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Leben ohne Geld

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© mihow, stock.xchng

„Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles.“ Dieses Zitat aus Goethes Faust scheint heutzutage aktueller denn je. Nicht nur, weil es tatsächlich in gewissen Kreisen (die sich gerne auch auf entsprechenden Websites im Netz tummeln) angesagt ist, Gold als die einzig sichere Anlageform zu sehen und so den Goldpreis auf ungeahnte Höhen zu treiben – nein, generell läuft ohne Geld in unserer Gesellschaft herzlich wenig. Vieles hat nur noch dann einen Wert, wenn dieser in Geld ausgedrückt werden kann. Das Einkommen eines Menschen gilt als Maßstab für dessen Erfolg und gesellschaftliches Renommee. Alles erscheint käuflich, es kommt nur auf den Preis an. Teilhabe am gesellschaftlichen Miteinander ist ohne Geld schwierig, weshalb auch permanent um Hartz IV-Sätze u.ä. gerungen wird. In einem solchen Umfeld ist es logisch, dass Banken gerettet werden müssen und dass der Profit eines Unternehmens im Zentrum des Strebens steht.

Natürlich gibt es Initiativen, die versuchen, am Status Quo etwas zu ändern. Das Bedingungslose Grundeinkommen ist so ein Versuch der faireren Umverteilung bzw. Neubewertung von Arbeit(skraft) – doch obwohl dieses Konzept, wenn man es intelligent umsetzte, sicherlich erhebliches Umkremplungspotenzial besitzt, bleibt das Geld als zentrales Mittel zur Befriedigung von Bedürfnissen und von Austauschverhältnissen unangetestet. Regionalwährungen versuchen zumindest, die Geldschöpfung und -hortung anders zu fassen, zu dezentralisieren und damit zu demokratisieren, aber natürlich lebt man auch hier immer noch von/mit Geld. Ist das überhaupt anders vorstellbar?

In der Tat gibt es auch in unserer Gesellschaft Menschen, die sich dem Diktat des Besitzes und Geldverdienens zu entziehen versuchen. Hin und wieder tauchen ein, zwei von ihnen in Fernsehtalkshows und werden dort bestaunt oder auch belächelt, manchmal auch offen angefeindet ob ihrer doch sehr anderen Lebensweise. Der Aktionskünstler Peter Kees wurde vor einer Weile mit einem Porträt vorgestellt, gemeinsam mit seinem Projekt „Unternehmen Zukunft – Leben ohne Geld“:

Was Kees noch als eine Art Kunstprojekt mit gewissem provokantem Anstrich anbietet, hat Heidemarie Schwermer für sich bereits in die Tat umgesetzt – sie lebt tatsächlich ohne Geld. In Menschen bei Maischberger stellte sie sich der Fragerunde:

Trends wie das Containern, also das Fischen von noch verwertbaren, unversehrten Lebensmittel aus den Müllcontainern der Supermärkte, setzen auch ein wenig hier an, auf das Umgehen des Geldkreislaufs und auf das Verwerten von überschüssiger Ware. Auch Deutschlands vielleicht bekannteste Akivistin, Hanna Poddig, die ja für eine freiere Gesellschaftsordnung eintritt, ist in diesem Umfeld aktiv:

Ein Pferdefuß bleibt natürlich bei so Sachen wie Containern oder sich irgendwie durchschlagen – das kann letztlich nur für eine kleine Zahl von Menschen funktionieren bzw. nur solange, wie es genügend andere Menschen gibt, die noch arbeiten gehen oder Lebensmittel erzeugen, andere Waren herstellen usw. In einer grundlegend anderen Ordnung gäbe es hoffentlich mehr Miteinander, stärkeres Zusammenwirken, größere Freiheiten, aber eben auch mehr Selbstverantwortung für den Einzelnen und damit weniger passives Empfangen von Zuwendungen von oben (Staat). Auf jeden Fall eine Richtung, in die nachzudenken sich lohnen dürfte.

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