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Online-Marketing auf Abwegen – No spam for me

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© costi, stock.xchng

Wer von meinen Lesern selbst einen Blog betreibt, wird das kennen – nach einigen Monaten, sobald man einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hat und auch in den Suchmaschinen weiter vorne auftaucht, beginnen sich plötzlich E-Mails im Postfach zu häufen. Zum Teil sind dies sehr erfreuliche Zuschriften von Lesern, die Lob (oder auch mal Kritik) aussprechen, Tipps und Hinweise geben oder einfach Fragen zu diesem oder jenem Thema haben. Solche Mails machen natürlich Spaß, zeigen sie doch, dass man mit dem, was man schreibt, auch ein bisschen was bewirkt und bewegt. Dann gibt es natürlich die Pest des Internetzeitalters, die tumben und stumpfen Spammails, die von sonstwoher reinflattern und zum Glück von den Spamfiltern größtenteils umgehend in die Ablage P (wie Papierkorb) weitergereicht werden. Und dann gibt es da eine dritte Art an Zuschriften – Werbemails, die zumindest scheinbar einen gewissen Zusammenhang zu dem aufweisen, worum es im eigenen Blog geht. Gerade bei einem konsum- und auch werbekritischen Blog wie Konsumpf sind solche Anfragen natürlich reichlich unbedacht bis sinnlos (das als kleiner Wink mit dem Zaunpfahl für alle, die mich in Zukunft mit so etwas behelligen wollen) und zeigen oft nur, dass sich die Absender keine große Mühe gemacht haben, sich das Zielobjekt ihrer Marketingaktion einmal vorher näher anzuschauen.

Um Euch mal einen Blick hinter die Kulissen zu geben möchte ich Euch heute ein paar schöne (?) Mails vorstellen, die mich in der letzten Zeit erreichten. Halbwegs sinnvoll und zur Ausrichtung meines Blogs passend scheint da noch die Zuschrift einer Dame, die anfragte, ob ich nicht eine tolle neue Aktion vorstellen wolle, nämlich eine Art Carrot Mob für Hotels (wer in einer gewissen Zeitspanne ein Zimmer in einem bestimmten Hotel bucht, sorgt dafür, dass diese Pension das so eingenommene Geld für Energiesparmaßnahmen investiert). Reisen für das Klima? Suuuper Idee… Der naturgetr.eu-Blog hat diese Mail ebenfalls erhalten und sie passend kommentiert – „Lasst mich in Ruhe, Marketing-Tanten dieser Welt [2]“. Seinen Worten kann ich mich nur anschließen:

(…) Ich kann nur sagen: Pfui, schämt euch in Grund und Boden! Mit angeblich grünen angeboten Leuten was vorzumgaukeln, um Profit zu machen! Verachtenswert ist das – nicht nur, wenn Großkonzerne das tun, sondern auch wenn kleine und mittelständische Unternehmungen diesem schlechten Beispiel folgen. Es geht euch doch nicht um Nachhaltigkeit oder um ein anderes/besseres Leben sondern nur ums Geld, oder warum [3] erstellt ihr Blogs, Twitter-Accounts und andere Medienkampagnen, deren Inhalte ausschließlich aus Werbung für “grünen Konsum” bestehen?

Und Blogger (bzw. private, nicht-kommerzielle Blogs) für diese Zwecke einspannen zu wollen ist obendrein noch recht schäbig, vor allem dann, wen ihr die Blogs nicht mal selbst lest, sondern sie nur von einer gekaufen Liste habt. (…)

Deutlich dreister fand ich allerdings die Mail eines Betreibers einer Website für Onlinegames (oder sowas in der Art), der mir diese wundevolle Nachricht zukommen ließ (ich habe nur Namen und Website gelöscht, ansonsten ist alles unverändert, also auch die wunderbare sprachliche Geschliffenheit etc.):

Hallo,

Mein Name ist Max —- und ich arbeite für „—-“ (Unsere Website http://www.—.net) als Marketing-Agent – nice to meet you!

Zurzeit arbeite ich meine Kampagne und ich denke, dass Ihre Website %yoursite%

könnte möglicherweise eine hervorragende Werbeplattform für meine Websites.

Ich kontaktiere Sie bezüglich dieses Problems. Ihre Website ist einfach zu lesen, hat gute Infos und angenehme Schnittstelle – ist es, was mich reizte, Sie zu kontaktieren.

Ich hoffe, du wirst die Idee der Verbindung zu meiner Website im Gegenzug für mich Verlinkung zu Ihrer Website zu betrachten. Solche Link-Tausch sollte verbessert unser Ranking-Status in Google und anderen Suchmaschinen.

Bitte schickt mir eine Mail, wenn Sie Interesse haben, Wir könnten Details und andere damit zusammenhängende Fragen in den nächsten Buchstaben zu diskutieren.

Vielen Dank,
Max …

Die meisten Anfragten solcher Art ignoriere ich natürlich, aber diesmal juckte es mich doch in den Fingern – meine Antwort darauf war kurz und bündig:

Hallo Herr (…),

Danke für Ihre Massenmail – vielleicht schauen Sie sich meinen Blog %yoursite% ;-) einmal in Ruhe an und überlegen dann, ob ich wohl Lust hätte, ihn als “Werbeplattform für Ihre Websites” einzusetzen bzw. ob ein konsumkritischer Blog mit der Ausrichtung wie der meinige und einem großen, eigentlich für jeden (auch Marketing-Agenten) deutlich sichtbaren Button “Ad free blog” wohl Interesse an Reklame hat.

Viele Grüße,
Peter Marwitz

P.S.: Eventuell sollten Sie Ihr Mailformular mal etwas überarbeiten, da wechseln sich “du” und “Sie” munter ab.

Als wären plötzlich alle Dämme gebrochen habe ich zwei Tage später gleich die nächste entsprechende Anfrage erhalten, wiederum von einem deutschen Betreiber von Onlinegames (den ich natürlich ähnlich abschlägig beschieden habe):

Hallo,

mein Name ist M.—– und ich bin der Administrator von www.—–.com und anderen qualitativ hochwertigen Internetseiten.

http://konsumpf.de/ erscheint mir ausgezeichnet für einen Linktausch mit einer der zahlreichen Seiten die ich verwalte geeignet.

Ich hoffe meine Email konnte Ihr Interesse wecken, denn ich bin davon überzeugt, dass http://konsumpf.de/ das Potential hat einen besseren Platz in Suchmaschinen zu belegen.

Sollten Sie interessiert sein und benötigen Sie weitere Information, stehe ich ganz zu Ihrer Verfügung.

Über ein Antwort würde ich mich sehr freuen!

Mit freundlichen Grüßen,
M…

Was ich dann ähnlich abschlägig beschieden habe:

Hallo Herr —-,

Danke für Ihre Mail. Ich nehme mal an, dass Sie sich meinen Blog nicht angeschaut haben, bevor Sie mir “geschrieben” haben, oder? Kleiner Tipp: lesen Sie sich ruhig mal ein paar meiner Artikel durch (z.B.

http://konsumpf.de/?p=7607 [4]

http://konsumpf.de/?p=7444 [5] )

und achten Sie vor allem auch auf das grafische Symbol oben rechts, ein Stückchen unterhalb des Suchfeldes (Stichwort Eule).

Mein Platz in den Suchmaschinen ist übrigens ausgezeichnet, mit einem PR von 4 kann ich sehr gut leben.

Viele Grüße,

Peter

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