Aug
09
2011
5

Lesetipps: Börsenberichterstattungselend | Geld ohne Banken | Fei Lun | Nano in Sonnencremes

© OmirOnia, stock.xchngNa, habt Ihr in den letzten Tagen fingernägelkauend, schweißnass und voller Angst die Talfahrt der internationalen Börsenkurse verfolgt? Oder gar den entsprechenden medialen Rummel im Fernsehen in Euer Leben gelassen? Gut so wenn nicht, würde ich mal behaupten. Denn was mich an der „Börsenberichterstattung“ schon früher immer gewundert bis verärgert hat ist, dass sich die Journalisten hinstellen und so tun, als wenn die Kursbewegungen fundamentale, rationale, zum Teil technische Gründe hätten – oder maximal psychologische (Panik, Gier). Dass aber einfach von vielen Marktteilnehmer herumgezockt wird, dass die Kursschwankungen mit dem Unternehmen und deren Wirtschaften nur in schwacher Korrelation stehen, dass Daytrader und Hedgefonds Kurse bewusst im Laufe eines Tages mal in die eine, mal in die andere Richtung treiben, das bleibt zumeist unerwähnt. Es soll die Illusion des Wirtschaftslebens als rationaler Hort der Vernunft aufrecht erhalten werden – und genauso die Illusion, dass die Börsenkurse ein Spiegelbild der Wirtschaft wären und deshalb wichtig für jeden einzelnen Bürger. (Das stimmt nur insoweit, als dass viele Menschen über Rentenversicherungen etc. indirekt auch am Aktienmarkt beteiligt sind.) Ähnliche Gedanken machten sich auch die NachDenkSeiten – „Das Elend des Wirtschaftsjournalismus findet in der Börsenberichterstattung seine Vollendung“:

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Sep
07
2009
3

Wall Street macht sich bereit für die nächste Spekulationsblase

© svilen001, stock.xchng

© svilen001, stock.xchng

War es nicht so, dass unsere geliebte Bundesregierung und die anderen unbeschreiblich fähigen Regierungen weltweit den „notleidenden Banken“ mit Milliarden aus der Patsche halfen, dafür aber auch strengere Regulierungen und Überwachungen einführen wollten? Tja, Pustekuchen, natürlich ist nicht wirklich etwas geschehen, um die Macht der Banken und Finanzjongleure zu begrenzen, denn die Party der Banker geht in die nächste Runde. Wie die New York Times jetzt berichtet, haben findige Köpfe der Finanzindustrie das nächste Feld ausgemacht, auf dem zu tummeln sich für das händeringend nach Anlagemöglichkeiten suchende Kapital lohnt: die sog. „life settlements“, Lebensversicherungen älterer und kranker Menschen, die diese verkaufen. Diese Policen sollen dann, wie schon letztes Jahr mit den faulen Immobilienkrediten, wieder zu neuen Paketen geschnürt und auf ins weltweite Börsencasino eingespeist werden.

Then they plan to “securitize” these policies, in Wall Street jargon, by packaging hundreds or thousands together into bonds. They will then resell those bonds to investors, like big pension funds, who will receive the payouts when people with the insurance die.

The earlier the policyholder dies, the bigger the return — though if people live longer than expected, investors could get poor returns or even lose money.

Either way, Wall Street would profit by pocketing sizable fees for creating the bonds, reselling them and subsequently trading them.

Bei soviel Dreistigkeit – offenbar haben die Banker nichts aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt (was aber auch nicht zu erwarten war, seien wir mal ehrlich) – fällt mir echt nichts mehr ein, von der Geschmacklosigkeit, darauf zu spekulieren, dass Leute möglichst früh sterben mal ganz zu schweigen. Wir dürfen uns dann also wohl schon mal auf die nächste platzende Spekulationsblase freuen, die dann wieder der normale Bürger ausbaden und gegenfinanzieren „darf“… Das Echo in der amerikanischen Blogszene fällt dementsprechend harsch und angewidert aus – z.B. „Wall Street Ghouls“, „Wall Street Gambles Again“, „Banksters to bet trillions on decreased life expectancy with ‚securitized life insurance‘“, „Stranger-owned life insurance“, und die internationale Ausgabe des Spiegels befasste sich aktuell ebenfalls mit der Thematik.

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Aug
18
2009
10

In Sekundenbruchteilen

Die Botschaft, dass die Finanzmärkte mit ihrem Casino-Gebaren eine Mitschuld an der derzeitigen „Finanz-“/Wirtschaftskrise tragen, ist inzwischen in breiten Teilen der Bevölkerung angekommen. Dennoch glauben vermutlich immer noch viele Menschen, dass die Börsen einen wirklichen Nutzen für die Menschheit bieten (und nicht bloß ein Bereicherungsinstrument für wenige sind), dass die Finanzmärkte „perfekte Märkte“ seien (weil sich hier Angebot und Nachfrage offen gegenüber stehen) und dass Aktienkurse eine direkte Aussage über die Qualität eines Unternehmens darstellen. Dieses Bündel an Irrglauben sollte so langsam durchaus auch erschüttert werden dürfen, beispielsweise durch den Beitrag „Börsencomputer handeln extrem schnell“ des ZDF-Magazins WISO aus der letzten Woche, in dem es um den mittlerweile fast vollständig computerisierten Aktienhandel geht, bei dem Überlegungen zu fundamentalen Daten zu einzelnen Unternehmen, Branchen, Konjunktur etc. keine wirkliche Rolle mehr spielen – es wird gekauft und verkauft, was das Programm gerade, in der Sekunde, für lohnenswert hält. Aus einer Investition in eine Firma wird so eine reine Spekulation im Millisekundenbereich. Hier von einem „fairen Handel“ zu sprechen, ist purer Hohn, denn es gewinnt der, der sich die schnellsten Rechner leisten kann. Wertschöpfung bei alledem? Fehlanzeige. Das Ganze ist ungefähr so „produktiv“ wie Sportwetten o.ä. Hinzu kommt: Sobald ein Unternehmen an der Börse gelistet ist, ist es den dortigen Regeln unterworfen und muss sein Trachten auf die Mehrung des „Shareholder Value“ ausrichten, sprich, immer auf möglichst optimale Quartalszahlen schielen, was zu Lasten eines längerfristigen (und damit eventuell auch nachhaltigeren und verantwortungsvolleren) Denkens geht.

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