{"id":12154,"date":"2011-06-21T10:06:34","date_gmt":"2011-06-21T08:06:34","guid":{"rendered":"http:\/\/konsumpf.de\/?p=12154"},"modified":"2011-06-22T20:06:04","modified_gmt":"2011-06-22T18:06:04","slug":"ausbeutung-fur-bioware","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/konsumpf.de\/?p=12154","title":{"rendered":"Ausbeutung f\u00fcr Bio-Ware"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_12159\" style=\"width: 260px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.sxc.hu\/photo\/901424\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-12159\" class=\"size-thumbnail wp-image-12159\" title=\"Salat\" src=\"http:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/Salat-250x187.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"187\" srcset=\"https:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/Salat-250x187.jpg 250w, https:\/\/konsumpf.de\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/Salat.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-12159\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 dachadesig, stock.xchng<\/p><\/div>\n<p>Hach, ist sie nicht sch\u00f6n, die wunderbare Vorstellung, dass man seine Eink\u00e4ufe einfach nur auf \u201eBio\u201c umstellen muss, um sich politisch und \u00f6kologisch korrekt zu verhalten und dem Elend in der Welt ein Ende zu bereiten? Der Grundgedanke der LOHAS, also die Politik des Einkaufwagens, durch die man sich ein reines Gewissen erkauft, erscheint auf den ersten Blick auch nicht verkehrt \u2013 und es ist definitiv wichtig, darauf zu achten, was man konsumiert und welchen Unternehmen man sein schwerverdientes Geld in den Rachen wirft. Das ist ja auch eine der Grund\u201eregeln\u201c, die ich hier im Blog propagiere \u2013 Konzernen, die aktiv daran mitarbeiten bzw. deren Gesch\u00e4ftsprinzip es ist, die Umwelt zu zerst\u00f6ren, Abh\u00e4ngigkeiten zu erzeugen, Menschen und Tiere auszubeuten, nur um die eigenen Aktion\u00e4re zufrieden zu stellen, die die potentiellen Kunden mit irref\u00fchrender Reklame behelligen und versuchen, sich mit Hilfe von aggressivem sch\u00f6nf\u00e4rberischen Marketing und Lobbyismus Vorteile zu verschaffen, d\u00fcrfen nicht noch f\u00fcr ihr Treiben dadurch belohnt werden, dass man auch noch ihre Produkte kauft. Das sollte eigentlich selbstverst\u00e4ndlich sein \u2013 Globalisierungsgegner, die mit Nike-Sneakern an den F\u00fc\u00dfen und einer bei Lidl gekauften Coke in der Hand durch die Gegend ziehen, haben offensichtlich nicht so ganz zu Ende gedacht&#8230;<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg02.met.vgwort.de\/na\/c4d3174f0be84048b913e3cdead83734\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><br \/>\n<!--more-->Der Ersatz von konventionellen durch Bio-Produkte im Einkaufskorb ist im Prinzip eine gute Sache und durchaus (oft) ein Schritt in die richtige Richtung. Aber: ganz so einfach ist es halt dann auch wieder nicht. Leider ist \u201eBio\u201c eben auch zu einem gro\u00dfen Markt, einem Gesch\u00e4ft geworden, das die Begehrlichkeiten der gro\u00dfen Firmen anzieht. Das aufgeweichte EU-Bio-Siegel hilft Gro\u00dfunternehmen und den gro\u00dfen Ketten wie den Discountern letztlich vieles beim Alten zu belassen und die industriellen Strukturen einfach auf den Bio-Bereich zu \u00fcbertragen. So dass zuweilen dieselben Mechanismen greifen wie bisher, vor allem im sozialen Bereich. Das macht es leider schwierig, im Supermarkt blind auf Siegel zu vertrauen. Deutlich gemacht wurde mir dieses durch den Artikel \u201e<a href=\"http:\/\/www.malmoe.org\/artikel\/verdienen\/2230\"><strong>Bio-Exploitation<\/strong><\/a>\u201c in der neuen Ausgabe des <strong>Malmoe<\/strong>-Magazins, in dem es um die schlimmen Zust\u00e4nde der Arbeiter in der spanischen Biobranche geht. Spaniens Landwirtschaft ist eh nicht daf\u00fcr bekannt, sonderlich nachhaltig zu sein und hat den Bio-Zweig nun auch als gewinnbringend f\u00fcr sich entdeckt:<\/p>\n<blockquote><p>\u00dcber die miserablen Arbeitsbedingungen f\u00fcr Landarbeiter_innen, die im  industriellen Sektor der europ\u00e4ischen Gem\u00fcse- und Obstproduktion  vorherrschen, wird bereits seit Jahren vielfach berichtet, sei es in  Mainstream-Medien oder in unabh\u00e4ngigen und kritischen Zeitungen, blogs  und Filmen. Dokus wie \u201eWe feed the world\u201c oder \u201eUnser t\u00e4glich Brot\u201c  haben einem relativ breiten Publikum hinreichend deutlich gemacht, dass  billiges Obst und Gem\u00fcse nicht ohne die Verf\u00fcgbarkeit einer Reservearmee  von hyper-prek\u00e4ren, meist migrantischen, oft illegalisierten  Arbeiter_innen zu haben ist. Wor\u00fcber bislang jedoch relativ wenig  gesprochen wurde, ist die Tatsache, dass auch die arbeitsintensiven  Sektoren in der biologischen Landwirtschaft, v.a. gr\u00f6\u00dfere,  exportorientierte Betriebe, oftmals nach derselben Logik funktionieren. (&#8230;)<\/p>\n<p>Einziger Haken: In den Regelwerken f\u00fcr biologische Landwirtschaft finden  sich keinerlei explizite Parameter in Bezug auf  Arbeitnehmer_innenrechte. Regelwerke wie beispielsweise <a href=\"http:\/\/www.globalgap.org\/\">globalgap<\/a>,  die diese Aspekte aufgreifen, unterliegen keiner \u00f6ffentlichen Kontrolle  und wurden von Unternehmen selbst geschaffen. Sie sind die strategische  Antwort der Supermarktketten auf Streiks und Widerstand in der  industriellen Landwirtschaft sowie auf Kampagnenarbeit gegen die  Einkaufspraxis der Gro\u00dfverteiler \u2013 nicht viel mehr als ein Feigenblatt.<br \/>\nVor dem Hintergrund dieser Situation ist es nicht allzu verwunderlich,  dass in einem Bio-Gro\u00dfbetrieb in Almer\u00eda aktuell ein Arbeitskampf  ausgebrochen ist, bei dem marokkanische und rum\u00e4nische Arbeiter_innen um  ihre Wiedereinstellung bzw. um bessere Arbeitsbedingungen und h\u00f6heren  Lohn k\u00e4mpfen. (&#8230;)<\/p>\n<p>(&#8230;) Doch \u2013 wie oft in \u00e4hnlichen F\u00e4llen \u2013 ist dies nur die Spitze des  Eisbergs: Die Arbeiter_innen berichteten der SOC von einer Reihe von  Verst\u00f6\u00dfen: Nicht-Einhaltung des kollektivvertraglichen Lohns, oft  Arbeitszeiten von 9 Uhr morgens bis 1 Uhr nachts bei gleichzeitiger  Vorenthaltung des \u00dcberstunden-Zuschlags, automatischer Abzug des Lohns  f\u00fcr eine halbe Stunde, wenn eine Pause von mehr als f\u00fcnf Minuten  eingelegt wurde. Des Weiteren Akkordarbeit in den Abpackhallen und  Androhung, hinausgeschmissen zu werden, wenn eine bestimmte Quantit\u00e4t  nicht erreicht wurde. Heben von 20 Kilogramm schweren Kisten, auch f\u00fcr  schwangere Frauen.<br \/>\nZwar sind aktuell auf Druck der SOC sechs Arbeiter_innen  wiedereingestellt worden, allerdings mit der Auflage, ein Papier zu  unterzeichnen, dessen Inhalt ihnen nicht erkl\u00e4rt wurde. Es hatte zum  Inhalt, dass die Unterzeichnenden sich vollst\u00e4ndig von jeglicher  gewerkschaftlichen Bet\u00e4tigung distanzieren sowie gegen den Erhalt einer  gewissen Summe an Geld auf Abfindungs-Zahlungen verzichten. (&#8230;)<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00dcbrigens hat auch <strong>Dorian Cantzen<\/strong> in der letzten Ausgabe des Berliner Magazins Berglink einen interessanten Artikel zu den Arbeitsbedingungen bei der Bio-Supermarktkette <strong>Bio Company<\/strong> geschrieben (<a href=\"http:\/\/www.politischer-konsum.de\/2011\/05\/16\/biofood-mit-dumpinglohnen\/\">hier online abrufbar<\/a>), der zeigt, dass selbst bei Bioketten zuweilen erschreckend niedrige Stundenl\u00f6hne gezahlt werden, um die eigene Rentabilit\u00e4t zu sichern (auch wenn der Artikel gerade zu Beginn unpassend rei\u00dferisch von \u201enoch schlimmeren Arbeitsbedingungen als bei Discountern\u201c schreibt, ganz zum Schluss jedoch klar stellt, dass es sich nur um den auf dem Papier stehenden Lohn, nicht um die Arbeitsbedinungen als Ganzes handelt; <a href=\"http:\/\/www.chefduzen.de\/index.php?topic=4199.0\">wie diesbez\u00fcglich die Realit\u00e4t bei Discountern ausschaut, ist bekannt<\/a>&#8230;).<\/p>\n<h3 class='related_post_title'>Verwandte Beitr\u00e4ge:<\/h3><ul class='related_post'><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=14277\" title=\"Wie billig kann Bio sein?\">Wie billig kann Bio sein?<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=4277\" title=\"Surftipp: Erkl\u00e4rung von Bern \/ Kinderarbeit f\u00fcr Schokolade\">Surftipp: Erkl\u00e4rung von Bern \/ Kinderarbeit f\u00fcr Schokolade<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=15163\" title=\"Lesetipps: Materialismus macht krank |\u00a0Heile Bio-Welt? | Nespresso-M\u00fcll | Werbevideos | Filmeverschenken\">Lesetipps: Materialismus macht krank |\u00a0Heile Bio-Welt? | Nespresso-M\u00fcll | Werbevideos | Filmeverschenken<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=14708\" title=\"Agraprofit \u2013 Hauptsache billig\">Agraprofit \u2013 Hauptsache billig<\/a><\/li><li><a href=\"http:\/\/konsumpf.de\/?p=13958\" title=\"Lesetipps: Reichtum &#038; Ruhm | Hilfe, LOHAS! |\u00a0Marlboro | Konsumverzicht\">Lesetipps: Reichtum &#038; Ruhm | Hilfe, LOHAS! |\u00a0Marlboro | Konsumverzicht<\/a><\/li><\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hach, ist sie nicht sch\u00f6n, die wunderbare Vorstellung, dass man seine Eink\u00e4ufe einfach nur auf \u201eBio\u201c umstellen muss, um sich politisch und \u00f6kologisch korrekt zu verhalten und dem Elend in der Welt ein Ende zu bereiten? 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