stil betreibt.<\/p>\n<blockquote><p>Am 8. Oktober 2008 war die Krise noch jung, man m\u00f6chte fast sagen: unschuldig. An jenem Mittwochabend luden die Bundeskanzlerin und ihr Finanzminister die Chefs der wichtigsten Zeitungen ins Kanzleramt, um ihnen eine Botschaft zu \u00fcbermitteln. Die lautete: Wir wissen zwar nicht genau, was in zwei oder drei Wochen ist, aber w\u00fcrden doch sehr herzlich um Ihr Vertrauen bitten und vor allem darum, dass Sie keine schlechte Stimmung machen, denn dazu ist die Lage zu ernst.<\/p>\n<p>Die beiden trugen ihr Ansinnen auf beinahe sch\u00fcchterne Weise vor, wahrscheinlich wussten sie, wie br\u00fcchig ihr Konzept war: den Banken einen Schirm aufspannen, ein kleines Konjunkturprogramm auflegen und den Menschen keine Angst machen, auf dass sie sch\u00f6n einkaufen gehen. Funktioniert hat immerhin das Letzte: Die Deutschen blieben cool und kauften zu Weihnachten wie \u00fcblich viel mehr, als sie brauchten. Ob das nun an den Zeitungen lag, sei dahingestellt, doch konnte man damals an die patriarchalische Vision glauben, dass die Eliten dem Volk nicht alles sagen \u2013 um es, mit Scheuklappen versehen, rasch durch die Krise zu f\u00fchren.<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/901054_haus-restaurant.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3021\" title=\"901054_haus-restaurant\" src=\"http:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/901054_haus-restaurant.jpg\" alt=\"901054_haus-restaurant\" width=\"200\" height=\"267\" \/><\/a>Und die folgenden, sehr spannenden Abs\u00e4tze, sind \u00fcberschrieben mit:<\/p>\n<blockquote><p>1. Die Krise ist ohne Beispiel<br \/>\n2. Das Ende ist noch lange nicht in Sicht<br \/>\n3. Die Krise entwickelt sich schneller, als die Politik reagieren kann<br \/>\n4. Die erste Ursache ist nicht die ganze L\u00f6sung<br \/>\n5. Denen, die sich besonders sicher sind, kann man am wenigsten trauen<br \/>\n6. Die Krise wird immer gr\u00f6\u00dfer, die Politik wird immer kleiner<br \/>\n7. Die Politik hat dem Volk nichts zu sagen<br \/>\n8. Die Krise erzeugt neue Krisen<\/p><\/blockquote>\n<p>Auch wenn dieser Artikel vielleicht ein wenig zu sehr (durchaus berechtigtes) Politiker-Bashing betreibt, so ist es doch bemerkenswert, wie weit die Autoren damit von der von der Regierung erbetenen Linie abzuweichen beginnen.<strong> als-ob-leben?<\/strong> kommentiert diesen Text in \u201e<a href=\"http:\/\/autismuskritik.twoday.net\/stories\/notiz-krisennews-spezial-erster-klartext-im-mainstream\/\">Krisennews Spezial \u2013 Erster Klartext im Mainstream<\/a>\u201c:<\/p>\n<blockquote><p>das ganze l\u00e4sst sich nat\u00fcrlich auch als versuch betrachten, mittels &#8220;neuer&#8221; aufrichtigkeit so etwas wie vertrauen in der herde zu erzeugen &#8211; ich verstehe den artikel jedoch pers\u00f6nlich v.a. als zeichen daf\u00fcr, sp\u00e4testens jetzt die sicherheitsgurte anzulegen und den helm aufzusetzen &#8211; die finale crashfahrt hat begonnen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich kann Euch die Beitragsserie <strong>\u201ekrisennews und -gedanken\u201c<\/strong> dieses Blogs generell nur empfehlen, denn der Autor vermittelt darin ein vielfacettiges Bild von den derzeit um uns herum brodelnden Krisenherden, von denen wir aus der Tagesschau nur mal so am Rande, schlaglichtartig erfahren. In der <a href=\"http:\/\/autismuskritik.twoday.net\/stories\/notiz-krisennews-und-gedanken-23\/\">letzten Folge (23) vom Sonntag<\/a>, ging es beispielsweise u.a. um die Proteste in Italien und Frankreich. Eher grundlegender Natur ist \u201e<a href=\"http:\/\/autismuskritik.twoday.net\/stories\/assoziation-es-gibt-systemkrise-baby\/\">Es gibt Systemkrise, Baby<\/a>\u201c, in dem der Bogen von den reinen, direkt zu beobachtenden Symptomen, hin zu einer grundlegenden In-Frage-Stellung des Wirtschaftssystems, das diese Zust\u00e4nde hervorgerufen hat, geschlagen wird.<\/p>\n<blockquote><p>so bin (nicht nur) ich bekanntlich zb. der meinung, dass selbst dann, wenn die derzeit praktizierte \u00f6konomie aktuell auf welchen wegen auch immer nochmals unter enormen aufwand in eine richtung des wachstums gezwungen werden sollte, die n\u00e4chsten strukturellen krisen unmittelbar eintreten w\u00fcrden &#8211; und als erstes w\u00fcrde peak oil bzw. die folgen des peaks daf\u00fcr sorgen, dass ein sog. aufschwung sehr sehr schnell wieder aufgrund rasant steigender energiepreise zum rohrkrepierer wird. aber das ist nur ein punkt, den ich v.a. deswegen immer wieder erw\u00e4hne, weil er mir ansonsten \u00fcberall zu kurz kommt. mittlerweile kommt die diagnose einer ausgewachsenen systemkrise jedoch aus immer mehr ecken, und es werden weitere &#8211; reale und halluzinierte &#8211; gr\u00fcnde genannt, mit denen sich eine n\u00e4here besch\u00e4ftigung lohnt.<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/economist_cover_oh_fuck_september_3.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3022\" title=\"economist_cover_oh_fuck_september_3\" src=\"http:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/economist_cover_oh_fuck_september_3.gif\" alt=\"economist_cover_oh_fuck_september_3\" width=\"220\" height=\"290\" srcset=\"https:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/economist_cover_oh_fuck_september_3.gif 303w, https:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/economist_cover_oh_fuck_september_3-227x300.gif 227w\" sizes=\"(max-width: 220px) 100vw, 220px\" \/><\/a>Ein weiteres Beispiel f\u00fcr eine eher konservative Zeitung, die sich nun pl\u00f6tzlich mit der Realit\u00e4t auseinanderzusetzen beginnt (zaghaft) ist die <strong>Financial Times Deutschland<\/strong>. In seiner Kolumne \u201e<a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/meinung\/leitartikel\/:Kolumne-Thomas-Fricke-Zeit-f%FCr-eine-Bad-Ideas-Bank\/470684.html\">Zeit f\u00fcr eine Bad-Ideas-Bank<\/a>\u201c schreibt <strong>Thomas Fricke<\/strong> f\u00fcr einen Wirtschaftsjournalisten doch sehr Erstaunliches:<\/p>\n<blockquote><p>Das globale wirtschaftliche Desaster st\u00fcrzt die Wirtschaftswissenschaft in eine Legitimationskrise &#8211; was das Gros der Betroffenen noch nicht merkt. Die Branche braucht eine ganz neue Generation von \u00d6konomen.<\/p>\n<p>(&#8230;) &#8220;Wir sind eine Wissenschaft, die arrogant auftritt, aber gar keinen Grund hat, arrogant zu sein&#8221;, urteilte k\u00fcrzlich Harvard-\u00d6konom Dani Rodrik. &#8220;In der Finanzkrise ist der Anspruch der \u00d6konomen erloschen, eine Wissenschaft zu sein&#8221;, polterte Mois\u00e9s Na\u00edm*, Chef der Zeitschrift &#8220;Foreign Policy&#8221;, beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Umfragen in der Bev\u00f6lkerung ergeben derzeit \u00c4hnliches. &#8220;Die meisten von uns sind ziemlich ratlos&#8221;, r\u00e4umt Friedrich Schneider, Chef der Vereinigung deutschsprachiger \u00d6konomen, ein: &#8220;Wir sind in der Krise.&#8221;<\/p>\n<p>Das Problem liegt weniger darin, dass keiner die Lehman-Pleite vorhergesagt hat (sonst h\u00e4tte es sie wahrscheinlich nicht gegeben). Die aktuelle Finanzkrise rei\u00dft ganze Glaubenss\u00e4tze mit: dass M\u00e4rkte am besten funktionieren und eigene Fehler glimpflich korrigieren. &#8220;Diese Annahme ist gescheitert&#8221;, sagt Nobelpreistr\u00e4ger Edmund Phelps. &#8220;Der Marktfundamentalismus war ein Fehler&#8221;, so Ken Rosen von der University of California &#8211; ein Standardsatz, dem in Davos 2009 niemand mehr widersprach.<\/p><\/blockquote>\n<p>Interessant ist in diesem Zusammenhang auch ein Feature des ARD-Wirtschaftsmagazins <strong>Plusminus<\/strong> \u201e<a href=\"http:\/\/www.daserste.de\/plusminus\/beitrag_dyn~uid,63aacwb8om7i3sie~cm.asp\">Krisenbek\u00e4mpfung \u2013 Wachsende Schuldenberge<\/a>\u201c \u2013 nicht, weil dort die beiden \u201eExperten\u201c <strong>Prof. Max Otte<\/strong> und <strong>Dr. Marc Faber<\/strong> auf die (amerikanische) Notenbankpolitik der letzten Jahre schimpfen, sondern wegen der Implikationen, die man aus diesen Zeilen ablesen kann:<\/p>\n<blockquote><p>Vor allem Alan Greenspan, der einst so verehrte Chef der US-Notenbank, hat w\u00e4hrend seiner Amtszeit jede Rezession mit sehr viel billigem Geld bek\u00e4mpft, das er durch Zinssenkungen in den Markt pumpte. Dass Politik und Notenbanken den aktuellen Crash mit eben diesem Mittel bek\u00e4mpfen, h\u00e4lt er in der gegenw\u00e4rtigen Situation zwar f\u00fcr alternativlos, langfristig aber f\u00fcr verheerend: \u201eSo wie Politik und Notenbanken auf die Krise reagieren, ist es sehr wahrscheinlich, dass wir uns die n\u00e4chste Blase schon wieder aufbauen, und die wird genauso gro\u00df, wenn nicht sogar noch gr\u00f6\u00dfer als die gegenw\u00e4rtige\u201c, so der Wirtschaftswissenschaftler.<\/p><\/blockquote>\n<p>Eine sehr gute und wie ich finde zutreffende und fundierte Analyse der Gr\u00fcnde, die zu dieser Krise gef\u00fchrt haben, liefert <strong>Lothar Galow-Bergemann<\/strong> in der Zeitschrift <strong>krisis<\/strong> \u2013 \u201e<a href=\"http:\/\/www.krisis.org\/2009\/krisengefluester-wahre-und-falsche-ursachen-der-finanzkrise\">Krisengefl\u00fcster \u2013 wahre und falsche Ursachen der Finanzkrise<\/a>\u201c. Es lohnt sich, diesen etwas l\u00e4ngeren Vortrag in G\u00e4nze durchzulesen, denn er stellt die ganze Problematik gut auf eine breitere Basis als das blo\u00dfe Finanzsystem und r\u00e4umt auch mit einigen vereinfachenden, ablenkenden Erkl\u00e4rungsversuchen (\u201ealles nur Schuld der dummen amerikanischen H\u00e4uslebauer\u201c, \u201ediese gierigen Banker!\u201c usw.) auf.<\/p>\n<blockquote><p>Wenn es nur <em>eine<\/em> Krise w\u00e4re, die diese globalisierte Wirtschaftsordnung der Menschheit beschert, so k\u00f6nnte man fast noch von Gl\u00fcck reden. Aber es sind derer mindestens gleich f\u00fcnf: &#8211; die Hunger- und Ern\u00e4hrungskrise \u2013 die Energiekrise \u2013 die Umwelt- und Klimakrise \u2013 die staatliche Zerfallskrise in gro\u00dfen Teilen der Welt \u2013 und die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise. Alle diese Krisen sind miteinander verwoben und bilden gemeinsam eine Art globaler Hyperkrise, die \u2013 und das ist leider nicht \u00fcbertrieben \u2013 m\u00f6glicherweise dazu f\u00fchren wird, dass sich die Menschheit selber vernichtet und einen Gro\u00dfteil der Natur gleich mit. Nur wer mit ideologischen Scheuklappen \u00e0 la Guido Westerwelle oder Friedrich Merz heruml\u00e4uft, kann davor noch die Augen verschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>(&#8230;) Der erste Strickfehler <em>(der kapitalistischen Wirtschaft)<\/em>: Sie funktioniert nur, wenn sie ewig wachsen kann. Jedes Kind wei\u00df zwar, dass so etwas auf Dauer schief gehen muss. Aber trotzdem ist das ewige Wirtschaftswachstum die heilige Kuh dieser Gesellschaft. Kommt das Wachstum ins Stottern, geht es gar zur\u00fcck, jammern Unternehmerverb\u00e4nde, Gewerkschaften, Kommunalpolitiker und Zeitungskommentatoren unisono, denn dann geht es unweigerlich an die Profite, an die Arbeitspl\u00e4tze, an die Steuereinnahmen, kurz an die Grundlagen von Wirtschaft und Staat.<\/p>\n<p>(&#8230;) Denn \u2013 und das ist gewisserma\u00dfen das \u201eSahneh\u00e4ubchen\u201c auf der globalen Hyperkrise: Personalisierte und regressive ideologische Krisenverarbeitung in den K\u00f6pfen f\u00f6rdert das Umsichgreifen des Ressentiments und die Gefahr, dass extrem menschenfeindliche und reaktion\u00e4re Bewegungen entstehen, die sich zusammenphantasieren, die Krise k\u00f6nne mittels der Vernichtung der von ihnen ausgemachten B\u00f6sewichte \u00fcberwunden werden. Dieser Wahn versch\u00e4rft dann das Krisenpotential noch einmal deutlich und die Lage wird noch explosiver.<\/p><\/blockquote>\n<p>Abschlie\u00dfend noch zwei passende Sichtweisen zus der Blogwelt \u2013 zum einen von <strong>Feynsinn<\/strong>, der die \u201e<a href=\"http:\/\/feynsinn.org\/?p=1042\">Psychologie des Neoliberalismus<\/a>\u201c sehr treffend analysiert und klar macht, dass eine der Krisenursachen eben auch in dieser Ideologie zu suchen ist.<\/p>\n<blockquote><p>Die letzte Schlacht einer realit\u00e4tsblinden Strategie ist ebenso konsequent wie tragisch. Diese war von vornherein darauf angelegt, sich gegen jede Kritik abzuschotten und jedes Opfer hinzunehmen. Der Neoliberalismus kann sich nicht anders denken als alternativlos. Die Verh\u00f6hnung und Beschuldigung der Verlierer, das Zusammenr\u00fccken derer, die sich als \u201cElite\u201d betrachten, das Hinnehmen jeder schreienden Ungerechtigkeit auf dem Weg in den Abgrund waren Programm.<\/p><\/blockquote>\n<p>Auch <strong>Claudia Klinger<\/strong> befasste sich in ihrem Blog <strong>digital diary<\/strong> mit der Krise: \u201e<a href=\"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2009\/02\/15\/finanzkrise-ungeloest-das-koan-des-kapitalismus\/\">Finanzkrise ungel\u00f6st: Das KOAN des Kapitalismus<\/a>\u201c \u2013 ihr sch\u00f6nes Zitat soll diesen Beitrag beschlie\u00dfen:<\/p>\n<blockquote><p>Das ungel\u00f6ste Finanzproblem  erscheint mir zunehmend als ein KOAN des Kapitalismus, da es system-immanent unl\u00f6sbar erscheint. <em>\u201cEin Koan ist ein Zen-R\u00e4tsel, dessen L\u00f6sung zur unmittelbaren Erfahrung der Erleuchtung f\u00fchrt, weil die Grenzen des logischen Denkens durchbrochen werden m\u00fcssen. Diese Zen-Technik ist bereits Jahrhunderte lang erprobt und bew\u00e4hrt, erfordert jedoch absolutes Loslassenk\u00f6nnen von herk\u00f6mmlichen Denkstrukturen, was meist nur unter gro\u00dfem psychischen Einsatz gelingt.\u201d<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><em>Nachtrag:<\/em> den Artikel von Friedrich Krotz \u201e<a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/archiv\/dossiers\/dossier-finanzkrise\/artikel\/1\/der-kapitalismus-ruiniert-sich-selbst\/\">Die Wurzeln der Krise: Der Kapitalismus ruiniert sich selbst<\/a>\u201c, der am 18.2. in der taz erschien, kann ich auch nur zur Lekt\u00fcre empfehlen!<\/p>\n<blockquote><p>Was also ist die Krise? Das Bankensystem hat sich selbst ruiniert, aber nicht weil es die Regeln des Kapitalismus verletzt hat, sondern weil es sie konsequent befolgt hat: Ziel war und ist nichts als Gewinn, soziale Verantwortung oder Ethik hin oder her. Ebenso wie der Staatssozialismus an sich selbst erstickt ist, haben sich die Banken damit in einem Meer von Geld selbst ertr\u00e4nkt und sich gegenseitig in die Pleite getrieben.<\/p><\/blockquote>\n<h3 class='related_post_title'>Verwandte Beitr\u00e4ge:<\/h3><ul class='related_post'><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=14271\" title=\"Der \u00f6konomische Putsch \u2013 Was hinter den Finanzkrisen steckt\">Der \u00f6konomische Putsch \u2013 Was hinter den Finanzkrisen steckt<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=13382\" title=\"Lesetipps: Krise und Wahn | 147 Konzerne kontrollieren die Wirtschaft | Fundamentalisten | \u00d6ko\">Lesetipps: Krise und Wahn | 147 Konzerne kontrollieren die Wirtschaft | Fundamentalisten | \u00d6ko<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=3384\" title=\"Die Krise\">Die Krise<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=14357\" title=\"Islands Weg aus der Krise \u2013\u00a0ein Lehrst\u00fcck?\">Islands Weg aus der Krise \u2013\u00a0ein Lehrst\u00fcck?<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=14133\" title=\"Hurra, wir retten die Banken! 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