Mrz
02
2011
2

Wir Sind Helden wollen nicht für BILD werben

Foto: Wikipedia

Diesen wunderbaren Artikel fand ich letzte Woche auf dem BILDblog und er machte ja auch schon in den Medien die Runde – „Wir Sind Helden wollen nicht für ‚Bild‘ werben”, eine großartige Reaktion der deutschen Popband Wir Sind Helden auf das Ansinnen der Reklamefuzzis von Jung von Matt, doch für die BILD-„Zeitung“ Reklame zu machen wie schon viele andere Promis zuvor dies leichtfertigerweise taten (nicht nur Typen, von denen man eh nix anderes erwartet als die eigene Visage in jede laufende Kamera zu halten (Mario Barth, JB Kerner), sondern auch Personen, von denen man etwas mehr Nachdenklichkeit hätte verlangen können (Weizsäcker, Gysi)). Genau SO, wie WSH auf das Schreiben geantwortet haben, sollte es jeder tun, der für solche Kampagnen vor den Karren gespannt werden soll – größter Respekt für diese großartige Replik! (Um diesen offenen Brief gab es so viel Wirbel, dass die WSH-Site zwischenzeitlich in die Knie gegangen ist – hier wäre alles im Original nachlesbar.)

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Okt
22
2010
13

Deutschland rückt wieder nach rechts

Man möge mir diesen Ausflug ins politische Altagsgeschehen verzeihen, aber ich muss das Folgende einfach mal loswerden. Während der ganzen unseligen Debatte über Thilo Sarrazins sozialdarwinistische und rassistische Thesen habe ich mich immer gefragt, ob es wohl etwas noch Abstoßenderes gibt als diesen Mann und sein arrogant-bräsiges Auftreten. Als ich neulich im Report Mainz den Bericht „Wie islamfeindlich sind die Deutschen?“ sah, wusste ich, dass es sehr wohl schlimmer geht – denn noch bedenklicher, erschreckender und ekliger als die Thesen selbst ist letztlich, wie sehr dieser Mann nun gefeiert und von ganz normalen, vermeintlich gebildeten Menschen beklatscht und fast schon als Messias umjubelt wird – getreu dem BILD-Motto „Endlich traut sich mal jemand, die Wahrheit zu sagen“. Schaut Euch den Beitrag mal an, dann wisst Ihr, was ich meine. Vorsicht, Kotzgefahr!

Kritiker von Sarrazin werden bei einer Veranstaltung des Münchener Literaturhauses vor gut bürgerlichem Publikum niedergebuht und ausgepfiffen. Der Berliner Bezirksstadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, Jan Stöß (SPD), berichtet von Übergriffen auf Muslime. Die Sozialarbeiterin Amal Samhat wird von einem deutschen Ehepaar übel beschimpft.
Der Wissenschaftler Oliver Decker von der Universität Leipzig schildert exklusiv seine neuesten Untersuchungsergebnisse zu islamfeindlichen Einstellungen in der Mitte unserer Gesellschaft: Die haben enorm zugenommen. Und auch die von REPORT MAINZ in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage kommt zu besorgniserregenden Ergebnissen: 37 Prozent der Befragten finden ein Deutschland ohne Islam besser.

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Sep
17
2010
3

Helden des Alltags: Keine BILD-„Zeitung“ in Ottensen

Ich hatte mir geschworen, mich an dem ganzen Rummel um die Äußerungen und das Buch Thilo Sarrazins hier im Blog nicht zu beteiligen, zumal der Herr mit seinen Thesen seine eigenen Behauptungen, dass Deutschland immer dümmer werde, beeindruckend beweist. (Man muss dabei auch konstatieren, dass Sarrazin manches anspricht, was eine Reihe von Bürgern im Land ebenfalls so empfindet – und dieses Unbehagen, das manche Menschen beim Thema Integration, „Multikulti“ etc. überkommt, hat Herr S. natürlich nicht eigens erfunden, sondern nur (von latent rassistischen Untertönen begleitet) verbalisiert und erneut auf die Tagesordnung gesetzt. So funktioniert Demagogie… Ein Thema aufgreifen, das vielen unter den Nägeln brennt und dieses dann mit radikalen Thesen verknüpfen. Eine sinnvolle und konstruktive Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Problemen bei der Integration sieht anders aus.)

Nun, da aber so ziemlich alle Medien auf das Thema auf- und angesprungen sind und die BILD-„Zeitung“ abstoßende rechtspopulistische Kampagnen auffährt, wird eines klar: die Verdummung der Deutschen (und aller anderen Menschen) droht nicht von etwaiger „Überfremdung“ o.ä. Schimären, sondern durch besagte Medien selbst. Wer die BILD, Focus, Gala oder die Bunte liest, RTL, Pro7 & Co. schaut, wird ganz bestimmt zumindest nicht klüger, das ist offensichtlich. Gerade die verlogene Empörung „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“ ist, wie Martin Blumentritt in „Die PC-Lüge“ es schon vor vielen Jahren ausgeführt hat, nichts anderes, als ein plumper Versuch, jede noch so verquere Aussage vor jeglicher Kritik zu immunisieren:

(…) Man ist das ewige „man darf heute ja nicht sagen“, das jede ausländerfeindliche, antisemitische, nationalistische oder faschistische Rede einleitet, schon längst satt, so oft hat man das gehört. Daher ist die Formulierung durch die Abwehr einer angeblichen Gefahr von „political correctness“ ersetzt worden. Die Funktion ist die gleiche geblieben. Man will etwas sagen, was vorab das schlechte Gewissen beunruhigt und antezipiert die Kritik, die zwangsläufig der Ungehörigkeit der Äusserung folgen muß.
Die Abwehr von PC fällt auf den Autoren zurück, sie kündigt nur die Unverschämtheiten an, die dann folgen werden. Wer etwas zu sagen hat, das nicht rechtens auf Empörung jeden anständigen Menschen stoßen wird, der kommt nicht auf die Idee seine Rede mit „man darf das ja heute nicht sagen“ oder „es entspricht nicht der PC“, was ich sagen will einzuleiten.
Wenn ein Text damit beginnt gegen PC zu wettern muß man ihn nicht mehr zuendelesen, um zu wissen, daß Verstöße gegen die Menschenwürde und Volksverhetzung folgen werden.
Die Abwehr von PC soll genau das Erreichen, was man einer angeblichen Durchsetzung von PC unterstellt, sie soll die eigenen in der Regel unakzeptable rassistischen, nationalistischen oder antisemitische Auffassungen gegen Kritik immunisieren, sie ist also Projektion. (…)

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Feb
07
2010
1

Fehlende Transparenz bei Spenden – und die BILD-„Zeitung“

Da ich diese Woche ja schon ein paar kritische Worte zur BILD-„Zeitung“ hier im Blog geäußert habe, will ich diesen kleinen Zyklus mit einem weiteren Beitrag beenden, der zeigt, wie sehr die BILD Meinungsmache betreibt und wie weit sie des öfteren von Wahrheit und journalistischer Integrität entfernt ist. Im Beitrag „Fehlende Transparenz bei Spenden“ im NDR-Medienmagazin ZAPP geht es um die unsaubere Verquickung von Promi-Selbstdarstellung und der Reklame für halbseidene Projekte:

Wenn es ums Spendensammeln geht, scheuen Medien keine Schlagzeile und Promis keinen Auftritt. Wenn es allerdings darum geht, wo die Gelder bleiben, sind die Auskünfte meist spärlich.

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Feb
02
2010
4

Aktuelle Adbusts: CDU, BILD-„Zeitung“ und Coca Cola

Es gibt mal wieder ein paar schöne Adbusts, also Parodien auf Reklamekampagnen, im Netz zu bewundern, die ich Euch hier vorstellen möchte. Zunächst eine Reaktion auf die CDU-Vorschläge, Hartz IV-Empfänger zum Arbeitsdienst zu zwingen – ein paar kreative Menschen bemächtigten sich dazu einer Kampagne einer Jobbörse (Originale siehe HIER) und bastelten die Motive per Photoshop passend um [via Fefe und Prototypen]:

cduadbust2

cduadbust31
Die letzte Keine Anzeige des Greenpeace Magazins war auch mal wieder so recht nach meinem Geschmack, attackierte sie doch die widerwärtige Bild-„Zeitungs“-Reklame, in der Promis und bekannte Menschen des öffentlichen Lebens sich nicht zu blöd sind, ihr Gesicht für dieses Revolverblatt hinzuhalten. Von einigen Leuten wie JB Kerner oder Mario Barth würde man eh nichts anderes erwarten, als dass sie sich für jede Firma verkaufen, der mit genug Scheinen wedelt, aber dass selbst Gregor Gysi oder Richard v. Weizsäcker dieser Postille ihren guten Namen leihen, ist schon sehr erbärmlich und macht nicht etwa BILD glaubwürdiger, sondern eher die Mietpromis (noch) unglaubwürdiger. (Siehe dazu auch meinen offenen Brief an JB Kerner.) „Wir werben ohen Skrupel für Volksverdummung“ textet das Greenpeace Magazin folgerichtig:

keine-anzeige-bild-zeitung

Und hier noch etwas zum Thema Coca Cola und der Wasserdurst dieses Konzerns in Indien (und anderswo):

coca_cola_in_india_686909

Watersucking Coke in India von Carlos Latuff [via]

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Feb
01
2010
5

Kleine Presseschau: „Konsum hat sich seit 1960 versechsfacht“ & mehr

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© modish, stock.xchng

Wieder mal bin ich im Netz über ein paar interessante Artikel gestolpert, wie man so schön sagt, deren Lektüre ich hiermit anregen möchte. Da ist zum einen die Studie „Konsum hat sich seit 1960 versechsfacht“ vom Washingtoner Worldwatch-Institut (kommentiert auf Wir Klimaretter), die verdeutlicht, dass unser westlicher Lebensstil, der auf Konsum und Verschwendung basiert, eine tödliche und törichte Sackgasse darstellt:

Das Washingtoner „Worldwatch“-Institut hat einen grundlegenden Wandel unseres Konsumverhaltens gefordert. Wie die Nachrichtenagentur epd berichtet, müsse im Kampf gegen Klimawandel und Umweltzerstörung in Zukunft deutlich werden, dass Kaufen nicht zu Glück, Zufriedenheit und gesellschaftliche Akzeptanz führe, heißt es in einem am Dienstag in Washington veröffentlichten Bericht der US-amerikanischen Umweltinstitutes. (…)

(…) Angetrieben werde das unverantwortliche Kaufverhalten von massiven Werbeschlachten der Wirtschaft: 2008 hätten Unternehmen weltweit 643 Milliarden Dollar für Kampagnen ausgegeben. In China und Indien steigen den Angaben zufolge die Ausgaben für Werbung jährlich um mehr als zehn Prozent. (…)

Was kann dagegen getan werden? Nun, US-Psychologen meinen nun, man sollte die Umwelt-Appelle beenden und statt dessen eher menschliches Streben nach Anerkennung nutzen. So geschildert von Meredith Haaf in der Süddeutschen Zeitung – „Argumente? Wen kümmern Argumente?  Wer den Klimawandel bekämpfen will, muss die Menschen nicht überzeugen, sondern erziehen: zu Eitelkeit und Neid“. Ein interessanter Ansatz, der allerdings auch recht neoliberal klingt. Dennoch sollte man wohl beim Versuch, die Menschen zum Umdenken zu bewegen, auch solche psychologischen Effekte nicht außer Acht lassen:

(…) Sollen wir wirklich verinnerlichen, dass Klimaschutz notwendig ist, sollte man uns besser manipulieren als aufklären, dazu hat die American Psychological Association (APA) gerade eine Studie [1] veröffentlicht. Sie erklärt, wie durch ein paar Tricks jeder von uns zum Klimaschützer gemacht werden kann, indem unser Hang zu Eitelkeit, Neid und Selbstdarstellung angestachelt wird. Anders gesagt: Wir tun alles, um die Umwelt zu schützen, solange wir es nicht merken und dabei gut aussehen. Junge Menschen reagieren nun mal eher auf Lifestyle-Argumente als auf Ökomoral.  (…)

(…) Sollen wir wirklich verinnerlichen, dass Klimaschutz notwendig ist, sollte man uns besser manipulieren als aufklären, dazu hat die American Psychological Association (APA) gerade eine Studie veröffentlicht. Sie erklärt, wie durch ein paar Tricks jeder von uns zum Klimaschützer gemacht werden kann, indem unser Hang zu Eitelkeit, Neid und Selbstdarstellung angestachelt wird. Anders gesagt: Wir tun alles, um die Umwelt zu schützen, solange wir es nicht merken und dabei gut aussehen. Junge Menschen reagieren nun mal eher auf Lifestyle-Argumente als auf Ökomoral. (…)

(…)  Es ist ein bisschen wie in der Schule – Wettbewerb, Wissensdurst und der Hunger nach Anerkennung müssen nur richtig stimuliert werden, schon verbessern sich die Noten. Und wenn wir schon in sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook freiwillig intimste Details preisgeben, warum nicht auch unsere Ökobilanz ins Netz stellen, um ein bisschen damit zu prahlen? (…)

bloedDie Dummdreistigkeit der Woche kommt mal wieder von der BILD-„Zeitung“. Druckte diese Postille doch neulich groß in ihrer „Gewinner/Verlierer“-Rubrik die deutschen Discounter Aldi & Lidl als Gewinner ab, weil sie in England die dortigen Ketten überholen. Der unfassbar ignorante und fast schon zynische Kommentar der BILD dazu „Sorry, das ist eben deutsche Wertarbeit“ (siehe HIER)! Wer so etwas schreibt und abdruckt, scheint die letzten Jahre irgendwo im Wolkenkuckucksheim oder unter einem Stein in den Bergen verbracht zu haben (bzw. verdient, wie die BILD, bestens an den Reklameaufträgen von Lidl) – die vielen schlimmen Folgen für die Gesellschaft, die durch diesen deprimierenden „Erfolg“ der Discounter ausgelöst werden bleiben hier ebenso unberücksichtigt wie auch die Tatsache, dass der Großteil der Aldi/Lidl-Waren sicherlich weder Wertarbeit noch überhaupt in Deutschland hergestellt wurde (die Aktionsware stammt aus Asien und viele der Lebensmittel von sonstwoher). Natürlich kann man von so einem Blatt wie der BILD auch nichts anderes erwarten…

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Dez
03
2009
9

Lidl & BILD-„Zeitung“ machen wieder gemeinsame Sache

Auf diese neuerliche unheilige Allianz wurde ich gerade von einem aufmerksamen Blogleser hingewiesen: seit letzter Woche haben sich die beiden wohl abstoßendsten Unternehmen hierzulande – der Ausbeutungs-Discounter Lidl und die der Wahrheit nicht gerade verpflichtete BILD-„Zeitung“ – mal wieder zusammengetan, um gemeinsam an der Zerstörung von Umwelt und Gesellschaft zu arbeiten. Schon des öfteren war aufgefallen, dass die BILD immer ausgesprochen freundlich über Lidl berichtete, selbst in den Zeiten, wo sich die anderen Mainstreammedien mal dazu herabließen, das unsägliche Gebaren des Discounters beim Umgang mit den eigenen Mitarbeitern, kritisch zu hinterfragen. Bei anderen Zeitungen waren die Meldungen über die Bespitzelungsskandale bei Lidl prominent platziert, nur die BILD brachte höchstens ein paar karge Zeilen irgendwo weit hinten versteckt – während vorne groß die nächste Lidl-Reklame prangte. Zu dieser unglaublichen, da sehr offen durchschaubaren Subjektivität der BILD, wenn es um den Billigheimer ging, hatte ich ja schon ein paar Mal berichtet (HIER z.B., oder siehe diesen Artikel in der taz, diesen im Bildblog sowie diesen im Handelsblatt-Blog „Lidl, Welt.de und der Glaube an die Dummheit der Leser“, der zeigt, dass andere Springer-Blätter nicht besser sind).

Den Beitrag von Zapp! zu der Thematik hebe ich an dieser Stelle gerne noch einmal hervor, falls ihn noch nicht alle gesehen haben sollten:

Vermutlich weil die famose Aktion mit den Kameras, die man bei Lidl kaufen und mit denen selbsternannte Bürgerjournalisten ihre voyeuristischen Beobachtungen aufnehmen und BILD zusenden sollten, offenbar ein so durchschlagender Erfolg war, gibt es nun was Neues – wer die BILD kauft, kriegt dort einen „Doppler-Gutschein“, den man beim nächsten Einkauf beim Discounter einlösen kann, um sich doppelt so viel von dem Schrott kaufen zu können wie sonst. Super… Nicht nur, dass sich hier mal wieder eine bemerkenswert geringe Distanz dieser „Zeitung“ von dem Großkunden zeigt, nein, beide heizen damit auch noch den Konsum von nutzlosen, minderwertigen bzw. unter üblen Bedingungen produzierten und vertriebenen Waren an. Zwar ist die BILD ja nach eigener Wahrnehmung immer vorne dran, wenn es um kritische Berichterstattung und Aufdeckung von Missständen geht, aber sobald dann das eigene konkrete Handeln oder das von befreundeten Unternehmen thematisiert werden soll, verschließen die Redakteure offenbar ganz fest beide Augen. Da kann einem auch schon ohne süßliche Weihnachtsgeduselmusik schlecht werden…

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Mrz
26
2009
12

Sehr geehrter Herr Kerner (Ein offener Brief)

zeitung_first_news

© lusi, stock.xchng

Diejenigen von Euch, die ab und an mal Fernsehen schauen, werden vermutlich an dem aktuellen Reklamespot der BILD-„Zeitung“ (diesmal verlinke ich ihn, da er so lächerlich ist, dass er sowieso eher Antiwerbung darstellt – man lese sich mal die Kommentare bei YouTube dazu durch!) kaum vorbeigekommen sein – einige Prominente lassen sich hier, in edler Optik, positiv über dieses Revolverblatt aus und helfen somit bei der Verbreitung dieser Desinformationspostille sowie dem Aufwerten des eher anrüchigen BILD-Images. Wie man so tief sinken kann, sich für solche Druckerzeugnisse zu verkaufen, wird mir für immer ein Rätsel bleiben müssen – aber folgende Mail habe ich an einige der Beteiligten wie Herrn Kerner mal geschrieben, auch wenn sie sie vermutlich nie zu Gesicht bekommen, sondern sie schon im Vorfeld von ihren Presseabteilungen etc. abgefangen werden dürfte; einen Versuch ist es mir dennoch wert.

———————————

Sehr geehrter Herr Kerner,

natürlich versuche ich, Fernsehreklame so gut es eben geht auszuweichen und schalte, wenn mal ein Werbespot läuft, schnell den Ton ab, um mich nicht den unsinnigen Konsumparolen auszusetzen. Vor einigen Tagen kam ich jedoch nicht umhin, versehentlich die neue Reklame der BILD-„Zeitung“ mitzubekommen – Sie wissen schon, dieser in schwarz-weißer Ästhetik gehaltene Clip, in dem neben Nazan Eckes, Philipp Lahm und Stefan Kretzschmar auch Sie einen Auftritt haben und sich zu dieser Zeitung äußern.

Ihre dort getätigte Aussage „weniger Meinung und mehr Bildung wäre schön“ stimmt natürlich, allerdings, was ich mich nun frage: Wieso machen Sie so etwas mit? Wieso geben Sie Ihren Namen, Ihr Gesicht, Ihren Ruf für die Imagekampagne solch einer Postille her? Sicherlich, wir haben Wirtschaftskrise, aber ist das ein Grund, sich zum Unterstützer dieser „Zeitung“ zu machen, die lügt (wie gedruckt), Existenzen zerstört, Demagogie, Manipulation und Vertuschung betreibt und zudem mit einigen der schlimmsten Firmen der Republik (Lidl, kik, RTL) unverfroren gemeinsame Sache macht?

Ich will mal zu Ihren Gunsten annehmen, dass Sie in Wirklichkeit dieses Druckerzeugnis nicht selbst lesen bzw. höchstens überfliegen (lassen), um zu sehen, welche Sensationssau nun wieder von der BILD-Redaktion durchs Dorf getrieben wird. Dennoch sollten Sie als Journalist und Mann der Medien eigentlich etwas kritischer hinterfragen, von wem Sie sich da vor den Karren spannen lassen. Ein kurzer Blick ins Netz (oder die BILD) genügt doch eigentlich, um zu wissen, wie weit es bei der BILD mit der journalistischen Sorgfalt, der Ausgewogenheit, Unparteilichkeit, Fairness und dem Niveau her ist. Kleiner Tipp: Nicht so sonderlich weit!

Ich finde es irgendwie bedauerlich, dass Sie, der Sie als Prominenter letztlich auch eine Art Vorbildfunktion haben, sich nicht zu schade sind, Ihr Geld mit Reklame für solch ein Unternehmen zu verdienen (wobei es natürlich auch nicht besser wäre, wenn Sie diese Kampagne ohne Entlohnung machen würden). Der offensichtliche Versuch der BILD, sich mit ein paar bekannten Namen und Gesichtern zu schmücken, um sich ein seriöseres Image zu verpassen, ist in seiner Durchsichtigkeit wahrlich erbärmlich und sollte eigentlich von niemandem unterstützt werden. Zumal das berechtigte halbseidene Image dieser Zeitung durch diese Aktion ja auch auf Sie wieder zurück abstrahlt.

Wir leben zwar in einem halbwegs freien Land, wo (fast) jeder (fast) alles machen kann, was er will, trotzdem sollte man vielleicht nicht alles machen, was möglich ist…

Mit freundlichen Grüßen,
Peter Marwitz

P.S.: Hier noch ein paar Surftipps, die diesbezüglich ein wenig weiterhelfen könnten:

http://www.bildblog.de (die Unwahrheiten, Halbwahrheiten und Halbgarheiten der BILD füllen einen eigenen Weblog!)
http://konsumpf.de/?p=299 (über BILD & Lidl)
http://www.taz.de/1/leben/medien/artikel/1/bierfreunde-helfen-einander/?src=TE&cHash=766e970e2a
http://www.manager-magazin.de/it/artikel/0,2828,207872,00.html
http://www.medien-mittweida.de/einzelansicht/artikel/2157.html

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Mrz
22
2009
1

Die Akte kik

Das Thema Discounter ist und bleibt leider aktuell wie eh und je und ist quasi ein Dauerthema auch in meinem Blog. Dabei stoßen wir nicht nur bei den klassischen Lebensmitteldiscountern wie Aldi und Lidl auf viele Verstöße und Probleme, auch bei Drogerieketten wie Schlecker oder dem „Textildiskont“ kik geht so manches in die völlig falsche Richtung. Ausbeutung und Bespitzelung der eigenen Mitarbeiter, Ausbluten der Dritten Welt, Ausnutzen der Notsituation vieler Menschen, Arbeitsrechtsverletzungen, Umweltschäden, Ressourcenverschwendung uvm. – von Nachhaltigkeit, Ethik oder Menschenwürde keine Spur. Vor einer Weile gab es schon einmal eine ausführliche Studie, die sich damit befasste, wieso die Jeans bei Lidl & kik so billig sind. Angesichts der aktuellen peinlichen Reklamekampagne von kik via BILD (die ich natürlich nicht verlinke!) erscheint mir nachfolgender Fernsehbeitrag aus dem ORF 2 aktueller denn je. [via]

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Feb
06
2009
26

Lidl/Aldi/Discounter – Profite auf Kosten der Allgemeinheit, oder: Die Spirale abwärts. Teil 1/2

lidlattacWer diesen Blog (und auch meinen musikbezogenen Coast Is Clear) seit einer Weile verfolgt, wird wissen, dass der Kampf gegen die Discounterschwemme und den Billigwahn von Anfang an ein wichtiges Thema für mich war. Schon seit längerem wollte ich an dieser Stelle eine ausführlichere Analyse der fatalen Folgen dieses Geschäftsmodells für Umwelt, Menschen und Gesellschaft schreiben – seit einigen Tagen ist ja auch in den Mainstreammedien das Interesse an Aldi, Lidl & Co. neu aufgeflammt. Ausgelöst nicht zuletzt durch den TatortKassensturz“ am letzten Sonntag, in dem es um die schlimmen Arbeitsbedingungen beim fiktiven Discounter „billy“ ging, und die anschließende Diskussionsrunde bei Anne Will mit dem Thema „Harte Bandagen beim Discounter” und Schilderungen von Betroffenen, die unter den Schikanen bei Lidl etc. zu leiden hatten und haben.

Dies nehme ich nun mal zum Anlass, genauer darzulegen, wieso Discounter ein Verarmungsmodell für uns alle (abgesehen von den Discountmilliardären selbst) und grundsätzlich nicht zu akzeptieren sind. So mancher Kritikpunkt an den Billigheimern ist natürlich schon länger bekannt, nur werden entsprechende Diskussionen meines Erachtens oft zu verengt geführt, d.h. sie berücksichtigen in der Regel nur einzelne Aspekte des leider sehr vielschichtigen und auch mit anderen Entwicklungen in der Wirtschaft & Gesellschaft verzahnten Problemfeldes. In meiner Buchrezension von Franz Kotteders Buch „Die Billig-Lüge. Die Tricks und Machenschaften der Discounter“ hatte ich vor einer Weile einige der Angriffspunkte ja bereits angerissen und dort auch erwähnt, dass die Mehrzahl der Discount-Kunden keineswegs zu den Einkommensschichten gehören, die quasi gezwungen sind, zu sparen, wo es nur geht, sondern es sich sehr wohl leisten könnte, andere Geschäfte zu besuchen.

Also, was ist so schlimm an der Aldisierung der Welt? Geld zu sparen und Lebensmittel und sonstige Waren für niedrigere Preise als im „normalen“ Einzelhandel zu kaufen, ist doch eigentlich eine tolle Sache? Ist Geiz nicht geil? Und tauchen Discounter-Produkte nicht bei Waren- und Geschmackstests immer mal wieder auf erstaunlich oberen Plätzen auf, trotz ihres billigen Preises? Wieso also mehr zahlen für eine (vermeintlich) mehr oder weniger vergleichbare Leistung?

Diese Fragen und Entgegnungen sind wohl die häufigsten, die man in entsprechenden Diskussionen zu hören bekommt. Es sind Äußerungen, die ausschließlich die (vermutete) kurzfristige Eigennutzenmaximierung ins Zentrum der Argumentation stellen und die demnach dem in unserem neoliberalen Wirtschaftssystem weithin propagierten Credo des schnellen Profits, der Quartalszahlenfixierung, kurz, dem „Nach mir die Sintflut / Hauptsache, mir geht’s gut“ perfekt entsprechen. Doch wie meistens bei extrem kurzsichtigen Betrachtungsweisen komplexer Abläufe werden die Mittel- bis Spätfolgen, die nicht nur zukünftige Generationen, sondern auch schon die Geizkäufer und Knauser selbst betreffen dürften, sowie die oft skandalösen Bedingungen, unter denen die Billigware aus dem Boden gestampft und vertrieben wird, von solchen Leuten komplett übersehen und unter den Teppich gekehrt.

Beginnen wir mit dem Punkt, den auch der Tatort und Anne Will besonders hervorhoben – den miesen Arbeitsbedingungen bei den Discountern selbst. Jedem, der sein Gehirn mal kurz einschaltet, sollte klar sein, dass die Discounter ihre billigen Preise primär auf Grund extremer Einsparungen erreichen können (und nicht etwa wegen großer Abnahmemengen oder spartanischer Architektur). Und da Mitarbeiter einen wesentlichen „Kostenfaktor“ für jede Bilanz darstellen, wird hier „natürlich“ (der Logik des Marktes folgend) als erstes gespart. Dies wirkt sich derart aus, dass in Discountläden weniger Menschen arbeiten als sonst im Einzelhandel üblich (=> höhere Belastung für den Einzelnen sowie generell steigende Arbeitslosigkeit im Sektor) und diese zudem noch schlechter bezahlt werden und generell unterhalb der üblichen Sozialstandards, wie man sie in reichen Ländern erwarten dürfte, schuften müssen.

aldi_250Beispielsweise verfügen gerade einmal 7 der ca. 3000 Lidl-Filialen in Deutschland über einen Betriebsrat, und auch die anderen Ketten wie Aldi und Schlecker unternehmen alles, um Betriebsräte zu verhindern und diejenigen, die sich gewerkschaftlich engagieren, psychisch unter Druck zu setzen und gar aus der Firma zu mobben (u.a. nachzulesen bei Kotteder). Der als-ob-leben-Blog präsentierte vor einigen Tagen eine kleine Auswahl aus tausenden von Beiträgen, die Betroffene im Discount-, aber auch dem sonstigen Handelsbereich nach der Anne Will-Sendung in den dortigen Blog schrieben und die einen erschreckenden Einblick in die Arbeitssituation heutzutage geben:

Hier mal einen kleinen Einblick in den Arbeitstag von mir und meinen Kollegen im Discounter.2 Frauen haben freiwillig gekündigt, weil sie den Druck nicht mehr aushalten konnten, ein Kollege hat sich runterstufen lassen vom Filialleiter zum stellv. Filialleiter (weniger Stunden) und ein Kollege ist so nervlich kaputt, dass er jetzt beim Arzt war und am Montag zum Nervenarzt überwiesen wurde, ganz zu schweigen von den Kolleginnen, die sich einen neuen Job gesucht haben – und das alles in eineinhalb Jahren.

Oder:

Folgendes hat sich bei mir zugetragen.
Eine Angestellte im 7 Berufsjahr wurde zu teuer.
Ich bekam vom Bezirksleiter die Anweisung “die muss weg ist zu teuer“
Ich habe nichts unternommen (Diebstahl unterschieben u.a)
Dann wurde ich aus meinem Urlaub zu Feierabend in die Filiale bestellt.
Der Bezirksleiter setzte mich und die Angestellte in den Aufenthaltsraum.
Der BZ-Leiter plusterte sich in seiner Manneskraft auf und warf der Angestellten Diebstahl vor. Sie stritt ab. Er wurde lauter und drohte!! Der BZ-Leiter erhöhte die Drohungen bis die Angestellte endlich nach gab und unter Tränen ihre Eigenkündigung schrieb.
Dann gingen alle nach Hause. Ich wusste nicht wie mir geschah.
Die Angestellte ging vor Gericht.
Ich musste aussagen.
Vor meiner Aussage wurde mir nahe gelegt, dass ich Alleinverdiener bin 3 Kinder und gebaut habe. Ich würde doch wissen, wer mein Arbeitgeber ist.
Ich der Zwangslage und unter Angst meine Existenz zu verlieren habe ich doch die Wahrheit gesagt.
Danach wurde ich so lange gemobbt bis ich selbst gekündigt habe.
Ein ex Aldi Marktleiter

aldi-chefs_250Ähnliche Schilderungen finden sich schon seit längerem auch auf der Seite Chefduzen – es lohnt sich, den dortigen Beitrag bzw. den Thread „Ob Lidl, Schlecker oder Aldi“, durchzulesen (hier als pdf, falls nicht mehr online). Er beginnt mit dem Zitat des Artikels „Fiese Arbeit – Alle unter Kontrolle“ aus der ZEIT vom 17.11.2005:

Ob Lidl, Schlecker oder Aldi – bei den Discountern regieren die Patriarchen. Und die Mitarbeiter dürfen nur eines: Funktionieren

(…) In einigen Filialen von Lidl kontrolliert bereits der Kassencomputer die Kassiererinnen. Pro Minute müssen sie mindestens 40 Artikel über den Scanner ziehen; Neulinge haben vier Monate Zeit, um die hohe Schlagzahl zu erreichen. Erzeugt wird eine Atmosphäre der Angst: Eine Verkäuferin aus Bremen berichtet, aus Furcht vor Kündigung mit hohem Fieber so lange im Laden gestanden zu haben, bis sie zusammenbrach. Lidl will sich zu einzelnen Vorwürfen nicht äußern.

(…) Der US-Handelsgigant Wal-Mart wollte seinen hiesigen Angestellten sogar ins Liebesleben hineinregieren und verbot ihnen Anfang des Jahres »private Beziehungen/Liebesbeziehungen« untereinander. Am Montag erklärte das Landesarbeitsgericht Düsseldorf diesen Teil der »Unternehmensethik«-Richtlinie für rechtswidrig. Wal-Mart betonte, man habe nur Abhängigkeitsverhältnisse verhindern wollen.

Von den Überwachungsskandalen speziell bei Lidl (für die das Unternehmen auch gerichtlich verurteilt wurde) hatte ich an dieser Stelle ja schon mal berichtet – und dass diese Art des „Mitarbeiterhandlings“ sich leider bei den anderen Ketten in ähnlicher Weise wiederfindet, zeigt z.B. dieser Bericht über Bespitzelungen bei Plus (die Staatsanwaltschaft ermittelt auch in diesem Fall).

Dieses war der erste Streich – morgen folgt Teil 2 meines Discount-Diskurses, in dem es um all die anderen üblen Auswirkungen der Billigheimer-Schwemme geht.

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