Sep
20
2012
6

Die Energiewende als unsoziales Projekt auf dem Rücken der Bürger

Ja, heute gleich mal wieder ein Beitrag, der einen die Haare zu Berge stehen lässt – das BR-Magazin quer hat sich frisch aus der Sommerpause gleich mit einigen heißen Eisen befasst, beispielsweise der Energiewende, die in Deutschland zu Lasten der Bürger und zum Vorteil der Konzerne durchgeführt wird. Das ist zwar schon etwas länger bekannt, aber so kompakt auf den Punkt wurde das selten gezeigt wie hier. Da fällt mir nichts mehr zu ein… „Öko-Paradox: Geld sparen mit Stromverschwendung

Letztes Jahr sagte Angela Merkel, die Umlage für den Ökostrom würde nicht mehr steigen. Jetzt steigt der Strompreis aber wieder gewaltig. Nur für Privathaushalte, wohlgemerkt. Eine steigende Anzahl “energieintensiver” Unternehmen wird davon befreit. Das Paradoxe am Ökostrom: ökologisch handelnde Firmen werden für ihre Nachhaltigkeitsbemühungen bestraft. So wie Helmut Drechsel aus Oberfranken. Er hat in einen energiesparenden Maschinenpark investiert und bleibt dadurch unter der Befreiungsgrenze. Gleichzeitig beobachtet er, wie manche Betriebe ihre Maschinen jetzt sogar extra Tag und Nacht leer laufen lassen, nur um die Befreiungsgrenze zu überschreiten.

 

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Jul
08
2012
3

Blockade: Wie die Stromriesen die Energiewende sabotieren

Nachdem ich vor einigen Tagen ja schon den ethecon-Bericht über Tepcos schwer erträgliches Problemaussitzen und -leugnen gebracht habe, möchte ich Euch heute einen Beitrag von quer empfehlen, der zeigt, dass wir hierzulande mit „unseren“ Energiekonzernen keineswegs besser fahren. Diese behindern die Energiewende und treiben die Preise nach oben, ohne dass die Politik hier das Bedürfnis verspürt einzugreifen. Nicht, dass man irgendwas anderes erwartet hätte, aber etwas deprimierend ist das schon. Wieso angesichts dieser Fakten, die ja nun weithin bekannt sein sollten, überhaupt noch Leute ihren Strom von diesen Firmen beziehen, statt woandershin zu wechseln, ist mir auch ein Rätsel! „Blockade: Wie die Stromriesen die Energiewende sabotieren“:

15 Milliarden Euro Schadenersatz fordern die großen Stromkonzerne wegen des Atomausstiegs. Und nicht nur das – die großen Vier blockieren, wo sie nur können. Die Verzögerungstaktik folgt einem Profitziel: denn je länger die Versorgung mit neuen Energien nicht funktioniert, desto länger können die Konzerne mit ihren längst abgeschriebenen Atom- und Kohlekraftwerken Milliarden verdienen.

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Feb
24
2012
4

Schweröl – gut fürs Geschäft, schlecht für die Umwelt

Es gibt ja so Trends, die komplett an mir vorüber gehen. Was die Leute an Lady Gaga finden z.B., muss mir wohl für immer ein Rätsel bleiben. Genausowenig verstehe ich, wie man gerne mit Minipanzern (SUVs) durch die Gegend brettern kann. Oder auch, tausende von Euro auszugeben, um wochenlang auf einem Schiff übers Meer zu schippern. Aber soll ja jeder machen, wie er lustig ist. Weniger lustig ist allerdings die Umweltbelastung, die von den in immer größerer Zahl eingesetzten Kreuzfahrtschiffen ausgeht – die WDR-Sendung Markt berichtete über den Einsatz von Schweröl als Treibstoff und bezeichnete die Schiffe als „schwimmende Sondermüllverbrennungsanlagen“. Wieder einmal zeigt sich, wie durch Profitstreben und Kurzsichtigkeit zukünftige Probleme herangezüchtet werden. „Schifffahrt: Risiko Schweröl“:

Das havarierte Kreuzfahrtschiff Costa Concordia birgt eine große Gefahr für Mensch und Umwelt: Schweröl. Damit sind auf den Weltmeeren rund 60.000 Schiffe unterwegs.

Der deutsche Kreuzfahrtriese AIDA präsentiert sich in seiner Werbung als Umweltschützer: „Als Marktführer auf dem deutschen Kreuzfahrtmarkt ist es unsere Pflicht, unserer Verantwortung für die (…) Umwelt gerecht zu werden.“ Doch befragt zum Einsatz von Schweröl als Treibstoff auf seinen Kreuzfahrtschiffen gibt es kein Interview. Schriftlich teilt uns das Unternehmen mit, man halte sich an geltendes Recht und strebe an, „bessere Lösungen für eine saubere Umwelt zu realisieren“.

Doch das gilt offenbar nicht für den Einsatz von Schweröl, so der Vorwurf von Umweltschützern wie Dietmar Oeliger vom Naturschutzbund: „Der ökologische Fußabdruck der Reedereien liegt aber nun mal darin begriffen, dass sie Schweröl nutzen und keine Abgastechnik an ihren Schiffen verbaut haben. Deswegen ist auch AIDA letztlich unterm Strich ein ökologisch sehr fragwürdiges Unternehmen.

Gift für die Umwelt

Schweröl entsteht in Raffinerien als Abfallprodukt bei der Herstellung von Benzin und Diesel. Es enthält in gefährlicher Konzentration Schadstoffe wie Schwefel, Phosphor, Stickstoff, verschiedene Schwermetalle und die hochgiftigen PAK, polzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Schweröl ist deshalb Sondermüll und müsste eigentlich teuer entsorgt werden. Stattdessen landet es in den Tanks von Schiffen. Diese sind dann quasi fahrende Verbrennungsanlagen für Sondermüll, und das oft ohne Schadstofffilter.

Das ist hochgefährlich und an Land strikt verboten. Lars Mönch vom Umweltbundesamt erklärt, warum: „Durch die Partikelemissionen aus dem Schwerölbetrieb können starke gesundheitliche Beeinträchtigungen entstehen. Diese sind vorrangig zum Beispiel Erkrankung der Atemwege, Kreislaufprobleme, Lungenkrankheiten bis hin zu Krebserkrankungen.“ (…)

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Jun
06
2011
5

RWE, die Überallmitmischer

Irgendwie wundere ich mich gerade, dass ich den Essener Energiekonzern RWE schon sei längerem nicht mehr in meinem Blog beäugt habe. Dabei gibt es Gründe genug, dieses Unternehmen scheel zu betrachten und kritisch zu durchleuchten – und natürlich auch, ihm als Stromkunde den Rücken zu kehren. Abgesehen von der starken Verbundenheit zu Kohle und Atomkraft tut sich RWE immer wieder mit kackdreisten Reklamekampagnen hervor, in denen sie das Blaue vom Himmel herunterlügen und sich als umwelt- und menschenfreundliches Großunternehmen zum Liebhaben präsentieren. Wer erinnert sich nicht noch an die bescheuerte Werbung mit dem „sanften Energieriesen“ und seiner Liebe zur Windkraft? Der Fernsehspot wurde von Greenpeace und vielen anderen entsprechend kommentiert und als das entlarvt, was er ist, nämlich hohles Gewäsch und reine Augenwischerei:
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Apr
26
2011
2

Krebs durch Atomkraft und Panikmache der Energiekonzerne

Man benötigt keineswegs einen Super-GAU (und damit das von Politikern und Atomfreunden gerne herbeizitierte „Restrisiko“), damit Atomkraft gefährlich für die Menschen in der Umgebung eines AKW wird – die WDR-Sendung markt schilderte in „Atomkraft: Anwohnersorgen“, wie auch kleine Störfälle und sogar der Regelbetrieb die Gesundheit der Leute beeinträchtigt:

Das westfälische Örtchen Lippborg liegt im Schatten des abgeschalteten Hochtemperaturreaktors Hamm-Uentrop. In diesen Wochen herrscht hier eine diffuse Angst. Gesprächsthema: Die Gefahren der Atomenergie. Bei Apotheker Michael Christianus treffen sich die Einwohner, werden Erinnerungen an alte Störfälle wach: „Wenn ich so in die Runde frage, ist es auch für mich schon auffällig, wie viele Krebspatienten mittlerweile verstorben sind im Laufe der Jahre.“

Der Hochtemperaturreaktor ist drei Kilometer entfernt. Abgeschaltet wurde er 1989. Er war nur 423 Tage in Betrieb. Heute ist er in einen Betonsarg eingeschlossen. Als Pannenreaktor machte der THTR Schlagzeilen. 1986 – zur gleichen Zeit wie in Tschernobyl – gab es einen radioaktiven Zwischenfall. (…)

(…) Ortswechsel und Spurensuche in Jülich. Dort steht der gleiche Reaktortyp wie in Hamm-Uentrop. Die Versuchsanlage, in Betrieb zwischen 1957 und 1988, ist viel kleiner als Hamm-Uentrop. Offenbar gab es dort schwere Störfälle. Öffentlich werden sie erst jetzt, mehr als 20 Jahre später.

Der Chemiker und Sicherheitsexperte Dr. Rainer Moormann arbeitet seit 35 Jahren beim Forschungszentrum Jülich. Er berichtet: „Dieser Reaktor war über mehr als ein Jahrzehnt sehr, sehr viel zu heiß, viel heißer, als er hätte sein dürfen, um einen Wassereinbruchstörfall, der schnell abläuft, zu überleben, ohne eine große Explosion. Einen Wassereinbruchstörfall hat es sogar gegeben. Glücklicherweise ist das Leck klein geblieben. Es sind große Mengen Wasser durch menschliches Versagen in den Reaktor hineingelaufen. Wenn das nicht langsam passiert wäre, wenn es zu einem plötzlichen Riss in der beschädigten Komponente gekommen wäre, dann wäre eine größere Katastrophe wohl nicht zu vermeiden gewesen. Das heißt, es wäre über den normalen Gau hinausgegangen und wir hätten eine Freisetzung von Radioaktivität durch Explosion gehabt.“ Der Betreiber des Versuchsreaktors schreibt dazu: „Der Reaktor war für diesen Störfall ausgelegt.“

Weiter berichtet Dr. Moormann: „Man hat bereits 1974 gemerkt, dass enorme Mengen Radioaktivität, enorme Mengen Strontium 90 aus dem Reaktor entwichen, so viel, dass man es sogar nicht mehr messen konnte. Man musste die Messungen von Strontium, die etwas gefährlich sind – man muss da chemische Analysen machen -, abbrechen. Trotzdem ist man weitergefahren. Das ist natürlich aus heutiger Sicht kaum verantwortbar.“ Strontium 90 kann Leukämie und Knochenkrebs verursachen und wirkt circa 60 Jahre. (…)

Reinhold Thiel ist im Vorstand der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges. Er hat die Kinderkrebsstudie von 2007 auf den Weg gebracht und warnt auch vor niedrigen Strahlungswerten: „Ich interpretiere das so, dass offensichtlich im Bereich der radioaktiven Niedrigstrahlung, aber wirklich in der niedrigen Niedrigstrahlung – also ich rede jetzt schon von Bereichen von einem Millisievert – Effekte auftreten, die in dem normalen Strahlenschutzregelwerk nicht berücksichtigt werden.“ Radioaktive Niedrigstrahlung ist ein bislang wenig erforschtes Gebiet.

Brisante Studie

Ende 2010 veröffentlichen Forscher des Helmholtz Zentrums eine einzigartige Studie. Sie gilt als vorläufig, aber die Aussage ist brisant: Dr. Hagen Scherb und zwei weitere Forscher (Dipl.-Ing. Ralf Kusmierz, Dr. Kristina Voigt) hatten herausgefunden, dass nach der Katastrophe in Tschernobyl, aber auch im laufenden Betrieb von Atomkraftwerken in Deutschland und in der Schweiz insgesamt weniger Geburten zu bemerken sind, darunter vor allem Mädchengeburten. „Im Rahmen der Untersuchungen des Geburtengeschlechterverhältnisses um Nuklearanlagen in der Schweiz und in Deutschland zeigte es sich, dass es auch in NRW weniger Mädchengeburten beziehungsweise Geburten in der Nähe von laufenden beziehungsweise stillgelegten Anlagen gab und zwar im Umkreis von jeweils 35 Kilometern“, so Scherb.

Aus den Berechnungen ergibt sich, dass im Umkreis der deutschen Atomanlagen um die 15.000 Kinder weniger geboren wurden, als sich statistisch erwarten ließe. Die Veränderung des Geschlechterverhältnisses zu Ungunsten der Mädchen könnte auf eine Schädigung des Erbguts durch die ionisierende Strahlung hinweisen, die von Atomkraftwerken abgegeben wird. (…)

Die Forschung zur Niedrigstrahlung steht zwar erst am Anfang, aber nimmt man alle Studien zusammen, ergibt sich ein Verdacht: Auch geringe Mengen Radioaktivität können offenbar Schäden verursachen. Es braucht keinen Gau wie in Japan.

Gleichzeitig versuchen die großen Energiekonzerne wie E.ON, RWE oder Vattenfall, die im Falle des endgültigen Ausstiegs aus der Atomenergie natürlich ihre Felle wegschwimmen und Profite den Bach runtergehen sehen, Politik und Bürger mit Hillfe intensiver Lobbyarbeit „explodierende Kosten“ einzureden und so Angst zu schüren. Das Medienmagazin ZAPP beleuchtet dies in „Atomausstieg: Kampf um Öffentlichkeit“:

(…) Verwirrung ist Kalkül

Die Angst vor den Atomrisiken soll überlagert werden von einer neuen Angst: vor hohen Kosten. Zahlen werden gezielt in Stellung gebracht.

Der Hauptstadtkorrespondent der “Süddeutschen Zeitung”, Stefan Braun, erklärt: “Die Zahlenschlacht zeigt im Prinzip, dass es immer noch Kräfte gibt, die im Prinzip mit dem Argument Preis, entweder Strompreis oder Steuererhöhungen, kämpfen, um die Atomkraft zu verteidigen.”

Kemfert: “Man will Angst machen, man will auch Horrorzahlen extra in die Welt setzen, damit die Bürger entsetzt sind und man eben halt die Akzeptanz dafür nicht mehr hat. Denn in der Bevölkerung ist die Akzeptanz für den Umbau der Energie, der Energiewende, ja sehr, sehr hoch.”

Zahlen sollen nun die Stimmung drehen, eine kluge PR-Strategie. Denn Zahlen wirken auf den ersten Blick unverdächtig und glaubwürdig und werden von den Medien gerne übernommen.

Ulrich Müller von LobbyControl: ” Die Lobbyisten sagen ja gerne, sie liefern Informationen. Aber es ist halt immer so, dass die Informationen auch den eigenen Interessen dienen. Und man kann auch mit Zahlen sehr viel tricksen, dass man die Kosten überbetont, aber vielleicht Ausgleich- oder Entlastungswirkungen, die dann auch eintreten werden, nicht mit berücksichtigt. Also da gibt es einfach viele Methoden, wie man zu den gewünschten Zahlen kommt.”

Und die gewünschten Zahlen werden in den Medien lanciert. Die Bild am Sonntag orakelt: “Wird Strom bis zu 70 Prozent teurer?” Quelle für diese Horrorprognose ist ein “Vorstandsvorsitzender eines großen Energieunternehmens” in “vertraulicher Runde” (17.04.2011). (…)

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Jan
25
2011
1

Greenpeace mit Vattenfall-Adbusting

Na, das passt ja hervorragend zu meiner kleinen Adbusting-Galerie vom Freitag – Greenpeace hat sich dieser Tage in Hamburg mal die neue grünfärberische Lug-und-Trug-Werbekampagne des Stromrisen Vattenfall vorgenommen und die dort aufgestellten Plakate mit ihren vollmundigen Aussagen richtig gestellt. Und sie zeigen in einem kleinen Video, wie man’s macht, auch tagsüber während der Hauptverkehrszeit. Hier zunächst die entsprechende Pressemitteilung:

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Nov
18
2010
5

Noch mal ein paar Fakten zur Atomenergie

Bei der ganzen erhitzte Debatte rund um die Kernkraft, und bei den massiven Auseinandersetzungen bei den aktuellen Castor-Transporten kann es nicht schaden, noch einmal ein wenig Sachlichkeit einziehen zu lassen. Denn die Ablehnung der Atomenergie ist keineswegs nur eine emotionale Angelegenheit, sondern lässt sich mit vielen guten Gründen untermauern. Unlängst hatte ich ja schon die ZDF-Sendung WISO zitiert, die der Frage nachging, was uns als Steuerzahler und als Gesellschaft insgesamt der „billige“ Atomstrom wirklich kostet (HIER). Drei neue kurze Beiträge will ich hier einmal aufführen, die in den letzten Tagen im Fernsehen liefen – für viele meiner Leser sicher nichts Neues, aber eventuell findet der eine oder andere darin ja doch noch ein paar Argumentationshilfen für die nächste Diskussion oder den nächsten Versuch der Überzeugungsarbeit bei Zweiflern und Zögerern. Und wer weiß, eventuell geschieht ja sogar das Undenkbare und ein schwarz-gelber Politiker kommt mal ins Grübeln, was er mit seiner Entscheidung zur Laufzeitverlängerung sich und den folgendenden tausend Generationen alles antut.

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Mai
04
2010
6

Öl, das stinkende Gold

oil

© julosstock, stckxchng

Im Konsumpf alle Umweltkatastrophen und -sauereien anzusprechen, die im Zusammenhang mit unserer Art des Wirtschaftens und Konsumierens fast logisch geschehen, würde den Rahmen des Blogs bei weitem sprengen. Aber gestern machte mich mo von als-ob-leben auf einen Artikel in seinem Blog aufmerksam, den ich Euch auch ans Herz legen möchte: „Das schwarze Gift – von einem fast völlig unbekannten Detail der Ölförderung“ … nämlich dem Entstehen radioaktiven Abfalls beim Fördern des klebrigen Rohstoffs!

“Seit Jahrzehnten produziert die Öl- und Gasindustrie mit jedem Barrel Öl und jedem Kubikmeter Gas radioaktiven Abfall: Abwässer, Schlämme und Ablagerungen, versetzt vor allem mit dem hochgiftigen und langlebigen Radium 226. Jahr für Jahr sind das weltweit einige Millionen Tonnen – weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit. (…)

Konkret darauf angesprochen gibt auch die Öl- und Gasindustrie die Existenz der radioaktiven Abfälle unumwunden zu. “Das Thema ist eigentlich ein Thema seit es die Gasförderung in Deutschland gibt, das ist so seit Anfang der 70er-Jahre”, erklärt Hartmut Pick, Sprecher des Wirtschaftsverbandes Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG).

Allerdings hat die Industrie das Phänomen der radioaktiven Abfälle bei der Öl- und Gasproduktion bislang konsequent vor der Öffentlichkeit verschwiegen. “Wir haben das natürlich nicht mit der Bevölkerung kommuniziert”, sagt Pick. “Wir kommunizieren das Problem mit den Mitarbeitern, die damit beschäftigt sind, mit den Aufsichtsbehörden, die damit zusammenhängen – ja, mit der Branche, innerhalb der Branche.”

Wenn die Katastrophe im Golf von Mexiko überhaupt eine positive Komponente hat, dann vielleicht die, dass all jenen Menschen, die Tag für Tag ohne großes Nachdenken ihrem automobilen Lebensstil, dem Plastiküberfluss etc. frönen, wieder bewusst gemacht wird, was für ein im wahrsten Sinne des Wortes schmutziges Geschäft die Ölindustrie da betreibt. Zu den Umweltkatastrophen treten die humanitären Katastrophen hinzu (ich erinnere da an bspw. das brutale Vorgehen von Shell in Nigeria, das man im Schwarzbuch Markenfirmen nachlesen kann, HIER nur kurz angerissen) und natürlich auch die Kriege, die um das Öl angezettelt werden. Dazu passt auch das Buch von Thomas Seifert und Klaus Werner „Schwarzbuch Öl. Eine Geschichte von Gier, Krieg, Macht und Geld“.

Eine Überraschung gibt es dieser Tage aber doch – angeblich sollen Shell BP tatsächlich alle Kosten für dieses Öldisaster aufgebürdet werden! Machte dieses Beispiel Schule und würden tatsächlich alle Unternehmen für die sozialen und ökologischen Folgen ihres Treibens zur Rechenschaft gezogen werden (in der VWL als Konzept der „Internalisierung externer Kosten“ bekannt), müssten sich Banken, Tabakkonzerne, Energiefirmen, Rüstungsunternehmen, Discounter uvm. warm anziehen. Ein Traum! Leider wird es aber wohl die Ausnahme bleiben, und wäre der Ölteppich irgendwo an der Küste eines afrikanischen Staates entstanden, würde sich BP sicher mit ein paar Alibi-Euro aus der Affäre ziehen.

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Okt
19
2009
2

Wie Stromkonzerne abkassieren

Als kleine Ergänzung zu dem Zapp!-Beitrag über die Verschaukelung der Leute vermittels Reklame, indem ein Öko-Image vorgegaukelt wird, empfiehlt quer: Machen wir doch einfach einen Energiekonzern auf, denn das rechnet sich. In gewohnt satirisch-zutreffender Weise bringt quer in „Verbraucher geschröpft – wie Stromkonzerne abkassieren“ das wahre Wesen der großen Stromkonzerne jenseits aller verlogenen Greenwashing-Kampagnen und Image-Offensiven auf den Punkt:

Strom ist billig wie lange nicht: An der Strombörse in Leipzig sind die Preise nur noch halb so hoch wie vor einem Jahr. Für die Verbraucher ist das allerdings keine gute Nachricht. Denn sie zahlen trotzdem mehr, sagt eine aktuelle Studie.

Das WDR-Magazin markt ging diesem Phänomen ebenfalls auf den Grund und offenbart in „Strompreise: Teure Leitungen“ Unglaubliches im deutschen Energiesystem – Filz und Lobbyismus zu Lasten der Bürger lassen grüßen! Ich möchte das Wörtchen „Skandal“ mal leise schallend in den Raum stellen…

Die Strompreise für Privatverbraucher steigen, obwohl die Nachfrage sinkt. Der Grund liegt in den Besonderheiten der deutschen Strompreisregulierung. markt erklärt, warum.

(…) Für die Verbraucher ergibt sich aus all dem ein absurder Effekt: In den Jahren, in denen die Bundesnetzagentur mit anderen Regulierungsmethoden noch für sinkende Netzgebühren sorgen konnte, stiegen die Strompreise, weil die Stromerzeugungskosten an der Strombörse stiegen. Nun, da die Großhandelspreise an der Börse fallen, steigen die Endkundenpreise trotzdem weiter, weil nun die Durchleitungspreise steigen.

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Sep
03
2009
0

Lobby Control – Greenwashing-Studie

gas_power_stationSchon seit einer halben Ewigkeit wollte ich hier im Blog auf die hochinteressante aus dem Jahr 2007 stammende, aber wohl leider „ewig“ aktuelle Studie „Greenwash in Zeiten des Klimawandels“ des Vereins Lobby Control hinweisen. Auf 27 Seiten wird hier dargelegt, wie große Konzerne – am Beispiel der Energieversorger- und Erdölriesen – in ihren Image- und Reklamekampagnen das Blaue vom Himmel herunterlügen (wie es eben bei Werbung gang und gäbe ist). Diese Form, sein Geschäftsgebaren gnadenlos, ohne Rücksicht auf Umwelt und Gesellschaft durchzuziehen, dafür dann aber Millionen in beschönigende Werbung zu stecken, nennt man heutzutage „Greenwashing“ – und ich denke, jeder sollte sich diese Studie einmal angeschaut haben, um zukünftig gegen die verlogenen Einflüsterungen der Unternehmen gefeit zu sein und mit einer grundlegenden Skepsis an jede Außendarstellung solcher Firmen heranzugehen. Die Studie kann man sich direkt als pdf herunterladen.

Die Kurzstudie erläutert die Hintergründe und Strategien der neuen grünen Imagewerbung und beleuchtet exemplarisch eine Reihe von deutschen Greenwash-Kampagnen aus dem Jahr 2007. So versuchte das Deutsche Atomforum, alte Kraftwerke zu „ungeliebten Klimaschützern“ zu stilisieren. Der Ölkonzern Shell warb mit Blumen, die aus Schornsteinen aufstiegen, und die großen Energieversorger wie E.ON oder Vattenfall werben mit zukünftigen emissionsfreien Kraftwerken, während sie zahlreiche neue Kohlekraftwerke bauen.

Greenwash-Kampagnen sollten immer der Anlass sein, sich alternative, kritische Informationen zu besorgen. Das ist der erste Schritt, um die Strategie hinter der Grünfärberei zu durchkreuzen. Darüber hinaus gebe es weitere Möglichkeiten, wie die Beschwerde beim Werberat oder das Anprangern von Greenwash-Kampagen.

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