Mai
17
2010
8

BP – der grüne Lack ist ab

Reklame ist ja so eine Sache, vor allem, wenn kaum noch ein konkretes Produkt, sondern nur noch ein Firmen- oder Markenimage medial aufgebaut werden soll – nicht selten eines, das mit der Realität der Unternehmenspolitik wenig zu tun hat oder diesem sogar konträr entgegengesetzt ist. Da lassen Autofirmen ihre stinkenden und umweltzerstörerischen Vehikel durch grüne Landschaften rasen, um zu suggerieren, dass den Konzernen etwas an grüner Natur liegt. Discounter wie Lidl inszenieren sich als verantwortungsvolle Arbeitsgeber. Oder Atomkonzerne stellen in ihren Werbespots quasi als Feigenblatt ihre mickrigen Aktivitäten im Bereich der erneuerbaren Energien in den Vordergrund, um damit zu überspielen, dass ihr Hauptgeschäft ein gefährliches und dreckiges ist. Genauso geht es auch bei den Ölmultis zu – Abermillionen fließen hier in PR und Reklame, um die Öffentlichkeit Glauben zu machen, dass ihr Kerngeschäft völlig ungefährlich und eher ein Segen für den Planeten und die Menschen sei.

Selten ist dies so krachend nach hinten losgegangen wie derzeit bei BP. All die schönen hohlen Werbsprüche von „beyond petroleum“, all die teuren Werbespots und gekauften schönfärberischen Präsentationen in den Medien sind mit einem Schlag als die Makulatur und das Greenwashing entlarvt worden, die sie schon immer waren. Dies bringt auch das NDR-Magazin ZAPP in „Wie BP jahrelang ein grünes Image vortäuschte“ ganz klar auf den Punkt:


Man sollte diese Erfahrungen und Erkenntnisse dazu nutzen, NOCH kritischer all das zu betrachten, was einem Konzerne so via medialer Berieselung zu erzählen versuchen. Je größer der Konzern und je aufgeblasener und paradiesischer die Werbung, desto mehr Dreck dürfte das jeweilige Unternehmen am Stecken haben. Das Vorgehen von BP, das ZAPP aufzeigt, ist in dieser Hinsicht geradezu „mustergültig“, denn hier wird mehr Geld für das Erzeugen des Images als für tatsächliche Änderungen im Konzern ausgegeben. Man muss sich an der Stelle übrigens auch mal fragen, inwieweit die Medien, die solche Reklame und PR abdrucken/Senden nicht auch mitschuldig am Grünwaschen sind…

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Apr
28
2010
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Fake TV – Reklame statt Recherche

Ein Grund mehr, kein Fernsehen zu sehen, insbesondere die dortigen „News“ nicht… das N3-Medienmagazin ZAPP berichtete über PR-Beiträge in Nachrichtensendungen in „Fake TV: Reklame statt Recherche“:

Ein leidiges Thema ist Schleichwerbung. Die ist leider längst nicht mehr nur ein Problem von Unterhaltung im Fernsehen. Der Sender RTL II wurde gerade gerügt, weil in einem Nachrichtenbeitrag über die Kölner Möbelmesse vor allem die eigene RTL II Möbelkollektion in höchsten Tönen gelobt wurde. Mit seriöser Information hat das wenig zu tun. Werbung wäre wohl der passendere Begriff. Solche gefakten Informationen kommen offenbar in fast allen Sendern vor. Zapp hat Nachrichten der vergangenen Jahre auf Fake-TV untersucht.

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Feb
21
2010
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PR-Berater: Geschäfte und Machenschaften

Das NDR-Magazin Zapp berichtet in „PR-Berater: Geschäfte und Machenschaften“ aktuell über den Verlust an Seriösität und Objektivität in den Medien und den Einfluss der PR-Berater auf das, was uns tagtäglich so als „Nachricht“ und „Information“ dargereicht wird. Wie immer, wenn ich solch einen Einblick hinter die Kulissen der PR-Branche erhalte, wird mir ganz mulmig zumute, da es zeigt, wie wenig wir von dem, was wir so sehen und lesen, ungeprüft glauben können:

Es geht um ein kleines Gerücht und darum wie es zu einer großen Geschichte wird. Sie kennen das aus dem Job: Man sagt was zu einem Kollegen, der sagt es einem anderen. Manchmal stimmt das, was geredet wird, manchmal nicht. Manchmal fördert und manchmal zerstört es Karrieren. In Wirtschaft und Politik werden solche Gerüchte gezielt von Spezialisten und mit Hilfe der Medien plaziert. Mal mehr, mal weniger freiwillig. Zapp über die perfiden und manipulativen Methoden der PR-Branche. (…)

(…) Sie sind oft hochbezahlte Spezialisten, die aus dem Hintergrund ihre Auftraggeber in Wirtschaft und Politik gut aussehen lassen und den Gegner niedermachen wollen. Thomas Leif vom Netzwerk Recherche meint: „Es geht nicht, wie es der Journalismus als Aufgabe hat, um die ganze Wahrheit, sondern immer um Teilwahrheiten, um geschönte Wahrheiten und um gestellte Wahrheiten. Von daher ist PR strukturell eigentlich der Gegner und der Feind eines seriösen Journalismus.“ (…)

(…) Public Relations, ob seriös oder unseriös, macht sich zunehmend vor allem in den mittleren und kleinen Zeitungen breit. Denn dort wird permanent Personal abgebaut, und die Agenturen rüsten auf. Heute stehen etwa 50.000 Journalisten rund 40.000 PR-Leute gegenüber. Das Verhältnis ist also schon fast 1:1. Klaus Kocks: „Wer seine Redaktionen aushungert, auf das absolute Minimum von Mitteln und Zeit, der liefert seine Blätter, seinen Sender, PR aus. Das ist so.“ Klaus-Peter Schmidt-Deguelle: „Die Pressefreiheit ist zur Gewerbefreiheit verkommen, die Nachricht wird zur Ware.“ Thomas Leif: „Die jetzige Medienkrise und der Spardruck ist quasi der Humus, auf dem sich PR entfalten kann.“ (…)

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Jan
20
2010
7

Wie man sich gegen Reklame, PR und andere Propaganda zur Wehr setzt – Teil 2/2

Dies ist Teil 2 meiner gestern begonnenen Übersetzung des Artikels „Counter-Propaganda Axioms“. (>> Teil 1)

Grundsatz 2: Wenn sie es herunterspielen, dreh auf/bohr nach („intensify“)

schlachDieser Grundsatz empfiehlt Wachsamkeit, Wissbegierde und aktives Engagement als angemessene Reaktion in manchen Situationen.

Überzeuger verschweigen oft die Nachteile, Probleme und negativen Auswirkungen, die im Zusammenhang mit ihren Angeboten stehen. Menschen, die in Firmen oder Regierungen an den Hebeln der Macht sitzen, versuchen oft, ihre Fehler, Inkompetenz, Verbrechen und Missbräuche zu vertuschen.

Die Motive für solche Auslassungen sind schwierig zu bewerten. Selbst wenn keine bösartigen Motive vorliegen, wird jeder versuchen, sich so gut wie möglich darzustellen und seine Schokoladenseite zu zeigen: das heißt, die eigenen „guten Seiten“ herauszustellen und die „schlechten“ herunterzuspielen. Statt sich darüber den Kopf zu zerbrechen, was die Motive oder Absichten der anderen sind, sollten Sie annehmen, dass ihre schlechten Seiten nicht beworben oder offen dargestellt werden. Machen Sie sich mehr Sorgen über die Konsequenzen: deren „Gutes“ muss nicht Ihr „Gutes“ sein.

Beim Kauf von Produkten besteht Nachforschung manchmal einfach im Lesen eines Etiketts, im Preisvergleich, dem Befragen eines früheren Besitzers, dem Gebrauch eines Verbraucherratgebers, Ausprobieren usw. Einige Situationen sind sehr viel komplexer. Verschiedene Intensitäten an Nachforschung sind angebracht: ein Autokauf erfordert mehr Sorgfalt als der eines billigen Schmuckstücks. Betrug, Täuschung, Fehlinterpretationen und Fehler existieren und neigen dazu, im Verborgenen/Dunkeln zu gedeihen. Hier sind wiederholte Beschwerden in er Regel effektiver als Einzelfälle; aufmerksamkeitserregende öffentliche Anprangerungen sind oft effektivere Reaktionen als private Beschwerden. Das quietschende Rad bekommt in der Regel das Öl!

Herunterspielen im politischen Bereich zu durchdringen ist in der Regel erheblich schwieriger. Die meisten Menschen haben nicht die Zeit, das Talent oder die Gelegenheit, komplexen Vertuschungen auf den Grund zu gehen. Aber als Bürger können wir, wenn wir uns dieser Problematik bewusst sind, eine freie Presse, investigative Journalisten, Gesetze zur Offenlegung und die Grundrechte von Reformern und Kritikern unterstützen. Das Establishment versucht normalerweise ihre Kritiker und Reformer als Verrückte, tückische Sonderlinge, unzuverlässige Nörgler, naive Fanatiker, opportunistische Gegner usw. zu bezeichnen. Einige Leute mögen zwar in diese Kategorien fallen, aber die Rolle der Reformer, die Funktion progressiver Kritiker ist es, das „Schlechte“ anzugreifen und oftmals das offenzulegen, was die Führungsschicht gerne unter den Teppich kehren möchte.

Weglassen und „freie Wahl“
Das Weglassen relevanter Informationen beeinflusst unseren Entscheidungsprozess. Wirkliche „freie Wahl“ hängt stark davon ab, dass wir alle Optionen, die gesamte Situation, sowohl die Vorteile wie auch die Nachteile, kennen, so dass wir diese verschiedenen Einflussfaktoren abwägen können, gute wie schlechte. Aus diesem Grunde muss die Information, die wir von anderen erhalten (Werbern oder Politikern) nicht nur der Wahrheit entsprechen, sondern auch adäquat/angemessen sein. Trotz des jüngsten Interesses an irreführenden Weglassungen und politischen Verschleierungen (von Nixons Watergate über Clintons Monica bis hin zu den Irak-Kriegen) hat niemand eine umfassende Analyse der Techniken des Verschweigens vorgenommen. Dennoch gibt es einige nützliche Dinge, die man dazu sagen kann und einige hilfreiche Arten, sich diesem schwierigen Thema zu nähern:

Weglassung – etwas, das nicht gesagt oder nicht getan wird – ist sehr schwer zu analysieren und sehr schwer zu entdecken. Zunächst sollte man nach negativen Folgen und den mit ihnen im Zusammenhang stehenden Gründen schauen. Bedenken sie auch, dass Weglassungen dynamisch sind, nicht statisch [Anm. PM: Hier gibt es im Original noch den Link zu einem weiteren Artikel von Prof. Rank, den ich dann demnächst vermutlich übersetzen werde]. Aussparungen sind Teil des Kommunikationsprozesses, den ALLE Menschen zu ihrem Vorteil zu nutzen versuchen. Auch Empfänger lassen oft Teile weg. sie „filtern“ oder „blockieren“ das „Schlechte“ – die Ideen und Fakten, die sie nicht hören wollen; sie können „selektives Hören“ betreiben, Vorurteile haben oder engstirnig sein, sie können leugnen (oder die Augen vor der Wahrheit verschließen oder sich selbst belügen), indem sie „den Fakten“ oder „der Realität“ nicht „ins Auge blicken“. Konsumenten ignorieren in ihrer Gier nach Besitzt oftmals die Probleme wie Schulden oder sinnlose Käufe. Bürger und Wähler sind oftmals blind für die Schwächen ihrer eigenen Partei oder Politik.

Cui Bono? (Wem nützt es?)

Der grundlegendste Gegenschlag zu jeder wichtigen Weglassung ist Enttarnung/Enthüllung: Wir müssen wissen, wer einen Vorteil davon hat, wer profitiert, wer gewinnt. Cui bono?

Deshalb ist es vernünftig, investigativen Journalismus, Whistleblower [das sind Mitarbeiter von Firmen, die Missstände nach außen hin bekannt machen; Anm. PM] und gute Offenlegungs-Regulierungen zu unterstützen, die von Regierungsstellen im Namen des Allgemeinwohls getroffen werden; durch Gewaltenteilung innerhalb der Regierung (wie Generalinspektoren und Ombudsmänner).

Unlängst hat der amerikanische Bundesgerichtshof in einer 5:4 Entscheidung, in der es um Whistleblower ging, sich dafür ausgesprochen, dass Regierungsmitarbeiter nicht durch das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung geschützt sind. (Lesen Sie sich die unmittelbaren Reaktionen beider Seiten durch – Zitate von Associated Press – und verfolgen Sie die späteren Entwicklung im Internet.) [Anm. PM: Eigentlich eine Sauerei, diese Entscheidung des Gerichts, denn damit wird Duckmäusertum im politischen Bereich gefördert…]


Einige unerwünschte Reaktionen, die eine angemessene Verteidigung für den Einzelnen in gewissen Situationen darstellen, sind:

  • In Frage stellen
  • Beschweren
  • Vergleichen beim Einkauf
  • Klarstellen, Strukturieren
  • Demonstrieren, Streikposten aufstellen
  • Budgetanalyse
  • Prozessieren, Verklagen
  • Sich Reformgruppierungen anschließen
  • Nachforschungen unterstützen
  • Wählen
  • Whistle-blowing
  • Briefe schreiben

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Jan
19
2010
2

Wie man sich gegen Reklame, PR und andere Propaganda zur Wehr setzt – Teil 1/2

Vor einer Weile begann ich ja schon mal mit der Übersetzung der Artikel zur Persuasion Analysis von Prof. Hugh Rank von der Governors State University in Illinois (>> „What’s wrong with advertising? Teil 1“). Bevor ich diese Artikelserie fortsetze, möchte ich mir heute einen Kernpunkt der Website von Prof. Rank vornehmen, und zwar „Counter-Propaganda Axioms“ (zu deutsch „Grundsätze der Gegen-Propaganda“), in dem er aus wissenschaftlicher Sicht die Beeinflussung durch Reklame und PR betrachtet und zwei grundsätzliche Arten des Widerstands gegen diese Propaganda vorstellt. Thematisch passt das also perfekt in den Konsumpf!


Grundsätze der Gegen-Propaganda

Zwei grundlegende Prinzipien für den Einzelnen, dem Druck der Propagandafeldzüge professioneller Verführer zu begegnen:

Grundsatz 1: Wenn sie Druck aufbauen, nimm den Schwung heraus („downplay“)
Grundsatz 2: Wenn sie es herunterspielen, dreh auf/bohr nach („intensify“)

something_on_your_mind_2Unter Propaganda verstehe ich hier organisiertes Überzeugen: sowohl Werbung und Public Relation wie auch politische und staatliche Versuche, uns zu überzeugen. Propaganda versucht Reaktionen bei den Menschen, die die Zielgruppe darstellen, hervorzurufen (jetzt oder später). Zwei allgemeine Kategorien sind: Befehls-Propaganda, die eine spezielle, sofortige Reaktion bewirken soll: „Kaufe dies… Tu das… Wähle… Mach mit… Kämpfe…“ (Jetzt!) Konditionierende Propaganda zielt darauf ab, die öffentliche Meinung, Verhalten und Annahmen zu formen, auf einer langfristig angelegten, breitgefächerten Basis, oft als Vorspiel für Befehls-Propaganda (später).

Unter Gegen-Propaganda verstehe ich hier den Versuch, den Einzelnen vor einem Propagandafeldzug beliebiger organisierter Verführer zu impfen oder zu immunisieren: von jedem Werbetreibenden, von jedem Politiker (links oder rechts) oder von irgendwelchen Regierungen (der eigenen oder ausländischen). Sie dürfen annehmen, dass die professionellen Überzeuger in Zukunft noch geschickter und organisierter werden als im Moment, so dass sie ein immer stärker zunehmendes Ungleichgewicht zwischen den professionellen Überzeugern und dem durchschnittlichen „Überzeugten“ – dem normalen Bürger – erzeugen.

Diese Gegen-Propaganda-Grundsätze sind Mittel zum Zweck – eine defensive Strategie oder „defensive Rhetorik“ für Empfänger. Das Ziel ist, die Situation zwischen den professionellen Überzeugern und dem Publikum anzugleichen, ein besseres Gleichgewicht zu suchen, eine Situation der Gegenseitigkeit zu erreichen, in der das Publikum sich eher auf Augenhöhe mit den Sprechern befindet. Realistische Annahmen müssen getroffen werden: Macht existiert, Schwäche existiert. Die Starken geben ihre Macht nicht freiwillig her. Totale Gleichheit wird niemals existieren. Dennoch ist ein Schritt hin zu mehr Ausgeglichenheit besser als ein Schritt weg davon.

Der amerikanische Staat war auf den realistischen Annahmen der Gewaltenteilung zwischen den verschiedenen Kräften errichtet worden. Das Ergebnis ist eine Art wackliges Gleichgewicht, ein ausgleichender Balanceakt, in der Regel von allen Teilnehmern angeprangert, immer die anderen zu bevorzugen. Wenn einige Bereiche der Gesellschaft zu mächtig werden, versuchen andere es wieder auszutarieren. Weil die organisierte Überzeugungsmaschinerie immer mächtiger und leistungsfähiger wird, muss mehr getan werden, um den Folgen zu begegnen: mehr Menschen müssen besser informiert sein und der Bildungssektor und die Gesetzgebung muss sich mehr für ein Gleichgewicht, Ausgeglichenheit, Fairness einsetzen. Deshalb ist das Ziel dieser Website, der großen Zahl der Menschen – den „Zu-Überzeugenden“ – dabei zu helfen, die vorhersagbaren Muster besser zu erkennen und zu verstehen, so dass sie besser mit den professionellen Überzeugern aller Art umgehen können.

.

Grundsatz 1: Wenn sie Druck aufbauen, nimm den Schwung heraus („downplay“)

business_buddhaDieser Grundsatz empfiehlt Vorsicht, gesunde Skepsis und passiven Widerstand als angemessene Reaktion in einigen Situationen.

Verführer wollen Leute oft schnell, schnell, schnell zu einer Reaktion/Handlung drängen.

Ein Gefühl von Dringlichkeit („letzte Chance“, „jetzt oder nie“) zu erzeugen, eine Reaktion hervorzurufen und diese in eine spezielle Handlung zu kanalisieren („Kaufe dies… tu das… Komm zu uns“) sind häufige, vorhersehbare Teile des Überzeugungs-Prozesses – völlig unabhängig davon, ob das Produkt oder der „Zweck“ nun „gut“ oder „schlecht“ ist.

Nehmen Sie sich deshalb in Acht vor jeder intensiven Dringlichkeit, die eine schnelle Reaktion bewirken soll. Seien Sie vor allem in politischen Situationen skeptisch/vorsichtig, wenn irgendjemand die vermeintlichen Gefahren oder Bedrohungen durch den Gegner intensiv in den Vordergrund stellt.

Verführer wollen uns immer dazu bringen, etwas zu tun, in irgendeiner Art zu reagieren. Als Einzelner besteht unsere Waffe darin, nichts zu tun.

Nicht-Reaktion, Stille, Passivität ist oft eine sehr effektive Taktik. Wir kennen es aus Sprichworten („Schweigen ist Gold“) und aus der Literatur („Eine sanfte Antwort schreckt Zorn ab“), aber wir halten solche Stille oft für schwach oder feige. Wenn wir aber solch ein „Schwung herausnehmen“ als Teil einer Strategie sehen, können wir es besser zu schätzen wissen. Passiver Widerstand ist zum Beispiel eine extrem interessante Reaktion, die jedem Einzelnen zur Verfügung steht: denken Sie an Henry David Thoreau, Mahatma Gandhi, Martin Luther King.

Viele von uns wurden schon lange durch soziale Autoritäten (Eltern, Lehrer, Chefs, Regierungen, Werbetreibende) konditioniert, die unsere Aufmerksamkeit und unser Vertrauen verlangen. Solche Meinungsführer (inklusive Lehrer) legen hohen Wert auf enthusiastische Reaktionen durch ihr Publikum.

Aufgrund dieser allgemeinen Konditionierung benötigen manche Menschen Sanktionen, „die Erlaubnis, nein zu sagen“. Manche Leute fühlen sich schuldig, selbst wenn sie zu einem aggressiven Vertreter „nein“ sagen oder sie fühlen sich verpflichten, einem Verkäufer zuzuhören („ich wollte seine Gefühle nicht verletzen“). Weil wir darin trainiert wurden, höflich zu sein, nutzen Verkäufer dies oft zu ihrem eigenen Vorteil aus, indem sie an unsere Schuldgefühle appellieren.

Und so appelliert auch der politische Demagoge (oder religiöse oder rassistische Fanatiker) an unser Pflichtgefühl oder unsere Verpflichtungen gegenüber dem Land (oder gegenüber Gott oder einer Rasse), um uns zu einer Aktion zu bewegen.

Wenn wir die Formulierung „ein Zusammenbruch der Kommunikation“ hören, geht man normalerweise davon aus, dass eine unerwünschte Fehlfunktion stattgefunden hat. Aber solch ein Zusammenbruch kann etwas Gutes sein, wenn wir uns gedrängt, überwältigt oder überfordert fühlen: Wenn sie Druck aufbauen, nimm den Schwung heraus.

Zu den unerwünschten Reaktionen, die eine angemessene Verteidigung des Einzelnen in manchen Situationen darstellen, gehören:

  • Stille
  • Das Produkt nicht kaufen
  • Den Vertrag nicht unterzeichnen
  • Boykottieren
  • Nicht applaudieren
  • Den Telefonhörer auflegen
  • Das Zimmer verlassen
  • Die Augen schließen
  • Zu sagen „Ich schau mich nur mal um”
  • Nicht freiwillig teilnehmen
  • Nicht zuhören
  • Vom Thema abkommen
  • Ablenken
  • Triviale Fragen stellen
  • Verlangsamen, verzögern
  • Die Sache durcheinanderbringen
  • Das Falsche tun

Morgen folgt Teil 2 des Artikels mit Gegenpropaganda-Grundsatz Nr. 2.

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Aug
16
2009
6

Beeinflussung der öffentlichen Meinung im neoliberalen Sinne

Aufgrund Zeitmangels heute mal wieder nur ein kurzer Lesetipp – „Warum profitiert die Linke nicht von der Krise?“ fragen sich die NachDenkSeiten. Diese Frage als solche ist erst einmal nicht so sonderlich spannend, aber in dem Artikel geht es um ganz andere Dinge, nämlich um die seit Jahrzehnten ablaufende Beeinflussung der sog. „öffentlichen Meinung“ durch neoliberale Think Tanks und Interessengruppen, Wer noch immer an die Unabhängigkeit der Medien glaubt oder an eine freie Diskussion im demokratischen Raum, der sollte sich diesen großartigen Beitrag unbedingt durchlesen, auch auf die Gefahr hin, dass so manche Illusion zerplatzt. Denn im Prinzip leben wir in einer gelenkten Demokratie – gelenkt durch die Meinungsmache in den Medien der „Elite“. Also – bitte lesen, und zwar den kompletten Artikel!

(…) Der durch diese Steuerung „der Masse“ hergestellte „öffentliche Wille“ blendet die Analyse der Ursachen für die derzeitige Krise aus, schiebt die Schuld auf andere – auf die Hypotheken- und Geldpolitik der USA oder auf das Versagen staatlicher Bankenaufsicht – und blendet das Versagen der zugrunde liegenden Ideologie nahezu komplett aus.
Die herrschende Lehre machte aus größter Not eine Tugend und überließ dem Staat die „Rettungsaktionen“ zur Vermeidung von „systemischen Risiken“, um möglichst rasch wieder weiter machen zu können, wie vor der Krise.
Eine grundlegende Debatte über eine wirtschaftspolitische Wende oder gar einen Neubeginn findet nicht statt.
Die gesellschaftlichen Kräfte, die eine Alternative zum neoliberalen Dogma vorschlagen haben weder eine durchdringende Stimme, geschweige denn, dass sie dem bestehenden Propagandaapparat etwas entgegen setzen könnten.

In einer so gelenkten Demokratie ist es möglich, dass diejenigen politischen Repräsentanten, die durch ihre Politik in die Krise geführt oder sie zumindest nicht abgewendet haben, eine Mehrheit erlangen können und weiter machen können wie zuvor.

Bei der Gelegenheit könnt Ihr auch mal beim aktuellen „Streit der Woche“ bei der taz reinschauen – es geht um das Thema Konsum/LOHAS: „Kann richtig kaufen die Welt retten?“ Ich würde mal sagen: ein klares Jein. :-) Natürlich sollte jeder sein Kaufverhalten soweit überdenken, gewisse besonders bedenkliche und schlimme Firmen nicht zu unterstützen und mit seinem Geld nicht noch die Unternehmen zu belohnen, die sich besonders aktiv an der Zerstörung der Welt und der Gesellschaft beteiligen (Discounter, Nestlé, Coca Cola, McDonald’s, Atomenergiekonzerne usw. usf.), aber mit einer bloßen „Begrünung“ des Konsums, wie es die LOAHS als Lebensstil vorexerzieren, ist es m.E. nicht getan – ein grundlegendes Umdenken beim Konsumieren ist von Nöten, wenn nicht das ganze System vor die Wand gefahren werden soll.

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Jul
27
2009
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Wikipedia und die PR der Atomlobby

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© hisks, stock.xchng

Auch heute möchte ich das Thema PR-Beiträge und Lobbyismus nochmal aufgreifen. Für viele sind Public Relations und Lobbyarbeit vermutlich eher dubiose, im Verborgenen stattfindende Prozesse, die scheinbar nichts mit dem eigenen Leben zu tun haben und die man oft kaum direkt beobachten kann. Doch dies stimmt nicht, wie man dieser Tage beim „Kampf“ um Wikipedia-Beschreibungen rund um die Atomkraft sehen kann – hier tobt nämlich seit längerem eine Schlacht zwischen Pro-Atom-Lobbyisten und Klimaschützern. Erstere dringen massiv bei Wikipedia ein und schreiben Texte atomfreundlich um, wie mehrere Medien in dieser Woche zu berichten wissen, so beispielsweise die Frankfurter Rundschau: „Atomkampf im Netz: Lobbyisten contra Umweltgruppen“. Wenn man bedenkt, wie viele Menschen sich heutzutage naiv-arglos einfach bei Wikipedia informieren und das dort Geschriebene dann für bare Münze nehmen, ist es um so erschreckender, dass auf diesem ehemals neutralen Feld nun vermehrt Partei- und Lobbyarbeit und damit die Beeinflussung/Manipulation der öffentlichen Meinung betrieben wird.

Es ist eine Frage des Glaubens. Glaubt man der Atomindustrie, dann sind Kernkraftwerke Klimaschützer. Glaubt man den Umweltaktivisten, dann gehören sie abgeschaltet.

(Anm.: es ist wohl kaum eine „Frage des Glaubens“, dass Atomkraft vom Menschen schwer beherrschbar ist und die verstrahlten Abfälle noch viele Generationen nach uns „beglücken“… diese Formulierung der FR ist damit auch fast schon subtile Lobbyarbeit…)

Abseits der hitzigen politischen Debatte nach dem Störfall im Atommeiler Krümmel gilt es, auch die Öffentlichkeit für seine Sichtweise zu gewinnen – im Fokus steht dabei auch die freie Online-Enzyklopädie Wikipedia. Laut der Organisation LobbyControl sind PR-Agenturen und Tarnorganisationen damit beschäftigt, Einträge zum Beispiel bei Wikipedia zu ändern. Aber nicht nur hier werden die jeweiligen Sichtweisen platziert. Besonders aktiv sei in diesen Tagen das Pro-Atom-Netzwerk „Bürger für Technik“ – einige Mitglieder fielen vor allem mit Leserbrief-Offensiven zum Thema Kernkraft auf.

„Wikipedia-Manipulation gehört heute zu den wichtigsten Aufgaben großer PR-Agenturen“, sagt auch Axel Mayer, Geschäftsführer der BUND-Regionalstelle in Freiburg. (…)

(…) „Der professionelle Einsatz zum Ändern kritischer Einträge und zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung geschieht häufiger als man denkt“, meint LobbyControl-Vorstand Ulrich Müller. Oft träten nicht Konzerne selbst, sondern Agenturen oder scheinbar interessierte Privatpersonen als Korrektoren auf den Plan. (…) Besonders das damit verbundene Netzwerk „Bürger für Technik“ versuche über Leserbriefe in Zeitungen und durch das Ändern von Internet-Einträgen eine atomfreundliche Haltung zu befördern, sagt Müller. (…)

Siehe dazu auch den schon etwas älteren Beitrag des BUND „Wikipedia & Manipulation – die freie Enzyklopädie und die Macht der Atomlobby“, in dem noch deutlich ausführlicher über viele Manipulationen von PR-Agenturen und Lobbys in der Vergangenheit berichtet wird:

(…) Die Industrie und deren PR-Abteilungen nehmen auch Einfluss auf viele andere Wiki-Seiten, wo die Interessen der Menschen den Interessen der Industrie im Wege stehen (Gentechnik, Klimaschutz, Holzschutzmittel, Afghanistankrieg…) Eine bezahlte PR-Firma hat häufig einfach den „längeren Atem“ als eine Nichtregierungsorganisation. (…)

Die Wochenzeitung WOZ
in der Schweiz beschrieb am 21.12.2006 die bekannt gewordene Spitze des Eisbergs der Wikipedia-Manipulation durch Burson Marsteller:
„In der Onlineenzyklopädie Wikipedia findet sich unter dem Stichwort Nuklearforum Schweiz ein Eintrag. Er ist völlig identisch mit der Selbstdarstellung auf der forumseigenen Homepage. In die Enzyklopädie gestellt wurde der Beitrag vom Benutzer Gen Suisse. Auch zur Gen Suisse, einer Lobbyorganisation der Pharmaindustrie, gibt es in Wikipedia einen Eintrag. Der erste Beitrag dazu wurde ebenfalls vom Benutzer Gen Suisse geschrieben und ist ein distanzloser Werbetext. Später hat sich Benutzerin Irmgard die Mühe gemacht, den reinen PR-Text zu entschärfen, indem sie hinzufügte, dass Gen Suisse von Schweizer Pharmafirmen finanziert wird. Sowohl das Nuklearforum wie Gen Suisse werden von Burson-Marsteller betreut. Offenbar gelingt es der PR-Firma, die Onlineenzyklopädie Wikipedia dazu zu benutzen, ihre PR-Botschaft als neutrale Information unters Volk zu bringen.“ (…)

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Jul
26
2009
2

PR im Namen von Zensursula und Ulla Schmidt

Das Ausmaß, in dem Public Relations (PR) seit längerem schon die Mainstreammedien durchzieht und damit zum Spielball der Interessen von Wirtschaft und Politik macht, habe ich hier im Blog ja schon einige Male angesprochen (z.B. HIER). Tatsächlich stockt mir dennoch jedes Mal wieder der Atem, wenn ich einen Beitrag wie den folgenden des Magazins Zapp! sehe, in dem klar wird, wie weit sich die PR-Krake mittlerweile ausgebreitet hat und dass sie nicht nur für Firmen-, sondern auch für die Propagandazwecke von Politikern eingesetzt wird, beispielsweise im Radio. Was dort wie ein unabhängig recherchierter Beitrag eines Senders daherkommt, ist in Wirklichkeit nicht selten eine vorproduzierte Angelegenheit mit einem ganz speziellen Zweck, nämlich dem, den Hörern Objektivität vorzugaukeln, wo doch nur schnöder Lobbyismus vorliegt.

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Apr
30
2009
2

Weise Worte (8)

Die Werte, die heute unser Leben bestimmen, sind ökonomische Werte, keine demokratischen Werte. Unser System wird vor allem definiert durch die Gesetze und Regelungen, die wir als Angestellte, Kunden und Konsumenten erfüllen. PR-Firmen sind selbst Unternehmen, die existieren, um die Propaganda-Interessen ihrer Kunden zu vertreten. Und wie jeder weiß, der für ein Unternehmen tätig ist, gibt es am Arbeitsplatz keine Demokratie. Genauso wenig wie in Washington und in den Hauptstädten der Bundesstaaten, wo die Partikularinteressen der Unternehmen die politischen Geldbörsen kontrollieren, die Kandidaten ins Amt bringen und sie dort halten.

PR existiert, um die nötigen Illusionen zu erzeugen, um die Lücke zwischen dem Traum von Amerika und der Realität der amerikanischen Gesellschaft zu überbrücken.

John Stauber & Sheldon Rampton, Giftmüll macht schlank (1995/2006)

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Apr
10
2009
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Lesetipps: Schaeffler, die Krise und die deutsche Wut

Damit Euch in der Vorbereitung auf Ostern bzw. am heutigen Karfreitag nicht gar zu langweilig wird, habe ich heute drei Leseempfehlungen parat – Artikel, die ich jüngst im Netz gefunden habe und die ich für so interessant halte, dass ich sie unbedingt auch hier vorstellen möchte.

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© miamiamia, stpck.xchng

Zuvorderst ist das der ausgesprochen großartige Beitrag „Ist Hopfen und Malz schon verloren? Die Abwesenheit von kritischem Verstand und das Versagen der Medien ist zum Verzweifeln“ von Albrecht Müller auf den NachDenkSeiten, in dem er eine schonungslose und ernüchternde Analyse des Krisenmanagements und der einlullenden Medienberichterstattung sowie der Leichtgläubigkeit vieler Mitbürger wagt. Es lohnt sich, diesen Artikel komplett durchzulesen, trotz der beachtlichen Länge.

In der Debatte um die Wirtschafts- und Finanzkrise zeigt sich eine erstaunliche Bereitschaft zur Anpassung an gängige Denkmuster. Wenn die politische Führung und die Hauptmedien die gleichen Parolen verkünden und Denkmuster anbieten, dann wird das auch in breiten Kreisen geglaubt, selbst dann, wenn an jeder Ecke Zweifelhaftes sichtbar ist. Im Bericht des NachDenkSeiten-Lesers ist von Nachplappern und Gleichschaltung die Rede. Das entspricht auch meiner Beobachtung.

Im Bericht wird auch die trotzige Reaktion auf Zweifel und Kritik beschrieben. Auch das entspricht meiner Erfahrung. Man will sich ungern die gerade angelernten Erklärungen aus der Hand nehmen lassen.

Vermutlich spielt bei der bereitwilligen Konzentration auf die angebotenen Denkmuster auch eine Rolle, dass man sich in kritischen Situationen gerne mit der Mehrheit um die Führung versammelt.

Diese Neigung wird zunehmend zu einem großen Problem: Die demokratische Kontrolle setzt aus, es gibt keine Sanktionen mehr auf Fehler, selbst auf schlimmes Versagen nicht. Das hat viel mit der Ausbreitung von Public Relations-Agenturen und ihrem Einfluss auf die Medien zu tun.

Die Medien beschäftigen sich nahezu nicht mit dem kriminellen Charakter vieler Finanzgeschäfte.
Wer faule Forderungen verpackt und sie als Wertpapiere weiterverkauft, ist aus meiner Sicht ein Betrüger. Diese Ansicht wird auch von Fachleuten geteilt. Wer solche Wertpapiere kauft, wie die IKB, ist ein Hehler. Dieser kriminelle Charakter der Hintergründe und Ursachen der Finanzkrise wird von den Medien nicht recherchiert und auch von der Wissenschaft mit Ausnahme einiger weniger Fachleute nicht hinterfragt.

Also unbedingt weiterlesen! Ebenfalls spannend und zum eben genannten Thema passend, wenn auch (natürlich) deutlich staatstragender: Die FAZ fragt sich „Finanzkrise: Wohin nur mit unserer Wut?“:

Die Isländer jagen ihre Regierung fort, die Franzosen nehmen Manager in Geiselhaft. Briten hauen in London auf den Putz. Und die Deutschen? Sie delegieren die eher kleineren Demonstrationen auf das klassische Protestpersonal aus Ökos, Antiglobalisten und Gewerkschaftern. Außerdem kaufen sie 1,2 Millionen subventionierte Autos. (…)

(…) Eine Erklärung dafür, dass die Deutschen ihr eigenes System für unschuldig halten, liegt in der ziemlich deutschen Tradition, die Wirtschaft zweizuteilen. Noch heute wird sie in der Wortwahl für den Industriesektor deutlich. Er repräsentiert die „reale Wirtschaft“. In ihr bauen Menschen prima Maschinen und Autos, verkaufen sie in die ganze Welt und teilen die Erlöse einigermaßen fair zwischen Unternehmern und Arbeitern. In der anderen Welt regieren Kredit, Zins, schlaue Köpfe, die komplizierte Wertpapiere erfinden und gewaltige Gehälter einstreichen.

Die Zweiteilung ist mit handfesten Werturteilen verbunden. Die reale Wirtschaft wird mit Attributen wie Anständigkeit, Sorgfalt und Sparsamkeit versehen. Die Finanzwelt dagegen gilt als parasitär. Sie saugt die produzierende Welt aus. (…)

Und apropos Wirtschaft – wer erinnert sich nicht noch an die Krokodilstränen der Frau Schaeffler, die staatliche Hilfe für ihr angeschlagenes Unternehmen haben möchte. Tatsächlich gehört diese Firma aber zu den Kriegsgewinnlern und hat, ähnlich wie z.B. Deutsche Bank, BASF, Dresdner Bank oder Krupp von der Zusammenarbeit mit den Nazis während des 2. Weltkriegs und den Enteignungen der Juden massiv profitiert. Im NPD-Blog wird dieses Thema aktuell aufgegriffen: „Vom Ursprung deutschen Reichtums: Die Schaeffler AG“ (siehe auch bei German Foreign Policy):

Berichte über ein NS-Lager im ehemaligen deutschen Katscher (heute Kietrz/Südpolen) haben nach einem Bericht von German-Foreign-Policy.com neue Erkenntnisse über die NS-Vergangenheit der Schaeffler Gruppe geliefert. Wie aus den Berichten hervorgehe, bediente sich die damalige Schaeffler AG in den letzten Kriegsjahren der Arbeitskraft von Gefangenen, die im “Polenlager Nr. 92″ in Katscher interniert waren.

(…) Die NS-Vergangenheit der Schaeffler Gruppe, die ihre Gründung offiziell immer noch auf das Jahr 1946 datiere, sei mittlerweile in Umrissen bekannt. Demnach übernahm Wilhelm Schaeffler 1940 im damals schlesischen Katscher (heute: Kietrz/Südpolen) eine Textilfabrik, deren jüdischer Vorbesitzer im Jahr 1933 hatte fliehen müssen. Schaeffler stieg den Angaben zufolge bald in die Rüstungsproduktion ein und verdiente Geld mit der Produktion für die Wehrmacht und den deutschen Vernichtungskrieg in Osteuropa.

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