Mai
11
2009
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Wem gehört die Welt?

Sehr oft stoße ich beim Schlendern durchs Netz auf interessante Artikel und Gedanken, die ich unbedingt auch in meinem Blog verbreiten möchte. Manchmal geraten solche Beiträge aber dann auch aus ungeklärten Gründen und ungerechtfertigterweise bei mir wieder ein wenig in Vergessenheit, und erst ein Frühjahrsputz meiner Datenbestände spült diese wieder zurück an die Oberfläche.

sugar-economySo ist es mir gerade mit der hochinteressanten Studie „Wem gehört die Welt?“ der ETC-Group gegangen, die bereits Ende letzten Jahres erschien (jedoch nichts an Aktualität eingebüßt hat) und über die ich damals im Commons Blog erfuhr. In Marschrichtung Zuckerökonomie – wem gehört dann die Natur? schauen sich die Autoren die 48seitige Originalstudie (die es hier als kostenlosen pdf-Download auf Englisch gibt) genauer an und kommen dabei zu erschreckenden Ergebnissen. Denn tatsächlich schreitet die sogenannte Kommodifizierung, also die kommerzielle Verwertung unserer Erde, also der natürlichen Ressourcen, der Biomasse, immer weiter voran (siehe auch: „Ein Viertel der Welt-Biomasse ist bereits kommodifiziert”). Die Konzentration der Marktmacht in immer weniger Händen ist dabei, so denke ich, eine besonders große Gefahr für die Zukunft, für die Gesellschaft und Demokratie. Leider lässt sich diese Entwicklung hin zu immer größeren, mächtigeren und einflussreicheren Konzernen in diesem Wirtschaftssystem quasi systemimmanent in fast allen ökonomischen Bereichen feststellen. (Man muss ja nur mal in eine x-beliebige Einkaufsstraße gehen – dort machen sich die immer gleichen Ketten breit und verdrängen gewachsene Strukturen mit ihrem uniformen Kram.) Aber zurück zur ETC-Group-Studie:

Zentrale Themen: Ernährung, Landwirtschaft, Gesundheit, Biotech aber auch Soft- und Hardwareproduktion sowie die strategischen Bewegungen auf globaler Ebene, um noch die letzten natürlichen Reserven der kapitalistischen Landnahme einzuverleiben. Kurz: ETC bringt die Zahlen zur Einzäunung der Nahrungskette als “ultimate enclosure” (Vandana Shiva).

Teil des Reports sind die aktuellen TOP 10 Listen der Aufkäufer unserer Lebensgrundlagen und der Wissensallmende. Letztere umfassen genetische und andere immaterielle Ressourcen, die in der Regel in biologische Ressourcen eingeschrieben sind, somit den gesamten Saatgut- und Pharmabereich aber auch Informationen und kulturelle Inhalte.

Beim Saatgut sieht das im Jahr 2007 so aus: (Zahlen der ETC Group)

1. Monsanto (US)                                 23% (Anteil am globalen Markt)
2. DuPont (US)                                     15%
3. Syngenta (Switzerland)                     9%
4. Groupe Limagrain (France)               6%
5. Land O’ Lakes (US)                            4%
Die Top 10
halten damit  67%. Die Top 5 sind mit 57 % mit von der Partie.

Bei Pestiziden liegt nach wie vor “Deutschland ganz vorn” (Man ist hier ja so gern Weltspitze. Es gibt eben zweifelhafte Weltrekorde.)

1. Bayer (Germany)                             19%
2. Syngenta (Switzerland)                  19%
3. BASF (Germany)                              11%
4. Dow AgroSciences (USA)               10%
5. Monsanto (USA)                                9%
Dann weiter mit DuPont (USA), Makhteshim Agan (Israel), Nufarm (Australia), Sumitomo Chemical (Japan), Arysta Lifescience (Japan).
Hier halten 10 Firmen 89% der Anteile am Globalen Markt und 5 Firmen 68 %.

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Mrz
29
2009
1

Buchbesprechung: Robert W. McChesney, John Nichols „Unsere Medien? Demokratie und Medienkonzerne in den USA“

mcchesney-nichols-unsere-medienNicht immer muss ein Buch dick und schwer sein (wie z.B. Naomi Kleins Bestseller „No Logo!“ oder „Das neue Schwarzbuch Markenfirmen“) um zu beeindrucken. Schlank und elegant kommt beispielsweise „Unsere Medien? Demokratie und Medienkonzerne in den USA“ von Robert McChesney, John Nichols u.a. daher, veröffentlicht in der Open Media-Reihe des Verlags Schwarzerfreitag aus Berlin. Die Open Media-Reihe wurde ursprünglich Anfang der 90er Jahre in Amerika ins Leben gerufen, als Opposition zum ersten Golfkrieg, und konnte bislang auch Autoren wie Noam Chomsky (der auch zu diesem Buch einen Kommentar beisteuert) gewinnen.

Der Titel macht bereits klar, worum es den beiden Autoren in ihrem Buch geht – sie wollen eine Bestandsaufnahme der derzeitigen Entwicklung des Mediensektors in den USA bieten, die so oder in ähnlicher Form mittlerweile auch weltweit zu beobachten ist. Innerhalb weniger Jahrzehnte hat die Zahl der den Markt bestimmenden Konzerne von über 50 auf inzwischen nur noch 10 Big Player abgenommen. Solch eine Konzentration wäre auch auf anderen, „normalen“ Gütermärkten bereits bedrohlich und eine potentielle Gefahr für die freie Gesellschaft, aber gerade im Medienbereich, wo schließlich auch Meinungen gemacht und beeinflusst werden, ist dies mehr als nur eine latente Bedrohung der Demokratie.

McChesney (Professor an der University of Illinois) und Nichols (Korrespondent von The Nation) legen in ihrem dreigeteilten Werk (Teil 1: Analyse, Teil 2: Problembeschreibung/Unzufriedenheit und Teil 3: Aufbau einer Medienreform-Bewegung) den Finger sehr eindringlich auf mehrere Wunden, die sich diesbezüglich auftun. Die ursprüngliche Aufgabe der sog. „freien Presse“, die auch die Gründerväter der USA so in der Verfassung vorgesehen haben, war die Kontrolle derjenigen, die die politische Macht innehaben – sie sollte dazu dienen, „die Freiheit zu beschützen“, wie James Madison im 18. Jahrhundert schrieb.

Weit entfernt davon, die Zivilisation insgesamt zu stärken, liefert das Mediensystem, wie es zur Zeit in den Vereinigten Staaten opereriert, noch nicht einmal die Grundlagen für die Staatsbürgerschaft: Es beschützt nicht und dient nicht dem Allgemeinwohl. Es ist kein Mediensystem nach unserem Bedarf, aus unseren Händen oder in unserem Interesse – weil wir es heute nicht mit unseren Medien zu tun haben. Es sind deren Medien.

Doch wer sind sie? Eine Handvoll enormer Konglomerate, die sich die monopolistische Kontrolle über weite Teile der Medienlandschaft gesichert haben. Die Oligopole spotten der traditionellen Vorstellung einer freien Presse, in der jeder am freien Markt der Ideen teilhaben kann. Dabei werden die Monopole von Jahr zu Jahr erdrückender.

Wem dienen diese Medien? Zu allererst den Aktionären – große Medienunternehmen in den USA können hochprofitabel sein. Um diese Profitabilität aufrechtzuerhalten, dienen sie den Interessen der großen Konzerne, die weite Teie der Medien mit ihren Werbegeldern finanzieren. Um einer Regulierung im öffentlichen Interesse zu entgehen, dienen sie einer politischen Klasse, die sich revanchiert, indem sie den Medienkonzernen kostenlosen Zugang zu den öffentlichen Rundfunkfrequenzen gewährt und regelmäßig Grenzen der kommerziellen Kontrolle unserer Kommunikation einreißt. (…) Profit geht dabei immer vor Gesellschaft.

Bereits diese wenigen Absätze im vorderen Teil des Buches umreißen sehr gut, worin die Autoren die Probleme mit dem heutigen Mediensystem sehen – es dient primär kommerziellen Interessen und ist somit, auf Grund dieser Verquickung mit anderen Konzernen, weit davon entfernt, wirklich kritisch zu berichten. Diese mangelnde Kritik bewirkt aber nicht nur, Zuschauer und Leser primär als Zielgruppe für Konsum zu sehen, sondern lässt auch viele politische Geschehnisse, die eigentlich hinterfragt werden müssten, nahezu propagandistisch verbrämen.

Die Konzentration führt zu zwei zentralen Problemen: extreme Kommerzialisierung und Vernachlässigung des Dienstes am Bürger. Je besser die großen Medienkonzerne die Gesellschaften kommerziell durchdringen, desto weniger sind sie gewillt oder in der Lage, kreative oder redaktionell integre Inhalte zu erzeugen.

Ausführlich wird geschildert, wie diese Marktmachtkonzentration im Zeitungsbereich dazu führt, dass lokale Redaktionen nach und nach abgebaut und ausgedünnt werden, bis sie schließlich kaum noch in der Lage sind, kritisch zu recherchieren, sondern statt dessen PR-Meldungen etc. übernehmen, um ihr Blatt termingerecht füllen zu können. So etwas kann man ja auch hierzulande erkennen, wenn selbst honorige Zeitungen wie die FAZ Advertorials abdrucken; von Magazinen wie der Vogue, die eh nur aus Reklame und Produktlobhudeleien bestehen, ganz zu schweigen.

Die politische Kultur, die mit dem weltweiten Aufstieg des kommerziellen Mediensystems einhergeht, ähnelt immer mehr der der USA: An die Stelle informierter Debatten und eines kompletten Spektrums politischer Parteien treten ein leerer Journalismus und Wahlkämpfe, die von PR-Agenturen, Geld, schwachsinniger Werbung und eng begrenzten Debatten bestimmt werden. So entsteht eine Welt, in der der Markt und kommerzielle Werte die Demokratie und die Zivilkultur ersticken – eine Welt sich rasend ausbreitender Entpolitisierung, in der die wenigen Reichen immer weniger politische Hürden zu überwinden haben.

Glücklicherweise belassen es McChesney und Nichols nicht bei dieser bloßen Medienschelte, sondern stellen in dem Kapitel über den sich formierenden Widerstand gegen diese Form der Medienorientierung auch hoffnungsvolle Ansätze für wirklich freie Medien dar (denn wie „frei“ die Medienlandschaft z.B. in Deutschland ist, kann man sehen, wenn man sich die lange Liste der Produkte anschaut, die alleine Bertelsmann unter seinem Dach vereint). So gibt es in Schweden eine Partei, die auch das Verbot von Fernseh- und Radiowerbung in ihrem Programm hat (und immerhin bei Wahlen 10% der Stimmen erhält). In Neuseeland haben fortschrittliche Politiker eine Neuordnung des Rundfunks beschlossen, nach der Rundfunkfrequenzen öffentliches Eigentum sind, das die Bürger kontrollieren sollen – die Übernahme lokaler Stationen durch Großkonzerne wurde erschwert, der öffentliche Rundfunk ausgebaut etc. In Amerika selbst wird die Förderung des sog. „Mikroradios“ (nichtkommerzielle Gemeinderadiostationen) vorangetrieben und man versucht die Torpedierung dieser Projekte durch einige, den Medienkonglomeraten nahestehenden Teilen der Politik aufzuhalten.

Alles in allem ist „Unsere Medien?“ ein gleichermaßen erschreckendes, wie auch aufrüttelndes und Mut machendes Buch, das zudem leicht und locker zu lesen ist.

Robert W. McChesney, John Nichols „Unsere Medien? Demokratie und Medienkonzerne in den USA“, Schwarzerfreitag 2004, 151 S., 11,– €

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Mrz
01
2009
5

„Warum es zivilen Ungehorsam braucht, um unsere Allgemeingüter zu verteidigen“

vandana-shiva

Quelle: medico international

Die indische Trägerin des Alternativen Nobelpreises und bekannte Globalisierungskritikerin Vandana Shiva setzt sich in ihrer Heimat schon seit längerem für die Rechte der indischen Urbevölkerung und ein und kämpft gegen die sich immer weiter ausbreitenden, übermächtig wirkenden Großkonzerne, die dabei sind, den Globus unter sich aufzuteilen. Auf der Konferenz „Medico international“ hielt sie eine bemerkenswerte Rede über die Zustände in Indien und dem Rest der Welt vor dem Hintergrund dieser Konzernmacht und ihrer negativen Folgen für die meisten Menschen. Ihre Rede erschien vor einigen Tagen in der Neuen Rheinischen Zeitung (einem unabhängigen Nachrichtenportal für Köln & Umgebung) unter dem Titel „Wider die Angst: Satygraha. Warum es zivilen Ungehorsam braucht, um unsere Allgemeingüter zu verteidigen.“, hier ein paar Auszüge:

Die Herrschaft der internationalen Konzerne hat für die Menschen in Indien bereits Züge der totalen Kontrolle über Handel und Wirtschaft angenommen, so wie sie einst die East Indian Company ausübte. Damals hatten wir die East Indian Company, jetzt haben wir Saatguthersteller, Pharmamultis, chemische und biogenetische Bigplayer, die unser Land regieren.

Diktatur von fünf Konzernen
Immer deutlicher wird, dass das Gesundheitswesen und die Lebensmittelversorgung weltweit von fünf Konzernen bestimmt werden. Aus meiner Sicht ist das Diktatur und keine Wirtschaftsdemokratie. Ein Wandlungsprozess hat stattgefunden. Die Demokratie ist nicht mehr vom und für das Volk, sondern von und für die Konzerne. Wenn wir uns heute hier mit einer Neubestimmung von Solidarität beschäftigen, dann müssen wir mit dieser Herrschaft der Konzerne umgehen. Wenn wir darüber nicht reden, werden wir nicht die nächsten Schritte auf dem Weg zur Verteidigung unserer Freiheiten und zu unserer Befreiung bestimmen können.

(…) Meine Tätigkeit ist darauf ausgerichtet, dass Lebensgrundlagen nicht privatisiert werden, dass Bauern das Recht auf Reproduktion von Saatgut haben, dass wir pharmazeutische Produkte selbst herstellen können. Denn unsere eigenen Medikamente kosten hundertmal weniger als die der großen internationalen Unternehmen.

Wir befinden uns mitten in einer Lebensmittelkrise. Die Financial Times und das Wall Street Journal berichten von einem neuen Plan der Weltbank. Aber der neue Plan der Weltbank ist der alte Plan, der diese Ernährungskrise verursacht hat. Nun sollen unsere Steuergelder dafür eingesetzt werden, um genetisch verändertes Saatgut und Düngemittel noch höher zu subventionieren und um sie noch schneller im Süden einzusetzen. Subventioniert werden auch Suez, Vivendi und RWE, die ganz scharf darauf sind, jeden Tropfen Wasser zu privatisieren.

(…) Die Privatisierung von Wasser bringt Milliardenprofite. Ein ungeheures Geschäft mit einem existentiellen Bedürfnis der Menschen, das nun zu Marktpreisen befriedigt werden soll. Was Marktpreise bedeuten, wissen wir. Coca Cola stiehlt jeden Tag zwischen 1,5 und 2 Millionen Liter Wasser, jede einzelne Coca-Cola-Niederlassung nimmt sich ihr Wasser. Es brauchte den Mut einer Frau aus Kerala, die sich dagegen wehrte, dass sie jeden Tag noch mehr Meilen laufen musste, um an Trinkwasser zu kommen, während Coca Cola es einfach nahm und verschmutzt zurückließ. Sie hat zusammen mit weiteren zehn Frauen vor sechs Jahren eine Aktion zivilen Ungehorsams vor den Werkstoren von Coca Cola begonnen. Daraus entstand eine zivilgesellschaftliche Bewegung, der es am Ende gelang, die Schließung des Werkes zu erreichen.

(…) Eine der Illusionen, die sie uns verkaufen, ist, dass es mehr ökonomische Freiheit bringen würde, wenn wir wirtschaftliche Unabhängigkeit aufgeben. Sie ersetzen unsere Freiheiten als Arbeiter, als Angestellte, als Bauern, als Krankenschwestern, als Ärzte durch das Recht der Supermärkte, das Recht und die Freiheit zu kaufen. Wir werden zu Konsumenten reduziert. Der Konsumismus soll unsere Erfahrung der Freiheit sein und damit partizipieren wir am Katastrophenkapitalismus.

Unsere Allgemeingüter solidarisch verteidigen!
Der Konsumismus ist für unseren Planeten ein Krebsgeschwür im Endstadium. Er hat einen unstillbaren Appetit auf unsere Ressourcen und unsere Allgemeingüter, unsere Commons. Solidarität heißt deshalb heute, unsere Allgemeingüter auf lokaler und globaler Ebene zu verteidigen.

(…) Der letzte Widerstand ist der Widerstand gegen die Angst. Wir müssen klarmachen, dass wir nur die Gesetze anerkennen, die auf Gerechtigkeit und Ökologie basieren und nicht die der Konzerne. Solche Gesetze werden tagtäglich geschaffen, um unser Leben zu kontrollieren und uns davon abzuhalten, aktiv zu werden. Sie reduzieren uns auf die Angst.

Das ist Faschismus, das ist das endgültige Ende der Freiheit, die wir so sehr brauchen. Wir können uns nicht leisten, dass das Prinzip der Angst die Welt beherrscht, als letzter Weg, um eine Menschheit, die sich nach Freiheit, Gemeinsamkeit und Solidarität sehnt, zum Schweigen zu bringen.

[via Duckhome]

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Jan
16
2009
4

Scroogle – Google ohne Kommerz und ohne Spuren im Netz zu hinterlassen

scrooge3Es gab einmal eine Zeit, da galt Google als das kleine, sympathische Außenseiterunternehmen, das angetreten war, den großen, marktbeherrschenden Suchmaschinen von Yahoo! (und MSN) das Fürchten zu lehren. Tatsächlich schaffte Google es in wenigen Jahren, Yahoo! vom Thron zu stoßen und sich damit selbst an die Spitze des Feldes zu setzen. Seitdem hat Google einen Marktanteil von an die 90% erreicht und besitzt damit quasi eine ähnliche Monopolstellung wie Micro$oft bei den Betriebssystemen. So viel Marktmacht löst nicht nur bei mir ein ziemliches Unbehagen aus, denn wenn ein Konzern die Spielregeln bestimmen kann, geht das in der Regel zu Lasten von Vielfalt und Freiheit (und im Falle von Microsoft-Produkten eindeutig auch zu Lasten der Qualität). Und so hört man immer öfter darüber, dass Google Daten der User beim Benutzen ihrer Dienste mit übertragen lässt und somit eine Art Surfprofil anlegen kann. Da klingeln natürlich auch beim Thema Datenschutz die Alarmglocken. Und nicht nur nur bei mir – Mehmet Toprak schrieb am Mittwoch in der eWeek EuropeGoogle: Der stille Skandal“:

An die Übermacht von Google hat sich die Internet-Branche weltweit gewöhnt. Das ist ein Fehler. Denn die Risiken sind beträchtlich. Auch für Unternehmen. (…)

(…)  Früher war eine Suchmaschine dazu da, das Internet nach Informationen zu durchsuchen. Heute hat sich das Verhältnis umgedreht. Das Internet ist zum Diener Googles geworden. Unternehmen, die von ihrer Web-Präsenz leben, sind darauf angewiesen, im Google-Ranking gut abzuschneiden. Wer da nicht mit allen Tricks arbeitet und unter den Top 10 bei den Suchanfragen landet, kann den Laden gleich dicht machen. Folglich werden auch die Inhalte mit Keywords, passenden Schlagzeilen und anderen Tricks immer mehr fürs Google-Ranking zurechtgebogen. Dabei bleiben Qualität und Unabhängigkeit vielfach auf der Strecke.

Das meistgehörte Wort in den Besprechungsräumen vieler Unternehmen ist heute »Google«. Als Unternehmen ist man praktisch gezwungen, seine Web-Präsenz auf dem Google-Marktplatz auszurichten. Dem weltweiten Marktplatz der Informationen, dessen Spielregeln von einem einzigen Unternehmen bestimmt werden. Wem da nicht gruselt …

Es gibt aber zum Glück neben den anderen kommerziellen Anbietern auch Alternativen – so z.B. Scroogle, die sich zur Aufgabe gemacht haben, die eigene IP-Adresse bei der Suchanfrage an Google wegzufiltern. Zu den Vorteilen gehören: * ohne Werbung * ohne Übertragung der IP * ohne Platzierung eines Cookies * ohne langfristige Speicherung der Suchanfragen [via] / zur deutschen Suchmaske von Scroogle Wer nicht auf Googleverzichten mag, jedoch die GoogleAds ausblenden (und auch andere Dienste in seine Suche mit einbeziehen) möchte, kann dies übrigens mit der schönen kostenlosen Firefox-Erweiterung CustomizeGoogle tun.

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Dez
23
2008
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Bertelsmann verleibt sich jetzt auch den Brockhaus ein

Als wenn das Bertelsmann-Imperium nicht schon groß und mächtig genug sei – seit letzter Woche ist es beschlossene Sache, dass die ARVATO AG, eine Tochterfirma des Bertelsmann-Konzerns, die Rechte am Brockhaus übernehmen wird (siehe die Meldungen z.B. in der FAZ und der Leipziger Internetzeitung). An eine Fortführung des Lexikons in Buchform wird dabei nicht unbedingt gedacht, vielmehr will sich das Unternehmen vor allem die große Wissensbasis und die Marke einverleiben. Das letzte Wort in dieser Sache wird dann das Kartellamt haben, das die bisherige Ausbreitung von Bertelsmann aber auch nicht nennenswert behindert hat.

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Dez
03
2008
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Nov
07
2008
10

Nestlé – Die Krake von Vevey

Nachdem meine Auflistung über all die Zeitschriften, Sender und sonstige Firmen, die Bertelsmann mittlerweile besitzt, auf großes Interesse stieß, möchte ich heute einen weiteren Weltkonzern unter die Lupe nehmen, der für seine teils rüden Geschäftspraktiken des öfteren weltweit Kritik erntet: Nestlé, dessen Hauptsitz im idyllischen Schweizer Ort Vevey liegt.

Hier zunächst eine kleine Auflistung einiger der bekannten Marken, die sich Nestlé inzwischen in Deutschland einverleibt hat (weltweit sind es mehrere tausend!) (Quellen: Wer zu wem?, Nestlé Dtl.):

Alete
Perrier
San Pellegrino
Vittel
Aquarell
Fürst Bismarck
Contrex
Klosterquelle
Limonata
Neuselters
Reinbeker
Schöller
Mövenpick
Janny’s Eis
Maggi
Herta
Thomy
Engelfrost
Chef
After Eight
Baci (Italienische Schokolade)
Choco Crossies
Rolo
Nuts
Kit Kat (Riegel)
Lion (Riegel)
Nescafe
Nespresso
Nesquik
Quality Street (Konfekt)
Smarties
Yes
Beba
Bübchen
Milasan
Gaucho
Dörffler
Nestlé Clusters
Nestlé Fitness
Cini Minis
Frubetto
Nestlé LC1
The Body Shop (gehört 2/3 zu L’Oréal, 1/3 zu Nestlé!! Hat sich also was mit „alternativer Kosmetik”…)

(Eine beeindruckende Auflistung der Nestlé-Wassersorten sowie den interessanten Artikel „Die Quellenschlucker vom Genfersee” findet Ihr im Gedankenbörse-Blog. Von R. Wiedenmeier stammt übrigens auch obige schöne Nestlé-Logo-Parodie.)

Bereits in meiner Buchrezension zu Jean Zieglers „Imperium der Schande” hatte ich einige Beispiele für Nestlés zweifelhaften Ruf angeführt, so insb. ihr Gebahren, Milchpulver an stillende Mütter in Afrika zu verkaufen, deren Kinder dann aufgrund schmutzigen Wassers erkranken oder sogar sterben. Nicht zuletzt die Praktiken des Unternehmens im Bereich Babynahrung und Milchpulver haben Nestlé auch schon eine Reihe von Protest- und Boykottaktionen eingehandelt. Aktuell gibt es beispielsweise eine sehr kritische Diskussion über diese Produkte im österreichischen Parents & more Elternforum. Die Aktionsgruppe Babynahrung e.V. ruft wegen der Umtriebe der Firma in Pakistan zum Boykott aller Nestlé-Produkte auf.

Ende letzten Jahres erhielt der Konzern den „Black Planet”-Schmähpreis von Ethecon verliehen:

In Kooperation mit internationalen Nicht-Regierungsorganisationen wie Attac, MultiWatch und IBFAN übergab die Stiftung ethecon den internationalen Schmähpreis „Black Planet Award 2007“ an den NESTLÉ-Konzern. Der Preis prangert die Verantwortung der AktionärInnen und des Managements für Ruin und Zerstörung des Blauen Planeten an, was mit vielen Beispielen für Verbrechen gegen die Menschlichkeit, für Umweltzerstörungen und für Ausbeutung belegt wird.

Der Einsatz von Gentechnik ist für Nestlé auch durchaus kein Fremdwort, sondern gehört zur Unternehmenspolitik und wird durch Lobbyarbeit bspw. in der EU forciert. (Siehe auch: „Nestlé-Chef fordert Einsatz von Gentechnik” (Spiegel), „Nestlé: Lobbying the EU for change”, „Nestlé fordert EU zu großzügigeren Gentechnikauflagen auf”, „Nestlé, Nescafé, Gentechnik-Kaffee”.) In einem bezeichnenden Stern-Interview aus dem Jahre 1996 äußerte sich der damalige Nestlé-Chef Maucher: „Gentechnologie, dazu stehen wir”, und er zeigt sich auch gleich von der extrem unsympathischen Seite, indem er Menschen als Wohlstandsmüll bezeichnet:

„Wir haben mittlerweile, provozierend gesagt, einen gewissen Prozentsatz an Wohlstandsmüll in unserer Gesellschaft. Leute, die entweder keinen Antrieb haben zu arbeiten, halb krank oder müde sind, die das System einfach ausnutzen. Daß Sie mich richtig verstehen: Ich bin der Meinung, daß wir genügend Geld haben, diejenigen zu unterstützen die wirklich alt, krank oder arbeitslos sind. Aber es gibt zuviel Mißbrauch und Auswüchse.”

Das Greenpeace Magazin setzte sich in der Ausgabe 01/07 „Klüger essen” gleich mit mehreren Artikeln mit dem Nestlé-Imperium auseinander. In „Konzerne mit Problemzonen” lesen wir eine Zusammenfassung der Aktivitäten des Unternehmens, mit all seinen auch kritisch zu sehenden Entwicklungen (für mich ist hier vor allem die wachsende Marktmacht/-konzentration sehr bedenklich!)

Zehn Lebensmittel-Giganten beherrschen den Weltmarkt und verkaufen die gleiche uniforme Nahrung in Moskau, München und Mumbai. Das Greenpeace Magazin nimmt die Unternehmenspolitik von Nestlé, Kraft, Unilever und Danone unter die Lupe.

Wasser: International monieren Kritiker (ActionAid, Polaris Institute), dass die Wasserkonzerne das Gemeingut Wasser kommerziell ausbeuten, in Flaschen aus umweltschädlichem Plastik abfüllen und dann zu einem tausend- bis hunderttausendfachen Preis weiterverkaufen. Zudem hat das Abpumpen von großen Mengen Grundwasser gravierende ökologische Folgen.

Und der Artikel „Auf der Roten Liste – aus für Borschtsch, Blinis und Pelmenis: Wie Nestlé den Markt in Russland aufrollt” macht klar, wie das unersättliche Engagements des Multis Russland verändert und „verwestlicht” hat. Es lebe die Eintönigkeit der normierten Industriekost!

Für Nestlé ist Russland der größte Markt in der Region und der größte Markt für löslichen Kaffee weltweit – bevor Nestlé kam, wurde in Russland Tee getrunken, heute verbinden die Russen Genuss mit Nescafé. Während in Konzerthäusern weltweit in der Pause Sekt getrunken wird, nippen die Moskauer im Konservatorium an Nescafé aus Plastiktassen – dank des Masterplans von Nestlé. (…)

Den Jüngsten wird sicherheitshalber schon in der Schule eingebläut, was künftig auf dem Kinderteller liegen soll. Am ersten Schultag von Sergej, dem sechsjährigen Sohn von Natascha und Alexej, war der Dino von Danone zu Besuch, damit auch die Erstklässler des Riesenreichs die gleichen Joghurts, die gleichen „Cerealien“ und gleichen Schokoriegel wollen wie der Rest der Welt. (…)

Rosalija fällt harsche Urteile. Natürlich lässt sie an der abgepackten Nestlé-Ware kein gutes Haar, aber vor allem ihre Landsleute, die ungerührt ihre eigene Küche untergehen lassen, provozieren wütende Kommentare: „Leider mögen die Russen ihr Land nicht, ihre Traditionen nicht und nicht ihre Küche.“ „Man kann von jeder Kultur das Beste nehmen, aber das Eigene soll auch bleiben“, pflichtet ihre Tochter ihr bei. Mit ihrem Protest gegen die kulinarische Bevormundung stehen sie weitgehend alleine

Das globalisierungskritische Netzwerk Attac veröffentlichte im Jahr 2004 sogar ein eigenes Buch über Nestlé – „Nestlé – Anatomie eines Weltkonzerns” (siehe Berliner Literaturkritik). Der Weltkonzern ließ sich während der Recherchearbeiten dazu hinreißen, die Autoren bespitzeln zu lassen (siehe Scienceblogs, Frankfurter Rundschau, Attac Schweiz), um über die Inhalte informiert zu sein – die Veröffentlichung des Werkes konnte von Nestlé dennoch nicht verhindert werden (ein kleiner Sieg für die Demokratie!). Mehr Infos zur Nestlé-Kampagne von Attac findet Ihr HIER.

EDIT: Weitere Links zu Nestlé hier im Blog: HIER, HIER, HIER, HIER oder HIER.

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