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Ausbeutung: Casting-Idole und ihre Wirkung

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© ljleavell, stock.xchng

Ich halte ja bekanntlich nicht viel von dem ganzen Wirbel um Castingshows und Castingsternchen – dieser Ansatz, jungen Leuten ein eindimensionales Idealbild vorzusetzen, das letztlich darin besteht, in (vergänglichem) Ruhm und medialer Aufmerksamkeit den ultimativen Lebenssinn zu sehen, ist nicht nur oberflächlich, sondern natürlich auch eine wesentliche Triebfeder der „Gesellschaft des Spektakels“ (Guy Debord [2]), in der wir leben. Die Medien vermitteln in Sendungen wie Deutschland sucht den Superstar oder Germany’s Next Topmodel (und vermutlich vielen weiteren dieser Art) gerne den Eindruck, dass die von ihnen selbst aufgebauschte Pseudo-Wichtigkeit, die meist auch nur für kurze Zeit erstrahlt, etwas Substanzielles, Natürliches wäre, also ein sozial bedeutsames Ereignis, an dem man teilhaben müsse, um „cool“ und „in“ zu sein. Dass Fernsehsender, Zeitschriften usw. die mit gewissen Illusionen in das Business gestarteten Menschen am Ende nur ausnutzen, um möglichst viel Geld aus ihnen herauszupressen, dass genormte und geformte „Persönlichkeiten“ produziert werden und echte Individualität bei der Vermarktbarkeit eher stört – solch negative Aspekte werden in den Mainstreammedien in der Regel gerne mildtätig verschwiegen. Lieber schildert man das ausschweifende Luxusleben der „Stars“, um den vor den Bildschirmen mitfiebernden Nachwuchs auf die passenden „Werte“ einzuschwören. (Dies war ja auch Thema der britischen Dokumentation „Starsuckers [3]“, die ich vor einer Weile hier im Blog vorstellte – nach wie vor sehr sehenswert!)

Eher zufällig stieß ich nun auf einen Beitrag der NDR-Sendung Zapp aus dem letzten Jahr, die sich genau mit diesen Castingshows und den Wirkungen der solcherart fabrizierten hohlen „Idole“ (deren einzige Leistung es in der Regel ist, irgendwie berühmt zu sein und im Fernsehen aufzutauchen – also eine höchst selbstbezügliche, zirkuläre Angelegenheit) beschäftigte:

Die Jugendlichen stehen Schlange, um sich von Heidi Klum und Dieter Bohlen öffentlich erniedrigen zu lassen. An einer Casting-Show teilzunehmen, ist für viele ein Traum – tatsächlich aber ein Alptraum.

Ein User auf der Website Infopirat kommentierte den ganzen Mechanismus des Medienzirkus sehr treffend [4]:

(…) Unterm Strich der Rechnung steht „Geld“, denn wenn man auch weiß, eine Frau hat mehr Busen als gute Stimme, wird auch sie eine Weile für Anrufe und Geldeinnahmen sorgen, ebenso wenn schlechte Sänger zu den Teenieidolen von Backfisch-Mädchen werden… Sex sells und Träume ganz allgemein eben auch…

Was auch dazu gehört, jedoch nicht offen ausgesprochen wird, ist, dass Menschen sich den Medienmachern möglichst in Gänze unterwerfen müssen und sich von ihnen wie Marionetten zu dirigieren haben lassen. Stimme mag gesucht werden, doch unter dem Hauptaspekt „Mit wem ist am meisten Geld zu verdienen?“ Nur das zählt bzw. die Stimme ist sekundär – wenn überhaupt.

Wer sich nicht anpassen will oder kann, glücklicherweise gibt es solche Menschen auch, kommen erst gar nicht weiter bzw. scheiden aus. Teils geschieht dies dann auch klammheimlich bzw. unter Lügen. Und die Massen die das ansehen: kaum dass jemand nachfragt. Es gibt ja noch genug andere Möchtegern-Stars bzw. Superstars von morgen, die medienkonform sich verbiegen lassen. Ehm, was bitte hat das mit Persönlichkeit zu tun, die angeblich zum Gesamtpaket gehört? Persönlichkeit ja, doch geformt nach medienkonformen Bilde? (…)


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