Apr
14
2010
13

Adblocking

logo-adblock-plusLustig – angeregt durch die Zuschrift eines Lesers habe ich in meinem Firefox-Browser auch endlich das grandiose Adblock Plus-Plugin installiert, das mittlerweile eine Qualität erreicht hat, wie man sie sich wünscht. Wurde die Performance des Rechners durch den Adblocker früher eher noch verringert und manches an eigentlichem Inhalt weggeblockt, so kann man mit der Erweiterung in der Version 1.1.3 inzwischen wirklich ganz entspannt durchs Netz surfen, ohne dass einen nervige, bunte, blinkende Reklame den Blick verbaut (Ausnahme: die besonders lästigen Layer-Ads). Selbst Websites wie Myspace, die sonst zu 2/3 aus Kommerzpropaganda für McDoof und ähnliche Konzerne bestehen, werden nun plötzlich wieder halbwegs ansehnlich. Großartige Sache – hier gibt es das Plugin, natürlich kostenlos: https://addons.mozilla.org/de/firefox/addon/1865

Ich empfehle das Abonennement für Deutschland auszuwählen, dann werden die wichtigsten Websites hierzulande gleich richtig von den Reklameeinblendungen entkernt.

Das Lustige? Nun, ich hatte gerade vor, diesen Beitrag über das Add-on zu schreiben, da erreicht mich ein Hinweis einer Blogleserin, die mich auf einen Artikel im österreichischen Der Standard aufmerksam macht – „Werbeblocker gefährden Arbeitsplätze“ heißt es da. Bekanntermaßen kann man mit dem Erhalt von Arbeitsplätzen heutzutage ja alles rechtfertigen, also auch die visuelle Zumüllung des Gesichtsfeldes der Benutzer, und die omnipräsente Gegenwart von Kaufpropaganda und Dauerkommerz, an die wir uns mittlerweile fast schon gewöhnt haben, die aber nicht wirkungslos an uns vorüber geht, da sich gewisse Marken und Logos tief in uns einbrennen, wenn wir sie dauernd zu Gesicht bekommen. Okay, ich klicke sowieso nie auf einen Werbebanner, somit ist es für die Firmen eher von Vorteil ist, wenn ich sie nicht negativ mit Reklame in Verbindung bringe… :-)

Die Diskussion, die der Standard da anfacht, ist aus zweierlei Hinsicht aber nicht so einfach zu ignorieren – zum einen wegen der von mir schon angesprochenen einseitigen Präferierung des Kommerzgedankens gegenüber der Unbeschadetheit des eigenen Geistes durch Weglassung von Reklame. Gerade, weil Der Standard eine eher linke Zeitung ist, finde ich es schon bemerkenswert, dass dieser Adblocking-Trend nicht etwa als Anlass genommen wird, sich vielleicht zu überlegen, ob Geschäftsmodelle, die darauf aufbauen, Menschen mit etwas zu nerven was diese nicht wollen, was sie stört und ärgert, eventuell nicht nachhaltig und kontraproduktiv sind. Auf der anderen Seite muss man natürlich auch ganz klar sehen, dass in unserem heutigen System die Werbefinanzierung viele Angebote, die wir im Internet gerne und umsonst annehmen, erst ermöglicht und tatsächlich also Menschen davon leben. Eine zweischneidige Sache also, wenn man Reklame automatisch wegblockt. Der Preis für die kostenlosen Netzangebote ist aber  eben sehr hoch, nämlich die permanente Berieselung mit Reklame und das Weichkochen und allmähliche Einsickern ds Kommerz in jede Ritze des Lebens – man muss sich fragen, ob dieser Preis, den die Gesellschaft zahlt, letztlich nicht zu hoch ist. Die meisten User, die etwas zu dem Standard-Artikel schrieben, befürworteten die Adblocker und bekräftigten ihre Genervtheit von den Reklameeinblendungen, die ja teilweise in Richtung Nötigung gehen (gerade bei den von mri schon erwähnten Layer-Ads).

Diese Diskussion entbrannte unlängst auch im Blog von Brian Carper – sein Beitrag mit dem sympathischen Titel „Advertising is devastating  to my well-being“ spricht sich eindeutig für Adblocker aus, und in der anschließenden Debatte in den Kommentaren ging es dann wiederum hoch her! Carper verfolgt einen durchaus radikalen Ansatz:

(…) Here’s the state of the world today: I can’t drive down the street without seeing billboards everywhere. The radio is literally 25 to 50% ads, which is why I don’t listen to the radio. Television is what, 20 minutes of commercials per hour? Which is why I haven’t had television in 6 years. Newspapers and magazines are saturated with ads, and of course I don’t read them either. Even then, ads are nearly unavoidable. (…)

(…) Businesses are not your friends. Businesses are not ethical entities. Businesses do not deserve the benefit of the doubt. Businesses exist to milk you of as much of your money as possible. The only sane reaction for the average person is a similar one: I want to deprive businesses of my money. I want to get as much from them as I can, while giving up as little as possible.

If I politely suggested that it’s „unfair“ for a business to have such a huge profit margin, and „if they cared about their customers, they would lower all their prices“, I’d be laughed at. Why would a company do anything less than the absolute most they can do to bleed money out of me, after all? I laugh at any business which says the same thing to me. I will bleed you of product, as far as it’s legal to do so. It so happens that advertisements are devastating to my well-being. (…)

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Jul
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2009
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Nervige Internetwerbung schadet dem Firmenimage

bild-61Die Zeiten, als das Internet noch ein quasi kommerz- und werbefreier Raum war, sind lange vorbei. Heutzutage begegnet dem Surfer auf Schritt und Tritt ungebetene Kaufpropaganda, die Bandbreite kostet und an den Nerven zerrt, manchmal sogar den Zugriff auf die eigentlichen Informationen erschwert. Dies ist ein so großes Ärgernis geworden, dass Popup-Blocker schon standardmäßig in modernen Browsern integriert sind und Adblocker sich ebenfalls großer Beliebtheit erfreuen. Aber die Werbebranche wäre nicht die Werbebranche, wenn sie sich nicht einen feuchten Kehricht um die Wünsche der Menschen scheren würde und statt dessen permanent auf Abhilfe sinnt, um ihre „Botschaften“ doch noch irgendwie dem User gegen dessen Willen aufs Auge zu drücken. Seit einer Weile boomen deshalb die besonders lästigen sog. „Layer-Anzeigen“, also Reklame, die von links oder von rechts in eine Seite reinrollt und den ganzen Inhalt überdeckt – und auch nicht mehr automatisch weggeblockt werden kann. Die Werber reiben sich erfreut die Hände ob solcher „Erfolge“, die Internetbenutzer hingegen sind sauer. Dies belegt nun auch eine aktuelle Studie: „Layer-Werbung schadet dem Firmen-Image“, die sich die verantwortlichen Marketingleute vielleicht mal zu Herzen nehmen sollten (zu dem Thema intrusive Reklame werde ich sicher auch noch öfter hier im Blog etwas schreiben (müssen)):

So schenken Internet-Nutzer den Layer-Anzeigen zwar, gezwungenermaßen, verhältnismäßig viel Aufmerksamkeit, empfinden sie dabei jedoch als aufdringlich und akzeptieren sie nur in den seltensten Fällen. Letztlich kann sich die Nutzung dieser Werbeform sogar negativ auf das Image des anwendenden Marketers auswirken.

So gab in einer Umfrage unter Internet-Usern im Alter von 18 bis 45 Jahren die überwältigende Mehrheit von 97 Prozent an, sich an dieser Art von Werbeeinblendungen zu stören. Knapp 43 Prozent erklärten sogar, dass Layer-Werbung extrem stört und sie bestrebt sind, Websites mit solchen Werbeformen gar nicht erst zu besuchen. Doch damit nicht genug, bei immerhin 68 Prozent der Befragten produzieren Werbeeinblendungen durch Layer zudem einen erheblichen Image-Verlust: 40 Prozent geben an, dass bei ihnen die jeweiligen Firmen bzw. Produkte an Ansehen verlieren, 28 Prozent gehen sogar soweit, zu sagen, dass sie künftig bei anderen Firmen einkaufen wollen. Trotz mangelnder Akzeptanzwerte und der potenziellen Gefahr für das Marken-Image verzichtet jedoch nur ein Teil der Werbenden auf Layer-Anzeigen.

Ein weiteres Beispiel dafür, wie der Zwang zur Kommerzialisierung und der Erhöhung des Marktwertes auf vielen Websites eindeutig gegen die Interessen der Benutzer geführt wird, bietet seit neuestem die Musiknerd-Site last.fm. Bisher war es so, dass man sich das Album einer Band im dort integrierten Player komplett auf einer Seite anhören konnte (sofern die Band die Musik zur Verfügung stellt, natürlich). D.h. mit einem Seitenaufruf war man dort, wo man hin wollte und durfte sich die Musik dann auch in einem Rutsch anhören. Nun ist last.fm auf die Idee verfallen, dass es doch viel einträglicher für den Verkauf der Werbeplätze ist, wenn man die Klickraten steigert und fortan jeder Song nur noch einzeln auf einer jeweils eigenen Seite zu hören ist. Da dieses Vorgehen keinen Nutzen, sondern nur Nachteile für den User bedeutet, zeigt sich wieder einmal, wie der Hase auch im Internetbusiness läuft (zumal, seitdem last.fm vor einiger Zeit vom Mediengiganten CBS aufgekauft wurde).

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