Sep
29
2011
7

Widerstand gegen den Wegwerfwahn

Geplante Obsoleszenz – diesen sperrige Begriff behandelte ich vor einigen Wochen bereits, als die Arte-Doku „Kaufen für die Müllhalde“ ausgestrahlt wurde und ein Schlaglicht auf das Verhalten vieler Industriekonzerne warf, die ihre Produkte so herstellen, dass sie absichtlich schneller kaputt gehen als das technisch nötig wäre. Denn der Absatz muss ja angekurbelt werden! Da müssen Umweltgesichtspunkte schon mal hinten an stehen. Matthias Dachtler hat in der Jugend-Sendung On3 des Bayerischen Rundfunks dieses Thema nun erneut aufgegriffen und einen schönen Beitrag dazu verfasst: „Widerstand gegen Wegwerfwahn – Schrauber aller Länder, vereinigt euch!

Kaufen für die Tonne. MP3-Payer, Handys und Computer landen früher auf dem Müll, als sie müssten. Der frühe Tod ist von den Herstellern oft gewollt. Jetzt rollt die Gegenbewegung an: die “Repair Revolution”.

Die meisten von uns kennen das: Kaum ist die Garantie abgelaufen, gehen unsere Gadgets kaputt. Der Handy-Akku lädt nicht mehr, das Display beim MP3-Player spinnt, das Notebook überhitzt und schaltet sich einfach aus. Reparieren lohnt sich nicht, sagt die Werkstatt, zu teuer. Also ab damit in den Müll. Neue Sachen kaufen. Marketing-Profis nennen diesen Zyklus “Geplante Obsoleszenz”. Der frühe Tod unserer Gadgets ist kein Zufall, sondern geplant. Aber das ist schwer zu beweisen. (…)

(…) Aber nicht nur die Hersteller sind schuld am frühen Tod der Gadgets. Wir Konsumenten machen fröhlich mit. Wir lassen uns von Marketing-Profis einreden, dass Altes schlecht und Neues gut ist. Die Folgen der sogenannten “psychischen Obsoleszenz” sieht man in Deutschland auf jedem Wertstoffhof. Immer mehr funktionierende Geräte landen auf dem Müll. Rund 80 Prozent der weggeworfenen Elektro-Geräte funktionieren noch, schätzt Platzwart Tobias Quoll, den wir auf dem Münchner Wertstoffhof Thalkirchen besucht haben. Laut Umweltbundesamt wuchs der deutsche IT-, Handy- und Unterhaltungselektronik-Schrottberg zwischen 2006 und 2008 von 215.000 auf 300.000 Tonnen pro Jahr. (…)

(…) Wer nicht nur einen Akku wechseln, sondern einen Kondensator tauschen oder einen Fahrrad-Rahmen schweißen will und keinen Werkzeugkoffer wie Markus Weiher besitzt, braucht eine Werkstatt und jemanden, der erklären kann, wie man richtig lötet oder schweißt.Die Lösung: Offene Werkstätten. Gibt’s in ganz Deutschland, in Bayern zum Beispiel im “Kempodium” in Kempten, im “Kulturzentrum K4″ in Nürnberg oder im “Haus der Eigenarbeit” in München.

“Das Besondere am Reparieren ist ja, dass das jeder machen kann”, sagt Markus Weiher. on3 schließt sich an und empfiehlt: “Join the Repair Revolution!”

Wie kann ich mich politisch wehren?

Der Berliner Blogger und BWLer Stefan Schridde will eine Online-Petition beim Bundesstag einreichen und sucht Leute, die ihm dabei helfen. Sein Ziel: Durch eine Änderung des Gewährleistungsrechts sollen Hersteller, die Geräte mit künstlich kurzer Lebensdauer produzieren, in die Verantwortung genommen werden.

Externer Linkobsoleszenz.wordpress.com

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Jul
20
2011
5

Manifest der eigenständigen Reparatur

Zu besagtem Manifest komme ich gleich – zunächst: bestimmt kennt so ziemlich jeder die Situation, die in dem nachfolgenden Beitrag der WDR-Sendung Markt geschildert wird – da geht etwas kaputt, ein Gerät läuft nicht mehr, und statt es zu reparieren, empfiehlt der Hersteller bzw. Service-Händler gleich den kompletten Austausch – sprich: das Verschrotten des Altgeräts und den Kauf eines neuen. „Reparaturen: Selbst ist der Kunde“:

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Feb
16
2011
15

Kaufen für die Müllhalde

Unsere Wegwerfgesellschaft prangere ich hier im Blog ja des öfteren an – eine Konsumorientierung, bei der man sich nach schnell wechselnden Moden und Trends richten muss, will man nicht total „out“ sein. Arte (offensichtlich Deutschlands bester Sender) hat sich dem Thema „Die Wegwerfer“ gestern angenommen und u.a. die Dokumentation „Kaufen für die Müllhalde“ gesendet, die man sich derzeit für einige Tage auf der Arte-Website online anschauen kann. HIER findet man den Beitrag dann online. Sicherlich taucht die Sendung über kurz oder lang auch bei YouTube auf, so dass wir noch etwas länger davon haben!

Wiederholung am Freitag 18. Februar um 10.30 Uhr und Donnerstag 24. Februar um 03.25 Uhr

Heute gekauft und morgen schon Schrott? Die Haltbarkeit technischer Produkte ist oft kurz. Teilweise ist dies von den Herstellern gewollt, doch auch die Haltung vieler Verbraucher hat sich verändert. ARTE schaut auf die Wegwerfgesellschaft.

(…) Heute wollen sich viele Verbraucher nicht mehr mit diesem System abfinden. Als Beispiel für dessen verheerende Umweltfolgen zeigt die Dokumentation die riesigen Elektroschrottdeponien im Umkreis der ghanaischen Hauptstadt Accra. Neben diesem schonungslosen Blick auf die Wegwerfgesellschaft stellt Filmemacherin Cosima Dannoritzer auch die Lösungsansätze von Unternehmern vor, die alternative Produktionsweisen entwickeln. Und Intellektuelle mahnen an, die Technik möge sich auf ihre ursprüngliche Aufgabe zurückbesinnen, auf die dauerhafte Erleichterung des Alltags ohne gleichzeitige Verwüstung des Planeten.

Edit: und HIER noch die Facebook-Seite des Projekts für weitere Infos.

Edit 2: Auf YouTube ist die Doku auch aufgetaucht:

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Jan
28
2011
12

Surplus oder Konsumterror

Surplus oder Konsumterror“ ist ein Dokumentarfilm von Erik Gandini aus dem Jahre 2003, der in Zusammenarbeit mit ARTE entstand und in dem Jahr auch einen Preis auf dem Internationalen Dokumentarfilmfestival in Amsterdam errang. In teils furiosen und verwirrenden Bildern setzt sich der Autor mit der Globalisierung und dem auf Konsumismus basierenden westlichen Lebensstil sowie der kritischen Betrachtung von Reklame auseinander. Heise Online schreibt dazu:

(…) Allerdings will der Film auch keine Antworten liefern, sondern Fragen aufwerfen und zum Nachdenken anregen. Für John Zerzan sind Werbespots die wirkungsvollste Kommunikationswaffe, die der Mensch erfunden hat: In weniger als 30 Sekunden wird der Empfänger der Botschaft zu einem gefügigen Sklaven gemacht udn als eine Ansammlung solcher Spots ist der Film zu verstehen.

Wir sind dem Konsumterror ausgesetzt. Und “Surplus oder Konsumterror” stellt den Versuch dar, die Kommunikations-Sklaven der ersten Welt – ein Fünftel der Bevölkerung verbraucht vier Fünftel der natürlichen Rohstoffe – zum Nachdenken zu bringen… (…)

(…) Neben Bildern aus Kuba, die mit leeren Läden nicht wirklich von einer besseren Welt überzeugen können und mit monotonen “Reis und Bohnen”-Slogans unterlegt werden, wird auch ein absurder Besuch einer Liebespuppenfabrik gezeigt, in dem die 6000 bis 7000 Dollar teuren Gespielinnen kopflos an Ketten von der Decke hängen wie Tiere im Schlachthaus. Dazu kommt noch ein Internet-Millionär, der vom Geldausgeben gestresst ist und jammert: “Manchmal vermisse ich das billige Leben wie verrückt”.
All diese Bilder sind beeindruckend, erdrückend, doch eben auch verwirrend. (…)

Das Ganze gibt es als kostenlosen (und legalen!) Download bei Archive.orgHIER. Oder zum Onlineschauen bei Google Videos (und in den üblichen Häppchen bei YouTube):

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Jan
12
2011
6

Abgesang auf die Plastiktüte

Dass Plastik in der Masse, wie es unsere Wegwerfgesellschaft täglich tonnenweise produziert, Mensch und Natur schädigt, und vieles davon auch noch unsinnigerweise verwendet wird, hatte ich ja vor einer Weile schon berichtet („Kampf den Plastiktüten“). Auch der Film Plastic Planet zeigte in erschreckender Weise, wie weit Plastik mittlerweile in den (ehemals) natürlichen Kreislauf eingedrungen ist und Tiere tötet und zu genetischen Veränderungen und Defekten (Unfruchtbarkeit) führt (siehe auch HIER). Arte brachte vor einiger Zeit die Dokumentation „Plastik über alles“, die sich ebenfalls sehr kritisch damit auseinandersetzt, was es für uns alle und zukünftige Generationen bedeutet, wenn wir so weitermüllen wie bisher [via Auftragselfe]; hier Teil 1:
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Nov
14
2010
3

The Story of Electronics – So funktioniert die HighTech-Industrie

Na, das ging ja jetzt flott – nur wenige Wochen nach The Story of Cosmetics präsentiert uns die US-Aktivistin Annie Leonhard mit The Story of Electronics eine weitere animierte Kurzdoku im Rahmen ihres ambitionierten The Story of Stuff-Projekts. Der gleichnamige Film, mit dem die Reihe letztes Jahr begann, zeigte auf amüsante wie gleichzeitig eindrückliche Weise, wie unser Wirtschaftssystem die Umwelt zerstört, wie Marketing & Reklame die Gesellschaft zersetzen und unser gifitiger Müll Natur wie Menschen belastet. Der neue Beitrag behandelt nun eine weitere Facette unseres modernen Lebens – unsere Abhängigkeit von elektronischen Gadgets (ohne die Ihr allerdings auch weder den Kurzfilm noch meine Zeilen hier lesen könntet) und die Umweltsauereien, die die Produktion dieser oft nur kurzlebigen Produkte nach sich zieht, deren Wegwerfcharakter durch das Anheizen von Moden, Hypes und Trends durch die Unternehmen natürlich noch verstärkt wird.

The Story of Electronics, released on November 9th, 2010 at storyofelectronics.org, takes on the electronics industry’s “design for the dump” mentality and champions product take back to spur companies to make less toxic, more easily recyclable and longer lasting products. Produced by Free Range Studios and hosted by Annie Leonard, the eight-minute film explains ‘planned obsolescence’—products designed to be replaced as quickly as possible—and its often hidden consequences for tech workers, the environment and us. The film concludes with an opportunity for viewers to send a message to electronics companies demanding that they “make ‘em safe, make ‘em last, and take ‘em back.”

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Okt
20
2010
5

Fernsehtipp: „Frisch auf den Müll“ (ARD, Mi. 20.10., 23:30 Uhr)

Hier auf die Schnelle noch ein (vermutlich) spannender Fernsehtipp für heute Abend, der den Wahnsinn unserer Konsum. und Wegwerfgesellschaft beleuchtet:

“Frisch auf den Müll” (Mittwoch, 20.10.2010 23:30 Uhr, Das Erste)

Mehr als die Hälfte unserer Lebensmittel landet im Müll! Das meiste schon auf dem Weg vom Acker in den Laden, bevor es überhaupt unseren Esstisch erreicht: jeder zweite Kopfsalat, jede zweite Kartoffel und jedes fünfte Brot. Das entspricht etwa 500.000 Lkw-Ladungen pro Jahr. Für die ARD-Themenwoche ‘Essen ist Leben’ (23. – 29. Oktober 2010) hat Regisseur Valentin Thurn das Ausmaß dieser Verschwendung international recherchiert – in den Abfall-Containern der Großmärkte, Lagerhallen und Supermärkte. Dokumentiert hat er überwältigende Mengen einwandfreier Nahrungsmittel, teilweise noch original verpackt, oft auch mit noch gültigem Mindesthaltbarkeitsdatum. Bis zu 20 Millionen Tonnen Lebensmittel werden jedes Jahr allein in Deutschland weggeworfen. Und es werden immer mehr!. Auf der Suche nach den Ursachen spricht Valentin Thurn mit Supermarktmanagern, Bäckern, Großmarkt-Inspektoren, Ministern, Bauern und EU-Politikern. Was er findet, ist ein weltweites System, an dem sich alle beteiligen. Alles soll jederzeit verfügbar sein, Supermärkte bieten durchgehend die ganze Warenpalette an, bis spät in den Abend muss das Brot in den Regalen frisch sein, zu jeder Jahreszeit gibt es Erdbeeren. Und alles muss perfekt aussehen: Ein welkes Salatblatt, ein Riss in der Kartoffel, eine Delle im Apfel – sofort wird die Ware aussortiert. Joghurtbecher landen schon zwei Tage, bevor ihr Mindesthaltbarkeitsdatum abläuft, im Müll. Dass die Hälfte der bereits produzierten Lebensmittel zu Abfall wird, wirkt sich verheerend auf das Weltklima aus. Die Landwirtschaft verschlingt riesige Mengen an Energie, Wasser, Dünger, Pestiziden und rodet den Regenwald, sie ist damit für mehr als ein Drittel der Treibhausgase verantwortlich.

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Nov
17
2009
5

Lebensmittel: Milliarden im Müll

Dass Deutschland zu den Ländern in Europa gehört, in dem Lebensmittel relativ gesehen mit am billigsten sind, wundert nicht, wenn man an das sich hierzulande besonders pestilenzartig ausbreitende Discountersystem denkt. Die Folgen sind aber auch unübersehbar, nämlich die Verschwendung von wertvollen Ressourcen – viele Lebensmittel wandern einfach auf den Müll, oft direkt vom Supermarkt in den Container, weil eine Packung angestoßen ist o.ä. Die WDR-Sendung markt brachte unlängst einen Bericht über das „Containern“ und ließ dabei sogar konsum- und systemkritische Töne dabei durchblicken (leider ist die gelungene kritische Anmoderation des Beitrags nicht mit bei YouTube archiviert) – „Lebensmittel: Milliarden im Müll“  (YouTube-Link):

Nach Berechnungen der Gesellschaft für Konsumforschung landen pro Haushalt jedes Jahr Lebensmittel im Wert von etwa 387 Euro im Müll. Das entspräche etwa zehn Milliarden Euro bundesweit. Handel und Verbraucher sind gefordert.

Nachts in einer deutschen Großstadt: Jan Kummerfeldt und Onur Sahin wühlten in einer Tonne auf dem Parkplatz eines Lebensmitteldiscounters. Die Ausbeute hier: einige Kilogramm Tomaten und Paprika sowie Granatäpfel. Die seien durchaus noch essbar, fanden sie. Ein- bis zweimal im Monat gehen sie auf Tour in ihrer Stadt. Nicht aus Not tun sie das, sondern aus Überzeugung: „Wenn ich sehe, dass die Granatäpfel Tausende von Kilometern transportiert wurden, um sie hier wegzuwerfen, dann ist das ein Irrsinn“, sagt Onur Sahin. Die beiden sind scharfe Kritiker der Wegwerf- und Überflussgesellschaft. Sie haben die Initiative gegen die Vernichtung von Lebensmitteln mitbegründet. Ziel ist es, das Thema öffentlich zu machen. (…)

Wer ist schuld?
Unter den Discountern tobt ein Preiskrieg. Die Lebensmittelpreise sinken immer weiter. Das sei eine Spirale nach unten, die irgendwo eine Grenze finden müsse, so Wolfgang Twardawa. Das sei nicht unbedingt eine populäre Einstellung, aber 100 Gramm Schweinebauch für 22 Cent, das könne nicht sein. Wenn etwas so billig sei, animiere der Handel den Verbraucher dazu, mehr zu kaufen, als er benötige. Und: „Wenn ein Lebensmittel so billig ist, dann hat es für den Verbraucher auch keinen Wert“, sagt der Vertreter der Großbäckereien Helmut Martell. (…)

Dazu passt auch dieser Artikel in der neuen ZEIT sehr gut – „Recycling: Abfall ist Nahrung“, in dem es um Michael Braungarts Cradle-to-Cradle-Ideen und -Konzepte geht:

(…) Der 51-jährige Chemiker und Umweltvisionär nutzt jede Gelegenheit, sich darüber auszulassen, wie viel in Sachen Umweltschutz in Deutschland falsch läuft. »Hier herrscht ein Ökologismus! So wie der Sozialismus nie sozial war, werden hier nur Scheinlösungen umgesetzt.« Deutschland und die EU erweckten mit ihren kleinteiligen Regulierungen und Grenzwerten zwar den Eindruck, etwas für den Umweltschutz zu tun. In Wirklichkeit optimierten sie nur falsche Systeme.

Braungart dagegen will das System richtig umbauen. Seine Idee: Produkte sollten am Ende ihres Lebens nicht mühsam entsorgt, aufbereitet oder verbrannt werden, sondern so konzipiert sein, dass sie sich mühelos in anderer Form weiterverwenden lassen. »Cradle to Cradle«, von der Wiege zur Wiege, so nennt er dieses Konzept, das er zusammen mit dem amerikanischen Architekten William McDonough vor acht Jahren entwickelt hat. (…)

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Jul
08
2009
5

Europäischer Elektroschrott vergiftet afrikanische Böden und Gewässer

In unserer Ex-und-Hopp-Gesellschaft, in der es immens wichtig ist, immer up to date und auf der Höhe der Trend-Zeit zu sein, sind Elektrogeräte, Hifi-Zeugs, Computer etc. längst keine langlebigen Güter mehr, sondern werden auch gerne nach Moden ausgetauscht bzw. bereits wegen kleiner Schäden weggeschmissen, weil Reparaturen sich nicht mehr lohnen. Eigentlich sind die Hersteller verpflichtet, die ganzen High-Tech-Sachen ordnungsgemäß zu recyclen, aber da dies natürlich Geld kostet, sind die Unternehmen (der globalisierten „Logik“ folgend) auf die Idee verfallen, den Schrott einfach nach Afrika zu verschiffen und dort dann von den Menschen ausschlachten zu lassen. Was vielleicht noch sinnvoll erscheint, wenn es sich um gebrauchsfähige Geräte handelt, wird zu einer die dortigen Menschen und Lebensgrundlagen bedrohenden giftigen Gefahr, wenn der hochkontaminierte Kram dort einfach in die Gegend gekippt wird, wo Leute leben und Kinder spielen. Das österreichische Fernsehen brachte vor einer Weile einen bedrückenden Bericht über den Export von Elektroschrott aus der EU nach Ghana – über die verseuchten Fische gelangt das Gift übrigens am Ende auch wieder zurück zu uns. Ein perverses System. [via fair-suchen]

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Mai
07
2009
1

Ex und hopp

cover-greenpeace-magazin-02-09Ich weiß nicht, wie viele meiner Leser auch das von mir an dieser Stelle schon einige Male erwähnte Greenpeace Magazin verfolgen – ich halte diese Zeitschrift ja für eine ausgesprochen gute, informative und vielseitige Publikation, die zudem auch Mut (und manchmal natürlich auch Wut) macht. Besonders angenehm ist ja die Werbefreiheit – da merke ich dann erst wieder, wie sehr die kommerziellen Botschaften, die sonst so in Heften auf einen einprasseln, das Gehirn und das Sichtfeld verkleben. In ihrer Ausgabe 02/2009 war eines der zentralen Themen verschwenderischer Konsum, und da dies so prima in meinen Blog passt, möchte ich den Artikel „Ex und Hopp. Wie unsere Wegwerfgesellschaft gedankenlos Ressourcen verschwendet“ hier explizit empfehlen. Wie beim Greenpeace Magazin üblich kann man nämlich alle vergangenen Hefte komplett online nachlesen! (In Papierform finde ich es aber noch immer angenehmer…) Leider fehlt bei dieser Onlineversion versehentlich noch der im Heft zu findende Abschnitt über die Ex- und Hopp-Mentalität der Menschen bei Elektronik, schade. Aber der Rest ist dort komplett nachzulesen, z.B.:

Das Erdöl reicht nur noch für 45 Jahre, trotzdem fahren wir überdimensionierte Spritschlucker. Jeder siebte Mensch auf der Welt hungert, trotzdem werfen wir Millionen Tonnen Lebensmittel in den Müll. Deutschland gehen die Facharbeiter aus, doch fast jeder Zehnte verlässt die Schule ohne Abschluss.

Verschwendung hat viele Ursachen: Gedankenlosigkeit, Bequem­lichkeit, Gier, bürokratische Auswüchse – oder schlicht die Logik der industriellen Produktion. Die ersten Brote nach Anfahren der Backstraße sind nun mal Ausschuss. Das neue Eigenheim soll bitte schön auf der grünen Wiese stehen, nicht auf einer sanierten Industriebrache. Wir zahlen steigende Krankenkassenbeiträge und werfen ein Fünftel unserer Medikamente unge­braucht weg.

Wir simulieren Überfluss. Dabei verschwenden wir nicht nur jede Menge Geld, sondern vernichten auch die Lebens­grundlagen unserer Kinder. „Würden alle Menschen auf der Welt so leben wie wir in Deutschland, würden selbst zwei Planeten nicht ausreichen”, sagt der Wirtschaftsexperte Jürgen Knirsch von Greenpeace.

(…) Mehr als 120 Liter Mineralwasser trinkt ein Durchschnittsdeutscher im Jahr. Rund 20 davon kommen nicht aus den über 200 Mineralbrunnen im Land. Schicker erscheint das Stille aus dem fran­zösischen Zentralmassiv oder das Spritzige aus Italien. Nur verbraucht die Fahrt von den Vogesen nach, sagen wir, Berlin pro Wasserkasten bis zu einem halben Liter Diesel.

(…) 113 Hektar Land werden in Deutschland täglich „verbraucht“. Das entspricht etwa 160 Fußballfeldern – voll mit neuen Eigen­heimen, Einkaufszentren und Parkplätzen, mit Sportanlagen, Campingplätzen und Autobahnen. Pro Jahr gehen so 412 Quadratkilometer Wiesen und Äcker verloren – mehr als die Fläche Bremens. Laut „Nationaler Nachhaltigkeitsstrategie“ soll der tägliche Flächenfraß bis 2020 auf 30 Hektar begrenzt werden. Doch noch hat sich nichts zum Besseren gewendet.

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