Okt
19
2012
4

Schönheitssalon für Fünfjährige – Abartiges aus unserer Mediengesellschaft

Na, mal Hand aufs Herz – wer von Euch sieht zumindest gelegentlich das reklameverpestete Privatfernsehen, und dort am besten noch solche Sendungen wie „Germany’s Next Topmodel“ oder ähnlichen Castingquark? Ich hoffe mal, dass sich keiner meiner Leser angesprochen fühlt ;-) – ich jedenfalls bekomme die Abgründe und Auswüchse des Kommerzfernsehens nur noch via fernsehkritik.tv mit und bin nach den wenigen Ausschnitten dann bereits mehr als bedient. Neben den unsäglichen Sendungen, in denen Leute bloßgestellt und vorgeführt werden – schönfärberisch als „Doku-Soap“, „Scripted Reality“ o.ä. bezeichnet –, die mit Sicherheit nicht dazu beitragen, Menschlichkeit und Solidarität zu erzeugen, sind es vor allem die oben von mir genannten Formate, in denen abstruse Schönheitsideale aufgebaut und ausgeschlachtet werden, die mir sauer aufstoßen.

Denn mitnichten ist das alles nur „bloße Unterhaltung“ (so nach dem Motto: wen’s nicht interessiert, der muss es ja auch nicht einschalten!), die da vor sich hin dudelt und als Beiwerk zu den Werbestrecken dient (und von daher vorwiegend kommerziellen Charakter hat) – sondern solche Sendungen sickern nach und nach ins Bewusstsein breiter Bevölkerungsschichten ein, erzeugen Unzufriedenheit mit dem eigenen Aussehen und lassen eben überhöhte und künstlich aufgebauschte Vorbilder entstehen. Dieses Thema hatte ich ja in meinem Blog schon einige Male am Wickel, ich erinnere da an die britische Dokumentation Starsuckers, die zeigte, was solche Inhalte mit Menschen und der Gesellschaft anstellen, oder an meinen Artikel „Ausbeutung: Casting-Idole und ihre Wirkung“. Aber man kann meines Erachtens gewisse Dinge durchaus öfter thematisieren, und dies will ich heute tun.

Denn die BR-Sendung quer brachte unlängst einen Beitrag, der einen durchaus zum Nachdenken anregen könnte – „Marktlücke Prinzessin: Schönheitssalon für Fünfjährige“. Ich weiß nicht, wie Ihr das findet, aber mri läuft es da kalt den Rücken runter, wenn ich das sehe:

Dass in München vor kurzem ein Beauty-Salon speziell für junge Mädchen eröffnet hat, ist nichts Exotisches mehr. Casting-Agenturen für kleine Prinzessinnen, Makeup für Sechsjährige, glamouröse Hochfrisuren – immer mehr versucht die Industrie unsere Kleinsten bereits zu erwachsenen Frauen zu machen, die einem rückwärtsgewandten Rollenbild entsprechen. Doch nun formiert sich Widerstand.


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2010
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Ausbeutung: Casting-Idole und ihre Wirkung

© ljleavell, stock.xchng

Ich halte ja bekanntlich nicht viel von dem ganzen Wirbel um Castingshows und Castingsternchen – dieser Ansatz, jungen Leuten ein eindimensionales Idealbild vorzusetzen, das letztlich darin besteht, in (vergänglichem) Ruhm und medialer Aufmerksamkeit den ultimativen Lebenssinn zu sehen, ist nicht nur oberflächlich, sondern natürlich auch eine wesentliche Triebfeder der „Gesellschaft des Spektakels“ (Guy Debord), in der wir leben. Die Medien vermitteln in Sendungen wie Deutschland sucht den Superstar oder Germany’s Next Topmodel (und vermutlich vielen weiteren dieser Art) gerne den Eindruck, dass die von ihnen selbst aufgebauschte Pseudo-Wichtigkeit, die meist auch nur für kurze Zeit erstrahlt, etwas Substanzielles, Natürliches wäre, also ein sozial bedeutsames Ereignis, an dem man teilhaben müsse, um „cool“ und „in“ zu sein. Dass Fernsehsender, Zeitschriften usw. die mit gewissen Illusionen in das Business gestarteten Menschen am Ende nur ausnutzen, um möglichst viel Geld aus ihnen herauszupressen, dass genormte und geformte „Persönlichkeiten“ produziert werden und echte Individualität bei der Vermarktbarkeit eher stört – solch negative Aspekte werden in den Mainstreammedien in der Regel gerne mildtätig verschwiegen. Lieber schildert man das ausschweifende Luxusleben der „Stars“, um den vor den Bildschirmen mitfiebernden Nachwuchs auf die passenden „Werte“ einzuschwören. (Dies war ja auch Thema der britischen Dokumentation „Starsuckers“, die ich vor einer Weile hier im Blog vorstellte – nach wie vor sehr sehenswert!)

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