Jan
23
2011
1

Kartell des Schweigens: der Biosprit-Wahnsinn; und die Sojarepublik Paraguay


„Biosprit“, das klingt doch irgendwie toll. So ökologisch, so nachhaltig, so sinnvoll. Und danach, dass man einfach weiterhin dem ungehemmten Autogenuss frönen kann, ohne dass man etwas ändern muss – einfach Biosprit und in den Tank und alles wird gut. Ist der Gedanke wirklich so abwegig? Treibstoff aus nachwachsenden Rohstoffen, das ist doch genau das, was die Menschheit immer gesucht hat – Unabhängigkeit von Öl und Benzin und damit auch Unabhängigkeit von den Drohpotentialen der ölexportierenden Länder. Mit der Einführung des E10-Kraftstoffs durch die Bundesregierung wird dieser Plan auch weiter vorangetrieben – zum Vorteil von uns allen?
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Aug
19
2010
2

Der Mais ist heiß

Alternative Energie-Erzeugungsmethoden mit Hilfe nachwachsender Rohstoffe statt fossiler Brenstoffe oder gar Atomkraft sind ja eigentlich eine gute Sache. Eigentlich. Vor einigen Wochen berichtete ich aber schon einmal über die Umweltprobleme auf Grund der Zerstörung von Wäldern und Unterholz, die für Blockheizkraftwerke verfeuert werden („Umweltgefahr durch Öko-Kraftwerke“). Nun berichtete das Magazin markt des NDR über eine weitere fatale Folge einer einseitigen und kurzsichtigen Energieplanung – Mais, der für Biogasanlagen gebraucht wird und – Dank EU-Subventionen – den Anbau von Lebensmitteln verdrängt. Wieder einmal ein Lehrstück dafür, wie der „freie Markt“ NICHT funktionieren sollte… „Warum Bauern lieber Mais anbauen“:

Mais verdrängt Kartoffeln und Gemüse von den heimischen Äckern. Der Grund: Biogasanlagenbetreiber können 1.500 Euro Pacht pro Hektar Land bezahlen. Ein Landwirt, der Lebensmittel produziert, kann nur 400 bis 500 Euro bieten. Dass Biogasanlagenbetreiber so hohe Pachtpreise zahlen können, liegt an den enormen Förderungen der Energiegewinnung aus Mais  durch die Bundesregierung. Diese Förderungen führen zu einer großen Konkurrenz um Flächen zwischen Biogasbetreibern und Landwirten. “Wenn hier von über 1.000 Euro gesprochen wird, die kann ich mit meinem Betrieb so nicht erwirtschaften. Für das Geld kann ich keine Tiere produzieren, das krieg ich nicht wieder”, so Landwirt Reinhard Evers. Auch Landwirt Heiner Klatte-Kalvelage sieht das so: “Die Spirale ist nach oben offen. Durch die horrenden Subventionen kann niemand die Biogasanlagenbetreiber überbieten. [...]

[...] Es habe Druck aus der EU gegeben, die Flächenanteile von Bioenergie deutlich zu erhöhen, so Christian Meyer, Landtagsabgeordneter der Grünen in Niedersachsen und zuständig für den Bereich Landwirtschaft. Dabei seien Fehler gemacht worden, die die Maismonokulturen zur Folge hätten. “Biogas ist keine schlechte Sache, wenn man es durch Reststoffe erzeugt und nicht durch die Verwendung von Mais. Durch die Förderungen des Maisanbaus für die Biogasproduktion nutzen wir heute nicht die Stoffe, die wir nutzen müssten, wie Gülle, wie Reststoffe,” so der Politiker. Dadurch seien die ausufernden Maisflächen entstanden.

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Jun
21
2010
9

Wälder verheizt: Umweltgefahr durch Öko-Kraftwerke

Während der Fußball-WM liegt so ziemlich das komplette televisionäre Leben in einer Art geistigen Wundstarrkrampf – viele (der ohnehin seltenen) kritische Sendungen werden dem runden Leder geopfert, statt Frontal 21 oder Zapp wird dem Fernsehvolk nun der Dünnpfiff irgendwelcher Reporter oder Ex-Fußballer mit ihren eher sinnfreien „Analysen“ präsentiert. Man muss sich schon fragen, ob es ein Zufall war, dass die schwarz-gelbe Regierungssimulation ihr Sparpaket ausgerechnet wenige Tage vor der Weltmeisterschaft bekannt gegeben hat… vielleicht in der berechtigten Hoffnung, dass in all der Schlaaand-Euphorie die sozialen Zumutungen vergessen werden, wenn auch nur für ein paar Wochen. Nun ja, in der letzten quer-Sendung vor der Fußballpause gab es auf jeden Fall noch einmal einige interessante Beiträge zu bewundern, so auch „Wälder verheizt: Umweltgefahr durch Öko-Kraftwerke“, der verdeutlicht, dass unsere energiehungrige und kurzsichtige Wegwerfkonsumgesellschaft sich die eigene Lebensgrundlage unter dem Hintern wegröstet:

Billig und vor allem klimafreundlich heizen – das versprechen Blockheizkraftwerke, die momentan wie Pilze aus dem Boden schießen. So etwa auch rund um Freilassing: Hier sind zu den bestehenden 13 Werken 2 weitere geplant! Doch so ökologisch sinnvoll die Energiegewinnung durch Holz bei einem einzelnen Heizkraftwerk ist – in der Masse, warnen Experten, kann der Holzbedarf schon bald nicht mehr gedeckt werden. Droht nach dem Kampf ums Öl jetzt der Kampf ums Holz?

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Okt
16
2009
3

Albtraum Atommüll

Auf diesen tollen Film, der gerade bei Arte lief und den man sich noch einige Tage lang im Netz anschauen kann, möchte ich unbedingt hinweisen (danke an Blogleserin Pan Dora für den Tipp!). Gerade FDP-Jünger und andere Atomfreaks sollten mal ein Auge hierauf werfen – „Albtraum Atommüll“:

Während die Gefahren der Erderwärmung immer mehr ins öffentliche Bewusstsein dringen, preisen Industrielle und Politiker die Atomkraft als die geeignetste Energiequelle der Zukunft an: sauber, kontrollierbar und gefahrlos für Umwelt und Gesundheit. Für den Verbraucher ist es schwer, den Wahrheitsgehalt dieser Aussagen zu beurteilen. Der Dokumentarfilm “Albtraum Atommüll” versucht, Licht ins Dunkel zu bringen.

Die Wellen schlagen hoch, wenn um das Für und Wider der Atomkraft gestritten wird. Lohnt es sich wirklich, diese Art der Energieproduktion zu fördern, während die meisten europäischen Länder schon beschlossen haben, sie aufzugeben? Im Mittelpunkt der Debatte steht die Angst vor der Zeitbombe Atommüll, der Achillesferse des Atomzeitalters.
Obwohl sich die Vertreter der Atomindustrie in Verharmlosung üben, macht der Atommüll den Menschen Angst, denn die Wissenschaftler können bis auf weiteres keine akzeptable Lösung anbieten, und die Politiker sprechen möglichst nicht darüber. Viele Fragen bleiben offen: Wie gefährlich ist der Atommüll? Wie wird damit umgegangen? Welche Lösungen werden angeboten?
Der Dokumentarfilm “Albtraum Atommüll” macht sich in Frankreich, Russland, den USA und Deutschland auf die Suche nach der Wahrheit über den Atommüll. Dabei geht es nicht zuletzt auch um Fragen nach der Informationspolitik zu diesem Thema, es geht um die verschiedenen Akteure und Interessengruppen und darum, inwieweit man überhaupt von einem “demokratischen Umgang” mit dem Thema Atomkraft sprechen kann.

bild-4Mehr Infos zu dem Thema gibt es auch auf der Website von ausgestrahlt.de.

EDIT. Danke für den Hinweis, die Doku kann man sich nun auch in 10 Teilen auf YouTube anschauen – hier Teil 1:

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Jan
17
2009
2

Werbung schadet (3): Ressourcenverschwendung

Nachdem ich im ersten Teil meiner „Aufklärungsserie“ über die Schädlichkeit von Werbung über die Auswirkungen auf die Sprache und im zweiten Teil über die unselige Verquickung von Reklame und Redaktionellem berichtet habe, möchte ich heute – passend zu den grünen Suchmaschinen gestern – kurz auf die negativen Konsequenzen des Werbetreibens für die Umwelt und den Gesamtplaneten eingehen.

Bereits ein einfacher Blick in den eigenen Briefkasten macht uns jeden Tag den Wahnsinn des Reklameterrors deutlich: bei den meisten von uns dürfte dort mehr Werbung als eigentliche Post zu finden sein. Womit der erste, sichtbarste Teil der Ressourcenvergeudung direkt vor uns liegt: die Papier- und Plastikverschwendung. Dazu der Einsatz der ganzen Chemikalien, damit die Flyer und Prospekte so schön bunt sind, sowie die für den Prospektdruck notwendigen Energie. Zudem muss die Post deutlich mehr Kapazitäten bereit stellen (also mehr Volumen transportieren, woraus wiederum ein gesteigerter Treibstoffeinsatz resultiert) als in einer Welt ohne diese Wurfsendungen. (Übrigens, ein Eintrag der eigenen Adresse in sog. Robinsonlisten reduziert unerwünschte Post signifikant und schont somit auch die Umwelt.)

Die Initiative „Mach’s grün“ hat einmal durchgerechnet, was allein der deutsche Prospektmist alles so verschling5: 33 kg an Postwurfsendungen erhält jeder Deutsche durchschnittlich im Jahr, das ergibt 2.7 Mio gefällte Bäume, um das Werbematerial für ganz Deutschland zu produzieren – was wiederum 1.157 Millionen kWh Strom verbraucht, 455.400 Tonnen CO2 freisetzt und die Verschmutzung von 4,62 Milliarden Litern Wasser mit sich bringt. Unglaubliche Zahlen.

fussgaengerzoneDazu kommt beispielsweise auch die Energieverschleuderung für Werbetafeln und sonstige Leuchtreklame – dagegen treten inzwischen sogar regelrechte Aktivistengruppen ein, wie die französischen Clan du Néon, die nachts durch die Städte ziehen und Neonwerbung einfach ausschalten (siehe auch den Schreibmaschine-Blog). Genauso nutzlos sind auch die von vielen Firmen verteilten kleinen „Werbegeschenke“ (die z.B. Bestellungen bei Versandhäusern beiliegen) – meist billiger Plunder, der entweder sofort weggeschmissen wird, unbenutzt herum liegt oder nach wenigen Anwendungen kaputt geht. Was sich allein hier an Rohstoffen etc. einsparen ließe! Natürlich wird auch im Entstehungsprozess eines Flyers o.ä. so einiges an Ressourcen vergeudet – mindestens schon mal die kreative Energie und die Lebenszeit einer ganzen Reihe von Menschen. Denn statt etwas Sinnvolles zu produzieren, das den Menschen nützt oder sie wenigstens erfreut, werden nur Kampagnen und Anzeigen erdacht, die die meisten von uns in der Regel nerven und die dazu dienen sollen, dass wir noch mehr kaufen und konsumieren. Somit ist Reklame das Schmieröl in dieser wahnwitzigen Maschine des stetig zu steigernden Gewinns und der immer weiter anwachsenden Produktion, die irgendwann zur Katastrophe führen muss – ergo trägt Werbung ganz direkt zur schleichenden Zerstörung der Umwelt und der Gesellschaft bei.

Eine weitere wichtige Ressource, die in rauen Mengen in diesen Apparat gepumpt wird, darf ebenfalls nicht vergessen werden: das Geld! Schätzungen gehen davon aus, dass inzwischen weltweit jedes Jahr die unfassbare Summe von über 400 Milliarden US$ für Reklame ausgegeben wird – bereits ein kleiner Teil davon würde genügen, um viele wirklich wichtige Probleme auf der Erde zu bekämpfen, wie Hunger, Seuchen, Bildungsnotstand etc. Ist es nicht pervers, dass die Verbraucher diese immensen Kosten dann wiederum durch höhere Produktpreise selbst bezahlen, und das, obwohl die meisten Menschen gar nicht mit den perfiden, verlogenen Reklamebotschaften beschallt und bedrängt werden wollen? Somit finanzieren wir – überspitzt formuliert – also unseren eigenen Henker.

Die Werbewirtschaft hat 2001 einen Umsatz von 32 Mrd. Euro und kostet jeden Einwohner Deutschlands einen auf die Produkte aufgeschlagenen Betrag von 400 Euro. Tendenz steigend. [Quelle]

>> Teil 1: Die Versaubeutelung der Sprache
>> Teil 2: Die untrennbare Vermischung von Reklame und Redaktionellem
>> Teil 2b: Medienmanipulation durch Werbeentzug
>> Teil 4: Die Verschandelung des öffentlichen Raums und die Durchkommerzialisierung des Alltags

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