Feb
17
2012
0

Logo- & Sloganpersiflagen

Es wird an der Zeit, dass ich mal wieder etwas zum Thema Adbusting im Blog veröffentliche – da ich mich irgendwie noch im „Blog-Winterschlaf-Modus“ befinde, also mit gebremstem Schaum poste, möchte ich Euch heute nur kurz die wunderbare Seite bootlegs | logopersiflagen vorstellen, die auf soup.io gehostet wird, sprich, es handelt sich um einen „endlos scrollbaren“ Blog. In diesem Fall randvoll mit bis zur Kenntlichkeit verfälschten Konzernslogans und -logos. Sehr inspirierend, und natürlich auch sehr entlarvend.

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Aug
23
2011
4

Lesetipps: No Logo | Fußball als Täuschung | Prosumer | Produzieren ohne Geld

© colsart, stock.xchng

No Logo!“ – so lautet der Titel des globalisierungskritischen (modernen) Klassikers der amerikanischen kanadischen Schriftstellerin Naomi Klein. Und dieses Motto hat sich auch die taz zu eigen gemacht, unter dem die taz-Sportredaktion für zwei Wochen unterwegs ist – angesichts der immensen Zupflasterung von Sportlern, Arenen und Sportstätten mit Reklame und Sponsoren-Logos haben sie beschlossen, in der Zeit alle Werbehinweise auf Sportfotos auszupixeln, um den Blick wieder unverkleisterter auf das Wesentliche zu lenken: den Sport. (Okay, es ist sowieso klar, dass heutiger Profisport im Prinzip ein Wirtschaftsfaktor ist und es auch dort unter dem Strich nur noch um Profite geht – Fußballvereine werden wie Unternehmen geführt, Großkonzerne wie Red Bull kaufen sich gleich ihre eigenen Clubs, die primär als Ergänzung der sonstigen Werbestrategie dienen.)

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Mai
28
2010
3

Adbusting / Markenhacken

schneider_peanuts_klein2Letzte Woche schrieb mich Paul Kalkbrenner (ja, DER Paul Kalkbrenner!) an und wies mich darauf hin, dass er in den 90ern ebenfalls in punkto Adbusting aktiv gewesen ist; vor allem im Rahmen seines Abgang!-Merchandising, in dem er verfremdete und parodierte Logos in T-Shirt-Form verbreitete. Bereits 1997 hielt er einen bemerkenswerten Vortrag auf dem Chaos Communication Congress ’97 zum Thema „Adbusting / Markenhacken“, den ich Euch als heutige Leseempfehlung ans Herz legen möchte. Denn leider haben die Aussagen, die Herr Kalkbrenner dort tätigt, auch heutzutage nichts an Aktualität verloren – der Kommerz blüht eher noch stärker als ehedem… Aber glücklicherweise auch der Widerstand dagegen!

[...] Einer der bekanntesten Werbeideologen, Jacques Séguélas von der Agentur Euro-RSCG formuliert es so: “Die Werbung hat alles erobert… Sie ist zum Schulmeister unserer Kinder geworden, da sie bei ihren Lehrern nur Stunden absitzen, das Fernsehen dagegen tausend Stunden eifrig verfolgen. Sie sitzen gebannt vor unseren Spots, und so wird die Werbung auch zum Lehrmeister fürs Leben.”

Die Macht der Bilder, der visuellen Kommunikation, bleibt aber auch im Erwachsenenalter ungebrochen. Sie ist stärker als logische Argumente. Auch wenn du dich darüber erhaben fühlst, die Penetranz der Werbebilder dressiert dich trotzdem.

Deshalb arbeitet jede Werbung mit Bildern, deshalb sind erfolgreiche Marken Wort-Bild-Zeichen. Jeder kennt den Coca-Cola Schriftzug, ebenso wie das Lebensgefühl, das uns durch ungezählte Werbespots und Print-Kampagnen eingebleut wurde. Jeder kennt den Marlboro-Schriftzug und assoziiert ihn mit Freiheit und Abenteuer, Cowboy-Romantik und herber Männlichkeit. Selbst die Telekom hat es geschafft mit einem Werbeetat von über 500 Millionen DM tausende von Narren davon zu überzeugen, sich ihre in wenigen Tagen wertlosen Aktien zu kaufen. [...]

[...] Die Frage: “Where do you want to go today?” ist mittlerweile ein registriertes Trademark von Microsoft. Siemens hat vor wenigen Monaten erfolgreich eine schwule Kölner Telefongesellschaft verklagt und ihr untersagt, den Slogan: “Wir gehören zur Familie” zu benutzen, obwohl der Slogan “We are Family” seit Jahren fester Bestandteil der Schwulenszene ist.

Die Absurdität hat Methode. Obwohl wir zweifelsfrei im Kapitalismus bzw. der freien Marktwirtschaft leben, in der auch die Kunst längst zur Ware geworden ist, darf man als Künstler mit kritischen Adbusting-Werken keinen kommerziellen Erfolg haben. Konzernen wie Shell ist jedoch millionenschwere Augenwischerei, sprich Werbung, besserer Betrug am Verbraucher gestattet. [...]

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Mrz
26
2010
1

Logorama – Die Welt aus Logos

Reklamefritzen arbeiten ja weltweit daran, unseren Alltag so weit wie möglich mit Kommerzbotschaften, Logos und Slogans zu überschwemmen. Ganz so weit wie in dem Oscar-prämierten Kurzfilm von François Alaux, Hervé de Crécy und Ludovic Houplain sind sie dabei zum Glück noch nicht gekommen – „Logorama“ stellt eine bei aller Buntheit albtraumhafte Szenerie dar, die aus über 2000 Markenlogos produziert wurde. Noch omnipräsenter als hier können Konzerne nicht mehr sein… Auf Vimeo gibt es derzeit (noch) den ganzen Film zu bewundern, ansonsten kann man sich bei Adbusters den Trailer anschauen.

Logorama from Marc Altshuler – Human Music on Vimeo.

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Mrz
09
2009
3

Werbung schadet (4): Die Verschandelung des öffentlichen Raums und die Durchkommerzialisierung des Alltags

In meiner kleinen Aufklärungsserie „Werbung schadet“ möchte ich heute auf zwei eng miteinander verwobene Sachverhalte eingehen, die zu den vielen negativen Seiten der Reklame(industrie) zählen. Zunächst wäre da die Verschandelung des öffentlichen Raums, über die ich in meinem Blog ja schon des öfteren referiert habe (siehe den Artikel „Du kannst uns nicht entkommen” aus der ZEIT oder meinen Beitrag „Ban Billboard Blight – Kampf den Werbeplakaten” über den wachsenden Widerstand an der Zuplakatierung der Städte) – immer mehr ehemals freie Flächen dienen der Produktanpreisung und Präsentation einzelner Konzerne und lassen ihre unermüdlichen Konsumbotschaften pausenlos auf die Menschen einströmen. So manch einer merkt es vermutlich kaum noch bewusst, wenn er durch eine mit Schildern, Logos und Reklame zugepflasterte Innenstadt geht, und auch in den Geschäften (z.B. Supermärkten) wird ja meist weiter um die Aufmerksamkeit mit bunten Aufstellern und von den Marketingheinis ersonnenen Dumpfsprüchen gebuhlt. So wird die kommerzielle Propaganda der Firmen zu einem stetigen Hintergrundrauschen unseres Lebens – kunstvoll (und bedrückend) visualisiert durch den Kurzfilm „Kapitaal – Walking through a branded city“:

In „Die Allgegenwart der Werbung“ hat sich der Unser täglich Spam-Blog mal die Mühe gemacht und eine erschreckend lange (sicherlich immer noch unvollständige) Liste der Orte gemacht, an denen uns die Reklame im Alltag inzwischen überall begegnet (Ihr könnt sie dort im Beitrag selbst nachlesen) – spätestens dann wird das Ausmaß des Reklameproblems deutlich: man kann ihr an kaum einem Ort noch entkommen.

Der Aufwand, mit dem zurzeit Werbung betrieben wird, ist monströs. Er muss es auch sein, da mithilfe der Werbung eine große psychische Kraft im Individuum unten gehalten werden muss. Die meisten Menschen, die ehrlich zu sich selbst sind, werden unter „Selbstverwirklichung“ etwas deutlich anderes verstehen als die Reduktion des eigenen Selbstes auf das Dasein eines Konsumtrottels. Der Zweck der Werbung ist die Unterdrückung der Lust an der und am Ausleben der eigenen Persönlichkeit, das Ziel der Werbung ist kaufender Konformismus durch genormte, in gut behandelbare Zielgruppen passende Kunden. Jeder industriell produzierte Tinnef wird mit Hilfe der Werbung mit einer psychischen Kraft aufgeladen, die aus sehr persönlichen und gut unterdrückten Quellen stammt und über dieses Vehikel an den Kauftrottel gebracht — als Surrogat für ein wirkliches Leben.

bild-1Und die Kommerzialisierung schreitet schier unaufhaltsam voran – früher spielten Bands noch in der Ostsehalle Kiel, jetzt in der Sparkassen-Arena. „Meine“ Arminia aus Bielefeld kämpfte ehedem auf der Alm gegen den Abstieg, jetzt in der profanen SchücoArena. Der Sprusko-Blog (mit seinem die Kommerzmalaise gut zusammenfassenden Motto „Schund produzieren, um Schund zu konsumieren“) erstellte vor einiger Zeit seine „Top Ten der besonders bescheuerten (um)benannten Veranstaltungsorte“, und ließ darin keinen Zweifel, was er von dieser neuen Unsitte hält: nämlich nichts. Denn nicht nur vergewaltigen Namen wie die Lanxess Arena (früher KölnArena) oder easyCredit-Stadion das Sprachgefühl der Menschen und degradieren sie beim Sprechen über diese Hallen und Stadien zu unfreiwilligen Markenverbreitern, sondern selbstverständlich gelingt es den Konzernen so, ihren Namen auch in eigentlich sachlichen Berichterstattungen prominent zu platzieren, ohne dass man es offiziell als Schleichwerbung deklarieren würde. Dennoch führt dies dazu, dass Marken und Unternehmen allgegenwärtig sind und bleiben – die Akademie für Publizistik untersuchte in ihrem Ethikrat diese Problematik unter der Fragestellung „Zwingen Namen wie AWD-Dome zur Schleichwerbung?“ genau diese Problematik.

(…) ist es ein Ärgernis, dass Markenunternehmen es durch Namenskauf und Sponsoring schaffen, den Kernbereich journalistischer Berichterstattung zu infiltrieren: die Nachrichten. Wo die Sprache nüchtern und der Ton überwiegend sachlich sein muss, ist die Sensibilität für PR-Botschaften immer noch hoch. Ein Markenname, der ohne aktuellen Informationszusammenhang in den Nachrichten genannt würde – das ist sogar für ungeübte Leser und Hörer als Missgriff erkennbar, von Profis ganz zu schweigen.

Womit wir bei einem weiteren wichtigen Negativeffekt von Reklame angelangt wären, nämlich der gnadenlosen, keine Grenzen kennenden Durchkommerzialisierung des Daseins. Manchmal kommt sie so offen und aggressiv daher wie bei Werbepaketen, die unsere Blicke beim Bummel durch die Stadt beleidigen, oder bei TV-Spots, die die Spannungskurve eines Films zerstören, manchmal etwas weniger deutlich wie bei der eben angesprochenen Art und Weise, Sportveranstaltungen, Mannschaften (siehe das Team Telekom beim Fahrradsport) oder eben gleich Stadien oder gar komplette Fußballligen (Coca Cola Championship in England – irgendwann wird die 1. Fußballbundesliga hierzulande sicherlich Deutsche Bank- oder Telekom-Liga heißen) zu sponsern und damit in die Marketingstrategie eines Konzerns einzugliedern. Und diese Sponsorverträge gehen in aller Regel ja nicht nur damit einher, dass der Name des „Gönners“ überall groß erscheinen muss, nein, oft wird mit diesem Sponsoring dann auch in den Reklamekampagnen der Firmen groß geworben, um das eigene Image aufzupeppen, so dass die Verquickung der verschiedenen Ebenen (z.B. Sport oder Prominenz) mit Produkten und Unternehmen fast schon normal und selbstverständlich erscheint.

werbtr-klFolglich sickert die Logik der kommerziellen Verwertung von allen Aspekten des Lebens auch zunehmend in das normale Leben der Menschen – es wird von vielen schon als völlig natürlich, als Naturgesetz empfunden, private Nutzenmaximierung (koste es die anderen, was es wolle) und Profitorientierung als Lebenssinn zu betrachten (man höre sich nur die Floskeln so mancher neoliberaler Politiker an). Wer beispielsweise solche Sendungen wie Germany’s Next Top Model mitfiebernd verfolgt, setzt sich nicht nicht nur einem kranken, dümmlichen Frauen- und Menschenbild aus (auf diesen Punkt wird noch in einem gesonderten Beitrag einzugehen sein), sondern findet es offensichtlich auch vollkommen akzeptabel und  sogar unterhaltsam, dass sich dort junge Menschen (Models) einzig mit dem Ziel, auf ihre zukünftige kommerzielle Verwertbarkeit als Werbesubjekt hin durchleuchtet und optimiert zu werden, in die große Konsummaschine einspannen lassen.

Gerade das Kommerzfernsehen hat natürlich viel dazu beigetragen, Kommerz und Konsum zum alltäglichen Gegenstand ihrer Ausstrahlungen und damit dem Inhalt von dem, was viele Leute heute unter „Unterhaltung“ verstehen, zu machen und dabei „Content“ und Reklame/Kaufaufforderung untrennbar zu vermischen – was sicherlich auch die Absicht dieser Form des Fernsehens sein dürfte, denn so findet eine noch bessere Zielgruppenansprache und effektivere Verkaufsförderung statt.

Ich zitiere zum Abschluss noch einmal den Unser täglich Spam-Blog:

Dem traurigen gesellschaftlichen Zerfall unter dem Diktat der totalen Verwirtschaftung ging ein ebenso trauriger persönlicher Zerfall der meisten Menschen voraus, der ebenfalls unter dem Banner der totalen Verwirtschaftung vonstatten ging. Kaum etwas könnte den deprimierenden, gegenwärtig über die Gesellschaften ablaufenden Prozess besser illustrieren als die Allgegenwart der Reklame.

>> Teil 1: Die Versaubeutelung der Sprache
>> Teil 2: Die untrennbare Vermischung von Reklame und Redaktionellem
>> Teil 2b: Medienmanipulation durch Werbeentzug
>> Teil 3: Ressourcenverschwendung

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Mrz
06
2009
4

Brand spangled Banner

Zur Auflockerung in diesen unsicheren Zeiten ein paar Adbusting- und Adbusters-Videos, getreu dem Motto: „Das Unglück muss zurückgeschlagen werden“ bzw. „No Logo!“.

„Brand spangled Banner“

„Mastercard’s Priceless Adbust“

„WalMart Uncommercial“

„Logo Kids“

„Logorrhea“

„Adbusting“

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Nov
17
2008
1

„Werbung und Öffentlichkeit: Du kannst uns nicht entkommen!”

In der letzten Ausgabe der Zeit findet sich der sehr lesenswerte Artikel „Du kannst uns nicht entkommen!”, in dem sich Autor Hanno Rautenberg kritisch mit der Vereinnahmung des öffentlichen Raumes durch Werbekampagnen auseinandersetzt.

© Bernd Boscolo / Pixelio

© Bernd Boscolo / Pixelio

Immer dreistere Werbekampagnen erobern die Straßen und Plätze. Doch nun wehren sich die ersten Städte

Noch keine Diktatur war so gut gelaunt wie diese. So bunt und fröhlich, so hell erleuchtet. Sie will uns nichts Böses, ganz bestimmt nicht. Sie will uns verführen, will unser großes Glück. Doch wie in jeder Diktatur gibt es auch in dieser, in der Diktatur der Werbung, kein Entkommen. Wo wir auch hinschauen, überall hängen, kleben, flattern ihre Bilder und Zeichen. Werbung auf Litfaßsäulen und Plakatwänden, an Haltestellen und Bussen, Werbung auf Rolltreppen, Taxidächern, Bürgersteigen, Werbung noch an den höchsten Hochhausfassaden.

(…) Denn auch das ist ein Prinzip der Werbung: Sie muss sich ständig überbieten. Manche der Riesenposter, die seit einigen Jahren ganze Häuser verhüllen, sind groß wie ein Fußballfeld, damit auch ja niemand mehr an ihnen vorbeischauen kann. Anders als die Emailleschilder von einst sind sie kein städtisches Beiwerk, sondern erzeugen eine eigene übermächtige Wirklichkeit.

(…) Vernehmbare Proteste gegen solche Übergriffe hat es in Deutschland bislang kaum gegeben. In Frankreich hingegen entwickelte sich bereits vor einigen Jahren eine Art Widerstandsbewegung, und Jugendliche zogen in Gruppen los, um die plakative Verlockung plakativ zu bekämpfen.

(…) Reklame braucht also Grenzen, und einige Kommunen haben das verstanden. Nicht nur São Paulo, auch Paris verbannt neuerdings die Riesenplakate. Und überall wächst der Unmut, viele Bürger wollen die Durchökonomisierung des öffentlichen Raums nicht länger hinnehmen, sie wollen, dass die Städte wieder Stadt sind und keine dreidimensionale Dauerwerbesendung. So gut gelaunt die Diktatur der Plakate und Poster auch sein mag – der Bildersturm wird kommen. Das große Brausen ist schon zu hören.

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Okt
27
2008
1

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