Mai
01
2012
2

Markt oder Moral

Es gibt ja doch immer wieder mal Dokumentationen im Fernsehen, die die GEZ-Gebühren rechtfertigen – so auch vor kurzem den Beitrag „Markt oder Moral“ in der ARD. Bereits der Titel ist hübsch gewählt, zielt er doch auf den Antagonismus von „freier“ Marktwirtschaft und moralischem Wirtschaften ab, der unser System durchzieht. In der 45minütigen Sendung wird der Frage nachgegangen, welche Folgen die Produktion unserer Waren weltweit haben und fühlt dabei renommierten deutschen Firmen wie Thyssen-Krupp auf den Zahn. Der von den Medien gerne als Wirtschaftsexperte hofierte Hans-Olaf Henkel zeigt sich hier auch von seiner unangenehmsten neoliberalen Hardliner-Seite. Wenn man mal von dem etwas merkwürdigen und arg naiv wirkenden Beginn absieht, wo sich der Autor beim Autokauf überlegt, welchen Wagen er denn ruhigen Gewissens kaufen könne – selbstverständlich ist die Produktion dieser Wagen immer mit Umweltzerstörung verbunden, schon allein beim Abbau der Rohstoffe! –, kann ich die Sendung nur empfehlen.

Was können Verbraucher mit gutem Gewissen kaufen und was nicht? Eine Entscheidung, die immer schwerer wird, denn viele Produkte entstehen mit Kinderarbeit, Niedriglöhnen, Umweltzerstörung. Während in Europa strengere Gesetze und Umweltauflagen gelten, nutzen viele international tätige Konzerne den niedrigen Rechtsstandard in den armen Ländern – und machen Milliardengewinne.

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Sep
02
2011
6

Lesetipps: Plakate in der virtuellen Welt | Leben scripten | Zara | Voyeurismus-Fernsehen | Finanzkrise

Eigentlich ist es kein Wunder, dass die Werbewirtschaft nicht nur danach trachtet, den realen öffentlichen Raum mit ihren Parolen zuzupflastern und die Menschen damit in einem permanenten „Haben wollen / Kaufen sollen“-Zustand zu halten, sondern ebenfalls versucht, in jede Ritze des Alltags einzudringen. Von daher ist Reklame in Computerspielen schon seit längerem ein Thema, nicht erst, seitdem Games wie Fifa die möglichst „realistische“ Stadiondarstellung dadurch erhöhen, dass sie die virtuellen Pixel-Werbebanden wie im wahren Leben an Unternehmen verkaufen. So ist sicher gestellt, dass die Spieler permanent Markennamen und Werbebotschaften zu sehen bekommen und dies auch noch als „erfreulich realitätsnah“ goutieren. Ein perfekter und irgendwie pefider, selbstverstärkender Mechanismus… wie auch Der Standard in „In-Game-Werbung: Plakate in der virtuellen Welt“ (eher neutral) beschreibt:

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Jul
28
2011
2

Lesetipps: Nano-Haus | Gemeinschaftskonsum | Grüne Palme 2011 | C2C

© benjipie, stock.xchng

Ich habe ehrlich gesagt eine Weile mit mir gerungen, ob ich die Verleihung der Grünen Palme 2011 hier im Blog erwähnen soll, wird sie doch vom Gruner+Jahr-Verlag verliehen, der bekanntlich zu Bertelsmann gehört. Da die Preisträger aber nichts mit Bertelsmann zu tun haben und eine sehr löbliche Sache nach vorne bringen, will ich es dann dennoch tun. Gewonnen hat die Grüne Palme in diesem Jahr nämlich Fabiano Prado Barretto, Fotograf aus Salvador da Bahia in Brasilien, wie die Lighthouse Foundation, die sich für den Schutz und Erhalt der Meere einsetzt, in „Lokaler Strand – globaler Müll“ berichtet. „Local beach – global garbage“ ist ein internationales Projekt, die dem Phänomen der Verschmutzung der Strände Südamerikas durch aus der ganzen Welt stammenden Müll auf den Grunde geht:
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Apr
05
2011
0
Mrz
31
2011
0

Gensoja – Fluch oder Segen? Sowie eine neue E-Petition gegen Gentechnik

@ kstiffler, stock.xchng

Dass der Bundesrat neulich Gentechnik im Saatgut gestoppt hat, war eine gute Nachricht. Leider ist die Gefahr, die der Menschheit und ihrer Ernährungssouveränität durch genmanipulierte und von Konzernen auf den Markt geworfene Nahrung droht, dadurch keinesfalls geringer geworden. Dies wurde mir letzte Woche klar, als ich den Vortrag von Prof. Dr. Antonio Ignacio Andrioli an der Kieler Uni lauschte, der aus eigener Erfahrung in Brasilien und seiner Forschung zum Thema Gensoja wenig Erfreuliches zu berichten wusste. Netter Weise gibt es den sehr guten und anschaulichen Vortrag am Donnerstag auf KielFM (Offener Kanal Kiel) noch einmal nachzuhören . Gesendet wird der Vortrag um 13 Uhr und um 20 Uhr. Eventuell komme ich auch an ein mp3 heran, das ich dann hier zur Verfügung stellen könnte.

EDIT: Tja, Fehlinformation, der Vortrag läuft nur im Offenen Kanal Kiel im Fernsehen… aber ich werde später eine Audiodatei extrahieren, versprochen. :-) HIER entlang zum MP3.

Gen-Soja – Fluch oder Segen? Ein wissenschaftlicher Lagebericht aus Südamerika
Do. 31.3., 13 und 20 Uhr, Offener Kanal Kiel, Aufzeichnung der Veranstaltung in der UNI
Vortrag in deutscher Sprache von Prof. Dr. Antonio Ignacio Andrioli
Direktor des Campus Cerro Largo der staatlichen Universität (UFFS) in Brasilien

Antonio Andrioli wurde 1974 in Campina das Missoes/Brasilien geboren. Ausbildung zum Agrartechniker, dann Studium der Philosophie, Psychologie und Soziologie auf Lehramt, Master in Erziehungswissenschaften. Promotion in Deutschland an der Universität in Osnabrück, Fachbereich Sozialwissenschaften, zum Thema “Bio-Soja versus Gen-Soja: Eine Studie über Technik und Familienlandwirtschaft im nordwestl. Grenzgebiet des Bundeslandes Rio Grande do Sul/Brasilien“. Während seines Aufenthaltes in Deutschland (2001–2006) hat Antonio Andrioli 152 Vorträge gehalten und für seine akademische Leistung den DAAD-Preis für ausländische Studierende erhalten.
Antonio Andrioli war Dozent an der Universität (Unijuí) in Südbrasilien und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Johannes-Kepler-Universität in Linz (Österreich), wo er seine Habilitationsarbeit schrieb. Seit Januar 2010 ist Antonio Andrioli Direktor des Campus Cerro Largo an der staatlichen Universität (UFFS) in Brasilien, die sich schwerpunktmäßig mit nachhaltiger Landwirtschaft beschäftigt.
http://andrioli.com.br/de/

Ganz aktuell gibt es übrigens auch eine neue E-Petition gegen Gentechnik, die der Bund für Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) initiiert hat – also bitte alle mitzeichnen (HIER)!

Gentechnikanbau stoppen – Petition zeichnen!
Gentechnik macht unsere Lebensmittel teuer und riskant. Mit der Petition fordert der Bund für Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) die Bundesregierung dazu auf, sich auf EU-Ebene für ein Anbauverbot von Gentech-Pflanzen einzusetzen. Das ist dringend notwendig, weil das europäische Zulassungsverfahren Umwelt- und Sicherheitsaspekte nicht ausreichend beachtet. Falls es dennoch so weit kommen sollte, dass neue Gentech-Pflanzen zugelassen werden, muss sich Deutschland dafür stark machen, den Anbau auf nationaler Ebene zu verbieten.

Damit das Anliegen im Petitionsausschuss persönlich vortragen und diskutiert werden kann, müssen innerhalb von nur drei Wochen – bis zum 17. April – 50.000 Bürgerinnen und Bürger die Petition mitzeichnen.

http://www.boelw.de/petition.html

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Dez
30
2010
3

Ethanol-Kamine: Schädlich, unverantwortlich und brandgefährlich

Winterzeit, Kaminzeit. Während draußen „arktische“ Kälte herrscht, greifen immer mehr Menschen zu dekorativen Kaminen, die mit Ethanol befeuert werden. Dass diese modische Marotte nicht nur eine gefährliche, sondern (mal wieder) auch umweltschädliche Heizmethode ist, zeigt die aktuelle Online-Unterschriftenaktion von Regenwald.org – „Ethanol-Kamine: Schädlich, unverantwortlich und brandgefährich“. Also bitte alle die entsprechende Online-Petition an Ministerin Aigner unterzeichnen!:

Ethanol wird aus zucker- und stärkehaltigen Pflanzen hergestellt. In Europa dienen dazu vor allem Weizen und andere Getreide sowie Zuckerrüben, in den USA Mais und in Brasilien Zuckerrohr. Brasilien ist nach den USA der weltweit zweitgrößte Ethanolproduzent. Da die heimischen Anbauflächen nicht ausreichen und die Produktionskosten bei uns hoch sind, wird Ethanol in großen Mengen aus Brasilien importiert. Die Ethanol-Einfuhren der Europäischen Union aus Brasilien belaufen sich auf etwa 1,5 Millionen Kubikmeter pro Jahr. Angebaut wird das tropische Süßgras auf riesigen industriellen Monokulturen. Schon neun Millionen Hektar sind in dem südamerikanischen Land mit den grünen Zuckerrohrwüsten der Großgrundbesitzer, Investoren und multinationalen Konzerne belegt.

Die Zuckerrohrschneider schuften als moderne Sklaven auf den Plantagen zu Hungerlöhnen. Bei mörderischer Hitze und Staub müssen sie 15 Tonnen Zuckerrohr und mehr am Tag ernten. Jedes Jahr werden von der brasilianischen Bundespolizei mehrere Tausend Zuckerrohrarbeiter aus sklavenähnlichen Arbeitsverhältnissen befreit. Enorme Mengen kostbaren Wassers werden zur Bewässerung der Felder und für die industrielle Produktion vergeudet. Immer tiefer fressen sich die Plantagen in die Tropenwald- und Savannengebiete des Landes hinein. Indianer und Kleinbauern werden dafür von ihrem Land vertrieben und oftmals ermordet. Die brasilianische Regierung plant, die Anbaufläche für Zuckerrohr zu versiebenfachen. Auf 65 Millionen Hektar soll Zuckerrohr kultiviert werden – das entspricht der Fläche Deutschlands und Polens.

Der größte Teil des in die EU importierten Ethanols wird dem Auto-Benzin als sogenannter „Biokraftstoff” beigemischt. Darüber, wie viel Ethanol in den Dekokaminen verfeuert wird, gibt es keinerlei offizielle Angaben. Mit einem Liter Ethanol brennen die Wohnaccessoires zwei bis drei Stunden. Manche lassen sich nicht einmal „abstellen“: Sie brennen in jedem Fall so lange, bis das Ethanol verbraucht ist. Die Hersteller werben damit, dass weder ein Schornsteinanschluss noch eine Genehmigung nach der Feuerstättenverordnung erforderlich sind. Doch der von vielen beworbene Heizeffekt ist minimal. Die Dekokamine sind kaum mehr als ein optischer Gag.

Damit sich nicht zu viele giftige Abgase in der Raumluft ansammeln, muss zudem permanent gelüftet werden. Wissenschaftler sorgen sich um den Schadstoffausstoß – darunter krebserregende Stoffe – auf den Straßen durch den fünfprozentigen Ethanolanteil im Auto-Benzin. Doch was passiert, wenn stundenlang 96-prozentiges Ethanol mitten in deutschen Wohnzimmern abgefackelt wird? Ethanol ist leicht entzündbar und wird auch als Brandbeschleuniger eingesetzt. Ab 21 Grad Celsius Raumtemperatur bildet sich ein hochexplosives Gemisch. Läuft Ethanol beim Befüllen aus und entzündet sich, brennt schnell der ganze Raum lichterloh. Wöchentlich berichten die Medien von solchen Wohnungsbränden, Verpuffungen und Explosionen. Ende November erlag eine Frau in Schleswig-Holstein ihren schweren Brandverletzungen. Prüfnormen existieren nicht. Die Stiftung Warentest warnt daher vor den Geräten.

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Mrz
14
2010
4

São Paulo – die saubere Stadt

Ich hatte es an dieser Stelle ja schon des öfteren anklingen lassen, dass der Widerstand der Leue gegen die Zumutungen der Reklameindustrie weltweit wächst. Selten ist man dabei aber so konsequent und erfreulich radikal wie der Bürgermeister von São Paulo – seit September 2007 sind dort jegliche Formen von Außenwerbung verboten! Das ganze riesigen Neonreklame-Gedöns, alle Plakate und überdimensionalen Aufsteller, die einen ansonsten ins Sichtfeld springen und ungefragt zum Konsum auffordern, sind verschwunden. Tatsächlich spüre ich bereits beim Betrachten der Vorher-/Nachher-Bilder aus São Paulo eine Entspannung im Gehirn – das dreiste Anplärren durch den Kommerz verschwindet und das Auge hat wieder mehr Raum zum unbeschwerten Schauen. Das ist das wahre Adbusting!

Der Weburbanist-Blog schreibt in „‘Clean City’: São Paulo scrubbed of outdoor ads“:

Outdoor advertising is so ubiquitous in almost every urban setting around the world, it’s difficult to walk down a street, take an escalator or sit on a bench without getting slapped in the face with one product or another. But the city of São Paulo, Brazil is like an advertising ghost town: all of its billboards stand oddly blank and empty. (…)

und berichtet weiter, dass diese Maßnahmen vom Großteil der Bevölkerung begrüßt werden, trotz des verzweifelten Versuchs der Reklamewirtschaft, die Leute mit Kampagnen vom Gegenteil zu überzeugen.

While advertisers weren’t too happy about the law – $8 million in fines were levied against those who dawdled in taking ads down, and Clear Channel launched an unsuccessful campaign to raise support for putting them back up – the citizens clearly approve. Surveys found that at least 70% are happy with the change.

Erstaunlich, dass hier also zur Abwechslung mal die Interessen und Bedürfnisse der Bürger, der Menschen im Mittelpunkt stehen und nicht die der Wirtschaft. Ein Beispiel, dass Schule machen sollte.

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