Dez
20
2011
6

Die Weißen kommen – Die wahre Geschichte des Kolonialismus

Heute möchte ich Euch ein ineterssantes Buch empfehlen, das Helmut Schnug vom Kritischen Netzwerk vor Kurzem vorgestellt hat – „Die Weißen kommen – Die wahre Geschichte des Kolonialismus“ von Gert von Paczensky. Falls sich nun einer fragt, was denn der Kolonialismus mit der Thematik meines Blogs zu tun hat – sehr viel! Denn das, was wir heute als Globalisierung bezeichnen und was von vielen kritisiert wird, hat seine Wurzeln letztlich im Kolonialismus des 19. und 20. Jahrhunderts. Ja, man kann sogar sagen, dass vieles von dem, was heute vor allem in Afrika in punkto Wirtschaftsaustausch mit dem Westen so vor sich geht, eine direkte Fortsetzung der damas begonnenen Ausbeutung ist, nur dass man sie heute geschickter verpackt und kaschiert. Damals wie heute profitieren wir in Europa, aber auch in den anderen Industrienationen davon, dass wir günstig an Rohstoffe gelangen, die dann hier erst veredelt und zu Geld gemacht werden. Die Menschen vor Ort haben davon oft wenig, abgesehen von einer kleinen Oberschicht. Die Grundlagen dafür wurden bereits vor 100 Jahren und mehr gelegt.

—————

Autor: Gert Franz-Joseph von Paczensky

Verlag: Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg (1. Aufl. 1970)
ISBN: 3-455-05900-7 …/… 978-3-455-05900-7
in Leinen gebunden, 560 Seiten mit 6 Karten

überarbeitete Neuausgabe als Fischer-Taschenbuch Nr. 3418 mit dem Titel: Weiße Herrschaft (1979)
ISBN: 3-596-23418-2

Paczensky öffnet die koloniale Schreckenskammer und veranlasst den Europäer, hineinzuschauen. Die thematische Darstellung basiert auf einer erdrückenden Masse dokumentarischer Details und beweiskräftige Zeugnisse einschließlich direkter Zitate – keine schwammigen Redereien, kein effekthaschender Journalismus, kein Jammern, Moralisieren, Entschuldigen.

Die hervorragende Einleitung und eine ungewöhnliche, aber ausgezeichnete Gliederung der Kapitel bilden die Grundlage für ein Meisterwerk, das nicht eindringlicher und erschütternder sein könnte. Es beleuchtet die totgeschwiegene Kehrseite imperialer Größe: wieviel Blut wurde vergossen, in welchem Ausmaß wurden Asien, Afrika und Amerika von den Europäern ausgeplündert! Und um welchen Preis wurden Städte wie London, Brüssel, Paris und Amsterdam zu machtvollen Zentren des Reichtums, zu glanzvollen Metropolen?

Klappentext der gebundenen Ausgabe:

Die Zeit imperialer Größe gehört der Vergangenheit an: Die einst so mächtigen Kolonialländer England, Spanien, Frankreich, Belgien, Portugal und Deutschland (das in diesem Zusammenhang nur in der Zeit Bismarks und Wilhelms II. eine Rolle spielte), haben ihre weltbeherrschende Stellung verloren und ihre überseeischen Besitzungen ganz oder bis auf unbedeutende Reste in die Unabhängigkeit entlassen müssen.

Über die jahrhundertelange Zeit des Kolonialismus, in der Männer wie der Spanier Pizarro, der Engländer Cecil Rhodes, der Franzose de Brazza oder der Deutsche Carl Peters ihren Herrschern eine Welt zu Füßen legten, wissen wir aber noch heute nicht die volle Wahrheit. Klischeehafte Überzeugungen und Vorstellungen von der Überlegenheit europäischen Menschentums ersetzen noch immer das exakte, fundierte Wissen, das diesem Kapitel der Menschheitsgeschichte angemessener wäre.

Gert v. Paczensky, der bekannte Journalist und erste Moderator der Fernsehsendung „Panorama“, legt hier ein reich dokumentiertes Werk vor, das mit vielen liebgewordenen Ansichten von der Glanzzeit der Alten Welt aufräumt.

In seinem von vehementer Leidenschaft getragenen Buch weist der Autor an einer Fülle eindrucksvoller Beispiele nach, daß die mit Gewalt und List erworbenen Kolonien seit ihrer Gründung nur mit Mühe gegen den erbitterten Widerstand der unterjochten Völker zusammenzuhalten war.

Wenn man erfährt, daß Länder von der Größe europäischer Staaten für billigen Tand den Besitzer wechselten, daß afrikanische Häuptlinge in blindem Vertrauen „Schutz“-Verträge unterschrieben, die von den Weißen entweder zerrissen oder nach Belieben ausgelegt wurden, daß die Kolonialvölker von ihren Herren sogar zum Kriegsdienst für fremde Rechnung herangezogen wurden, drängt sich die Frage auf: Wie war es möglich, daß diese auf tönernen Füßen stehenden Riesenreiche über Jahrhunderte hinweg Bestand hatten?

Gert v. Paczensky hat nach eingehenden Studien der internationalen Kolonialliteratur ein atemberaubendes Stück Geschichtsschreibung geschaffen, das der „anderen Seite“, den unterworfenen Völkern der außereuropäischen Erdteile, endlich Gerechtigkeit widerfahren läßt.

Dieses längst fällige Buch vermittelt Erkenntnisse und Einsichten, ohne die viele der politischen Kämpfe der Welt von heute unverständlich bleiben müssen.

Inhalt:

Vorwort .9

Der Segen des Papstes .13
Die Worte der Weißen .15
Die weißen Helden .41
Plünderung – en detail .91  (in Tb-Version: Wilde)
Die weißen Herren .113

Plünderung – en gros .122
Mord – en gros, en detail .130  (in Tb-Version: Mord an Völkern und Menschen)
Raubbau am Menschen I – Sklaverei .176
Raubbau am Menschen II – Zwangsarbeit .207
Raubbau am Menschen III – Die Lasttiere .243

Die Sadisten I – Die Peitsche .258
Die Sadisten II – Die Folterknechte .274
Der Weg ins Elend I – Die Landräuber .312
Der Weg ins Elend II – Weiße Wirtschaft .365
Der Weg ins Elend III – So züchtet man Proletarier .388

Aber wir haben doch Kultur und Zivilisation gebracht .423
Das Erbe der Weißen: Hunger .462
Prost .469
Der Gewinn .475
Daten der Kolonialgeschichte .509

Kartenteil .521

  • Der englische Machtbereich 1914
  • Der französische Machtbereich 1914
  • Der spanische Machtbereich 1783
  • Der portugisische Machtbereich 1783 und 1900
  • Der deutsche Machtbereich 1914
  • Der italienische Machtbereich 1936

Quellenverzeichnis und Literaturhinweise zur Kolonialgeschichte .529

Leseprobe aus dem Vorwort:

…Man wirft den Deutschen vor, sie hätten zu schnell verdrängt, was in der Hitlerzeit passiert ist. Darüber sind wir immerhin fast lückenlos unterrichtet. Weitgehend unbekannt und nirgendwo zusammenhängend dargestellt ist hingegen, was die Weißen den Farbigen angetan haben. Diese Unkenntnis hindert die meisten Weißen daran, zu verstehen, was in der Welt vorgeht.

Wenn heute in den reichen Industrieländern der weißen Welt die Armut der „Dritten Welt“ bejammert, gegafft, bestaunt wird, dann kommt kaum jemand auf den Gedanken, an dieser Armut könnten die reichen Weißen schuld sein – nicht etwa Gottes Gebot, die Rasse oder das Klima. Wenn die wohlgenährten, gebildeten Leitartikler, Politiker, Wirtschafter und Techniker der weißen Welt über die Unfähigkeit der Führungsschichten in sogenannten Entwicklungsländern den Kopf schütteln, dann fällen sie in Wirklichkeit ein Urteil über die weiße Welt. […..] Die weiße Welt hat alles daran gesetzt, die übrigen Völker möglichst arm zu machen und möglichst dumm zu halten. Das Rezept, das die Nazis in Polen anwenden wollten, war schon vorher im Weltmaßstab ausprobiert worden. Auch das Ziel war nicht neu: auf der Armut der anderen den eigenen Reichtum zu gründen. Man kann der weißen Welt bescheinigen, daß sie es erreicht hat. Mit welchen Methoden und auf wessen Kosten – das hat sie verdrängt. […]

Leseprobe aus dem Kapitel: Die Worte der Weißen

Die Weißen können freundlich und höflich sein. Sie verstehen gut, mit Worten umzugehen, mit Versprechungen. Sie kennen einige Tricks, um Gebiete zu erwerben, ohne Gewalt anwenden zu müssen. Oder, um bessere Voraussetzungen für die Anwendung von Gewalt zu schaffen. Die Weißen betreiben eine Eroberung mit Worten. Sie lehren die farbige Welt weiße Vertragsmoral.[…]
Leseprobe aus dem Kapitel: Die weißen Helden

Die Weißen sind ungeduldig. Was sie mit Freundlichkeit und Geduld erreichen können, genügt ihnen nicht. Die Weißen verlassen verlassen sich lieber auf ihre Waffen. Mit denen sind sie allen anderen Völkern überlegen. Die Weißen begründen im größten Teil der Welt die Tradition, daß Macht und Gewalt vor Recht geht. Sie führen Ausrottungskriege, Eroberungskriege, Polizeiaktionen, „Befriedungskriege“. […]
Leseprobe aus dem Kapitel: Mord – en gros, en detail (Mord an Völkern und Menschen)

Die Weißen empören sich über die Verbrechen des Hitler-Staates. Als die Sieger über Nazi-Deutschland das Nürnberger Tribunal vorbereiteten, haben die Kolonialmächte unter ihnen ebenso schwere Verbrechen des Völkermordes und des Sadismus hinter sich wie die Nazis. Die Missetaten der richtenden Nationen unterscheiden sich von denen der Deutschen nur durch eine andere Technik. Und durch die Opfer natürlich: Farbige. Ausrottung en gros, Mord en detail ist das Geschäft der weißen Kolonialmächte durch die Jahrhunderte hindurch – und noch lange, nachdem die Nazis verschwunden sind.
Leseprobe aus dem Kapitel: Die Sadisten II – Die Folterknechte

Die Weißen erniedrigen sich nicht nur, indem sie andere Menschen schlagen. Sie gehen noch weiter (zurück): Die Weißen foltern. Nicht heimlich und selten, in Ausnahmefällen, sondern massenhaft und offen. […]

… Die Umwelt vergißt nicht so schnell, das Opfer nicht so schnell wie der Täter. Daher ist es an der Zeit, daß sich die gesamte weiße Welt einmal deutlich vor Augen führt, wie wenig man Hitler und sein Verbrechensregime als Ausnahmefall betrachten kann. Er ist nur in drei Bereichen über das hinausgegangen, was die Weißen während der letzten Jahrhunderte als selbstverständlich traten: seine Ausrottungspolitik gegenüber fremden Völkern traf auch die weiße Rasse, und da wurde diese aufmerksam – ja: sie spannte sogar die Farbigen ein, um Hitler loszuwerden; er bediente sich einer höher entwickelten Technik, als sie bisher im Rassenkampf angewendet worden war. Das Totschlagen und Aushungern jedes einzelnen dauerte zu lange – daher wurden Gaskammern und andere technische Mittel eingesetzt. Und damit schafften es die Nazis, innerhalb kurzer Zeit eine Rekordzahl von Menschen umzubringen. Die Deutschen und die Israelis zählen da meist nur die ermordeten Juden. Ich möchte auch die ermordeten Polen, Russen, Rumänen, Jugoslawen, Tschechen, Holländer, Franzosen, Dänen, Norweger, Belgier usw. – und Deutsche ausdrücklich mit einschließen. [..]
Leseprobe aus dem Kapitel: Der Gewinn

Den Versuch, die Gewinne zu berechnen, die weiße Länder aus der farbigen Welt gezogen haben, müßten eigentlich ganze Gruppen von Fachleuten mit den modernsten Rechengeräten unternehmen. Es wäre eine wichtige und nützliche Aufgabe für eine der großen und reichen Stiftungen, die sich um Verständigung zwischen den Menschen bemühen. Am Verständnis zwischen der weißen und der farbigen Welt hapert es nicht zuletzt wegen der unehrlichen Verschleierung der Gewinne, zu denen die Farbigen, sehr gegen ihren Willen, den Weißen von Anfang an verholfen haben. Eine solche Untersuchung würde zweifellos Beträge von einer Höhe ergeben, die sich ein normaler Mensch nicht vorstellen kann. […]

Informationen zum Autor Gert von Paczensky:

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Fernsehtipp: Die Rosen-Story (WDR, 28.11., 22 Uhr)

Heute nur ein kurzer Fernsehtipp von mir – um 22 Uhr läuft im WDR die Dokumentation „Die Rosen-Story“, die über die teils beschämenden Zustände in der afrikanischen Blumenproduktion berichtet. Denn irgendjemand zahlt natürlich den Preis dafür, dass wir hier bei Aldi & Co. für ein paar Euro fuffzich „schön billig“ Blumen an der Supermarktkasse kaufen können … dieses Prinzip gilt ja generell für unsere scheinbar so günstigen Konsumgüter…

Die Rose – das Symbol der Liebe, vom Blumenhändler um die Ecke. Die Blumen selbst aber kommen aus Kenia, aus Ecuador oder Äthiopien. Wie ist es möglich, Blumen um die halbe Welt zu schicken, wenn ein Strauß Rosen im Supermarkt nur € 1,99 kostet?

Der wichtigste Rosenzüchter weltweit hat seine Heimat in Schleswig-Holstein. Seit über 100 Jahren züchten Wilhelm Kordes Söhne die „Königin der Blumen“. Heute ist die Firma völlig unabhängig vom deutschen Markt und beliefert Rosenproduzenten vor allem in Afrika und Lateinamerika mit ihren Züchtungen.

Besonders in Kenia, am Naivashasee, ist Kordes präsent. Dort haben sich fast hundert Rosenfarmen angesiedelt, die täglich Millionen Rosen produzieren – unter fragwürdigen Bedingungen. Die kaum mehr als 30 Euro monatlich sind für die Arbeiter zu wenig, um ihre Familien zu ernähren, und der massive Pestizid-Einsatz führt oft zu gesundheitlichen Schäden. Der Wasserspiegel des Naivasha ist gesunken, der See selbst durch Abwässer der Farmen verdreckt.

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Die Altkleider-Lüge

Kennt Ihr das auch? Man schaut sich mal wieder eine kritische Reportage über diesen oder jenen Missstand in der Welt an, über einen schlimmen Konzern oder Ausbeutung in armen Ländern, und denkt dann bei sich: „Mist, das hätte ich jetzt doch besser nicht gewusst – nun bin ich deprimiert!“ Dieser Effekt tritt besonders dann ein, wenn nicht einer der üblichen Verdächtigen (Banken, Nestlé, Fleischkonsum, …) an den Pranger gestellt werden, sondern es um Organisationen oder Ideen geht, die eigentlich gut gedacht und gemeint sind, so wie neulich der Wirbel um den WWF. In die gleiche Kategorie fällt auch die Sendung „Die Altkleider-Lüge“, die der NDR vor einer Weile ausstrahlte und die mit dem Irrglauben aufräumte, dass man mit Kleiderspenden an das Rote Kreuz etc. wirklich etwas Gutes für Menschen in Afrika und anderswo tut.

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Hühnerwahnsinn – Das eiskalte Geschäft mit dem Geflügel

Die EU-Subventionspolitik steht ja schon seit vielen vielen Jahren in der Kritik – gerade im Landwirtschaftssektor werden oft völlig falsche Anreize und Lenkungssignale gesetzt (wie man bereits in frühere Jahrzehnten mit den „Butterbergen“ und „Milchseen“ zu spüren bekam). Im Zuge der allgemeinen neoliberalen Exportorientierung der westlichen Industrieländer versucht man nun, Überschüsse in andere Regionen zu verkaufen – Dank Exportförderungen für die Landwirte funktioniert es auch hervorragend, z.B. Geflügelteile, die hierzulande als „nicht fein“ genug gelten, nach Afrika auszuführen und dort mit einem künstlich niedrig gerechneten Kampfpreis in die lokalen Märkte zu pressen. So nimmt der vom EU-Steuerbürger finanzierte Unsinn billiger und billigster Fleischproduktion immer groteskere Züge an und zerstört zudem auch noch die regionale Wirtschaft vor Ort. Die Phoenix-Doku „Hühnerwahnsinn – das eiskalte Geschäft mit dem Geflügel“ (via Nokturnal Times) geht den Zusammenhängen auf den Grund und zeichnet dabei ein wenig erfreuliches Bild unserer auf Wachstum und Expansion getrimmten Wirtschaftswelt.

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Neuzeitlicher Kolonialismus und schlimme Zustände beim Goldabbau

Es gibt wenig auf der Welt, was seit Jahr und Tag so beliebt ist wie Gold. Legenden und Mythen ranken sich um diesen Rohstoff, Kriege wurden deswegen geführt, viele Menschen mussten ihr Leben lassen, damit heutzutage Spekulanten Goldpreise in ungeahnte Höhen treiben oder man sich Gold als kostbaren Schmuck um den Hals legen kann. Es dürfte niemanden, der die Geschichte der Kolonisation und auch die heutige Entwicklung in der sogenannten Globalisierung verfolgt, verwundern, dass auch beim Gold der selbe Mechanismus greift wie bei allen anderen Dingen, die einen gewissen Wert haben – die armen Länder, die aber reich an Rohstoffe sind, werden von den entwickelten Industrienationen rücksichtslos ausgebeutet und über den Tisch gezogen. Multinationale Konzerne machen das Geschäft, zerstören die dortige Umwelt und lassen nur einen kleinen Prozentsatz des erbeuteten erworbenen Schatzes im eigentlichen Land. Der Rest dient der Aktienkurspflege.
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Lesetipps: Blutdiamanten / Sklavenarbeit im Beerenwald / Bertelsmann

© underdogw, stoch.xchng

Dass die Globalisierung ein Geschäft von oft recht einseitigem Vorteil für einen der Akteure ist – nämlich die westlichen Industrienationen –, ist ja nun nichts Neues. Auch in meinem Blog finden sich viele Hinweise darauf, wie Konzerne das Einkommensgefälle und die unterschiedlichen Ansprüche in den Regionen der Welt gegeneinander ausspielen, um möglichst günstig zu produzieren. Von den Wanderarbeitern, die z.B. in Spanien, oft illegal eingeschleust, unterwegs sind, um dort die Drecksarbeit bei den Gemüse- und Obsternten zu machen, weiß man ja auch schon länger. Neu war für mich, dass es auch im hohen Norden, im so auf sein Sozialwesen stolzen Schweden, solche Zustände gibt – die taz berichtet in „Sklavenarbeit im Beerenwald“, wie Gastarbeiter aus Asien beim Blaubeerpflücken ausgenutzt werden:

In Schweden sind vor allem Gastarbeiter aus Asien für die Ernte zuständig. Sie leiden unter katastrophalen Arbeitsbedingungen. Schwedische Medien werfen Sklaverei vor. (…)

(…) Alle Jahre wieder um diese Zeit füllen sich die schwedischen Zeitungen mit Beerenpflücker-Geschichten. Aus Thailand, Vietnam oder China werden über mehr oder weniger zwielichtige Agenturen mehrere tausend SaisonarbeiterInnen in die nordschwedischen Wälder gelockt. Meterhohe Heidelbeerbüsche, dicht bewachsen mit Beeren so groß wie Weintrauben seien ihnen versprochen worden, erzählt ein 25-jähriger Chinese in gebrochenem Englisch einem Fernsehreporter. Und als sie in Långsjöby ankamen, hätte sich nicht nur das als Märchen erwiesen. Auch die tatsächliche Entlohnung für die Arbeit habe nur ein Bruchteil des Versprochenen betragen. (…)

Vielleicht noch tragischer sind die Kämpfe und Kriege, die in Afrika um reiche Diamantvorkommen geführt werden – um an die wertvollen Klunker zu kommen, wird über Leichen gegangen und Menschen vertrieben, und oft genug werden mit dem durch den Diamanthandel erzielten Gewinn Diktaturen am Laufen gehalten. Nicht ohne Grund nennt man diese Steine deshalb auch „Blutdiamanten“ – der Handel damit ist verpönt, wird aber dennoch weiter geführt. Der Spiegel widmete diesem Thema neulich gleich eine ganze Artikelreihe – „Funkelnde Treibsätze“:

Klein, funkelnd und ungeheuer wertvoll: Diamanten sind begehrte Luxusobjekte. In vielen Abbauregionen werden jedoch mit ihren Verkaufserlösen gewalttätige Konflikte finanziert, die Bevölkerung leidet. Nun droht das Kimberley-Abkommen, das die Finanzierung von Krieg und Terror durch Rohdiamanten stoppen soll, zu scheitern. (…)

(…) Der illegale Diamantenhandel erlebt eine Renaissance: Das Kimberly-Abkommen, das die Finanzierung von Krieg und Terror durch Rohdiamanten stoppen soll, hat nach Ansicht seines Erfinders Ian Smillie versagt. Beobachter berichten bereits von einer Zunahme beim Schmuggel der Steine. (…)

Leider auch ein ewig aktuelles Thema wird sicherlich auch noch für eine ganze Weile die Macht und der Einfluss des Bertelsmann-Konzerns bleiben. Wie ich an anderer Stelle schon mehrfach ausführt („Das Bertelsmann-Imperium“, „Bertelsmann und die Bertelsmann-Stiftung – die schleichende Untergrabung der Demokratie“) wächst hier seit längerem ein besonders mächtiger Mediengigant heran, der es sich zudem auf die Fahne geschrieben hat, die gesamte Gesellschaft in seinem Sinne zu beeinflussen, bis hinein in Studium und Schule. Man muss nicht verschwörungstheoretisch veranlagt sein, um hierin eine Gefahr für die Demokratie und die Gesellschaft zu sehen. Bleib passiv! gibt einen guten Überblick über die Problematik, die der wachsende Einfluss des Konzerns aus Gütersloh für uns alle mit sich bringt – „Bertelsmann – die brandstiftende Feuerwehr“:

Dass das sogenannte »Image« großer Unternehmen und Konzerne keinesfalls ein Abbild der jeweiligen unternehmerischen Wirklichkeit darstellt, sondern meist sogar im völligen Gegensatz zu den eigentlichen Konzernmachenschaften steht, ist ja inzwischen weder neu noch überraschend. Kapital und Einfluss, kurz: Profit ist der Zweck, der die Mittel heiligt. Überspielt wird das Ganze dann mit Unbeflecktheitspropaganda, also der eigenen Imagepflege.So weit, so schlecht. Wirklich abstoßend wird es aber, wenn ein Unternehmen nicht nur Unbescholtenheit vortäuscht, sondern sich sogar den heroischen Anschein des unschätzbaren Wohltäters gibt, der sich um nichts mehr als um das Wohl der Menschen sorgt und dabei insgeheim mit aller Kraft diese grausame Wirklichkeit selbst produziert, die er zu bekämpfen vorgibt. (…)

In der taz hatte sich Thomas Schuler, dessen Buch „Bertelsmann Republik Deutschland“ Anfang August auf den Markt kam, in „Die Methode Bertelsmann“ ebenfalls mit dem umtriebigem Treiben Bertelsmanns und seiner Stiftung befasst:

Die Bertelsmann-Stiftung regiert Deutschland mit. Dabei ist sie undemokratisch und dient als Steuersparmodell. Die Stiftung bestreitet dies. (…)

(…) Die Bertelsmann Stiftung ist auf das Vertrauen der Gesellschaft angewiesen. Glaubwürdigkeit ist ihr höchstes Gut. Weil sie das weiß, sucht sie fortlaufend nach Kooperationen mit dem Bundespräsidenten und der Bundeskanzlerin. Sie giert danach zu hören, wie sehr sie der Allgemeinheit nutzt. Die Bundespräsidenten Herzog, Rau und Köhler haben es ihr oft und allzu bereitwillig öffentlich bestätigt – ebenso die Kanzler Schröder und Merkel. Natürlich sind einzelne Projekte der Stiftung durchaus gemeinnützig. Aber verfolgt die Stiftung in der Gesamtheit ihrer Projekte und vor allem in ihrer Konstruktion ausschließlich gemeinnützige Zwecke? Ist sie glaubwürdig in ihrem Anspruch und in ihrer Reformarbeit? (…)

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