{"id":1787,"date":"2009-01-01T12:37:47","date_gmt":"2009-01-01T11:37:47","guid":{"rendered":"http:\/\/konsumpf.de\/?p=1787"},"modified":"2010-11-01T20:34:13","modified_gmt":"2010-11-01T19:34:13","slug":"beyond-the-bailout-agenda-fur-eine-neue-wirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/konsumpf.de\/?p=1787","title":{"rendered":"Beyond the Bailout: Agenda f\u00fcr eine neue Wirtschaft"},"content":{"rendered":"<p>[Dies ist meine \u00dcbersetzung des Artikels <a href=\"http:\/\/www.yesmagazine.org\/article.asp?id=3050\" target=\"_blank\">Beyond the bailout \u2013 Agenda for a New Economy<\/a>\u201d von <a href=\"http:\/\/www.davidkorten.org\">David Korten<\/a>, der im November 2008 im US-amerikanischen <a href=\"http:\/\/www.yesmagazine.org\/\">YES! Magazine<\/a> als Teil ihres Winter-Specials <strong>\u201eSustainable Happiness\u201c<\/strong> erschien. Noch mehr Infos \u00fcber eine nachhaltigere Wirtschaftsordnung findet man u.a im Artikel \u201e<a href=\"http:\/\/www.yesmagazine.org\/default.asp?ID=257\" target=\"_blank\">Path to a New Economy \u2013 The YES! take on an economy that serves people and communities<\/a>\u201d. <em>Ach ja, und ein frohes neues Jahr allerseits!<\/em>]<\/p>\n<p><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-1865\" title=\"david-korten-dsc_0055e-2\" src=\"http:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2008\/12\/david-korten-dsc_0055e-2-199x300.jpg\" alt=\"david-korten-dsc_0055e-2\" width=\"113\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2008\/12\/david-korten-dsc_0055e-2-199x300.jpg 199w, https:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2008\/12\/david-korten-dsc_0055e-2.jpg 250w\" sizes=\"(max-width: 113px) 100vw, 113px\" \/>Die Finanzkrise hat die Mythen zum Schweigen gebracht, dass unsere Wirtschaftsinstitutionen solide seien und dass M\u00e4rke am besten funktionieren, wenn sie dereguliert werden. Unsere \u00f6konomischen Einrichtungen haben versagt, nicht nur finanziell, sondern auch in sozialer und \u00f6kologischer Hinsicht. In Verbindung mit der Wahl eines neuen Pr\u00e4sidenten mit dem Mandat zum Wandel, gibt uns dies die gute Gelegenheit, innezuhalten, zu \u00fcberdenken und umzugestalten.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Der zuk\u00fcnftige Pr\u00e4sident Obama hat versprochen, die Wirtschaft von der Basis her wachsen zu lassen. Dies w\u00e4re eine grundlegende Verbesserung gegen\u00fcber der bisherigen Vorgehensweise, die Spitze auf Kosten des Fundaments zu entwickeln. Das eigentliche Bed\u00fcrfnis besteht jedoch in einer Transformation unserer wirtschaftlichen Werte und Institutionen von Grund auf, um sie auf die Erfordernisse und Herausforderungen des 21. Jahrhunderts auszurichten. Deshalb stehen f\u00fcnf Schritte auf der Tagesordnung: die Wall Street aufzur\u00e4umen, nach den Regeln des Marktes zu spielen, die Realwirtschaft sich selbst finanzieren zu lassen, zu ermitteln, was wir wirklich wollen und zu schuldfreiem Geld zu wechseln.<\/strong><\/p>\n<p>Der aktuelle Zusammenbruch des Marktes und die daraus resultierenden Versprechen auf Rettungspakete von \u00fcber einer Billion Dollar haben die Aufmerksamkeit des Landes auf die verheerenden Folgen der Wall Street-Deregulierung gerichtet. Dies ist aber nur die Spitze des Eisbergs einer gescheiterten Wirtschaftsordnung, die dringend einer grunds\u00e4tzlichen Umgestaltung bedarf.<\/p>\n<p>Unsere Wirtschaft hat sich drastisch von den menschlichen Bed\u00fcrfnissen und der Umwelt entfernt. Das Ergebnis ist f\u00fcr beide ein Desaster. Einkommen sinken angesichts steigender Nahrungsmittel- und Energiepreise. Konsumentenverschuldung und Zwangsversteigerungen von H\u00e4usern erreichen historische H\u00f6chstst\u00e4nde. Die Mittelschicht schrumpft. Die gewissenlose und zunehmende weltweite Schere zwischen arm und reich mit der damit einher gehenden sozialen Entfremdung erzeugt soziale Verwerfungen, die wiederum zu Verbrechen, Terrorismus und V\u00f6lkermord f\u00fchren.<\/p>\n<p>Gleichzeitig treibt exzessiver Konsum das \u00d6kosystem unserer Erde an den Rand des Kollaps, Wissenschaftler sind sich weltweit praktisch dar\u00fcber einig, dass die menschlichen Aktivit\u00e4ten wesentlich f\u00fcr den Klimawandel und der darauf folgenden Zunahme von D\u00fcrren, \u00dcberschwemmungen und Waldbr\u00e4nden verantwortlich sind.<\/p>\n<p>Wir stehen einer monumentalen \u00f6konomischen Herausforderung gegen\u00fcber, die weit \u00fcber das hinaus geht, was im U.S.-Kongress diskutiert wird. Die H\u00e4rten, die durch das vor\u00fcbergehende Einfrieren der Kreditm\u00e4rkte ausgel\u00f6st wurden, verblassen im Vergleich dazu.<\/p>\n<p><strong>Dies w\u00e4re ein guter Augenblick, die wirtschaftliche Leistung in Bezug auf das was wir wirklich wollen \u2013 gesunde Kinder, Familien, Gemeinschaften und nat\u00fcrliche Systeme \u2013 zu beurteilen.<\/strong><\/p>\n<p>Das Rettungspaket f\u00fcr die Wall Street, das der Kongress in einem Moment der Panik beschlossen hat, geht in keinster Weise auf die strukturellen Probleme ein, die zu der Kreditklemme gef\u00fchrt haben, ganz zu schweigen von den strukturellen Gr\u00fcnden, die f\u00fcr die noch schwereren Misserfolge des Wirtschaftssystems in Bezug auf Umwelt und soziale Entwicklungen verantwortlich sind. Auf der positiven Seite ist zu vermerken, dass die Finanzkrise die Mythen zum Schweigen gebracht hat, dass unsere Wirtschaftsinstitutionen solide seien und dass M\u00e4rke am besten funktionieren, wenn sie dereguliert w\u00fcrden. Sie bringt uns den geeigneten Augenblick f\u00fcr einen tiefgreifenden Wandel.<\/p>\n<p>Hier sind einige unverzichtbare Schritte in Richtung eines Systemumbaus, der uns auf den Weg zu einer nachhaltigen Wirtschaftsordnung f\u00fchrt, die f\u00fcr alle funktioniert.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1860\" title=\"1104443_money\" src=\"http:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2008\/12\/1104443_money.jpg\" alt=\"1104443_money\" width=\"117\" height=\"300\" \/><span style=\"color: #000080;\"><strong>Schritt 1: Wall Street aufr\u00e4umen<\/strong><\/span><br \/>\nDie erste Sache, die angepackt werden muss, ist die aktuelle Krise unter Kontrolle zu bringen. Wall Street-Institutionen haben lange Zeit behauptet, dass ihre Handelsaktivit\u00e4ten Wohlstand erzeugen, also jene Mittel, die die Wirtschaft am Laufen halten, die die wirtschaftliche Effizienz steigern und die M\u00e4rkte stabilisieren. Der Finanzcrash hat den Schleier gel\u00fcftet und offenbart ein korruptes System, das auf Spekulation, dem Pl\u00fcndern von Firmenwerten, r\u00e4uberischen Krediten und Anlageblasen wie bei Immobilien und \u201edot com\u201c-Boomphasen beruht.<\/p>\n<p>Wenn die Leute, die hieran beteiligt sind, irgend etwas von Wert produzieren, so ist dies rein zuf\u00e4llig, denn ihr eigentliches Ziel besteht darin, spekulative Gewinne einzufahren, die die gesamte Weltwirtschaft aufs Spiel setzen und zu gigantischen Forderungen f\u00fcr von den Steuerzahlern finanzierte Rettungsschirme f\u00fchren, wenn ihre Verm\u00f6genswerte den Bach runtergehen. F\u00fcr dieses Wirken\/Arbeiten haben die 50 bestbezahlten Manager von privaten Investmentfonds 2007 zusammen stolze 588 Millionen US$ an Lohn erhalten \u2013 19.000 Mal mehr als das durchschnittliche Einkommen.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen Wall Street zur Rechenschaft ziehen, einen Teil der Verluste von jenen zur\u00fcck holen, die daf\u00fcr verantwortlich sind, und eine Wiederholung des Kreditkollaps verhindern. Die Empfehlungen des <em>Institute for Policy Studies (IPS)<\/em>, eines Think Tanks aus Washington, sind ein guter Ansatzpunkt. In \u201e<a href=\"http:\/\/www.yesmagazine.org\/article.asp?ID=3122\">Ein vern\u00fcnftiger Plan f\u00fcr eine Erholung<\/a>\u201c fordert das IPS den Kongress auf, die Finanzwelt sowohl f\u00fcr den Rettungsschirm als auch f\u00fcr die Ankurbelung der Realwirtschaft zahlen zu lassen. Der Plan sieht eine Transaktionssteuer vor, eine Mindest-Unternehmenssteuer, das Zur\u00fcckholen der Bonuszahlungen an Manager, die f\u00fcr die Krise verantwortlich sind, das Ende von Steueroasen und ein Abschaffen von Steuerschlupfl\u00f6chern f\u00fcr Vorstandsmitglieder. Das IPS fordert au\u00dferdem massive staatliche Regulierungen, um Spekulationen einzud\u00e4mmen und eine wirkliche \u00dcbersicht \u00fcber die Finanzm\u00e4rkte zu erhalten.<\/p>\n<p>Diese Vorschl\u00e4ge umzusetzen w\u00e4re ein sehr guter Anfang, um Spekulationen zu begrenzen, ein fortschrittliches Steuersystem wiederherzustellen, so dass eine bessere Verteilung der Wirtschaftsmacht gelingt, und um die besonders r\u00fccksichtslosen Wall Street-Firmen auszuschalten.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzliche Schritte werden notwendig, um \u2013 beginnend mit der Wall Street \u2013 Marktmachtkonzentrationen aufzubrechen, und die verbleibenden Banken auf das Allgemeinwohl einzuschw\u00f6ren. Die Entscheidung des Finanzministers Henry Paulson, dass die Regierung Beteiligungen an gef\u00e4hrdeten Banken erwirbt, ist ein positiver Schritt, der den Weg zu einer tiefgreifenden Umstrukturierung des Finanzsystems \u00f6ffnen kann.<\/p>\n<p>Die Regierung sollte sofort die Bestimmungen des Glass-Steagal-Gesetzes wieder in Kraft setzen, die die Fusionen von Gesch\u00e4fts- und Investmentbanken untersagen, und die Zerschlagung von Finanz-Konglomeraten und anderen Wall Street-Firmen, die \u201ezu gro\u00df sind zum Scheitern\u201c vorantreiben. Wie Senator Bernie Sanders feststellte: \u201eWenn ein Unternehmen zu gro\u00df ist, um zu scheitern, ist es auch zu gro\u00df, um zu existieren.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\"><strong>2. Schritt: Nach den Marktregeln spielen<\/strong><\/span><br \/>\nSobald wir das unmittelbare Feuer gel\u00f6scht haben, k\u00f6nnen wir unsere Aufmerksamkeit der Umgestaltung von potential n\u00fctzlichen Einrichtungen der Finanzwelt zuwenden, um sie mit den Anforderungen von Nachhaltigkeit und Fairness in Einklang zu bringen. Ironischer Weise, wenn man die von der Wall Street im Namen des freien Marktes begangenen Exzesse betrachtet, sieht die Wirtschaft, die wir erschaffen m\u00fcssen, derjenigen von Adam Smith, auf den sich manche als Vater des Kapitalismus berufen, erstaunlich \u00e4hnlich.<\/p>\n<p>Smith malte sich eine Welt <a href=\"http:\/\/www.yesmagazine.org\/article.asp?ID=1593\">lokaler Marktwirtschaften<\/a> aus, bev\u00f6lkert von kleinen Unternehmern, Handwerkern und famili\u00e4r gef\u00fchrten Bauernh\u00f6fen mit starken Wurzeln in der Kommune, die sich in ihrer Produktion damit besch\u00e4ftigen, ihre eigenen Bed\u00fcrfnisse und die ihrer Nachbarn zu befriedigen. Seine Vision hat wenig mit dem zu tun, was die Wall Street-Wirtschaft von freigelassenem Kapital, Credit Default Swaps, hektischer Spekulation und weltweiter Konzernimperien darstellt.<\/p>\n<p>Wie ich schon in meinen B\u00fcchern <em>When Corporations rule the world<\/em> und <em>The Post-Corporate world: Life after Capitalism<\/em> ausf\u00fchrte, h\u00e4ngen sozial effiziente Marktallokationen von einer ganzen Reihe wichtiger Bedingungen ab, die die Wall Street und jene \u00d6konomen, die der fundamentalistischen neoliberalen Ideologie verpflichtet sind, geflissentlich ignorieren. Zu diesen Grundbedingungen z\u00e4hlen:<\/p>\n<ul>\n<li>Marktpreise m\u00fcssen die vollen sozialen und \u00f6kologischen Kosten internalisieren.<\/li>\n<li>Der Handel zwischen Nationen muss im Gleichgewicht sein.<\/li>\n<li>Investitionen m\u00fcssen lokal erfolgen.<\/li>\n<li>Kein Marktteilnehmer ist so gro\u00df, dass er den Marktpreis direkt beeinflussen kann.<\/li>\n<li>Wirtschaftskraft\/-macht muss gleich verteilt sein.<\/li>\n<li>Jeder Marktteilnehmer muss \u00fcber vollst\u00e4ndige Informationen verf\u00fcgen und es darf keine Handelsgeheimnisse geben (sprich: keine von der Regierung verh\u00e4ngten Patentrechte).<\/li>\n<\/ul>\n<p>Um die Verzerrung durch unfaires Wettbewerbsverhalten zu verhindern m\u00fcssen die M\u00e4rkte reguliert werden, damit obige Grundbedingungen sichergestellt werden. Sehen Sie sie als grundlegende Bedingungen f\u00fcr gesundes, gerechtes und nachhaltiges Funktionieren der Wirtschaft an.<\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\"><strong>Schritt 3: Selbstfinanzierung der Realwirtschaft<\/strong><\/span><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1862\" title=\"1086817_dollar_in_a_box_1\" src=\"http:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2008\/12\/1086817_dollar_in_a_box_1.jpg\" alt=\"1086817_dollar_in_a_box_1\" width=\"234\" height=\"234\" srcset=\"https:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2008\/12\/1086817_dollar_in_a_box_1.jpg 300w, https:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2008\/12\/1086817_dollar_in_a_box_1-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 234px) 100vw, 234px\" \/>Weit davon entfernt die finanziellen Bed\u00fcrfnisse der Realwirtschaft zu bedienen, wird jene von der Finanzwirtschaft wie eine Kolonie behandelt, die zum Wohle des Kolonialherren betrieben werden muss. In Zusammenarbeit mit der Federal Reserve [der amerikanischen Zentralbank] haben Wall Street-Akteure eine Kombination aus Kontrolle \u00fcber die Geldversorgung, r\u00e4uberischen Kreditpraktiken und Lobbying und Kampagnen eingesetzt, um L\u00f6hne zu dr\u00fccken, soziale Sicherheitsnetze zu durchl\u00f6chern und sich den Wert der Produktivit\u00e4tsgewinne selbst zu sichern. Das obere 1 Prozent der U.S.-Einkommen hat seinen Anteil am nationalen Geldeinkommen zwischen 1980 und 2005 von 9 auf 19 Prozent gesteigert, wie Charles R. Morris in <em>The Trillion Dollar Meltdown<\/em> feststellt. Das Einkommen von 90 Prozent der Haushalte fiel relativ zur Inflation, die Sparrate sank auf unter 1 Prozent und die Verschuldung der Haushalte explodierte, w\u00e4hrend die Bev\u00f6lkerung darum k\u00e4mpft, ihr Leben beieinander zu halten.<\/p>\n<p>Ein unentbehrliches Element einer Nach-Krisen-Wirtschaft muss die Herstellung einer ausgeglicheneren Reichtumsverteilung sein, durch progressive Steuers\u00e4tze, das Anheben der Mindestl\u00f6hne und die Regulierung von Hypotheken- und Kreditkarten-Zinss\u00e4tzen. Dies wird denen, die am Boden sind, dabei helfen, Spareinlagen und Kaufkraft wiederherzustellen und in Kombination mit schuldfreiem Geld, auf das ich unten eingehen werde, die Abh\u00e4ngigkeit der Realwirtschaft von der Finanzwirtschaft aufl\u00f6sen. Die finanziellen Bed\u00fcrfnisse der Wirtschaft werden am besten durch ein bundesweit reguliertes Netzwerk von unabh\u00e4ngigen, im lokalen Besitz befindliche Gemeinschaftsbanken bedient, die die klassische Lehrbuchfunktion von Banken erf\u00fcllen, ein Vermittler zwischen Menschen vor Ort zu sein, die nach einem sicheren Platz f\u00fcr ihre Ersparnisse suchen und Menschen vor Ort, die Kredite f\u00fcr einen Hauskauf oder eine Firmenfinanzierung ben\u00f6tigen. Die Erkenntnis, dass Menschen ihre Ersparnisse vermehrt von den gigantischen Bankkonzernen mit fragw\u00fcrdigen Bilanzen hin zu kleineren lokalen Banken bewegen, ist ein positiver Schritt.<\/p>\n<p>Die Interessen der Wall Street haben das \u00f6konomische Spiel so manipuliert, dass Mega-Konzerne einen Wettbewerbsvorteil vor unabh\u00e4ngigen regionalen Unternehmen haben, die das Herzst\u00fcck der Realwirtschaft sind. Das <a href=\"http:\/\/www.newrules.org\">New Rules-Projekt<\/a> des <a href=\"http:\/\/www.ilsr.org\/\"><em>Institute for Local Self Reliance<\/em><\/a> (Institut f\u00fcr lokales Selbst-Vertrauen) stellt eine F\u00fclle von Empfehlungen zur Verf\u00fcgung, wie man ein Gleichgewicht der Kr\u00e4fte wiederherstellen kann.<\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\"><strong>Schritt 4: Messen, was wir wirklich wollen<\/strong><\/span><br \/>\nDie einzige legitime Funktion eines Wirtschaftssystems ist, dem Leben zu dienen. Derzeit jedoch messen wir \u00f6konomische Leistung ausschlie\u00dflich mit Hilfe finanzieller Indikatoren \u2013 Bruttosozialprodukt (BSP) und Aktienkursen \u2013 w\u00e4hrend wir die Wirkungen auf soziale Bereiche und die Umwelt ignorieren. Wir zahlen jetzt den Preis daf\u00fcr, dass wir die Wirtschaft jahrelang auf finanzielle Leistung hin getrimmt haben, die dazu f\u00fchrt, dass diejenigen, die Geld haben, noch mehr Geld machen \u2013 kurz: reiche Menschen werden reicher. Das war keine kluge Entscheidung. Wir m\u00fcssen nun die verheerenden Kosten f\u00fcr diese Dummheit tragen, in Form von massiven sozialen und \u00f6kologischen Sch\u00e4den und finanzieller Instabilit\u00e4t.<\/p>\n<p>Dies k\u00f6nnte ein guter Zeitpunkt sein, damit zu beginnen, die wirtschaftliche Leistung in Bezug auf Dinge zu messen, die wir wirklich wollen \u2013 gesunde Kinder, Familien, Gemeinschaften und \u00d6kosysteme. Dies w\u00fcrde Lebenswerte \u00fcber Geldwerte stellen und die Art und Weise, wie unsere Wirtschaft entscheidet, dramatisch umstellen. Gl\u00fccklichsein ist \u00fcbrigens ein wichtiger Indikator f\u00fcr physische und psychische Gesundheit.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen fortfahren, das BSP zu messen, eine Messgr\u00f6\u00dfe f\u00fcr wirtschaftlichen Durchsatz, als recht n\u00fctzlichen Indikator f\u00fcr die wirtschaftlichen Kosten, ein gegebenes Niveau von Gesundheit und Wohlergehen zu halten. Wenn wir erkennen, dass das BSP Kosten und nicht Gewinne darstellt, wird es klar, wieso es ein Fehler ist, es permanent zu steigern. Eine ganze Anzahl von Forschern hat darauf hingewiesen, dass das Gl\u00fccklichsein, genauso wie andere Messgr\u00f6\u00dfen menschlicher, sozialer und \u00f6kologischer Gesundheit, gesunken ist, w\u00e4hrend das BSP anstieg, aber ihre Ans\u00e4tze wurden bislang weitgehend ignoriert. Wir fahren damit fort unsere Wirtschaft so auszurichten, die Kosten zu maximieren statt den Nutzen\/Vorteil \u00f6konomischer Aktivit\u00e4t. Der Schock des Finanzkollaps gibt uns die Chance, die Aufmerksamkeit auf diese grundlegende Anomalie zu richten. Wir werden erkennen, dass wir einen wichtigen Schritt gegangen sind, wenn Wirtschaftsreporter fr\u00f6hlich verk\u00fcnden: \u201eEs war ein erfolgreiches Quartal. Die Zufriedenheit stieg um zwei Punkte w\u00e4hrend das BSP um einen Punkt sank.\u201c<\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\"><strong>Schritt 5: Wechsel zu schuldfreiem Geld<\/strong><\/span><br \/>\nDies bringt uns zur wichtigsten Reform von allen: die \u00c4nderung der Art, wie wir Geld erzeugen. Ein Schl\u00fcssel zur Macht der Finanzwirtschaft und der dem Finanzsystem innewohnenden Instabilit\u00e4t ist die Praxis privater Banken, Geld mit einem einfachen Buchhaltungseintrag zu erschaffen, jedes Mal, wenn sie einen Kredit vergeben. Da dieser Buchhaltungseintrag nur das Kapital, nicht aber die Verzinsungssumme erzeugt, f\u00fchrt dies zu einer Anh\u00e4ufung der Schulden und einem Kollaps von Finanz- und Wirtschaftssystem, sofern die Wirtschaft nicht schnell genug w\u00e4chst, um gen\u00fcgend Nachfrage nach weiteren Krediten zur Erschaffung neuen Geldes zu generieren, das ben\u00f6tigt wird, um die Zinszahlungen der fr\u00fcheren Kredite abzutragen. Das Verlangen nach Refinanzierung durch Schulden von nahezu jedem Dollar, der im Umlauf ist, garantiert das Fehlschlagen der Wirtschaft, es sei denn, das BSP und die Ungleichheit steigen permanent weiter.<\/p>\n<p>F\u00fchrende Wirtschaftswissenschaftler und Politiker, z.B. Thomas Jefferson und Benjamin Franklin, sprachen sich daf\u00fcr aus, das System des von den Banken erschaffenen Schuld-Geldes durch ein alternatives System zu ersetzen, bei dem die Regierung schuldfreies Geld generiert, indem es durch Ausgaben in die Welt gesetzt wird, beispielsweise um \u00f6ffentliche G\u00fcter wie Infrastruktur oder Bildung zu finanzieren. Die Vorstellung, dass die Regierung Geld mit einem Federstrich erzeugt, l\u00e4sst sofort die Alarmglocken schrillen, weil man eine galoppierende Inflation bef\u00fcrchtet. Die grundlegende \u00c4nderung zum bisherigen Zustand w\u00e4re jedoch, dass das Geld von der Regierung f\u00fcr ein \u00f6ffentliches Gut erzeugt wird statt von einer privaten Bank als privater Profit. Ellen Hodgson Browns <a href=\"http:\/\/www.webofdebt.com\">The Web of Debt<\/a> gibt eine informative \u00dcbersicht \u00fcber aktuelle Diskussionen und M\u00f6glichkeiten in diesem Bereich.<\/p>\n<p>Privat ausgegebenes Schuld-Geld tr\u00e4gt zur Verschuldung und hohen Steuern bei und tr\u00e4gt die Hauptschuld an der Umweltzerst\u00f6rung, da es unendliches Wachstum, extreme Ungleichheit (durch die Sicherstellung permanenter Umverteilung von unten nach oben) und wirtschaftliche Instabilit\u00e4t ben\u00f6tigt, da die Kreditvergabe zum Antreiben r\u00fccksichtsloser Spekulation nette kurzfristige Bankgewinne bewirkt. \u00d6ffentlich herausgegebenes schuldfreies Geld w\u00fcrde die Schulden, Steuern und die \u00f6kologischen Sch\u00e4den deutlich reduzieren, w\u00e4re besser verteilt und w\u00fcrde die finanzielle Stabilit\u00e4t erh\u00f6hen. In einer Demokratie sollten wir dies selbst entscheiden k\u00f6nnen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Dies ist ein geeigneter Augenblick, eine Agenda nach vorne zu bringen, die die gescheiterten, dem Gelde dienenden Institutionen unseres gegenw\u00e4rtigen Wirtschaftssystems durch Institutionen ersetzt, die dem Leben dienen. Die Vorstellung, dass wir Menschen das Leben \u00fcber das Geld stellen, mag unrealistisch und wider unserer menschlichen Natur erscheinen. Sicherlich will uns unsere herrschende kulturelle Geschichte dies glauben machen. Diese Geschichte\/Erz\u00e4hlung hat jedoch nicht mehr Wahrheitsgehalt als die Geschichte, dass Wall Street-Spekulationen einem h\u00f6heren \u00f6ffentlichen Interesse dienen. Wie ich bereits in meinem Artikel <a href=\"http:\/\/www.yesmagazine.org\/article.asp?id=2848\">We are hard-wired to care and connect<\/a> (Wir sind fest mit F\u00fcrsorge und Verbindung verdrahtet) im Herbst 2008 schrieb, haben Wissenschaftler herausgefunden, dass das menschliche Gehirn direkt auf Mitgef\u00fchl und Verbindung ausgerichtet ist.<\/p>\n<p>Die vielen Jahre, die ich in Afrika, Lateinamerika und Asien gelebt habe, haben mich gelehrt, dass Menschen jeder Rasse, Religion und Nationalit\u00e4t weltweit den Traum einer Welt mit zufriedenen Kindern, Familien und Gemeinschaft, die in lebendiger, gesunder, nat\u00fcrlicher Umgebung leben, teilen. Wenn sie die M\u00f6glichkeit sehen, sind Menschen bereit, beachtliche Teile ihrer Lebensenergie in einen Versuch zu investieren, diesen Traum zu verwirklichen, wie es auf den Seiten von YES! regelm\u00e4\u00dfig dokumentiert wird. Von dem r\u00e4uberischen Griff der Wall Street befreit, hat diese lange unterdr\u00fcckte Energie das Potential, unsere Beziehungen untereinander und zur Erde zu verwandeln, und uns den gemeinsamen Traum einer Welt, die f\u00fcr alle funktioniert, klar zu machen.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>David Korten<\/strong> ist Autor des internationalen Bestsellers <em>When corporations rule the world<\/em> und <a href=\"http:\/\/www.yesmagazine.org\/article.asp?ID=1463\"><em>The Great Turning: From Empire to Earth Community<\/em><\/a>. Er ist Mitbegr\u00fcnder und Vorsitzender des <em>YES! Magazine<\/em>, und Vorstandsmitglied der <a href=\"http:\/\/www.livingeconomies.org\/\"><em>Business Alliance for Local Living Economies<\/em><\/a>.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/52730632fa5a48d68d070677be7c5475\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n<h3 class='related_post_title'>Verwandte Beitr\u00e4ge:<\/h3><ul class='related_post'><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=2689\" title=\"Die \u201eFinanzkrise\u201c \u2013 nun also doch eine Systemkrise?\">Die \u201eFinanzkrise\u201c \u2013 nun also doch eine Systemkrise?<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=761\" title=\"\u201ePrivatisierungen als Ursache der Finanzkatastrophe\u201d?\">\u201ePrivatisierungen als Ursache der Finanzkatastrophe\u201d?<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=15200\" title=\"Der gro\u00dfe Reibach und Tanz der Geier\">Der gro\u00dfe Reibach und Tanz der Geier<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=15130\" title=\"Sonneborn rettet die Welt \u2013 Wer soll es denn auch sonst tun?\">Sonneborn rettet die Welt \u2013 Wer soll es denn auch sonst tun?<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=15112\" title=\"Fernsehtipp: Weniger ist mehr \u2013 Die Grenzen des Wachstums und das bessere Leben\">Fernsehtipp: Weniger ist mehr \u2013 Die Grenzen des Wachstums und das bessere Leben<\/a><\/li><\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[Dies ist meine \u00dcbersetzung des Artikels Beyond the bailout \u2013 Agenda for a New Economy\u201d von David Korten, der im November 2008 im US-amerikanischen YES! 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