Sep
26
2012
3

Lesetipps: Propaganda für Agro-Konzerne | Konzerne sind Plünderer | Occupy Apple | Mann ohne Geld

© Goat_girl, stock.xchng

Immer mal wieder – so auch neulich in der ARD-Doku „Wie billig kann Bio sein?“ – werden in den Medien ja großangelegte „Enthüllungen“ präsentiert, die beweisen (sollen), dass Bio ja doch gar nicht gesünder sei als konventionelle Lebensmittel, dass man also getrost weiterhin den Dreck kaufen kann, den einem die Industrie in Supermärkten und Discountern als „Lebensmittel“ unterjubeln will. Dass ein Bio-Apfel nicht mehr Vitamine hat als einer aus konventionellem Anbau, sollte eigentlich auch so klar sein, hängt der Vitamingehalt doch eher von der Sorte ab. Meistens werden aber die eigentlich wichtigen Punkte im Zusammenhang mit biologischem Anbau bei solchen Berichten gerne unterschlagen (statt dessen konzentriert man sich auf einige schwarzen Schafe der Branche) – dass weniger Pestizide verwendet werden, dass schonender mit den Ressourcen (wie den Böden) umgegangen wird etc. Natürlich läuft auch im Bioanbau einiges schief, wie immer in diesem auf Profit ausgerichteten System springen Konzerne auf alles, was Geld verspricht, und „optimieren“ die Kostenstrukturen anschließend. Autorin Kathrin Hartmann beleuchtet in ihrem Das Ende der Märchenstunde-Blog nun mal die Gegenargumente – „Stanford Anti-Bio-Studie: Propaganda für Agro-Konzerne“:

Schon erstaunlich, wie dieeinschlägige Journailleüberschnappt vor Glück, wenn sie, gefühlt einmal im Jahr,verkünden darf: “Bio ist gar nicht gesünder!”Ätschbätsch! Der Vorwurf, Bio habe nicht mehr Nährstoffe als konventionelles Obst und Gemüse, ist so alt wie dumm, schon seit Jahren trompeten die Anti-Bio-Propagandisten und Achse-des-Guten-Provokateure Dirk Maxeiner und Michael Miersch diese scheinbar “unbequeme Wahrheit” in die Welt. Aktuell sorgt aber eine haarsträubende Studie der US-amerikanischen Elite-Universität Stanford mit exakt dieser Botschaft für Aufsehen in den Mainstream-Medien. Großdenker des Springer-Blatts “Die Welt” erklärten Bio gar zum “kulturellen Placebo”. Dabei ist völlig klar: Ein Bio-Apfel hat nicht mehr Vitamine oder Mineralstoffe, es ist ja immer noch ein Apfel. Bio ist gesünder für Mensch und Welt, weil es keine Gentechnik enthält, keine Pestizide und keine Antibiotika. Pestizide und Mineraldünger vergiften Böden und Wasser, zerstören die Biodiversität und tragen zum Klimawandel bei. 40 000 Menschen sterben jedes Jahr an Pestizidvergiftung. Gerne führen Bio-Kritiker (so auch die Wissenschaftler von Stanford) an, dass die Pestizidrückstände auf Obst und Gemüse rückläufig seien. Stimmt. Doch dafür hat die Mehrfachbelastung zugenommen: um gesetzliche Grenzwerte zu unterschreiten, setzen Hersteller viele verschiedene Wirkstoffe ein. Welche Wirkung diese Giftcocktails haben weiß kein Mensch. (…)

(…) Stanford ist die reichste Universität der Welt, sie steht an der Spitze der Fundraising-Aktivitäten US-amerikanischer Universitäten. Allein in der fünfjährigen Kampagne “The Stanford Challenge” hat die kalifornische Elite-Uni 6,2 Milliarden Dollar Spenden eingesammelt. Diese Spenden stammen auch aus der Industrie oder von industrienahen Stiftungen. Stanford ist mit der Industrie eng verbandelt. Besonders innig verbunden ist Stanford mit dem umstrittenen Agrar-Konzern Cargill, weltgrößter Getriedehändler, Gentechnik-Befüworter (Cargill arbeitete mit Monsanto am umstrittenen Gen-Mais), Großimporteur von Futtersoja aus Brasilien und Palmöl aus Sumatra. Seit 25 Jahren ist Cargill Partner der Universität und hat während der vergangen zehn Jahre mindestens fünf Millionen US-Dollar an das Standford Center of Food Security and Environment Program (FSE) gespendet. Das FSE gehört zum (konzern-)spendenfinanziertenFreeman Spogli Institute for International Studies at Stanford Universtity (FSI), zu dem auch das Center for Health Policy gehört, das die Bio-Studie durchgeführt hat. Die Bill & Melinda Gates-Stiftung, die sich für konventionelle Landwirtschaft und Gentechnik stark macht und in die Konzerne Monsanto und Cargill investiert, unterstützt ein Programm des FSE und steht als Spender auf der FSI-Liste (Kategorie 5 Millione US-Dollar und mehr). Darüber hinaus gehört Jeffrey Raikes, CEO der Bill & Melinda Gates-Stiftung zum Board of Trustees der Stanford University. George H. Post wiederum, angehöriger des Board of Directors vonMonsanto, ist “Distinguished Fellow” im Stanford-Thinktank “Hoover Institution”, das großen Einfluss auf die US-amerikanische Politik hat.  (…)

Jean Ziegler, seines Zeichens Mitglied im beratenden Ausschuss des Menschenrechtsrats der UN, ist ja bekannt dafür, kein Blatt vor den Mund zu nehmen, wenn es um die Umtriebe der großen Unternehmen weltweit geht, die (nicht nur) seiner Meinung nach mit- oder sogar hauptverantwortlich für den Hunger auf der Welt sind. Anlässlich seines neuen Buches „Wir lassen sie verhungern“ hat ihn das Magazin Profil (durchaus kritisch) interviewt: „Konzerne sind Piraten und Plünderer“:

(…) profil: Die Schuld ­daran geben Sie dem Neoliberalismus, der Globalisierung, den Spekulanten. Warum blenden Sie alle anderen Gründe aus?
Ziegler: Die Haupttäter sind die Konzerne, und wir sind die Komplizen.

profil: Wer ist „wir“?
Ziegler: Wir Bürger, die nicht aufstehen und unsere Regierungen zwingen, die Konzerne zu kontrollieren. Es gibt zehn transkontinentale, unglaublich mächtige Gesellschaften wie Cargill, Archer Midland, Bunge oder Nes­tlé, die 85 Prozent des Nahrungsmittelhandels auf der Welt beherrschen. Die Konzerne funktionieren nur nach dem Prinzip der Profitmaximierung, das ist auch ganz normal. Wenn der Nestlé-Chef den Shareholder-Value nicht jedes Jahr steigert, ist er nach drei Monaten weg – ob er ein netter Mensch ist oder nicht. (…)

Na, und habt Ihr Euch auch schon alle brav das neue iPhone geholt? Ohne das man als moderner Mensch nicht überleben kann. Und das iPhone 5 ist natürlich so viel besser als das völlig veraltete, aus heutiger Sicht eigentlich unbenutzbare Vorgängermodell aus dem letzten Jahr! Wenn man so die Berichte in der Presse gesehen hat, die einen unglaublichen Wirbel um das neue Gadget gemacht hat, kann man eigentlich nur den Kopf schütteln. Spiegel Online hat, als das Ding vorgestellt wurde, auf der Startseite oben groß einen eigenen „News-Ticker“ zu diesem „Event“ geschaltet. Apple freut sich über solch kostenlose Reklame und kann sich die Hände reiben – in punkto Marketing macht ihnen niemand was vor. Das führt dann zu so grotesken Situationen wie „Occupy Apple“, wie Pressetext.com berichtet: „Occupy Apple verkauft Plätze in iPhone-5-Schlange – Hardcore-Fans werden im Netz durch den Kakao gezogen“:

“iSchafe” nennt Cnet jene unerschrockenen Apple-Fans, die weltweit vor ausgesuchten Apple-Stores übernachten, um sich die ersten neuen iPhones zu sichern. Überall im Netz machen sich Kommentatoren über die eifrigen Erstkäufer lustig. Aktivisten von Occupy Wallstreet haben derweilen eine produktivere Art von Kritik am Hype um den Hightechkonzern gefunden. Sie stellen sich unter dem Motto “Occupy Apple” selbst in die Schlange, um ihre Plätze kurz vor Ladenöffnung an wohlhabende Geschäftsleute zu verkaufen. Die Einnahmen werden anschließend gespendet. (…)

Damit es aber nicht immer nur die armen Apple-Leute trifft – Samsung macht Apple inzwischen ja einiges nach, auch die unwürdigen Arbeitsbedingungen bei der Produktion ihrer Unterhaltungselektronik – „Miese Arbeitsbedingungen: Scharfe Kritik an Samsung und Apple“:

Mit der Verleihung des Public Eye-Awards ist Samsung eine zweifelhafte Ehre zuteilgeworden. Wegen der Arbeitsbedingungen in seinen Fabriken wurde das Unternehmen in einer Online-Abstimmung unter den “schlimmsten Unternehmen” weltweit auf Platz 3 gewählt. (…)

Samsung wird vorgeworfen, bei der Produktion seiner Elektronikprodukte die Gesundheit von Arbeitern bewusst zu gefährden und sogar deren Tod in Kauf zu nehmen.

Laut den Initiatoren des Negativpreises setzt Samsung in der Herstellung hochgiftige Chemikalien ein, ohne die Angestellten über die Gefahr zu informieren. Dadurch seien bereits 50 Mitarbeiter gestorben und circa 140 ernstlich erkrankt. Samsung selbst bestreitet dies, wurde aber mittlerweile dazu verurteilt, zwei an Leukämie erkrankte Mitarbeiter zu entschädigen. Ein südkoreanisches Gericht sah es als erwiesen an, dass die Krankheit mit der Arbeit mit krebserregenden Stoffen in Zusammenhang steht, obwohl die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte nicht überschritten worden waren. (…)

Am besten, man versucht ohne all dieses Spielzeug auszukommen – den Versuch hat Mark Boyle unternommen, der ein ganzes Jahr ohne Geld auskam, und uns darüber in einem Buch berichtet. Utopia stellt das Werk kurz vor (und nimmt mir damit dankenswerter Weise die Arbeit einer eigenen Rezension ab :-) – „Der Mann ohne Geld“:

Be the change you want to see in the world. Inspiriert durch diese Worte Mahatma Gandhis stand im Jahr 2008 für den damals 29-Jährigen Wirtschaftswissenschaftler, und Gründer der Freeconomy-Bewegung, Mark Boyle fest, sein Leben von Grund auf umzukrempeln. Ab sofort wollte er auf jeglichen Konsum verzichten und zwölf Monate ohne Geld verbringen. Begonnen hat Boyle dieses Jahr passender Weise am Internationalen Kauf-nix-Tag.
Doch wie kommt man bloß auf die Idee, eine so lange Zeit ohne Geld auskommen zu wollen? Für Boyle war es die Feststellung, dass die Menschen viel zu distanziert von den Gütern sind, die sie konsumieren. Das Geld wird auf den Tisch gelegt, aber wofür genau, weiß man meist nicht. Die direkten Auswirkungen unseres Kaufverhaltens auf Mensch, Tier und Umwelt können (oder wollen) wir nicht mehr sehen. Denn müssten wir unser Gemüse selbst anbauen, würden wir es niemals so unachtsam wegwerfen. Müssten wir sehen, unter welchen Bedingungen Tiere geschlachtet werden, würden wir vielleicht aufs Wurstbrot verzichten. Müssten wir unser Trinkwasser selbst reinigen, würden wir es nicht so verschwenden. Die Reihe lässt sich unendlich fortsetzen. Doch wer macht sich heutzutage noch Gedanken um die Herkunft seiner Einkaufswaren? Geld stellt für die Menschen eine Sicherheit dar. Es hat die Macht über die Welt ergriffen. Doch Boyle selbst sagt, “dass Freundschaft und nicht Geld wahre Sicherheit bringt. Und dass die größte Armut hier im Westen spiritueller Art ist. Dass Unabhängigkeit in Wahrheit der wechselseitigen Abhängigkeit bedarf. Und dass, wenn du keinen Plasma-Bildschirm-Fernseher besitzt, die Leute denken, dass du ein Extremist bist.” (…)

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Spekulation mit Essen – Banker werden nicht satt

Auf die „armen“ Banken und Banker wird ja nun schon seit Jahren von vielen Seiten eingeschlagen – sei es in den Medien, seien es Politiker oder andere gesellschaftliche Vertreter. Um so erstaunlicher ist es, dass sich am gesamten Bankensystem und ihrem Einfluss auf Wirtschaft und Leben der Menschen dennoch nichts wirklich verändert hat – woran man erkennen kann, wie die Machtverhältnisse in dieser Welt wirklich verteilt sind. Nun gibt es eine Vielzahl von Dingen, die man am Treiben der Banken anprangern kann, von Spekulationen mit Immobilien, Rohstoffen oder Währungen bis hin zum Wetten gegen ganze Staaten. Auch kann man sich über die Großspurigkeit dieser „Leistungsträger“ aufregen, die doch tatsächlich gar nichts leisten, vor allem keinen positiven Beitrag zur Gesellschaft, und Ackermanns schon legendäres Victory-Zeichen abstoßend finden. Vollkommen zu Recht.

Aber gerade dann, wenn sich „Investoren“, wie man Spekulanten in Börsensendungen ja auch gerne beschönigend nennt, auf Bereiche stürzen, die eine besonders hohe Rendite versprechen, die dann jedoch zu Lasten der Allgemeinheit geht, sollte eigentlich jegliches Verständnis für die Tätigkeiten der Banken zu Ende sein. Zu den perfidesten Dingen, auf die sich die Zocker der Welt nun eingeschossen haben, gehören die Spekulationen auf und mit Nahrungsmitteln. Die Rechnung ist ganz einfach: es gibt immer mehr Menschen auf der Welt, während sich die Ackerfläche nicht nenennswert erhöhen lässt, ja sogar „Dank“ dieses ausbeuterischen Wirtschaftssystems zurückgeht, so dass die Preise auf Nahrungsmittel langfristig steigen werden. Was liegt da – in den Augen eines bar jeglicher Moral und Mitgefühls handelnden Finanzsüchtigen – näher, als hier Geld hineinzupumpen und ordentlich an den Preisschwankungen zu verdienen? Ich finde, dass sich die Abgefeimtheit des Finanzsystems hier am deutlichsten zeigt und man sich schon fragen muss, wie weit unsre Gesellschaft degeneriert ist, dass sie so etwas zulässt, statt die Verantwortlichen zu teeren und zu federn und vor die Stadtmauern zu jagen…

Die letzte quer-Sendung bot auch zu diesem Thema einen passenden Beitrag – „Spekulation mit Essen: Banker werden nicht satt“:

Wer sehr sparsam ist und immer auf den Preis achtet, merkt es: Nahrungsmittel werden teurer. Die Uno geht davon aus, dass dieser Trend auch anhalten wird. Mitverursacher dieses Preisanstiegs sind – mal wieder – die Spekulanten an den Rohstoffbörsen, was von Verbraucherorganisationen verurteilt wird. Und die Bauern in Bayern sind erst mal ratlos – auch sie spekulieren an den Börsen – aber nur zu ihrer Sicherheit.

Und auch Frontal 21 beschäftigte sich mit der Nahrungsspekulation: „Geschäfte mit dem Hunger – Spekulanten treiben Lebensmittelpreise “:

Banken und Fonds spekulieren mit Rohstoffen, erzielen hohe Renditen und treiben dadurch die Lebensmittelpreise in die Höhe. 40 Millionen Menschen stürzte das allein 2010 in Armut und Hunger, so die Weltbank.

Jetzt will das EU-Parlament dafür sorgen, dass die Macht der Spekulanten auf den Rohstoffmärkten begrenzt wird. Doch zahlreiche Finanzmarktlobbyisten halten in Brüssel dagegen, wollen die Gewinne der Branche sichern.

Joost Mulder war bis vor kurzem Bankenlobbyist. Er hat die Seiten gewechselt, arbeitet jetzt für die bankenkritische Organisation Finance Watch in Brüssel. Mulder stehen 700 Bankenlobbyisten gegenüber.

Thilo Bode, Gründer und Geschäftsführer der Nichtregierungsorganisation foodwatch, fordert im Frontal21-Interview das Verbot von Spekulationen mit Lebensmitteln. Diese Spekulationen verschärfen seiner Meinung nach die Armut. “Menschen sterben daran”, so Bode.

Frontal21 über das Geschäft mit dem Hunger.

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Sep
06
2011
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Taste the Waste – die große Verschwendung

Wir leben in einer Überflussgesellschaft – und einer Wegwerfgesellschaft. Dass es sich dabei keineswegs bloß um hohle Phrasen handelt, die man lediglich hin und wieder von nörgeligen alten Herren zu hören bekommt, die auch meinen, dass „früher alles besser“ war, sondern vielmehr um eine leider zutreffende Beschreibung der Realität, die uns umgibt, will Valentin Thurn in seinem neuen (trotz des englischen Titels deutschsprachigen) Dokumentarfilm „Taste the Waste“ verdeutlichen. Ab dem 8. September läuft er in deutschen Kinos an und wird hoffentlich für so manches Stirnrunzeln sorgen. Denn dass in den westlichen Industrienationen ein Drittel der Lebensmittel auf dem Müll landet, ist schon ein Skandal, wie ich finde.

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Die Millenniums-Ziele kritisch und humorvoll beleuchtet

Durch eine Mail wurde ich auf diese schöne Aktion von Oxfam Deutschland aufmerksam gemacht – Oxfam ist eine Hilfs- und Entwicklungsorganisation, die sich für eine gerechtere Welt einsetzen. Ein hehres und löbliches Ziel, zu dem nun auch ihre neue Kampagne beitragen soll – das I.N.F.A.M., das Institut für angewandte Millenniumsforschung, eine virtuelles Institut, soll auf satirische Weise die sogenannten Millenniumsziele thematisieren und zeigen, wie weit (oder eben nicht) die Weltgemeinschaft auf dem Weg der Erfüllung dieser Ziele bereits gekommen ist. Dazu eine kurze Definition dessen, worum es hier überhaupt geht – „die Millenniumsziele in zwei Minuten“:
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2010
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Fernsehtipp: „Hunger“, ARD, 22:45 Uhr

In der ARD ist ja gerade Themenwoche Ernährung, und so läuft heute um 22:45 Uhr die Dokumentation „Hunger“ von Marcus Vetter und Karin Steinberger:

Der Dokumentarfilm “Hunger” erzählt, wie Menschen, Gruppen und Organisationen darum ringen, eine der schlimmsten sozialen, politischen und ökonomischen Tragödien unserer Tage zu bewältigen: den Hunger in der Welt.

In fünf Ländern, oft jenseits der Grenzen von Zivilisation und menschenwürdiger Existenz, stellen Marcus Vetter (SWR) und Karin Steinberger (SZ) die Frage, warum bisher viele Konzepte von Entwicklungspolitik versagt haben. Von Haiti, wo die mittellosen Bauern mit den Zauberworten Freihandelspolitik und Strukturanpassung gelockt wurden, bis nach Kenia, wo die Eingeborenen wegen riesiger Blumenplantagen einen unbezahlbaren Preis für Wasser entrichten sollen. Warum ist die Bekämpfung von Hunger so schwierig? Fakt ist: Es werden zehn Prozent mehr Lebensmittel produziert als man benötigt, um alle Menschen satt zu bekommen. Marcus Vetter und Karin Steinberger sind in fünf Ländern auf Spurensuche gewesen: Was sind die Gründe für Hunger?

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Jul
13
2010
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Wege aus der Hungerkrise – Erkenntnisse aus dem Weltagrarbericht

Da ich gestern bereits über bedenkliche Entwicklungen in einer immer stärker industralisierten und auf Megalomanie zusteuernden Landwirtschaft schrieb („Toscanella, die Gift-Tomate“), passt es doch bestens, heute dafür mal über mögliche Auswege aus diesem Dilemma zu berichten. Aufmerksam wurde ich auf den Weltagrarbericht im Der Moustachio-Blog, der Gudrun Kamasch aus dem Slow Food Magazin zitiert:

Ökologischer Landbau ist kein Luxus für die Reichen – vielmehr, und das ist die großartige Botschaft des Weltragrarberichtes, die Voraussetzung und Grundlage dafür, Nahrung für alle Menschen nachhaltig zu sichern, den Menschen ihre Ernährungssouveränität zurückzugeben.

Zu besagtem Weltagrarbericht, der von 500 Wissenschaftlern im Auftrag der Vereinten Nationen und der Weltbank erstellt wurde und den Stand des globalen Wissens über die Landwirtschaft, ihre Geschichte und ihre Zukunft zusammenfasst, existiert auch eine umfassende Website mit dem klingenden Titel „Wege aus der Hungerkrise – Die Erkenntnisse des Weltagrarberichtes und seine Vorschläge für eine Landwirtschaft von morgen“. Hier kann man den gesamten Bericht oder auch nur Teile davon herunterladen (HIER gibt es eine Zusammenfassung als pdf), und die einzelnen Hauptthemen (Hunger, Gesundheit, Ungleichverteilung, Geschlechterrrollen, Wasser, Wissen, Genforschung, Fleisch uvm.) werden kurz und prägnant vorgestellt. In jedem Abschnitt soll aufgezeigt werden, wie der jeweilige aktuelle Stand aussieht, wo es überall Punkte gibt, die verbessert und aufgegriffen werden müssen – und wo überall auf der Welt bereits Initiativen daran arbeiten, den Missständen entgegenzuwirken. Beispiel Ernährungs-Souveränität:

Das Konzept der Ernährungs-Souveränität / Food Sovereignty wurde ursprünglich von der internationalen Kleinbauern-Organisation
Via Campesina entwickelt. Der klassische Begriff der “Ernährungs-Sicherheit” bezieht sich lediglich auf die Menge an Nahrungs-mitteln, die den Menschen eines Landes oder einer Region zur Verfügung steht. “Ernährungs-Souveränität” fragt darüber hinaus, wie die Nahrungsmittel produziert und verteilt werden.
Auch der Weltagrarbericht arbeitet mit dem Konzept der Ernährungs-Souveränität. >>mehr

Liberalisierung des Welthandels gefährdet Ernährungs-Souveränität

Der Welthandel hat großen Einfluss auf die Landwirtschaftspolitik vieler Entwicklungs-länder. Anstatt die Versorgung der eigenen Bevölkerung und die Entwicklung der heimischen Märkte und ländlichen Gebiete zu fördern, versuchen deren Regierungen und Eliten häufig, durch Agrarexporte Devisen und Steuereinkommen zu erzielen.
Viele Länder, deren Bevölkerung unter Hunger leidet, versorgen gleichzeitig die Futter-, Faser-, Treibstoff und Genuss-mittelindustrie des Nordens mit billigen Rohstoffen – zu hohen ökologischen und sozialen Kosten.

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