Okt
13
2011
1

Nimm2 ist nicht für Kinder und Danones Verpackungsschwindel

Foodwatch und abgespeist.de vergeben ja alljährlich den „Goldenen Windbeutel“ für die Werbelüge des Jahres. 2011 hat diesen Preis Ferrero für die Milchschnitte „gewonnen“. Sehr schön war dabei auch der Beitrag über Nimm2, die ebenfalls nominiert waren, und den ich Euch nicht vorenthalten möchte, weil die Kackdreistigkeit des Herstellers, der sein verlogenes Marketing hier zu verteidigen sucht, schon beachtlich ist. Dementsprechend süffisant wird Storck von Foodwatch mit der Realität konfrontiert.

Auch sonst wird es den Leuten von abgespeist.de so schnell nicht langweilig, da die Reklamefritzen der Konzerne nicht müde werden, den Konsumenten in spé einen vom Pferd zu erzählen und mit teils hanebüchenen Geschichten zum Kauf zu animieren. Danone tut sich da mal wieder hervor – nachdem ihr Actimel sich als genauso gesund oder ungesund wie normaler Joghurt erwiesen hat (nur dass Actimel eben viel teurer ist), versucht sich die Firma nun ein grünes Mäntelchen umzuhängen und bewirbt ihren neuen Activia-Joghurtbecher als „umweltfreundlich“. Von wegen!

Der Becher fällt nicht weit vom Stamm
Spätestens seit Actimel und Activia wissen wir, wie die Damen und Herren von Danone mithilfe wissen-schaftlicher Studien Marketing machen: Minimale messbare Effekte werden in der Werbung maximal aufgeblasen, um Verbrauchern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Der jüngste Clou: Activia gibt’s neuerdings im vermeintlich „umweltfreundlicheren“ Becher aus Mais-stärke (PLA). Blöd nur, dass der neue Becher gar nicht wirklich „umweltfreundlicher“ ist als der alte, wenn man die Ökobilanz-Maßstäbe vom staatlichen Umweltbundesamt ansetzt. Unser Fazit: Wie der Joghurt, so der Becher – ein dreister Schwindel.

Activia activiert Unterlassungserklärung
Die Marketing-Menschen bei Danone haben Phantasie, das muss man ihnen lassen. Immer wieder kommen sie mit neuen Ideen daher, wie sie aus schnöden Joghurts angeblich ganz besondere Produkte kreieren können – erst mit Gesundheitsversprechen, jetzt mit dem vermeintlichen Ökobecher. Nur haben die Danones die Rechnung dieses Mal ohne die Umweltorganisation Deutsche Umwelthilfe gemacht. Die hat den Konzern nämlich schon abgemahnt und nun eine Klage angekündigt – Danone soll die irreführenden Öko-Aussagen zum neuen Becher unterlassen. Doch der Konzern weigert sich zu unterzeichnen.

Das Blaue vom Recycling-Himmel
„Den Becher bitte in den gelben Sack entsorgen, damit dieser optimal verwertet bzw. recycelt werden kann.“, so der Werbetext auf der Packung des vermeintlichen Verdauungswunders. Der Haken: Der Activia-Becher wird momentan nicht recycelt, sondern in der Regel verbrannt. Er wird von den Recycling-Anlagen nämlich gar nicht aussortiert. Ein sogenannter geschlossener Kreislauf sei laut Danone zwar geplant, doch das ist – wenn überhaupt – Zukunftsmusik. Trotzdem verspricht der Konzern auf der Verpackung das Blaue vom Recycling-Himmel.

Wählerisch wie eine Diva beim Dorftanz
Eine von Danone finanzierte Studie des IFEU-Instituts kommt zu dem klaren Ergebnis: Der neue Becher ist insgesamt nicht besser für die Umwelt als der alte. Wählerisch, wie die Danones sind, picken sie sich einzelne Aspekte aus der Studie raus, bei denen der Neue besser abschneidet: Treibhausgase und fossiler Ressourcenverbrauch. Bei Auswirkungen der Herstellung auf z.B. Böden und Gewässer ist der neue Becher aber schlechter als der alte. Darum empfiehlt das Institut, stets auch die Nachteile zu nennen. Das ignoriert Danone gnadenlos, wenn man die Werbetexte auf der Verpackung liest.

Zertifiziert naturferne Intensivlandwirtschaft
Auf der Packung fabulieren Danones Werbetexter von nachhaltigem Mais, aus dem der Becher hergestellt werde. Wer sich da einen idyllischen Bio-Bauernhof im Alpenvorland vorstellt, hat weit gefehlt. Für den Maisanbau sind unter anderem Pestizide und Mineraldünger erlaubt. Das führt zu Belastung von Böden und Gewässern – Intensivlandwirtschaft eben. Mit dem, was der Verbraucher unter „nachhaltig“ versteht, hat es also wenig gemein.

Drei Schritte voraus
Danone weiß sogar selbst, dass der neue Becher nicht der große Wurf ist. Unter anderem, weil er derzeit überhaupt nicht aussortiert und recycelt, sondern in der Regel verbrannt wird. Der Konzern argumentiert damit, dass irgendwann genug PLA-Becher im Umlauf sein sollen, um ein Recycling zu ermöglichen. Dabei ist noch völlig unklar, welche Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen sich am besten eignen und am umweltfreundlichsten sind. Im Werbetext auf der Becher-Banderole suggeriert Danone trotzdem schon mal, der Neue sei ein Verpackungswunder, weil „umweltfreundlicher“ als der alte. Das ist schlichtweg gelogen!

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Aug
31
2010
3

Tricksereien der Lebensmittelindustrie: Sauerstoff-Fleisch und Nimm2

Der Verein Foodwatch wirft ja schon seit einigen Jahren ein kritisches Auge auf das, was die Lebensmittelindustrie so treibt. Gepanscht, gestreckt und gemogelt wurde natürlich schon immer, vermutlich seit es Menschen gibt. Aber je industrieller die Nahrungsproduktion und je stärker die Unternehmen den allgemein in unserem System geltenden Bedingungen der Effizienz- und Gewinnsteigerung unterworfen werden, desto findiger werden die Marketingabteilungen und die Laboranten. Die einen, um den potentiellen Kunden in Reklame das Blaue vom Himmel herunterzulügen, die anderen, um Mittel und Wege zu finden, Waren (in jeglicher Hinsicht) billiger zu machen, und zwar so, dass es nicht sofort auffällt.

Ein Beispiel für die Kreativität beim Zusammenmischen und Aufbereiten von Industrienahrung ist die Aufpeppung von „Frischfleisch“ mit Sauerstoff, um es appetitlicher aussehen zu lassen. Foodwatch beleuchtet in „Frische-Illusion mit Nebenwirkungen“, warum diese Verbrauchertäuschung keine gute Idee ist:

Die meisten großen Handelsketten verkaufen Frischfleisch in “Schutzatmosphäre”-Packungen. Dahinter verbirgt sich oft ein hochgradig mit Sauerstoff angereichertes Gasgemisch. Der Effekt: Auch nach Tagen sieht Fleisch außen rosig-frisch aus. Eine Illusion, denn Sauerstoff macht es gleichzeitig innen zäh und ranzig.

Jedes zweite Stück Fleisch kaufen Verbraucher aus den Selbstbedienungs-Kühltheken von Supermärkten. Hackfleisch und Rinderrouladen, Gulasch und Schweineschnitzel liegen dort geschnitten und portioniert in praktischen Plastikschalen. In genau diesen Plastikschalen entsteht die große Frische-Illusion, einem speziellen Gasgemisch sei dank. Tagelang behält das Fleisch außen eine rosige Farbe, während es innen jedoch schneller altert, zäh und ranzig wird. Die Anbieter nehmen diese Qualitätsverschlechterung in Kauf: Um es besser verkaufen zu können, hübschen sie es optisch auf – und bieten minderwertiges Fleisch an. (…)

(…) Das ist nicht nur eine Irreführung der Kunden, denen Tage altes Fleisch als optisch schlachtfrisch untergejubelt wird. Denn Fachleute wissen: Der Einsatz von Sauerstoff ist alles andere als unproblematisch. Hochkonzentriert, reagiert er auch mit den Fetten und Eiweißen im Fleisch. Folge sind “vielfältige negative Auswirkungen”, die etwa Wissenschaftler des staatlichen Max-Rubner-Instituts seit längerem als “unstrittig” beschreiben: “Derartig dem Sauerstoff ausgesetztes Fleisch” werde “schlagartig ranzig, entwickelt Altgeschmack, erfährt vielfältig stoffliche Umsetzungen der Lipid- und Proteinfraktion und wird zäh”, heißt es in einem Artikel im Branchenblatt “Fleischwirtschaft” (6/2009). Sogar eine “massive Erhöhung der gesundheitlich als schädlich bekannten Cholesteroloxide” stellten die Wissenschaftler fest, also die Bildung von “anerkannt toxischen Substanzen mit diversen biologischen Wirkungen, speziell auch im Zusammenhang mit degenerativen Erkrankungsgeschehen, wie Arteriosklerose oder auch Krebs”. (…)

Dazu gibt es ein ausführliches „Hintergrundpapier: Fleischmarkt unterm Sauerstoffzelt“ (pdf-Format).

In der Rubrik Abgespeist ist foodwatch den dreisten Werbelügen der Industrie auf der Spur. Jüngste Enthüllung: „Nimm2 und der Trick mit den Vitaminen – der vielleicht längste Etikettenschwindel der Welt“:

Der Schwindel: „Wertvolle Vitamine“, die den Vitaminhaushalt „wirksam“ ergänzen, stecken laut Storck in nimm2, dazu „Fruchtsaft“ und „Traubenzucker“. Andere nimm2-Produkte wie die „Lachgummis“ werden mit dem Slogan „Lachen ist gesund“ beworben – rundum suggeriert Storck also, nimm2 seien im Vergleich zu anderen Süßigkeiten die bessere und gesündere Wahl.

Die Wahrheit: nimm2-Produkte sind nicht besser oder gesünder als andere Süßigkeiten. „Fruchtsaft“ ist nur in winzigen Mengen enthalten und Traubenzucker hat gegenüber anderem Zucker keinen Vorteil. Der künstliche Vitamincocktail in den Bonbons ist außerdem nicht nur sinnlos, sondern höchst problematisch. Denn Kinder bekommen vermittelt, dass Süßigkeiten so „wertvoll“ und reich an wichtigen Nährstoffen sein können wie Obst und Gemüse. Doch gerade für Kinder ist eine klare Trennlinie zwischen Süßigkeiten und anderen Lebensmitteln außerordentlich wichtig. Zuckerwerk darf Kindern nicht suggerieren, es sei „wertvoll“ und damit gesund oder unabdingbar. (…)

Und apropos Werbelügen – dazu passt auch dieser schon etwas ältere Artikel/Film von foodwatch – „Was steckt hinter McDonald’s Bauernhof-Idylle?“, in der sie die verlogenen Reklamekampagnen des Fastfood-Konzerns gründlich zerpflücken:

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Mrz
29
2010
2

Die dreisteste Werbelüge – Der Goldene Windbeutel 2010

Dass Werbung lügt ist eine tautologische Aussage, wie etwa „weißer Schimmel“ oder „dunkle Nacht“. Einige Reklametreibende aus dem Lebensmittelbereich sind allerdings besonders dreist bei ihren Imagekampagnen und täuschen und tricksen, was das Zeug hält. Deshalb hat sich Foodwatch bereits letztes Jahr daran gemacht, die dreisteste Werbelüge mit dem „Goldenen Windbeutel“ auszuzeichnen. Preisträger 2009 war übrigens Danone mit Actimel, einem überteuerten Industriejoghurt mit (wenn man der Reklame mit Kachelmann & Co. Glauben schenken würde) geradezu magischen Kräften.

Natürlich reißt der Strom an irreführender Werbung nicht ab und so gibt es auch dieses Jahr für eine der fünf nominierten Unternehmen den Goldenen Windbeutel zu „gewinnen“. Man kann nicht behaupten, dass die Frechheit der Konzerne geringer geworden wäre, im Gegenteil, wie man an diesem kleinen Informationsbeitrag sehen kann:

Noch bis zum 22. April kann man auf abgespeist – Etiketten lügen wie gedruckt noch für seinen Favoriten abstimmen. Verdient hätten diesen Preis natürlich alle vorgestellten Industrieprodukte („Lebensmittel“ kann man zu so einem gepanschten Zeug eigentlich ruhigen Gewissens nicht mehr sagen). Übrigens soll es dabei keineswegs darum gehen, nur ein paar „bedauerliche Einzelfälle“ anzuprangern, sondern vielmehr, das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass der Konsument im Supermarkt grundsätzlich und systematisch durch Verpackungen und Reklame hinters Licht geführt werden soll und Firmen versuchen, uns vorzugaukeln, ihr billiger Industriemüll wäre etwa hochwertige gesunde Kost.

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Dez
16
2009
5

Die Mär vom klimaschonenden Aluminium

In der Reklamewelt laufen die Dinge bekanntlich etwas anders als in der Realität – da ist das Trinken von Cola light figurförderlich, McDoof-Burger sind gesund oder die Telekom schert sich um ihre Kunden. Gerne lässt man ja auch dicke Stinkeautos durch intakte Naturlandschaften brausen, um zu suggerieren, dass Autofahren so ziemlich das ökologischste ist, was man tun kann. Jeder Meter, den man mit einem PKW zurücklegt, ist quasi ein gewonnener Meter für die Umwelt. Weil dieser Unfug alleine nicht mehr zieht, werden nun leichtere Autos aus Aluminium als das Nonplusultra angepriesen – die einfache Logik der Marketingfuzzis: Die Dinger wiegen weniger, verbrauchen deshalb weniger Sprit und tragen somit zum Erhalt der Umwelt bei. In der WDR-Sendung markt ging der Beitrag „PKW: Aluminium nicht klimafreundlicher“ diesen steilen Behauptungen einmal näher auf den Grund und kam zu eher ernüchternden bis erschreckenden Ergebnissen – auch was die vermeintlich positive Auswirkung von Wasserkraft auf die Natur hat, übrigens. Wieder einmal zeigt sich, dass unsere Vorstellung von Wirtschaften und Mobilität dem Rest der Welt nur schadet:

Weil leichtere Autos weniger Sprit verbrauchen, schonen sie die Umwelt. Das sagen Autohersteller, die immer mehr Stahlbauteile durch Aluminium ersetzen. Doch die Rechnung geht nicht auf, das Klima wird woanders belastet.

Die CO2-Diskussion veranlasst die Autobauer, sich nach leichteren Alternativen zum Stahl umzuschauen. So wird der Einsatz von Aluminium nach Schätzungen des Gesamtverbandes der Aluminiumindustrie bis 2010 in europäischen Fahrzeugen auf durchschnittlich 160 Kilogramm pro Fahrzeug ansteigen. Die gängige Rechnung lautet: „Durch die Gewichtsersparnis sparen wir Treibstoff und durch die Treibstoffersparnis CO2.“ Eine schöne Rechnung – nur nicht für alle. Denn sobald man den Herstellungsprozess von Aluminium mitbetrachtet, ist die Umweltbilanz eine andere. (…)

(…) Die Umwandlung von Bauxit in Aluminium ist ein zweistufiges Verfahren. Dabei entsteht unter anderem ein stark alkalischer, also giftiger Schlamm, der aufgefangen und deponiert werden muss. Immer wieder kommt es dabei zu Zwischenfällen, die die angrenzende Umwelt schwer belasten. Vor allem aber verbraucht der Umwandlungsprozess ungeheure Mengen Energie in Form von Strom. Der wird in Brasilien häufig mit Wasserkraft erzeugt.

Einer der Hauptenergieversorger für die brasilianische Aluminiumindustrie ist der Tucuruí-Stausee. Sein Gebiet, größer als das Saarland, wurde vor der Flutung nicht gerodet. Nun verfault die Biomasse am Grund. Eutrophierung wird dieser Prozess genannt, der zur Bildung von Methangas führt. Methan ist ein stark wirkendes Treibhausgas. Dr. Günter Gunkel, Wasserwissenschaftler an der Technischen Universität Berlin, hat brasilianische Stauseen untersucht. Er sagt: „Wasserkraft ist in vielen Bereichen keine ökologische Energiequelle. Das liegt eben daran, dass Stauseen, die eutrophiert sind, zu ganz erheblichen Methanemissionen führen, die in der Summe der Treibhausgase dann größer sind als die vergleichbare Emission bei der Energiegewinnung durch Kohle.“ (…)

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Dez
13
2009
4

Mal wieder Etikettenschwindel: „Produkte aus der Heimat“

Bekanntlich lassen Firmen nichts unversucht, um an unser „Bestes“ – unser Geld – zu gelangen. Da sich seit einiger Zeit bei manchen Verbrauchern eine Präferenz für Produkte aus der Region feststellen lässt – sei es nun aus ökologischen Gründen, weil es halt absolut irrsinnig ist, in Norddeutschland französisches Flaschenwasser zu trinken beispielsweise, oder um die regionale Wirtschaft zu stützen und zu stärken – werden vermehrt auch Waren als „regional“ vermarktet. Wie meist in der bunten Reklamewelt steckt hinter wohlklingenden Namen und Bildern aber zuweilen eine Verbrauchertäuschung, da solche Produkte in Wahrheit von sonstwoher stammen. Frontal 21 ging dieser Sache vor einiger Zeit näher auf den Grund – „Getäuschte Verbraucher – Etikettenschwindel bei Lebensmitteln“:

Hersteller von Lebensmitteln lassen Verbraucher ob der Herkunft ihrer Produkte oft im Unklaren, verstecken die Angaben im Kleingedruckten. So glauben die Kunden, eine Delikatesse aus einem anderen Land zu kaufen, in Wahrheit stammt die Ware aber aus Deutschland. Umgekehrt wird vieles, was nach heimischer Spezialität klingt, in der Ferne produziert oder aber der Rohstoff kommt ganz woanders her.

Beispiel: Milch
Der Konzern Royal FrieslandCampina verkauft Milchprodukte unter der Marke “Mark Brandenburg”. “Frischmilch und H-Milch werden ausschließlich im Großraum Berlin und Brandenburg verkauft”, beantwortet das Unternehmen eine Nachfrage von Frontal21. Viele Konsumenten haben beim Markennamen offenbar den Eindruck, ein lokales Produkt zu kaufen. Man “denke schon, dass die hier hergestellt wird”, sagt ein Mann. Und eine Frau kauft die Milch nur, “weil sie aus Brandenburg kommt”, sagt sie. Doch Brandenburg sieht die “Mark Brandenburg”-Milch häufig erst, wenn sie dort im Supermarkt steht. Denn die Milch wird in Köln abgefüllt. Das steht auch auf der Packung, aber eher unauffällig. Die Frischmilch komme sogar “zu 92 Prozent von Landwirten aus Nordrhein-Westfalen”, beantwortet Campina die Frontal21-Frage nach der Herkunft. (…)

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Sep
11
2009
10

Nochmal Greenwashing: Tetra Pak umweltfreundlich?

Na, die Beispiele für verlogene Reklamekampagnen sprießen ja derzeit nur so aus dem Boden – jede noch so miese Firma versucht sich, mit Hilfe ihrer Marketingabteilungen ein grünes Kleidchen umzuhängen. Denn natürlich ist es viel billiger, in der Werbung den Eindruck zu erwecken, man würde etwas Nützliches und Ökologisches herstellen als sich tatsächlich darum zu bemühen, gescheite Produkte anzubieten. Siehe Lidl: lieber in TV-Werbung investieren, um der wachsenden ablehnenden Haltung dieser Firma gegenüber entgegenzuwirken, statt etwas an dem eigenen Ausbeutungssystem zu ändern. Leide sind wohl immer noch genügend Menschen/Konsumenten leichtgläubig (oder vergesslich) genug, um auf solche Kampagnen reinzufallen, und darauf bauen die Marketingleute natürlich.

Neuestes Beispiel ist die Firma Tetra Pak, deren auf putzig getrimmter Spot ein Musterbeispiel für Gehirnwäsche darstellt. Wälder zu roden, um Getränkekartons herzustellen, ist wohl kaum sonderlich ökologisch, und das Aluminium etc., was sonst noch für ein Tetra Pak benötigt wird, fällt hier komplett unter den Tisch (dies ist ja die beliebteste Form der Werbetreibenden, zu lügen: einfach die mannigfachen Nachteile eines Produkts verschweigen). René Fischer schreibt dazu treffenderweise:

Erst seit dem Jahr 2008 existiert mit der sogenannten Plasmatrenntechnik überhaupt eine Möglichkeit Tetra Paks zu immerhin 99% zu recyceln. Nur leider benötigt man für das Recycling eines Tetra Paks 10 mal mehr Energie wie für die Herstellung eines solchen Getränkekartons. Auch nicht unerwähnt sollte bleiben, dass das Ergebnis dieses Recyclings eher minderwertiger Natur ist, weshalb der Großteil dieser Verbundverpackungen in der Müllverbrennung landen.

Wer wirklich so naiv ist und glaubt Tetra Paks seien umweltfreundlich dem ist nicht mehr zu helfen.

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Sep
06
2009
13

veRWEgen lügen

Wie zur Untermauerung der Greenwashing-Studie, die ich vor zwei Tagen postete, geistert derzeit ja ein besonders peinlich-verlogener Großwerbespot von RWE durch die angeschlossenen Funkhäuser. Der Konzern stellt sich dort als Naturschützer per excellence dar und versucht damit wohl, nicht nur sein Image aufzupolieren, sondern auch besonders uninformierte/leichtgläubige Kunden zu ködern. Klar, dass ein so dreister Angriff auf die Wahrheit in Zeiten des Internets nicht ohne Gegenreaktion bleibt, und so existieren zwei Antwortspötte auf RWEs Lügenkampagne, die die Aussage, RWE sei Umweltschützer Nummer 1 auf diesem Planeten, wieder etwas gerade rücken. [via]

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Sep
03
2009
0

Lobby Control – Greenwashing-Studie

gas_power_stationSchon seit einer halben Ewigkeit wollte ich hier im Blog auf die hochinteressante aus dem Jahr 2007 stammende, aber wohl leider „ewig“ aktuelle Studie „Greenwash in Zeiten des Klimawandels“ des Vereins Lobby Control hinweisen. Auf 27 Seiten wird hier dargelegt, wie große Konzerne – am Beispiel der Energieversorger- und Erdölriesen – in ihren Image- und Reklamekampagnen das Blaue vom Himmel herunterlügen (wie es eben bei Werbung gang und gäbe ist). Diese Form, sein Geschäftsgebaren gnadenlos, ohne Rücksicht auf Umwelt und Gesellschaft durchzuziehen, dafür dann aber Millionen in beschönigende Werbung zu stecken, nennt man heutzutage „Greenwashing“ – und ich denke, jeder sollte sich diese Studie einmal angeschaut haben, um zukünftig gegen die verlogenen Einflüsterungen der Unternehmen gefeit zu sein und mit einer grundlegenden Skepsis an jede Außendarstellung solcher Firmen heranzugehen. Die Studie kann man sich direkt als pdf herunterladen.

Die Kurzstudie erläutert die Hintergründe und Strategien der neuen grünen Imagewerbung und beleuchtet exemplarisch eine Reihe von deutschen Greenwash-Kampagnen aus dem Jahr 2007. So versuchte das Deutsche Atomforum, alte Kraftwerke zu „ungeliebten Klimaschützern“ zu stilisieren. Der Ölkonzern Shell warb mit Blumen, die aus Schornsteinen aufstiegen, und die großen Energieversorger wie E.ON oder Vattenfall werben mit zukünftigen emissionsfreien Kraftwerken, während sie zahlreiche neue Kohlekraftwerke bauen.

Greenwash-Kampagnen sollten immer der Anlass sein, sich alternative, kritische Informationen zu besorgen. Das ist der erste Schritt, um die Strategie hinter der Grünfärberei zu durchkreuzen. Darüber hinaus gebe es weitere Möglichkeiten, wie die Beschwerde beim Werberat oder das Anprangern von Greenwash-Kampagen.

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Apr
21
2009
0

Werbung gegen Realität, Teil 12: Yogurette

bild-7„Ja, die Yogurette, die schmeckt so himmlich joghurt-leicht“, tralala. Wer kennt ihn nicht, diesen grenzdebilen Singsang aus dem Fernsehen, mit dem Ferrero seit Jahren (Jahrzehnten?) ihre Erdbeer-Joghurt-Schokolade bewerben und sie in den Rang einer natürlich-leckeren, sportlich-aktiven und damit eigentlich gesunden Schleckerei zu erheben versuchen. Sicher sind auch schon Millionen Gutgläubiger auf diesen Reklameschmarrn reingefallen – denn mit der Realität hat das Image dieses Produkt leider nur wenig zu tun. Tatsächlich ist dies mal wieder ein sehr „schönes“ Beispiel dafür, wie Werbung funktioniert und den Verbraucher in die Irre führen soll. Auf die Idee, zu suggerieren, dass man durch das Verzehren gezuckerter Produkte etwas für seinen Körper, für seine Fitness gar täte, muss man auch erst einmal kommen, Hut ab vor dieser Dreistigkeit der Marketingabteilung.

Die Foodwatch-Initiative Abgespeist hat sich dieses Treiben nun lange genug mit angesehen und zerlegt die Reklameversprechen von Ferrero aktuell gerade in ihre Einzelteile. So erfahren wir, dass Yogurette mehr Kalorien und Fett enthält als eine normale Vollmilchschokolade, der Käufer darüber auf der Packung aber gar nicht aufgeklärt wird. Nur über den Nährwert von Erdbeeren, von denen in dieser Schokolade sicherlich bestenfalls Spurenelemente enthalten sein dürften, lässt sich der Hersteller hier aus. Genauer gesagt besteht die Yogurette zu 5.5% aus Erdbeergranulat, eine Mischung aus Zucker, Fett und etwas Erdbeerpulver. Lecker, was? Gesunde Nahrung sieht natürlich anders aus, und wer tatsächlich glaubt, sich mit dem Verzehr dieses Produkts etwas Gutes zu tun, befindet sich ganz schön auf dem Holzweg. Alles weitere erfahrt ihr auf der entsprechenden Seite von Abgespeist, dort kann man dem Hersteller auch mit einem vorbereiteten E-Mail-Formular seine Meinung zu dieser Irreführung geigen.

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Apr
09
2009
2

Irreführende Werbung mit Testsiegeln

Das passt ja perfekt zu meinem Beitrag von vor einigen Tagen, in dem es um die teils etwas zweifelhaften Ergebnisse von Öko-Test ging: Viele Firmen und Händler benutzen in ihrer Reklame das von Verbrauchern als besonders seriös geltende Siegel der Stiftung Warentest in der offensichtlichen Absicht, Käufer mit falschen oder veralteten Siegeln zu täuschen. Natürlich wieder vorn dabei, wenn’s darum geht, Konsumenten hinters Licht zu führen: Discounter wie Aldi, Lidl oder Penny, aber auch viele andere Unternehmen. Die NDR-Sendung Markt brachte Anfang der Woche einen interessanten Bericht über diese Aktivitäten – „Testsieger: Mit irreführenden Siegeln Kasse machen“:

Hersteller und Werbetreibende wissen also genau, was sie dürfen und was nicht. Trotzdem sind Mogeleien mit dem Siegel nicht selten: “Der Missbrauch, also die nicht korrekte Verwendung unserer Testergebnisse, zieht sich durch alle Branchen, es kommt alles vor, es kommt häufig vor, jährlich werden etwa 100 Fälle verfolgt”, so Winfried Ellerbrock von der Stiftung Warentest. Und viele machen bei dem Siegelschwindel mit. Markt liegen alle Fälle aus jüngster Zeit vor. “Aldi”, “Lidl”, “Norma” oder “Penny” wurden wegen wettbewerbswidriger Werbung mit Ergebnissen der Stiftung Warentest genauso abgemahnt wie “Real”, “Karstadt” oder “Saturn”. Aufgedeckt werden die Fälle von aufmerksamen Verbrauchern und einem Berliner Anwalt. Eine systematische Kontrolle aller im Umlauf befindlichen Siegel bleibt aus. “Wir haben leider nicht die Möglichkeit, flächendeckend zu verfolgen, was am Werbemarkt passiert”, so Winfried Ellerbrock.

Die Liste der Tricksereien ist lang. Besonders häufig: die Werbung mit veralteten Testergebnissen. Das geschieht zum Beispiel immer wieder bei Matratzen, aber auch bei Handys. Ebenso beliebt: Günstige Einzelnoten werden hervorgehoben und weniger günstige weggelassen – zum Beispiel bei Kosmetikprodukten. Manche Hersteller sind besonders dreist und erfinden Testsiegel. Sie versehen ihre Produkte mit einem “sehr gut”, obwohl es nie getestet wurde. Oder übertragen ein Testurteil einfach auf eine komplette Produktreihe, obwohl nur ein einzelnes daraus getestet wurde.

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