{"id":1568,"date":"2008-12-16T12:08:40","date_gmt":"2008-12-16T11:08:40","guid":{"rendered":"http:\/\/konsumpf.de\/?p=1568"},"modified":"2008-12-16T16:43:39","modified_gmt":"2008-12-16T15:43:39","slug":"the-consumer-paradox-%e2%80%93-die-zufriedenheit-der-menschen-hangt-von-ihrem-konsumverhalten-ab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/konsumpf.de\/?p=1568","title":{"rendered":"The Consumer Paradox \u2013 Die Zufriedenheit der Menschen h\u00e4ngt von ihrem Konsumverhalten ab"},"content":{"rendered":"<p><em>[Dieser Artikel stammt wieder von meinem gesch\u00e4tzten Gastautoren D. Anger.]<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2008\/12\/barcode-blau-kl.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-1582\" title=\"barcode-blau-kl\" src=\"http:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2008\/12\/barcode-blau-kl.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"143\" \/><\/a>Am 8. Dezember dieses Jahres verwies Peter auf <a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=1410\" target=\"_blank\">einen sehr guten Film \u00fcber die Produktion vieler bewusst kurzlebiger Verbrauchsg\u00fcter, namens The Story of Stuff<\/a>. Darin taucht ein interessanter Gedanke auf: Je mehr ein Mensch konsumiert, desto unzufriedener wird er. Das Ph\u00e4nomen bezeichnen US-amerikanische Forscher als <strong>\u201eThe Consumer Paradox\u201d<\/strong>, hierzu gibt es bereits verschiedene Studien, beispielsweise <a href=\"http:\/\/www.journals.uchicago.edu\/doi\/abs\/10.1086\/518546\" target=\"_blank\">die Kollaboration der US-Universit\u00e4ten von Illinois und Minnesota<\/a>. Auch der britische Professor Richard Layard von der London School of Economics <a href=\"http:\/\/www.lse.ac.uk\/collections\/pressAndInformationOffice\/publications\/books\/2005\/Happiness.htm\" target=\"_blank\">befasst sich bereits seit einiger Zeit mit diesem Thema<\/a>.<\/p>\n<p>Bei diesen Studien fanden die Forscher heraus, dass ein Hang zum Materiellen nicht nur mit einem schwach ausgepr\u00e4gten Selbstwertgef\u00fchl korreliert, sondern sogar urs\u00e4chlich f\u00fcr die geringe Eigenwertsch\u00e4tzung sein kann. Als Gegensatz konnte beobachtet werden, dass das Selbstwertgef\u00fchl einer Person steigt, wenn sie sich weniger von Materiellem abh\u00e4ngig macht.<\/p>\n<p>Dies ist ein Paradoxon auf zweierlei Weise:<\/p>\n<ul>\n<li>Zum einen denken sehr viele Verbraucher, dass es ihnen besser ginge, wenn sie nur ein bisschen mehr verdienten. Schlie\u00dflich k\u00f6nnten sie sich dann den teuren Fernseher, den schicken Anzug, den neuen Computer, die Sch\u00f6nheitsoperation oder etwas \u00c4hnliches leisten. Der Kauf soll dann die harte Arbeit entlohnen; man hat sich dieses oder jenes \u201everdient\u201d.<br \/>\nEin \u201ebisschen mehr verdienen\u201d geht aber in der Regel mit l\u00e4ngerer Arbeitsdauer und h\u00f6herer Verantwortung einher. Beides sind Faktoren, die f\u00fcr viele Menschen belastend wirken, wenn sie \u00fcber eine l\u00e4ngere Zeit diesen Faktoren ausgesetzt sind. Somit sinkt ihre Zufriedenheit, obwohl sie durch Geld und Eink\u00e4ufe doch angeblich steigen sollte.<\/li>\n<li>Zum anderen gilt das \u201eAnkurbeln der Binnenkonjunktur\u201d als Allheilmittel in konjunkturell schwierigen Zeiten. Wenn Einnahmen von Staat und Wirtschaft sinken, weil die Menschen ihr Geld lieber sparen, anstatt es auszugeben, machen sich eine Reihe angeblich kluger K\u00f6pfe auf und entwickeln Ma\u00dfnahmen, die die Menschen zum Konsum bewegen sollen.<br \/>\n\u00dcber \u201e<a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/politik\/deutschland\/berlin-prueft-500-euro-konsum-gutschein;2096667\" target=\"_blank\">Konsumgutscheine<\/a>\u201d wird ebenfalls nachgedacht, obwohl diese Ma\u00dfnahme sehr umstritten ist, da das der Allgemeinheit zur Verf\u00fcgung gestellte Geld ohnehin vom Steuerzahler stammt und schlie\u00dflich auch von diesem wieder eingeholt werden muss.<br \/>\nAuch wenn die erdachten Ma\u00dfnahmen zum gew\u00fcnschten Ergebnis f\u00fchren, ist der daf\u00fcr gezahlte Preis h\u00f6her, als es die Statistik am Ende zeigt. Die Zufriedenheit weiter Teile der Gesellschaft nimmt weiter ab, mit den m\u00f6glichen Konsequenzen von beispielsweise mehr Depressionen und mehr Suchtkranken. Die Umwelt wird st\u00e4rker belastet, weil beim Anstieg der Verk\u00e4ufe auch mehr sch\u00e4dliche Produkte erworben werden. Die Belastung der Umwelt f\u00fchrt ebenfalls zu einer steigenden Unzufriedenheit innerhalb der Gesellschaft. Die Ausbeutung billiger und stets verf\u00fcgbarer Arbeitskr\u00e4fte in Ostasien geht ungehindert weiter und nimmt wom\u00f6glich zu. Der eigene Energieverbrauch erh\u00f6ht sich, so dass auch diese Kosten ungeplant anwachsen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>So gilt es also \u2013 ganz egoistisch \u2013 der eigenen Zufriedenheit wegen, <a href=\"http:\/\/www.getrichslowly.org\/blog\/2007\/10\/15\/want-to-save-the-environment-buy-less-stuff\/\" target=\"_blank\">auf kurzfristigen Konsum zu verzichten<\/a>. Der Besuch bei guten Freunden tut der eigenen Seele auch viel besser als ein neuer Fernseher. Und auch das eine oder andere Geschenk zur Weihnachtszeit darf gerne ein Taschenbuch und kein elektronisches Spielzeug sein. Es gilt, aus der Spirale der immer teureren und bunteren Geschenke auszubrechen und zu ein wenig Ruhe zu finden.<\/p>\n<p>Diverse Quellen beschreiben, dass die Menschen vor 50 Jahren weniger Besitz als heute hatten, aber deutlich zufriedener waren. Man darf jedoch \u201eweniger Besitz\u201d nicht mit existenzbedrohender Armut oder dem Zustand eines kriegsversehrten Landes verwechseln. Es geht eher darum, das eigene Leben so zu vereinfachen, damit die wirklichen Freuden Zeit und Raum erhalten.<\/p>\n<p><em>D. Anger<\/em><\/p>\n<h3 class='related_post_title'>Verwandte Beitr\u00e4ge:<\/h3><ul class='related_post'><li><a href=\"https:\/\/konsumpf.de\/?p=12397\" title=\"Der verkaufte K\u00e4ufer. Die Manipulation der Konsumgesellschaft.\">Der verkaufte K\u00e4ufer. 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Dezember dieses Jahres verwies Peter auf einen sehr guten Film \u00fcber die Produktion vieler bewusst kurzlebiger Verbrauchsg\u00fcter, namens The Story of Stuff. Darin taucht ein interessanter Gedanke auf: Je mehr ein Mensch konsumiert, desto unzufriedener wird er. 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