Dez
25
2011
12

AdBlock Plus – Reklame durchs Hintertürchen?

Eine kurze Meldung für die Feiertage – seit Jahr und Tag empfehle ich ja allen Firefox-Usern die Erweiterung AdBlock (Plus), die die wunderbare Funktion hat, die ganze nervige Reklame im Internet auszublenden, so dass von blinkender Werbung zugekleisterte Seiten wie z.B. wetter.com plötzlich auf den eigentlichen Inhalt reduziert werden. Ein viel entspannteres Surfen im Netz ist die Folge, da die permanente Aufforderung, irgendwas zu kaufen, wegfällt.

Nun bin ich auf Fixmbr darauf aufmerksam gemacht worden, dass die neue AdBlock-Plus-Version eine kleine Funktion namens „nicht-aufdringliche Werbung erlauben“ hat – das wäre zunächst noch nicht so schlimm, wenn diese Funktion nicht zur automatischen Voreinstellung gehören würde. Somit wird das ursprüngliche Konzept der Werbefreiheit aufgeweicht – Fixmbr meint sogar „AdBlock Plus wird zur Malware“, was ich nun allerdings schon für deutlich überzogen halte. Aber auf dieses Häkchen möchte ich an dieser Stelle dennoch hingewiesen haben, da ich diese neue Voreinstellung von alleine gar nicht gesehen hätte.

Sehr hübsch fand ich diesen Kommentar eines Fixmbr-Blog-Lesers allgemein zum Thema Werbung:

Mehrere Denkfehler einiger Kommentatoren:

1. Werbung ist nicht kostenlos, Werbung wird von allen Konsumenten getragen.

2. Werbung ist eine Luftnummer, d.h. wer nur für Klicks sorgt, aber nicht regelmäßig Artikel aufgrund dieser Werbung erwirbt, der hilft dabei ein Luftschloß zu erbauen.

3. wer aufgrund von Werbung Entscheidungen trifft, den kann man ebenso wenig ernst nehmen, wie jenen der aufgrund einer Predigt sein Heil in Kirchenanleihen sucht :-)

Fazit: Werbung ist Verarsche für Leichtgläubige.

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Sep
07
2010
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Add Art – Reklame durch Kunst ersetzen

Klar, viele Werbetreibende hätten es gern, dass man ihre Erzeugnisse als richtige Kunst auffasst und empfindet. Während ein durchaus nicht geringer Anteil der auf uns einströmenden Reklame handwerklich professionell und manchmal auch originell gemacht ist, so wird sie doch durch die dahinterstehende Absicht, irgendwelche Produkte zu verkaufen oder Firmenimages aufzupolieren, entwertet. Und so ist es auch kein Wunder, dass Browsererweiterungen wie AdBlock Plus (für Firefox, aber auch für andere Browser) boomen und die Installationszahlen in die Zigmillionen gehen. Denn ein Großteil der Internetuser ist genervt durch Werbung, sie verlangsamt die Webseiten und stört das ästhetische Empfinden in nicht geringen Maße. Die amerikanische Non-Profit-Gruppe Add Art hatte nun die Idee, eine Ergänzung zum Adblocker zu schreiben, ein Plugin, das statt der leeren Flächen, die die Reklame ersetzen, moderne Kunst von zweiwöchentlich wechselnden jungen Künstlern einblendet. All dies auf einer rein idealistischen Basis, um Künstler, die ihnen gefallen, bekannter zu machen.

For many, replacing ads with blank space would be enough. Add-Art attempts to do something more interesting than just blocking ads – it turns your browser into an art gallery. Every time you visit the New York Times online or check the weather you’ll also see a spattering of images by a young contemporary artist.

The project will be supported by an small website providing information on the current artists and curator, along with a schedule of past and upcoming Add-Art shows. Each 2 weeks will include 5-8 artists selected by emerging and established curators. Images will have to be cropped to standard banner sizes or can be custom made for the project. Artists can target sites (such as every ad on FoxNews.com) and/or default to any page on the internet with ads. One artist will be shown per page. The curatorial duty will be passed among curators through recommendations, word of mouth, and solicitations to the Add-Art site.

Dabei wird auch in Kauf genommen, dass die eingeblendete Kunst durchaus unbequem sein kann:

Add-Art’s goal is not to replace ads with decoration or wallpaper that everyone finds comfortable or pleasing. You might like the idea of seeing art, but not like all the art you see. That’s ok. That’s how art is.

Und auch auf den gegenüber Adblockern gerne geäußerten Vorwurf, dass diese „die Onlineindustrie zerstören“ würden, wird eingegangen:

You downloaded the page, and you own it. It’s yours and you can do whatever you want to it. Just like if you get a free newspaper, you can read it, or cut it up, or burn it. It’s your life and you have no legal obligation to look at every ad presented to you.
People that use Ad Blocking software are not people that click on ads or even respond favorably to them. There is no loss in the market when these users block ads.
If we extend the logic of Ad Blockers destroying the free internet then online ad blocking pales in comparison to the number of people destroying the television industry by going to the bathroom during commercial breaks, thereby stealing that content from the television companies. Don’t waste your time with us and go complain to them.

Ich finde das eine sehr schöne Idee, die es hoffentlich auch mal für die anaologe Welt gibt…

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Apr
14
2010
13

Adblocking

logo-adblock-plusLustig – angeregt durch die Zuschrift eines Lesers habe ich in meinem Firefox-Browser auch endlich das grandiose Adblock Plus-Plugin installiert, das mittlerweile eine Qualität erreicht hat, wie man sie sich wünscht. Wurde die Performance des Rechners durch den Adblocker früher eher noch verringert und manches an eigentlichem Inhalt weggeblockt, so kann man mit der Erweiterung in der Version 1.1.3 inzwischen wirklich ganz entspannt durchs Netz surfen, ohne dass einen nervige, bunte, blinkende Reklame den Blick verbaut (Ausnahme: die besonders lästigen Layer-Ads). Selbst Websites wie Myspace, die sonst zu 2/3 aus Kommerzpropaganda für McDoof und ähnliche Konzerne bestehen, werden nun plötzlich wieder halbwegs ansehnlich. Großartige Sache – hier gibt es das Plugin, natürlich kostenlos: https://addons.mozilla.org/de/firefox/addon/1865

Ich empfehle das Abonennement für Deutschland auszuwählen, dann werden die wichtigsten Websites hierzulande gleich richtig von den Reklameeinblendungen entkernt.

Das Lustige? Nun, ich hatte gerade vor, diesen Beitrag über das Add-on zu schreiben, da erreicht mich ein Hinweis einer Blogleserin, die mich auf einen Artikel im österreichischen Der Standard aufmerksam macht – „Werbeblocker gefährden Arbeitsplätze“ heißt es da. Bekanntermaßen kann man mit dem Erhalt von Arbeitsplätzen heutzutage ja alles rechtfertigen, also auch die visuelle Zumüllung des Gesichtsfeldes der Benutzer, und die omnipräsente Gegenwart von Kaufpropaganda und Dauerkommerz, an die wir uns mittlerweile fast schon gewöhnt haben, die aber nicht wirkungslos an uns vorüber geht, da sich gewisse Marken und Logos tief in uns einbrennen, wenn wir sie dauernd zu Gesicht bekommen. Okay, ich klicke sowieso nie auf einen Werbebanner, somit ist es für die Firmen eher von Vorteil ist, wenn ich sie nicht negativ mit Reklame in Verbindung bringe… :-)

Die Diskussion, die der Standard da anfacht, ist aus zweierlei Hinsicht aber nicht so einfach zu ignorieren – zum einen wegen der von mir schon angesprochenen einseitigen Präferierung des Kommerzgedankens gegenüber der Unbeschadetheit des eigenen Geistes durch Weglassung von Reklame. Gerade, weil Der Standard eine eher linke Zeitung ist, finde ich es schon bemerkenswert, dass dieser Adblocking-Trend nicht etwa als Anlass genommen wird, sich vielleicht zu überlegen, ob Geschäftsmodelle, die darauf aufbauen, Menschen mit etwas zu nerven was diese nicht wollen, was sie stört und ärgert, eventuell nicht nachhaltig und kontraproduktiv sind. Auf der anderen Seite muss man natürlich auch ganz klar sehen, dass in unserem heutigen System die Werbefinanzierung viele Angebote, die wir im Internet gerne und umsonst annehmen, erst ermöglicht und tatsächlich also Menschen davon leben. Eine zweischneidige Sache also, wenn man Reklame automatisch wegblockt. Der Preis für die kostenlosen Netzangebote ist aber  eben sehr hoch, nämlich die permanente Berieselung mit Reklame und das Weichkochen und allmähliche Einsickern ds Kommerz in jede Ritze des Lebens – man muss sich fragen, ob dieser Preis, den die Gesellschaft zahlt, letztlich nicht zu hoch ist. Die meisten User, die etwas zu dem Standard-Artikel schrieben, befürworteten die Adblocker und bekräftigten ihre Genervtheit von den Reklameeinblendungen, die ja teilweise in Richtung Nötigung gehen (gerade bei den von mri schon erwähnten Layer-Ads).

Diese Diskussion entbrannte unlängst auch im Blog von Brian Carper – sein Beitrag mit dem sympathischen Titel „Advertising is devastating  to my well-being“ spricht sich eindeutig für Adblocker aus, und in der anschließenden Debatte in den Kommentaren ging es dann wiederum hoch her! Carper verfolgt einen durchaus radikalen Ansatz:

(…) Here’s the state of the world today: I can’t drive down the street without seeing billboards everywhere. The radio is literally 25 to 50% ads, which is why I don’t listen to the radio. Television is what, 20 minutes of commercials per hour? Which is why I haven’t had television in 6 years. Newspapers and magazines are saturated with ads, and of course I don’t read them either. Even then, ads are nearly unavoidable. (…)

(…) Businesses are not your friends. Businesses are not ethical entities. Businesses do not deserve the benefit of the doubt. Businesses exist to milk you of as much of your money as possible. The only sane reaction for the average person is a similar one: I want to deprive businesses of my money. I want to get as much from them as I can, while giving up as little as possible.

If I politely suggested that it’s „unfair“ for a business to have such a huge profit margin, and „if they cared about their customers, they would lower all their prices“, I’d be laughed at. Why would a company do anything less than the absolute most they can do to bleed money out of me, after all? I laugh at any business which says the same thing to me. I will bleed you of product, as far as it’s legal to do so. It so happens that advertisements are devastating to my well-being. (…)

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