Okt
04
2010
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Lesetipps: Yes Men / Qualität / Umsonst-Ökonomie

In meinen Lesetipps stelle ich ja zuweilen Artikel vor, die manchmal nur Randgebiete der Blogthemen berühren oder kleine Schlaglichter auf Entwicklungen um uns herum werfen. Die heutigen drei Netzfundstücke treffen jedoch allesamt voll ins Schwarze. In Der Freitag findet sich mit „Es ist harte Arbeit“ ein Interview mit Mike Bonanno, einem der Yes Men, den wohl bekanntesten Culture Jammern unserer Tage. Nicht zuletzt angesichts der vielen schönen Adbusts, die in den letzten Tagen so bei uns „auf den Markt“ kamen, und der generellen unzufriedenen Stimmung im Land, kommen seine „sieben goldenen Regeln für den politischen Aktivismus“ genau richtig:

(…) Kurz zuvor ist er in Berlin gelandet, wo er bei der Ausstellung „Zur Nachahmung empfohlen. Expeditionen in Ästhetik und Nachhaltigkeit“ (Uferhallen Berlin, bis 10. Oktober) den Film der Yes Men vorstellt. Aber was sind schon Äußerlichkeiten? Als Igor Vamos lehrt er an einer New Yorker Universität. Bekannt sind er (als Mike Bonanno) und sein Kollege Jacques Servin (als Andy Bichlbaum) vor allem als Kommunikationsguerilleros, die im Managerkostüm all das deutlich sagen, was sonst hinter gestelzten Shareholdervalue-Phrasen versteckt ist. (…)

(…) Ihr Kollege Bichlbaum trat einmal vor Managern bei einer Konferenz in einem goldenen Catsuit auf, nannte Mahatma Gandhi den schlimmsten Protektionisten der Geschichte und bekam am Ende lebhaften Applaus. Wie sicher sind Sie, dass viele Leute sich nicht nur Comedy anschauen wollen, wenn sie einen Film der Yes Men sehen?

Wir versuchen natürlich das Risiko zu minimieren, nutzlos zu werden. Wenn die Leute in ihrem Ohrensessel sitzen, können sie sich hinterher trotzdem immer noch entscheiden, ob sie nicht vielleicht doch aktiv werden wollen. Wir arbeiten wie PR-Agenturen. Die schmeißen Millionen raus, um Zahnpasta in die Nachrichten zu kriegen, und sie tun das, weil sie herausgefunden haben, dass es funktioniert. Werbung wirkt – das nervt mich, aber so ist es. Und wir sagen, okay, dann muss dasselbe Prinzip auch bei uns funktionieren. Es ist aber, so sehen wir es, weniger Gehirnwäsche als der Versuch, Gehirnwäsche rückgängig zu machen. (…)

Im Wirtschaftsmagazin brand eins macht sich Wolf Lotter in seinem Leitartikel „Die Geprellten“ Gedanken über die Bedeutung des Wertes Qualität in unserem Wirtschaftssystem. Auch wenn einiges von dem, was er dort schreibt, mehr die konkreten Abläufe in einzelnen Unternehmen betrifft, so bezieht er doch auch zu einigen grundlegenden Fehlentwicklungen bei Kunden und Konsumenten Stellung (Stichwort Billigwahn / Discounter), die gut in meinen Blog passen:

(…) Wenn beispielsweise ein Bäcker seine Brötchen mit schlechtem Mehl und zu viel Wasser buk, also jene Qualität bot, die heute an jeder Straßenecke in sogenannten Backshops zu haben ist, dann wurde die Sache relativ schnell ernst. Wie ernst, kann man etwa im schönen Mühlenmuseum im niedersächsischen Gifhorn besichtigen. Hier sehen wir eine Vorrichtung, die aus einer etwa fünf Meter langen Wippe besteht, an der ein Holzkäfig baumelt, den man „Schupfe“ oder „Prelle“ nennt. In diesen Korb wurden Bäcker gesteckt, die behaupteten, eine gute Qualität zu liefern, tatsächlich aber ihre Kunden mit minderwertigem Kram prellten. Die Kundschaft versammelte sich, der Bäcker kam in die Prelle, wurde mehrmals hintereinander – wie beim Kielholen – in den Brunnen gesteckt, mit Steinen beworfen und lauthals beschimpft. (…)

(…) Heute sind weite Teile der Bevölkerung mit der Produktion und Inverkehrbringung von Ramsch und miesem Service beschäftigt. Das mittelalterliche Rechtsmittel ist sozusagen wegen Überlastung ausgeschöpft. Denn wenn alle geprellt würden, die es verdienen – die Körbe wären voll bis zum Horizont, gefüllt auch mit jenen, die miese Qualität kaufen und damit den ganzen Pfusch erst ermöglichen. Die gesamte Geiz-ist-geil-Gesellschaft gehört in die Bäckerprelle. (…)

(…) Geiz ist der natürliche Feind der Qualität. Wer nichts zahlen will, kriegt auch nichts. So machen sich viele Kunden selbst zu Geprellten. (…)

Apropos Ökonomie – um ein WIRKLICH anderes Wirtschaften als nur ein Qualitätsverbessern geht es Birgit Gärtner in „Umsonst-Ökonomie gegen den Konsumterror“. Statt merktgerechter Zurichtung aller Lebensbereiche dient die Ökonomie hier wieder der Bedürfniserfüllung und nicht der Gewinnmaximierung:

(…)

Hinter dem Konzept der Umsonst-Ökonomie steckt indes mehr als eine simple Tauschbörse: Es geht um Kapitalismuskritik – und mehr als das, um die Idee einer Ökonomie ohne zwanghafte Steigerung des Bruttosozialprodukts, Profitmaximierung und damit verbundenen Konsumzwang, sondern ausgerichtet an den Bedürfnissen der Menschen, kurzum: die praktische Entwicklung der Utopie einer herrschaftsfreien Gesellschaft.

Zum fünften Mal trafen sich in der vergangenen Woche in Bremen die Aktivistinnen und Aktivisten aus dem Bereich der Umsonst-Ökonomie der gesamten Bundesrepublik und Österreich zum Vernetzungstreffen „Gib und Nimm“, um Erfahrungen und Ideen auszutauschen, alternative Wirtschaftsmodelle zu diskutieren, Utopien zu spinnen, zu klönen und zu feiern. (…)

Laut dem französischen Soziaphilosophen André Gorz beruht der Kapitalismus auf ständig wachsendem Konsum. Anders könnten wirtschaftliche Gewinne immer weniger realisiert werden. Immer neue Wachstumsfelder müssten gefunden werden. Werbe- und Marketingexperten sorgten dafür, dass die Nachfrage mittels psychologischer Techniken gesteigert werde. Das Bewusstsein der Konsumenten werde so bearbeitet, dass ständig neue Bedürfnisse und Wünsche geweckt würden. (…)

Pjotr Alexejewitsch Kropotkin war ein russischer Anarcho-Kommunist, dessen wichtigstes theoretisches Werk „Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt“ als eine Gegenthese zum Sozialdarwinismus zu verstehen ist. Er versuchte zu zeigen, dass die Kooperation die erfolgreichste Strategie in der Evolution ist. Im Gegensatz zu Marx beschäftigte er sich auch mit zwischenmenschlichen Beziehungen und ging davon aus, dass Gewalt- und Herrschaftsverzicht nur auf einem tragfähigen ethischen Fundament möglich ist. (…)

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Sep
15
2009
6

Fernsehtipp: „The Yes Men Fix The World“ heute auf Arte

yes-men-fixNa, da wird es doch mal wieder Zeit, das TV-Gerät zu entstauben – Arte bringt heute Abend um 21 Uhr als Fernsehpremiere den neuen Film der Yes Men „Die Yes Men regeln die Welt“. Mehr dazu HIER, inklusive weiterer Infos und einem Leitfaden der beiden Köpfe hinter den Yes Men, was man alles unternehmen kann, um Konzerne und die Mächtigen zu stören – Neoaktivistenmethoden. Pflichtprogramm für alle Aktivisten und Widerständler!

Heute wollen die Yes Men die „Welt reparieren“, indem sie amerikanischen Managern und Versicherern ihre Survivaballs anbieten. Dabei handelt es sich um Einmann-Kugelhüllen, die Reichen (denn der Survivaball ist teuer!) bei Terroranschlägen, Angriffen mit chemischen Waffen oder Naturkatastrophen Schutz bieten soll. Ein absurdes Projekt, aber trotz des karikaturesken Begleitvideos gab es Bestellungen für den Survivaball!

Mockumentary oder bitterer Ernst? DIE YES MEN REGELN DIE WELT stellt sich als burlesker, satirischer Dokumentarfilm dar, in dem Filmemacher Andy Bichlbaum, Mike Bonnano und ihr Team mit absurden Mitteln einige erschreckende Wahrheiten aufdecken. Ihr Dokumentarfilm gehörte zur offiziellen Auswahl beim Sundance Film Festival 2009 und erhielt den Publikumspreis der Sektion «Panorama» auf der Berlinale 2009 und den Publikumspreis beim Warschauer Festival Planet Doc Review 2009.

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Jul
21
2009
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Die Yes Men planen den nächsten Coup

the-yes-man-150x150Die wohl bekanntesten Culture Jammer, die amerikanischen Yes Men, die in den letzten Jahren schon für so manchen Coup verantwortlich zeichneten (u.a. ihr Fake der NY Times), planen nun den nächsten Schlag gegen die großen Konzerne und ihre Handlanger in den Regierungen. Anlässlich des Weltklimagipfels in Kopenhagen im September soll es wieder eine spektakuläre Aktion geben, die hoffentlich auch für ein gewisses mediales Aufsehen sorgt. Ich leite Euch hier mal den offenen Brief der Yes Men weiter, inkl. Unterstützungsaufruf:

———————

Dear Friend,

We have some really stupid, really big plans for September, and we need
your help to make them come true.

Last summer, we asked you to help us print 100,000 copies of a „special
edition“ New York Times, to be published just after Obama’s election and
set eight months in the future (July 4, 2009). You responded with
$15,000, and the paper made worldwide headlines – real ones:
http://www.ng.ru/world/2008-11-13/100_nyt.html?mthree=1
http://deser.pl/deser/1,83453,5917595,Dowcip___Falszywy___New_York_Times__oglasza_koniec.html
http://www.pcmag.com/article2/0,2817,2335607,00.asp

July 4, 2009 has now come and gone (http://www.nytimes-se.com/). A few
CEOs have had their salaries capped, Guantanamo is being closed, and
there’s a movement to prosecute the Bush regime for their war crimes.
But sadly, the paper’s most important predictions haven’t come true.
Worst of all, climate change isn’t being addressed in any serious way,
which is getting a lot of people really alarmed.

Five months from now, in Copenhagen, the world’s leaders will have the
chance to stop this mother of all runaway trains from taking us all off
the mother of all really big cliffs (http://www.sealthedeal2009.org/).
For a whole lot of reasons, it’s up to the U.S. to show how it’s done.
If we can do that, a lot of the other predictions in our „special
edition“ will also come true.

Unfortunately, we’re showing no signs of doing that:
http://www.foe.org/global-warming,
http://www.greenpeace.org/usa/press-center/releases2/greenpeace-opposes-waxman-mark

So a lot of groups are planning actions this fall to show government
what we need it to do:
http://www.BeyondTalk.net/, http://www.350.org/, http://tcktcktck.org/,
etc.

As for us Yes Men, we have a very stupid three-part plan to publicly
ridicule our stupidest leaders. It’ll involve lots of stitching,
hammering, and risking arrest – which is fine, as we’ve assembled a
crack team of daredevil seamstresses. But unfortunately, it’s also going
to cost money.

If you can help with this side of things, please click here:
http://theyesmen.org/donate/now. For a donation of $50 or more we’ll
send you some copies of the „special edition“ New York Times, along with
(while supplies last) the fake International Herald Tribune from last
month (http://www.iht-se.com/), the one that launched
http://BeyondTalk.net/.

Or, if you’d like to chip in over $500, we can consider it a loan, and
we’ll pay you back in the spring from revenues we hope come in from our
movie, hitting theaters in October: http://theyesmenfixtheworld.com.
For that, please write to us:
mailto:people@theyesmen.org?subject=Investment%20in%20action

Also, if you live in New York and know how to sew, please let us know by
clicking „costume design“ on your profile and typing „sewing.“ And if
you don’t mind getting arrested for a good cause, please sign up here:
http://BeyondTalk.net.

Please help as you can! If nothing else, it’ll be really funny. But it
could be a whole lot more too.

As worried as you are,
The Yes Men

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Mrz
21
2009
1

Nachrichten von morgen: Attac bringt gefälschte DIE ZEIT in Umlauf

Attac goes Culture Jamming – diese gelungene Aktion im Stile der YES MEN ist natürlich genau mein Ding. Und deshalb werde ich mich auch sogleich aktiv an der Verteilung des ausgesprochen authentisch wirkenden ZEIT-Fakes beteiligen. :-) Hier schon mal die dazugehörige offizielle Pressemitteilung:

________________________________________

Pressemitteilung  – Attac, 21. März 2009

* Nachrichten von morgen: Attac bringt gefälschte DIE ZEIT in Umlauf
* Aktive verteilen 150.000 Plagiate in mehr in als 90 Städten

attacAktivistinnen und Aktivisten des globalisierungskritischen Netzwerkes Attac haben am heutigen Samstag in Kiel und ca. 90 anderen Städten eine gefälschte Ausgabe der bekannten Wochenzeitung DIE ZEIT verteilt. Der Clou: Statt der Meldungen von gestern verkündet das täuschend echt gestaltete Plagiat die Nachrichten der Zukunft. „Am Ende des Tunnels” lautet die Schlagzeile auf dem Titelblatt, als Erscheinungsdatum ist der 1. Mai 2010 angeben. „Die Berichte über die globale Wirtschafts-, Finanz- Hunger- und Klimakrise lassen viele Menschen hilflos zurück. Wir haben deshalb die Zeit weitergedreht und die Nachrichten verfasst, die wir morgen lesen wollen – nicht über ein fernes Paradies, sondern über konkrete Verbesserungen, die denkbar und erstreitbar sind”, sagte die Attac-Aktivistin und DIE ZEIT-Redakteurin Jutta Sundermann. „Auf diese Weise wollen wir die Vorstellungskraft der Leserinnen und Leser erweitern und ihnen Mut machen, sich politisch zu engagieren.”

Ca. 2000 Exemplare der gefälschten DIE ZEIT brachten die Attac-Aktivisten allein in Kiel unter die Leute. Fast alle Passanten nahmen das als „kostenlose Sonderausgabe” angepriesene Blatt gern entgegen. „Es hat Spaß gemacht zu sehen, wie viele Empfänger erst mal oberflächlich rumgeblättert haben, bis sie dann nach einer Weile stutzten und interessiert weiterlasen.”, so ein Verantwortlicher. Bundesweit verteilte Attac rund 150.000 Plagiate in mehr als 90 Städten.

Als Autoren der Zukunftsausgabe der ZEIT konnte Attac neben eigenen Aktiven auch mehrere prominente Schreiber gewinnen. So berichtet der Journalist und Buchautor Harald Schumann („Der globale Countdown”) unter der Überschrift „Zeit der Abrechnung“ von einem G20-Treffen in Brasilia, bei dem sich die Industrie- und Schwellenländer auf eine weitreichende Besteuerung großer Privatvermögen und internationaler Konzerne geeinigt haben. Lucas Zeise, prominenter Wirtschaftsjournalist, beschreibt in „Ende einer Ära“ die Veränderung der deutschen Bankenlandschaft nach dem Untergang zahlreicher Privatinstitute. Der Kabarettist Matthias Deutschmann konstatiert das Ende des Kasinokapitalismus („Nicht die unsichtbare Hand des Marktes hat die Krise beendet. Wir waren es! We, the people!”) und gesteht: „Es gibt Momente, da kommen dem professionellen Zyniker die Tränen”. Und die Autorin Daniela Dahn schreibt über die neue internationale Fernsehstation Social TV, die es sozialen Bewegungen weltweit ermöglicht, ihre eigenen Themen ins Fernsehen zu bringen.

Weitere Artikel haben das Ende der NATO zum Thema, berichten von Schuldenerlassen für arme Länder, einer dezentralen Konferenz der Weltgesellschaft gegen Hunger und den positiven Auswirkungen der Bildungsproteste. Die letzte Seite blickt zurück auf die Demonstrationen am 28. März 2009 in Berlin und Frankfurt am Main: Die Proteste unter dem Motto „Wir zahlen nicht für eure Krise” markierten bundesweit den Aufbruch der Zivilgesellschaft. DIE ZEIT-Redakteur Fabian Scheidler: „Kurzum: In unserer Ausgabe der ZEIT zeichnen wir das Bild einer Welt, wie sie denkbar wäre, wenn die Vorschläge der globalisierungskritischen Bewegung umgesetzt werden würden.”

Inspirieren ließen sich die Blattmacher von Attac von der US-amerikanischen Gruppe Yes-Men, die im vergangenen Jahr eine Zukunftsausgabe der New York Times veröffentlichte.

Für Rückfragen:
* Fabian Scheidler, DIE ZEIT-Redaktion, Tel. 0151-2173 9858
* Jutta Sundermann, DIE ZEIT-Redaktion, Tel. 0175- 866 6769

Im Internet:
* Online-Ausgabe der ZEIT:
http://www.die-zeit.net

* Druckausgabe zum kostenlosen Download:
http://www.die-zeit.net/pdf

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Nov
16
2008
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Die Yes Men und ihr Fake der New York Times

Die Yes Men sind eine amerikanische Aktivistengruppe, die schon so manches Mal für Furore gesorgt hat (wie man auch in ihrem gleichnamigen Film sehen kann). So haben sie die Website der Welthandels-Organisation (WTO) nachgemacht, dort die wirklichen Forderungen der WTO ins Extreme übertrieben bzw. einfach mal klar formuliert (Sklaverei für Afrika etc.) – und tatsächlich bekamen sie in der Folge Anfragen von Bürgern, Schulen, Vereinen etc., haben Vorträge im Namen der WTO gehalten und dementsprechend das Treiben dieser Organisation entlarvt. Sie sind vermutlich mit die prominentesten und aktivsten Vertreter des Culture Jamming.

The Yes Men agree their way into the fortified compounds of commerce, ask questions, and then smuggle out the stories of their hijinks to provide a public glimpse at the behind-the-scenes world of business. In other words, the Yes Men are team players… but they play for the opposing team.

Nun bin ich im Blog von Hans-Werner Lobo, dem Autoren von u.a. „Uns gehört die Welt” und dem „Schwarzbuch Markenfirmen” sowie dem De-Branding.Blog, auf ihre neue Aktion gestoßen – diesmal haben sich die Yes Men die New York Times zur Brust genommen und eine Parodie auf selbige ins Netz gestellt. Das erstaunliche daran – sie enthält nur Meldungen über sinnvolle und positive (aber leider in diesem unserem System utopisch anmutende) Entwicklungen, wie dem Ende des Irak-Kriegs, dass alle Universitäten kostenfrei sind oder die UN einstimmig ein Waffenverbot beschließt. Zusätzlich zur Website haben die Yes Men auch 1.5 Mio Exemplare drucken und an verdutzte Bürger in den USA verteilen lassen. Schade, dass wir solch eine NYT wohl niemals in echt erleben werden..

Es lohnt sich wirklich, in dieser sehr aufwendig gestalteten Zeitung zu stöbern, man findet viele hübsche skurrile Details und Pseudo-Reklame – z.B. ist auch dieses gelungene Beispiel für Adbusting zu sehen:

Auf der Seite „Corrections” korrigieren die Yes Men bei der Gelegenheit auch gleich die gesamte Firmenpolitik der NY Times:

Advertising
The Times acknowledges that accepting money from the very corporations whose activities we are responsible for reporting on — running ads from ExxonMobil while reporting on climate change, for example, or from weapons manufacturers while reporting on the Iraq War — represents an obvious conflict of interest.

Automobiles
In past issues the New York Times featured an entire section on automobiles. Our senior vice president of advertising, Alex Buryk, once described this section as providing “well-integrated print and online advertising opportunities” that “meet advertisers’ demands.” As the effect of automobiles on the global climate crisis becomes evident, The Times acknowledges it made a serious error in expanding this section by three and a half pages in the past two years.

Media Monopoly
The Times apologizes for under-reporting the effects and dangers of media consolidation, perhaps due to our own efforts at media consolidation: The Times owns almost two dozen regional newspapers, a number of television and radio stations, and partial shares in the Red Sox and the Discovery Channel. We now recognize this conflict of interest. No newspaper should concern itself with maximizing profits, and the paper of record should be held to an even higher standard than the rest of the publishing industry. Over the next two months, The Times will voluntarily trust-bust itself, thus contributing to the independence of American journalism.

Hier könnt Ihr Euch das gelungene Zeitungsplagiat als pdf herunterladen (via Spiegel-online).

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