{"id":12852,"date":"2011-09-13T09:52:24","date_gmt":"2011-09-13T07:52:24","guid":{"rendered":"http:\/\/konsumpf.de\/?p=12852"},"modified":"2011-09-27T16:56:34","modified_gmt":"2011-09-27T14:56:34","slug":"lesetipps-zeit-edition-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/konsumpf.de\/?p=12852","title":{"rendered":"Lesetipps: ZEIT-Edition \u2013\u00a0Plutokratie, Niebel und Libyen"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_12869\" style=\"width: 170px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.sxc.hu\/photo\/971126\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-12869\" class=\"size-thumbnail wp-image-12869\" title=\"business_headline\" src=\"http:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/business_headline-174x250.jpg\" alt=\"\" width=\"160\" height=\"229\" srcset=\"https:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/business_headline-174x250.jpg 174w, https:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/business_headline.jpg 209w\" sizes=\"(max-width: 160px) 100vw, 160px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-12869\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 somadjinn, stock.xchng<\/p><\/div>\n<p>\u00dcber die Mainstreammedien wird ja vor allem in der Bloggerszene gerne hergezogen und als \u201eTotholzmedien\u201c beschimpft, um ihre R\u00fcckst\u00e4ndigkeit zu unterstreichen. So sehr die Kritik an den Medien, die in der Hand einiger weniger Gro\u00dfkonzerne befindlich sind, auch berechtigt erscheint, so einseitig und pauschalisierend ist sie leider auch manchmal, denn immer wieder gibt es absolut zutreffende Analysen und kritische Stimmen zu lesen, die sich oft genug gegen den sonstigen Tenor der Zeitung\/des Senders stellen. Leider gehen diese kritischen T\u00f6ne in der Kakophonie der Meinungen und dem alles verschlingenden Mahlstrom des permanenten Meldungsregens unter und werden schnell wieder von tagesaktuellen Geschehnissen verdr\u00e4ngt, so dass ihre Wirkung nur beschr\u00e4nkt ist. Dennoch erreichen Zeitungen wie <strong>DIE ZEIT<\/strong> ein gro\u00dfes Publikum, so dass es zu begr\u00fc\u00dfen ist, wenn dort mal Tacheles geredet wird. Deshalb will ich in meinen heutigen Lesetipps mal nur Artikel aus der ZEIT ber\u00fccksichtigen \u2013 zwei positive Beispiele f\u00fcr gelungenen investigativen Journalismus und ein abschreckendes f\u00fcr Meinungsmache.<\/p>\n<p><!--more-->Beginnen m\u00f6chte ich mit dem wirklich hervorragenden Text \u201e<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2011\/36\/Finanzkrise-Demokratie\/seite-1\"><strong>Finanzkrise: Unterwegs zur Plutokratie<\/strong><\/a>\u201c von <strong>Jesse Jensen<\/strong>, der der Frage nach geht, woher die sog. \u201ePolitikverdrossenheit\u201c vieler Menschen kommt und den Finger an die Wunde des \u00fcbergro\u00dfen Einflusses der Wirtschaft auf die restliche gesellschaftliche Entwicklung. Wenn man sich diesen Beitrag so durchliest, kann einem wirklich Angst und Bange werden, aber ich f\u00fcrchte, dass der Autor keien Panikmache betreibt, sondern nur einen sehr klaren Blick f\u00fcr den momentanen Zustand der Gesellschaft beweist:<\/p>\n<blockquote><p>Hemmungsloser Reichtum, betrogene B\u00fcrger: Der entfesselte Markt bringt die Demokratie in Gefahr (&#8230;)<\/p>\n<p>(&#8230;) Vielmehr  galt der Markt nunmehr als Naturgesetz, das als solches allen  menschlichen W\u00fcnschen nach Gl\u00fcck oder Moral entzogen ist. Der Markt  wurde zur Schicksalsmacht, und alles Klagen offenbarte nur die  Unt\u00fcchtigkeit der Klagenden, die sich auf ihm nicht zu behaupten  verm\u00f6gen. Von der Fortschrittshoffnung der Liberalen blieb nichts als  ein Darwinismus, der sich am <em>survival of the fittest<\/em> freut und die Aussonderung schwacher Schuldner, schwacher Staaten, schwacher Arbeitnehmer feiert. (&#8230;)<\/p>\n<p>(&#8230;) Die friedlichen wie die stumm randalierenden Protestz\u00fcge zeigen vor  allem ein Bild ungeheurer Entmutigung: wie von Schafen, die auf dem Weg  zur Schlachtbank bl\u00f6ken. Und manches spricht daf\u00fcr, dass sie darin nur  die Haltung ihrer Regierungen in der Finanzkrise spiegeln, deren  Botschaft an die Masse der B\u00fcrger lautet: dulden, durchstehen, den  Schaden bezahlen, den sie nicht angerichtet haben. Wo aber stumme  Duldung die einzig empfohlene Haltung bleibt, hat sich das Politische  tats\u00e4chlich verfl\u00fcchtigt und keine demokratische Adresse mehr. Wenn ein  so gewaltiger Lebensbereich wie die Wirtschaft, die noch dazu viele  weitere Lebensbereiche tyrannisch bestimmt, der gesellschaftlichen  Gestaltungskraft entzogen wird, ist auch die Demokratie sinnlos. Eine  Demokratie, die sich darauf beschr\u00e4nkt, Rauchverbote in Gastst\u00e4tten zu  erlassen oder die Helmpflicht von Radfahrern zu diskutieren, also dem  gegenseitigen G\u00e4ngelungsverhalten der B\u00fcrger nachzugeben, aber die eine  gro\u00dfe Macht, die alle g\u00e4ngelt, nicht beherrschen kann, ist das Papier  nicht wert, auf dem ihre Verfassung gedruckt wird. (&#8230;)<\/p>\n<p>(&#8230;) Und in der Tat haben die Politiker von einer Wahl nichts zu bef\u00fcrchten:  Der B\u00fcrger, der die Politiker f\u00fcr ihren Verrat an seinen Interessen  bestrafen m\u00f6chte, f\u00e4nde keine Partei im demokratischen Spektrum, die  bereit w\u00e4re, sein Interesse gegen die Wirtschaft durchzusetzen. Er  k\u00f6nnte in Deutschland die SPD gegen die CDU oder die CDU gegen die SPD  oder beide gegen die Gr\u00fcnen auswechseln, ohne dass sich am Katzbuckeln  vor dem Kapital etwas \u00e4ndern w\u00fcrde. (&#8230;)<\/p><\/blockquote>\n<p>Wie schlimm dennoch einzelne Politiker den Zusammenbruch gesellschaftlichen Zusammenhalts und den Verfall von Werten zugunsten von Unternehmen voran treiben, zeigt sich immer wieder bei der Klientel-Partei FDP. Nicht nur ihr Steuergeschenk an die Hoteliers gleich als erste Amtshandlung, nein, auch das, was \u201eunser\u201c Entwicklungsminister <strong>Dirk Niebel <\/strong>in seinem Amt anstellt, kann einen nur sprachlos werden lassen. WIE schlimm es wirklich ist, zeigt der Artikel \u201e<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2011\/25\/DOS-Ecuador-Yasuni-Nationalpark\"><strong>Niebel und die Indianer<\/strong><\/a>\u201c von <strong>Anita Blasberg<\/strong> \u2013\u00a0Vorsicht, um diesem Text bis zum Ende zu ertragen ohne einen Wutanfall zu kriegen, muss man starke Nerven haben! Niebel war mir schon immer unsympathisch, aber dass er es so schlimm treibt, macht ihn vollends unertr\u00e4glich.<\/p>\n<blockquote><p>Im weltweit einzigartigen Yasun\u00ed-Nationalpark in Ecuador wollen Konzerne  nach \u00d6l bohren. Die Vereinten Nationen unterst\u00fctzen einen Rettungsplan,  aber der Entwicklungsminister Dirk Niebel zieht nicht mit. Protokoll  eines deutschen Sonderweges. (&#8230;)<\/p>\n<p>(&#8230;) In Vietnam soll Siemens den Zuschlag f\u00fcr den Bau einer neuen  Gro\u00dfstadt-UBahn bekommen, obwohl Konkurrenten ein g\u00fcnstigeres Angebot  abgegeben hatten \u2013 nachdem Deutschland zusagte, die Differenz von 86  Millionen Euro zuzuschie\u00dfen. Eine gro\u00dfe deutsche Werft wird demn\u00e4chst  f\u00fcr 100 Millionen Euro ein F\u00e4hrschiff nach Indonesien liefern, das  eigentlich viel zu teuer ist f\u00fcr den F\u00e4hrverkehr zwischen den kleinen  Inseln \u2013 weil Niebels Ministerium rund 48 Millionen Euro beisteuern  will. Beide Ausgaben werden auf die ODA-Quote angerechnet, die  offizielle deutsche Entwicklungshilfe.<\/p>\n<p>Aber ist es noch Entwicklungspolitik, wenn man Unternehmen  bezuschusst, die ohnehin investiert h\u00e4tten? Wenn man ihren Export  f\u00f6rdert, obwohl ihre Angebote nicht konkurrenzf\u00e4hig sind? Wenn man sich  nicht mehr am Bedarf eines armen Landes orientiert, sondern am Bedarf  einer deutschen Firma?<\/p>\n<p>Nur ein Drittel der deutschen Entwicklungsgelder flie\u00dft in die  \u00e4rmsten L\u00e4nder, der Rest in Schwellenl\u00e4nder mit guten  Investitionsbedingungen, oft in Sektoren, in denen deutsche Firmen  Marktf\u00fchrer sind. In einer Studie warnt die OECD die Bundesrepublik vor  einer Au\u00dfenwirtschaftsf\u00f6rderung mit anderen Mitteln. Es sieht so aus,  als habe Dirk Niebel auf Umwegen sein Ziel erreicht. Er hat, auf seine  Weise, das Entwicklungsministerium abgeschafft. (&#8230;)<\/p><\/blockquote>\n<p>Leider finden sich in der ZEIT neben solchen wirklich aufkl\u00e4rerischen Texten auch eine Reihe sehr zweifelhafter Artikel, wie auch das Nachrichtenmagazin <strong>Hintergrund<\/strong> bemerkt. In \u201e<a href=\"http:\/\/www.hintergrund.de\/201108271698\/hintergrund\/medien\/freiheit-durch-bombenterror-die-zeit-plaediert-fuer-furcht-und-schrecken-als-neues-aussenpolitisches-prinzip.html\"><strong>Freiheit durch Bombenterror \u2013 Die Zeit pl\u00e4diert f\u00fcr Furcht und Schrecken als neues au\u00dfenpolitisches Prinzip<\/strong><\/a>\u201c nimmt sich <strong>Thomas Wagner<\/strong> einen Beitrag von ZEIT-Autor Jan Ross zur Brust:<\/p>\n<blockquote><p>(&#8230;) Es ist ein Leitartikel von geradezu atemberaubendem Zynismus, mit dem  die einflussreichste deutsche Wochenzeitung ihre Leser in der aktuellen  Ausgabe (Nr. 35, 2011, 25.08.2011) ein weltweites Schreckensregime der  westlichen Staaten schmackhaft zu machen versucht. Indem sie \u201efaktisch  als Luftstreitkraft der Rebellenbewegung agierte\u201c, habe die NATO in  Libyen \u201eein Zeichen gegen den \u201aKampf der Kulturen\u2019 gesetzt\u201c, hei\u00dft es  dort unter dem Titel \u201eDer Weg ist frei\u201c. Materielle Interessen h\u00e4tten  dabei keine Rolle gespielt, aber die Aufst\u00e4ndischen w\u00fcrden sich in  Zukunft sicher erkenntlich zeigen: \u201eWenn sie eines Tages in einem  besseren Libyen leben, werden sie sich der fremden Hilfe dankbar  erinnern, aber frei von fremder Bevormundung sein\u201c, glaubt der Autor Jan  Ross seinen Lesern tats\u00e4chlich weismachen zu k\u00f6nnen. (&#8230;)<\/p><\/blockquote>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg08.met.vgwort.de\/na\/64bfd89d7d3a4dd29054dd9f02ad4e9f\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n<h3 class='related_post_title'>Verwandte Beitr\u00e4ge:<\/h3><ul class='related_post'><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=13974\" title=\"Lesetipps: Red-Bull-Kapitalismus | Kreuzfahrten | Soziale Netzwerke | G\u00e4rtnern in der Stadt\">Lesetipps: Red-Bull-Kapitalismus | Kreuzfahrten | Soziale Netzwerke | G\u00e4rtnern in der Stadt<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=12332\" title=\"Abgefackelt \u2013 Wie \u00d6lkonzerne unser Klima killen\">Abgefackelt \u2013 Wie \u00d6lkonzerne unser Klima killen<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=8497\" title=\"Der Preis unseres Konsumismus\">Der Preis unseres Konsumismus<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=9087\" title=\"Kongress \u00d6ffentlichkeit und Demokratie in Berlin\">Kongress \u00d6ffentlichkeit und Demokratie in Berlin<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=4926\" title=\"Buchbesprechung: Kembrew McLeod \u201eFreedom of Expression\u00ae\u201c\">Buchbesprechung: Kembrew McLeod \u201eFreedom of Expression\u00ae\u201c<\/a><\/li><\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber die Mainstreammedien wird ja vor allem in der Bloggerszene gerne hergezogen und als \u201eTotholzmedien\u201c beschimpft, um ihre R\u00fcckst\u00e4ndigkeit zu unterstreichen. 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