Mai
31
2009
13

Nichts geht ohne Coca Cola

Anlässlich der Fußball-WM 2006 in Deutschland drehte der Fernsehsender Phoenix die hochinteressante Dokumentation „Nichts geht ohne Coca Cola – Wie ein Konzern die WM dominiert“, in der die teils wenig ersprießlichen Hintergründe des Geschäftsgebarens dieses Weltkonzerns beleuchtet werden. Der Film ist auch ein Lehrbeispiel dafür, wie die von den großen Unternehmen diktierte Globalisierung funktioniert (oder eben nicht funktioniert) und welche Auswirkungen sie auf unser aller Leben hat. Und nebenbei zeigt er auch die dubiose Stellung, die die FIFA im Sportbusiness bekleidet.

Mal abgesehen davon, dass es pervers ist, dass, wie der Film z.B. zeigt, 1 Liter wertvolles Wasser in Indien für die Herstellung von 0,33 Liter der ungesunden Blubberbrause ver(sch)wendet werden, finde ich auch den Teil über das „Tafelwasser„ Bonaqua sehr interessant – mir war bisher nicht bewusst, dass es sich dabei nicht um frisches Mineralwasser, sondern lediglich um aufbereitetes Leitungswasser handelt, das extrem überteuert und mit viel peinlichem Reklameaufwand vom Coca-Cola-Konzern verkauft wird (J.B. Kerner ist sich auch hier wieder nicht zu blöd, seine Visage für diese Werbung hinzuhalten). Mir schmeckte Bonaqua sowieso noch nie, es ist so mit das ekligste Wasser, das man in Flaschen kaufen kann.

Mit Ticketverlosungen, Fußballturnieren und neuen WM-Dosen setzt sich Coca-Cola schon frühzeitig in Szene. Sportlich und fair, so will Sponsor Coca-Cola gerne beim Konsumenten ankommen. Die Sendung überprüft kritisch, welchen Wert diese Attribute tatsächlich im Alltag des Konzerns haben. Was macht der Sponsor im Gastgeberland der WM?

So stellt sich heraus, dass Coca-Cola in Ostdeutschland mancherorts Fördergelder kassierte, ohne langfristig Arbeitsplätze zu schaffen. Die Losung „hier produziert, hier getrunken“ ist ebenfalls in Gefahr, denn die Konzernzentrale in Atlanta will offenkundig massiv Produktion und Vertrieb in Deutschland verschlanken. Betriebsräte befürchten die Verlagerung von mehreren Tausend Arbeitsplätzen nach Osteuropa. In Indien wird die Fairness des globalen Konzerns stark angezweifelt. Hier pumpen die Abfüllwerke den Bauern das Wasser ab, um Softdrinks zu produzieren. In verschiedenen Regionen ist der Wasserspiegel bereits um 60 Meter abgesunken. Tagelöhner arbeiten für 1,50 Euro pro Schicht. Es gibt bereits massiven Widerstand der betroffenen Bevölkerung gegen den Coca-Cola-Konzern und dessen Expansionspolitik.

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Mrz
01
2009
5

„Warum es zivilen Ungehorsam braucht, um unsere Allgemeingüter zu verteidigen“

vandana-shiva

Quelle: medico international

Die indische Trägerin des Alternativen Nobelpreises und bekannte Globalisierungskritikerin Vandana Shiva setzt sich in ihrer Heimat schon seit längerem für die Rechte der indischen Urbevölkerung und ein und kämpft gegen die sich immer weiter ausbreitenden, übermächtig wirkenden Großkonzerne, die dabei sind, den Globus unter sich aufzuteilen. Auf der Konferenz „Medico international“ hielt sie eine bemerkenswerte Rede über die Zustände in Indien und dem Rest der Welt vor dem Hintergrund dieser Konzernmacht und ihrer negativen Folgen für die meisten Menschen. Ihre Rede erschien vor einigen Tagen in der Neuen Rheinischen Zeitung (einem unabhängigen Nachrichtenportal für Köln & Umgebung) unter dem Titel „Wider die Angst: Satygraha. Warum es zivilen Ungehorsam braucht, um unsere Allgemeingüter zu verteidigen.“, hier ein paar Auszüge:

Die Herrschaft der internationalen Konzerne hat für die Menschen in Indien bereits Züge der totalen Kontrolle über Handel und Wirtschaft angenommen, so wie sie einst die East Indian Company ausübte. Damals hatten wir die East Indian Company, jetzt haben wir Saatguthersteller, Pharmamultis, chemische und biogenetische Bigplayer, die unser Land regieren.

Diktatur von fünf Konzernen
Immer deutlicher wird, dass das Gesundheitswesen und die Lebensmittelversorgung weltweit von fünf Konzernen bestimmt werden. Aus meiner Sicht ist das Diktatur und keine Wirtschaftsdemokratie. Ein Wandlungsprozess hat stattgefunden. Die Demokratie ist nicht mehr vom und für das Volk, sondern von und für die Konzerne. Wenn wir uns heute hier mit einer Neubestimmung von Solidarität beschäftigen, dann müssen wir mit dieser Herrschaft der Konzerne umgehen. Wenn wir darüber nicht reden, werden wir nicht die nächsten Schritte auf dem Weg zur Verteidigung unserer Freiheiten und zu unserer Befreiung bestimmen können.

(…) Meine Tätigkeit ist darauf ausgerichtet, dass Lebensgrundlagen nicht privatisiert werden, dass Bauern das Recht auf Reproduktion von Saatgut haben, dass wir pharmazeutische Produkte selbst herstellen können. Denn unsere eigenen Medikamente kosten hundertmal weniger als die der großen internationalen Unternehmen.

Wir befinden uns mitten in einer Lebensmittelkrise. Die Financial Times und das Wall Street Journal berichten von einem neuen Plan der Weltbank. Aber der neue Plan der Weltbank ist der alte Plan, der diese Ernährungskrise verursacht hat. Nun sollen unsere Steuergelder dafür eingesetzt werden, um genetisch verändertes Saatgut und Düngemittel noch höher zu subventionieren und um sie noch schneller im Süden einzusetzen. Subventioniert werden auch Suez, Vivendi und RWE, die ganz scharf darauf sind, jeden Tropfen Wasser zu privatisieren.

(…) Die Privatisierung von Wasser bringt Milliardenprofite. Ein ungeheures Geschäft mit einem existentiellen Bedürfnis der Menschen, das nun zu Marktpreisen befriedigt werden soll. Was Marktpreise bedeuten, wissen wir. Coca Cola stiehlt jeden Tag zwischen 1,5 und 2 Millionen Liter Wasser, jede einzelne Coca-Cola-Niederlassung nimmt sich ihr Wasser. Es brauchte den Mut einer Frau aus Kerala, die sich dagegen wehrte, dass sie jeden Tag noch mehr Meilen laufen musste, um an Trinkwasser zu kommen, während Coca Cola es einfach nahm und verschmutzt zurückließ. Sie hat zusammen mit weiteren zehn Frauen vor sechs Jahren eine Aktion zivilen Ungehorsams vor den Werkstoren von Coca Cola begonnen. Daraus entstand eine zivilgesellschaftliche Bewegung, der es am Ende gelang, die Schließung des Werkes zu erreichen.

(…) Eine der Illusionen, die sie uns verkaufen, ist, dass es mehr ökonomische Freiheit bringen würde, wenn wir wirtschaftliche Unabhängigkeit aufgeben. Sie ersetzen unsere Freiheiten als Arbeiter, als Angestellte, als Bauern, als Krankenschwestern, als Ärzte durch das Recht der Supermärkte, das Recht und die Freiheit zu kaufen. Wir werden zu Konsumenten reduziert. Der Konsumismus soll unsere Erfahrung der Freiheit sein und damit partizipieren wir am Katastrophenkapitalismus.

Unsere Allgemeingüter solidarisch verteidigen!
Der Konsumismus ist für unseren Planeten ein Krebsgeschwür im Endstadium. Er hat einen unstillbaren Appetit auf unsere Ressourcen und unsere Allgemeingüter, unsere Commons. Solidarität heißt deshalb heute, unsere Allgemeingüter auf lokaler und globaler Ebene zu verteidigen.

(…) Der letzte Widerstand ist der Widerstand gegen die Angst. Wir müssen klarmachen, dass wir nur die Gesetze anerkennen, die auf Gerechtigkeit und Ökologie basieren und nicht die der Konzerne. Solche Gesetze werden tagtäglich geschaffen, um unser Leben zu kontrollieren und uns davon abzuhalten, aktiv zu werden. Sie reduzieren uns auf die Angst.

Das ist Faschismus, das ist das endgültige Ende der Freiheit, die wir so sehr brauchen. Wir können uns nicht leisten, dass das Prinzip der Angst die Welt beherrscht, als letzter Weg, um eine Menschheit, die sich nach Freiheit, Gemeinsamkeit und Solidarität sehnt, zum Schweigen zu bringen.

[via Duckhome]

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Dez
15
2008
5

Werbung gegen Realität, Teil 7: Cola light

Gibt es tatsächlich Menschen, die glauben, das Trinken von Cola light bzw. der neuen Sorte mit grünem Tee (was ja sicherlich eine Nähe zur sog. „Wellness“ suggerieren soll) wäre in irgend einer Form gesund? Gesünder (= weniger schädlich) als die normale Cola zumindest? Ich hoffe nicht, auch wenn der Coca Cola-Konzern in seiner Werbung natürlich genau diesen Eindruck zu erzeugen versucht – ich denke da nur an die Firmenmaxime, einen Lifestyle um dieses Getränk herum zu stricken:

Mit der aktuellen Kampagne „hello you“ motiviert Coca-Cola light alle Frauen, ihre einzigartige Persönlichkeit noch mehr auszuleben.

Unglaublich dämlich, dieses plumpe Ansinnen der Marketingabteilung, aus einer braunen Blubberbrause sowas wie einen Persönlichkeitsverstärker zu machen. Nun ja, vermutlich fallen trotzdem ein paar Leute darauf hinein.

Gerne wird ja auch darauf verwiesen, dass dieses Getränk „null Gramm Zucker” enthielte. Das stimmt zwar, aber nur, wenn man unter Zucker den normalen Industriezucker versteht, denn selbstverständlich sind in der Cola light dafür ganz andere Elemente aus dem Chemiebaukasten vertreten. Ich zitiere den Greenpeace-Magazin-Artikel „Diät Cola – Was die Werbung verschweigt”:

Ist Cola Light ein Cocktail aus womöglich neurotoxischen und krebserregenden Substanzen? Davor warnt das britische Umweltmagazin „The Ecologist“. Als gefährlich prangert das Magazin den als krebserregend geltenden Süßstoff Aspartam an, aber auch zahn- und knochenschädigende Phosphor- und Zitronensäuren sowie erbgutschädigende Farbstoffe wie die Ammonsulfit-Zuckerkulör (E150d).

Wohl bekomm’s! Ich bleib dann doch lieber bei Wasser und Tee oder vielleicht mal einem Glas Wein oder einer Club Mate…

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