Dez
04
2010
6

Nachschlag zu Sarrazin

Nachdem ich Herrn Sarrazin vorgestern kurz erwähnt habe, möchte ich doch noch folgenden beiden Fundstücke zu dem Thema unters überfremdete Volk bringen – zum einen den sehr interessanten Artikel „Die Lügen des Thilo Sarrazin (Teil 1)“ und „Teil 2“, erschienen im Hintergrund, in dem Autor Martin Kreickenbaum aufzeigt, wie manches, was Sarrazin da schreibt, hanebüchen und an den Haaren herbei gezogen ist. Lesenswert!

(…) Das Bemerkenswerte an der Debatte besteht darin, dass selbst krudeste Behauptungen aus Sarrazins Buch unwidersprochen bleiben. Sarrazin selbst hat bereits im März dieses Jahres gegenüber der Süddeutschen Zeitung zugegeben, dass er seine angeblich so aussagekräftigen Statistiken selbst zurechtgebogen hat. Getreu dem Motto, „glaube keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast“, erklärte er, wenn man keine Zahl habe, „muss man eine schöpfen, die in die richtige Richtung weist, und wenn sie keiner widerlegen kann, dann setze ich mich mit meiner Schätzung durch“.

Das ist ihm insofern gelungen, als nun allerorten von gewalttätigen muslimischen Jugendlichen und ungebildeten Türken und Arabern die Rede ist, die nach der Scharia leben und sich auf Staatskosten ein schönes Leben machen. Kaum jemand tritt Sarrazin ernsthaft entgegen und widerlegt seine angeblichen Fakten. Dabei zeichnen offizielle Statistiken und Untersuchungen ein ganz anderes Bild. (…)

In der Satiresendung heute show im ZDF ist Gernot Hassknecht bekannt für seine pointierten und unsachlichen Kommentare, und vor einer Weile hat er sich auch Thilo Sarrazin und seinen Thesen angenommen:

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Okt
31
2010
7

Online-Marketing auf Abwegen – No spam for me

© costi, stock.xchng

Wer von meinen Lesern selbst einen Blog betreibt, wird das kennen – nach einigen Monaten, sobald man einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hat und auch in den Suchmaschinen weiter vorne auftaucht, beginnen sich plötzlich E-Mails im Postfach zu häufen. Zum Teil sind dies sehr erfreuliche Zuschriften von Lesern, die Lob (oder auch mal Kritik) aussprechen, Tipps und Hinweise geben oder einfach Fragen zu diesem oder jenem Thema haben. Solche Mails machen natürlich Spaß, zeigen sie doch, dass man mit dem, was man schreibt, auch ein bisschen was bewirkt und bewegt. Dann gibt es natürlich die Pest des Internetzeitalters, die tumben und stumpfen Spammails, die von sonstwoher reinflattern und zum Glück von den Spamfiltern größtenteils umgehend in die Ablage P (wie Papierkorb) weitergereicht werden. Und dann gibt es da eine dritte Art an Zuschriften – Werbemails, die zumindest scheinbar einen gewissen Zusammenhang zu dem aufweisen, worum es im eigenen Blog geht. Gerade bei einem konsum- und auch werbekritischen Blog wie Konsumpf sind solche Anfragen natürlich reichlich unbedacht bis sinnlos (das als kleiner Wink mit dem Zaunpfahl für alle, die mich in Zukunft mit so etwas behelligen wollen) und zeigen oft nur, dass sich die Absender keine große Mühe gemacht haben, sich das Zielobjekt ihrer Marketingaktion einmal vorher näher anzuschauen.

Um Euch mal einen Blick hinter die Kulissen zu geben möchte ich Euch heute ein paar schöne (?) Mails vorstellen, die mich in der letzten Zeit erreichten. Halbwegs sinnvoll und zur Ausrichtung meines Blogs passend scheint da noch die Zuschrift einer Dame, die anfragte, ob ich nicht eine tolle neue Aktion vorstellen wolle, nämlich eine Art Carrot Mob für Hotels (wer in einer gewissen Zeitspanne ein Zimmer in einem bestimmten Hotel bucht, sorgt dafür, dass diese Pension das so eingenommene Geld für Energiesparmaßnahmen investiert). Reisen für das Klima? Suuuper Idee… Der naturgetr.eu-Blog hat diese Mail ebenfalls erhalten und sie passend kommentiert – „Lasst mich in Ruhe, Marketing-Tanten dieser Welt“. Seinen Worten kann ich mich nur anschließen:

(…) Ich kann nur sagen: Pfui, schämt euch in Grund und Boden! Mit angeblich grünen angeboten Leuten was vorzumgaukeln, um Profit zu machen! Verachtenswert ist das – nicht nur, wenn Großkonzerne das tun, sondern auch wenn kleine und mittelständische Unternehmungen diesem schlechten Beispiel folgen. Es geht euch doch nicht um Nachhaltigkeit oder um ein anderes/besseres Leben sondern nur ums Geld, oder warum erstellt ihr Blogs, Twitter-Accounts und andere Medienkampagnen, deren Inhalte ausschließlich aus Werbung für “grünen Konsum” bestehen?

Und Blogger (bzw. private, nicht-kommerzielle Blogs) für diese Zwecke einspannen zu wollen ist obendrein noch recht schäbig, vor allem dann, wen ihr die Blogs nicht mal selbst lest, sondern sie nur von einer gekaufen Liste habt. (…)

Deutlich dreister fand ich allerdings die Mail eines Betreibers einer Website für Onlinegames (oder sowas in der Art), der mir diese wundevolle Nachricht zukommen ließ (ich habe nur Namen und Website gelöscht, ansonsten ist alles unverändert, also auch die wunderbare sprachliche Geschliffenheit etc.):

Hallo,

Mein Name ist Max —- und ich arbeite für „—-“ (Unsere Website http://www.—.net) als Marketing-Agent – nice to meet you!

Zurzeit arbeite ich meine Kampagne und ich denke, dass Ihre Website %yoursite%

könnte möglicherweise eine hervorragende Werbeplattform für meine Websites.

Ich kontaktiere Sie bezüglich dieses Problems. Ihre Website ist einfach zu lesen, hat gute Infos und angenehme Schnittstelle – ist es, was mich reizte, Sie zu kontaktieren.

Ich hoffe, du wirst die Idee der Verbindung zu meiner Website im Gegenzug für mich Verlinkung zu Ihrer Website zu betrachten. Solche Link-Tausch sollte verbessert unser Ranking-Status in Google und anderen Suchmaschinen.

Bitte schickt mir eine Mail, wenn Sie Interesse haben, Wir könnten Details und andere damit zusammenhängende Fragen in den nächsten Buchstaben zu diskutieren.

Vielen Dank,
Max …

Die meisten Anfragten solcher Art ignoriere ich natürlich, aber diesmal juckte es mich doch in den Fingern – meine Antwort darauf war kurz und bündig:

(Diesen Beitrag weiterlesen…)

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Jun
17
2010
4

Seid doch froh, dass wir keine Atomkraftwerke bauen!

Tschuldigung, dass ich das Thema BP noch einmal aufgreife, aber dieses Adbusting hier ist einfach zu gut, als dass ich es ignorieren könnte [via]:

Dass BP wirklich ein übler Konzern ist, zeigen sie auch damit, dass sie begonnen haben, bei Google und Yahoo Adwords zu kaufen, die direkt mit der Katastrophe zusammenhängen („oil spill“ etc.), um die Leute so auf die firmeneigenen Seiten zu leiten und ja nicht auf kritische. Geht es noch erbärmlicher? Wie tief kann man sinken? (Quelle Examiner.com, „BP buys Google, Yahoo search words: Is it to keep people from real news on Gulf oil spill disaster?“) Hoffentlich tankt niemand mehr bei Aral in diesem Land. (Oder Shell. Oder Esso. Oder… oder…)

Wer live sehen will, was an der Leckstelle im Golf von Mexiko vor sich geht, kann sich den Stream von CNN anschauen (da wird einem ziemlich schlecht…).

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Jun
13
2010
2

Wer den Schaden hat…

Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, bis die bemerkenswerte Inkompetenz der BP-Leute im Umgang mit der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko auch satirische Reaktionen hervorrufen würde. Zwar ist die Ölpest nichts, worüber man lachen kann, aber nachfolgendes Video von UCBComedy ist schon schön und bringt die Ignoranz des BP-Managements gut auf den Punkt. (Wobei man sich darüber im Klaren sein muss, dass es unangebracht ist, mit dem Finger nur auf BP zu zeigen, da alle Ölkonzerne bei der Förderung des für unsere Wirtschaft so unerlässlich scheinenden Rohstoffs der Umwelt und den Menschen massiven Schaden zufügen.)

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Mai
15
2010
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Life in Pixels

An eine Zeit, die man bestenfalls als Web 0.0 bezeichnen könnte, erinnert der wunderbare Kurzfilm „Pixels“ von Patrick Jean, der die Übernahme New Yorks durch bekannte 80er Jahre 8-Bit-Computerspiele „simuliert“. Grandios gemacht und unterhaltsam, und vielleicht auch auf eine hintersinnige Weise kritikphilosophisch. Oder auch nicht.

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Apr
22
2010
2

Barcode Yourself

barcodeEndlich, darauf haben wir doch alle sehnlichst gewartet – nun gibt es die Möglichkeit, nicht nur alle Waren um uns herum, sondern auch uns Menschen mit einem praktischen, formschönen und inhaltsschwangeren Strichcode zu versehen. Die Website Barcode Yourself macht es möglich [via Düstere-Grenze]:

Barcode Yourself is a complete, interactive experience in the series of barcode art, created using the personalized data of participants. Enter an individual's gender, weight, height, age and location, and the barcode is formed using real-world data.

The individualized barcode can then be printed, mapped, scanned, even depicted on a t-shirt or coffee mug. Uber-geeks can even test out their barcodes on their next grocery run.

It is in scanning a barcode that the project reveals its humor, like a banner that reads: Disclaimer! Human beings are not merely worth somewhere between one cent and 10 dollars.

It is here, within the confines of an American obsession with "worth," in which the fun begins. Instead of shoes, we can try on another person's barcode. Become a male, 33 years old from Luxembourg, with a perfect body. Congratulations, you're a crisp 10-dollar bill. A teenage girl in Monaco: $5.25. To be scanned for $4.79, you have to be a 40-year old female living in Canada.

The data entered into Barcode Yourself takes a topsy-turvy twist to its personalized end numbers, with the exception of the hard-data that correlates with "location," which tallies up in the Gross Domestic Product of each country.

The calculation an individual's BMI based on the height and weight data reveals the health of an individual, thus those considered underweight or overweight are worth less money. In addition, in comment to the dominance of the United States, all barcodes are published in inches and pounds. A female barcode takes the real-world hit of earning 72 cents less than each dollar earned by a man. The average for age takes on the most comic tone, borrowing from the worlds' most famous 33-year old, Jesus.

With the complexity of mocking self-identity, Barcode Yourself lays out a fresh absurdity in the modern world of consumerism.

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Apr
20
2010
3

So funktionieren Nachrichtenbeiträge

Nachrichtensendungen im Fernsehen – bei den Privatstationen ja gerne als „News“ bezeichnet, weil das in den vernebelten Hirnen von Marketingsprechfuzzis vermutlich viel „cooler“ klingt – haben sich über die Jahre immer weiter angeglichen. Viele Beiträge müssen einem pseudo-unterhaltsamen und spannungsbogen-simulierenden Muster folgen, das zumindest mir immer mehr auf den Geist geht (weswegen ich auch keine Fernsehnachrichten mehr sehe). Nun hat sich Charlie Brooker von der BBC-Sendung Newswipe einmal den Spaß gemacht und dieses Schema F heutiger Nachrichtenbeiträge gnadenlos seziert und in seiner ganzen Leere inszeniert. Sozuagen als Blaupause für jeden angehenden Nachrichtenmacher… Weitere Infos findet Ihr auf kannnichtsein.

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Kommentare: 3 | Fernsehen,Humor,Medien | Schlagwörter: , , , , , |
Apr
12
2010
--

Homo Modernus

Zum Wochenauftakt mal was Ironisch-Philosophisches zum Nachdenken über den Geisteszustand des heutigen Menschen und seinem Verhältnis zu Medien…

If in a parallel universe Ludwig Wittgenstein and Marshall McLuhan had married, their robot child would have created something like this animation.

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Jan
26
2010
9

Westaflex

Und da sage noch mal einer, Reklame hätte nicht auch ihre heiteren Seiten… ;-) Nein, das ist keine Satire, sondern bitter ernst gemeint. Keine Ahnung, ob’s die Firma noch gibt, nach diesem Filmchen wäre die Selbstauflösung eigentlich angebracht.

Man muss sich schon fragen, wer so etwas in der Marketingabteilung und Chefetage tatsächlich für gut befunden und durchgewinkt hat – so betriebsblind/-taub kann man doch gar nicht sein… Ebenso wie bei diesem ungemein erfrischenden offiziellen Edeka-Song (nichts für zartbesaitete Ohren!):

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Okt
11
2009
2

Welcome to the Rat Race!

Diesen schönen „Cartoon“, den ein Blogleser gestern in seinem Kommentar verlinkte, möchte ich Euch doch auch nicht vorenthalten (zu finden auf Loleg.com, im Original auf Polyp.co.uk):

polyp_cartoon_rat_race

Der hier gefällt mir auch sehr gut, ebenfalls aus der Rubrik „Consumerism“:

polyp_cartoon_enough

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