Aug
02
2010

Ein Jahr ohne Disney

© Guekkiko, stock.xchng

Langjährige Leser meines Blogs erinnern sich vielleicht noch an meinen Beitrag, in dem ich die erschreckende Vielzahl an Firmenbeteiligungen, an Fernseh- & Radiosendern, an Zeitungen und Zeitschriften auflistete, die zum Bertelsmann-Imperium zählen. Tatsächlich ist diese Marktmachtfülle und mediale Ballung noch gar nichts, wenn man sie mit dem Disney-Konzern vergleicht. Denn Disney, das ist mehr als nur Micky Maus und Donald Duck und auch mehr als die rührseligen, kitschigen Zeichentrickkinofilme. Weit über diese Dinge hinaus breitet sich Disney in alle Lebensbereiche hin aus und treibt die koplette Durchkommerzialisierung durch ihre Produkte und Marken massiv voran – bis hin zu eigenen Wohnanlagen wie der künstlichen Stadt Celebration City.

Das Adbusters Magazin berichtet über die Aktion einer Familie, die sich ein ganzes Jahr ohne Disney verordnet hat, was in den USA noch um einiges schwieriger ist als hierzulande, zumal wenn man kleine Kinder hat:

Eine US-Familie hat versprochen, für ein ganzes Jahr von Disney und seinen grinsenden, produkt-anpreisenden Maskottchen Abstand zu nehmen. Mutter Lisa Ray erklärt: „Es ist fast so, als wenn eine amerikansche Familie ein Disney-‚Voreinstellung‘ hätte. Ich hoffe, dass ich bemerke, wenn wir ‚automatisch‘ zu Disney greifen (im Kino oder wenn wir Geschenke kaufen), und hinter die Fassade schauen. Welche anderen Alternatvien haben wir?“

Das klingt einfach, meinen Sie? Nach einem Blick auf die Liste, was alles zu Disney gehört, werden Sie vielleicht umdenken. Verfolgen Sie den Weg der Familie Ray, während sie alternative Medien und Unterhaltungsmöglichkeiten entdecken und ihre Fantasie zurückfordern. (Soll heißen: sich von den vorgefertigten Disney-Fatnasiewelten verabschieden; Anm. PM)

Auf dem Blog der Familie Ray kann man nachlesen, wie sich das Projekt entwickelt. U.a. findet sich dort auch eine Auflistung all jener Medien/Firmen, die mittlerweile zum Disney-Universum gehören – unfassbar, eigentlich…:

* = Unternehmensbeteiligung.

Online
ABC.com
ABCNews.com
Abcsports.com
aetv.com *
biography.com  *
celebrityparents.com
clubpenguin.com
Disney.com
Disneychannel.com
disneyfairies.com
Disneyshopping.com
ESPN.com
ESPNdeportes.com
Family.com
Familyfun.com
Go Network
Go.com
historychannel.com  *
Historytravel.com  *
incrediblebabynames.com
iparenting.com
militaryhistory.com  *
NASCAR.com
NBA.com
NFL.com
Oscar.com
Playdom (2010)
Soccernet.co
thehistoryhcannelclub.com  *
Toysmart.com
Wondertime.com
www.disneysgamecafe.com
hulu.com *

Publishing
ABC Daytime Press
Cal Publishing Inc.
CrossGen
Disney Editions
Disney Global Children’s Books
Disney Libri
Disney Press
Disney Publishing Worldwide
ESPN Books
Global Continuity
Global Retail
Hyperion eBooks
Jump at the Sun
Marvel Comics
Michael di Caupa Books
Miramax Books
Theia
Volo

Magazines

Automotive Industries
Biography (with GE and Hearst)
Discover
Disney Adventures
Disney Magazine
ECN News
ESPN Magazine (distributed by Hearst)
Family Fun
Institutional Investor
JCK
Kodin
Top Famille – French family magazine
US Weekly *
Video Business
Quality
Wondertime Magazine

Music
Buena Vista Records
Disney Music Publishing Worldwide
Hollywood Records
Lyric Street Records
Walt Disney Records

Television
ABC Network
Stations

WLS – Chicago
WJRT – Flint
KFSN – Fresno
KTRK – Houston
KABC – Los Angeles
WABC – New York City
WPVI – Philadelphia
WTVD – Raleigh – Durham
KGO – San Francisco
WTVG – Toledo

Cable Stations
A&E *
A&E International *
ABC Family
Biography Channel *
Crime and Investigation Network *
Disney Channel
ESPN *
ESPN Classic *
ESPN2 *
ESPNEWS *
ESPNU *
History Channel *
Jetix Europe *
Jetix Latin America
Lifetime Movie Network *
Lifetime Network *
Lifetime Real Women *
Lifetime Real Women *
Military HistoryChannel *
SOAPnet    Cable
Toon Disney

Radio

ABC Radio
ESPN Radio (syndicated programming)
WDWD – Atlanta
WMVP – Chicago
WLS – Chicago
KESN – Dallas
KMKI – Dallas-Forth Worth
KRDY – San Antonio
WCOG – Greensboro, NC
WRDZ – Indianapolis
KABC – Los Angeles
KLOS – Los Angeles
KDIS – Los Angeles
KSPN – Los Angeles
KDIZ – Minneapolis – St. Paul
WKSH – Milwaukee, WI
WEVD – New York City
KDZR – Portland, OR
KWDZ – Salt Lake City
KIID – Sacramento
KMKY – Oakland
KQAM – Wichita
KKDZ – Seattle
WSDZ – St. Louis
WWMK – Cleveland
KMIK – Phoenix
KDDZ – Denver
WWMI – Tampa
KMIC – Houston
WMYM – Miami
WBWL – Jacksonville
WBYU – New Orleans
KDIS – Little Rock
WWJZ – Philadelphia
WWJZ – Philadelphia
WMKI – Boston
WDZK – Hartford
WDDZ – Providence
WDZY – Richmond
WGFY – Charlotte
WDYZ – Orlando
WMNE – West Palm Beach
WEAE – Pittsburgh
WDRD – Louisville
WDDY – Albany, NY
KPHN – Kansas City
WQUA – Mobile
WBML – Jacksonville
WFDF – Detroit
WFRO – Fremont, OH
WDMV – Damascus, MD
WHKT – Norfolk Radio Disney

Film
A&E IndieFilms
Buena Vista
Hollywood Pictures
Miramax Films
Pixar
Studio Ghibli (North American distributor)
Touchstone Pictures
Walt Disney Pictures

Parks
Disney Cruise Line
Disney Vacation Club
Disneyland Resort
Disneyland Resort Paris
Hong Kong Disneyland
Tokyo Disney Resort
Walt Disney Imagineering
Walt Disney World Resort

Miscellaneous
AETN Consumer products
Baby Einstein Company
Club Penguin
Disney Apparel, Accessories and Footwear
Disney Consumer Economics
Disney Food, Health and Beauty
Disney Home Furnishings and Decor
Disney Interactive Studios
Disney Live Family Entertainment
Disney on Ice
Disney Stationery
Disney Theatrical Productions
Disney Toys
ESPN Zone
Muppets Holding Company
Tapulous (2010)
The Disney Store
Walt Disney Internet Group

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20 Comments

  • chapultepec

    s. The New Media Monopoly
    http://benbagdikian.net/index.htm

    „…The New Media Monopoly describes the cartel of five giant media conglomerates who now control the media on which a majority of Americans say they most rely. These five are not just large — though they are all among the 325 largest corporations in the world — they are unique among all huge corporations: they are a major factor in changing the politics of the United States and they condition the social values of children and adults alike.

    These five huge corporations — Time Warner, Disney, Murdoch’s News Corporation, Bertelsmann of Germany, and Viacom (formerly CBS) — own most of the newspapers, magazines, books, radio and TV stations, and movie studios of the United States.

    These Big Five (with General Electric’s NBC a close sixth) do not manufacture automobiles, or clothing, or nuts and bolts. They manufacture politics and social values…“

    Ausschnitte hier:
    http://www.beacon.org/productdetails.cfm?PC=1327

    Comment | 2. August 2010
  • Jacob

    Wenn Disney Bertelsmann schlucken würde, wäre es wohl das Ende der Medienwelt…… ;)

    Comment | 2. August 2010
  • ich werd bekloppt,hätte ich nicht gedacht das so viel dazu gehört

    Comment | 2. August 2010
  • Dirk

    Eine schon beeindruckende Liste. Für Deutschland muss ich aber sagen, dass ich gerade im Gegensatz zu Hello Kitty oder früher den Diddlemäusen Produkte mit Disneyfiguren nie so omnipräsent und nervig fand. Und ich finde man muss auch mal herausheben, dass das Lustige Taschenbuch u.ä. in meinen Augen ein hervorragendes Comicbuch für Kinder ist mit lehrreichen und sinnvollen moralischen und auch mal geschichtlich relevanten Geschichten. Ich zumindest habe es als Kind geliebt und lese auch jetzt manchmal noch drin :)

    Comment | 2. August 2010
  • Tja, und so kriegt Disney eben alle. :-) Würden sie nur die Comics rausbringen, wäre das sicherlich nicht weiter dramatisch, aber da sie mittlerweile eben alle Vertriebskanäle und Enternainentformen „besetzt“ haben und auch versuchen, die Gesellschaft in ihrem Sinne zu formen (siehe ihr Celebration-Dorf), ist das nicht mehr angenehm. Zudem wird den Kindern weltweit eine genormte, kommerziell ausschlachtbare Fantasie vorgesetzt, deren tieferer Sinn am Ende nur darin besteht, sein Glück im Konsum (der Disney-Produkte) zu finden. Darauf werden Kinder durch den Konzern schon früh getrimmt…

    Comment | 2. August 2010
  • Martin W.

    Nicht ganz das Thema, aber ich habe mir am WE mal den Spaß gemacht, mir in einem großen Supermarkt die ein oder andere Lebensmittelverpackung genauer anzugucken. Es ist schlicht unglaublich, wie viele Lebensmittel mittlerweile von den Großen der Branche vertrieben oder produziert werden. Wie schwer man denen entgehen kann…

    Comment | 2. August 2010
  • @ Martin: ja, da hast Du leider Recht. Gerade die großen Supermarktketten verstärken diesen Trend natürlich noch, indem sie nur gewisse Marken anbieten. Es gibt zwar auch immer regionale Angebote, aber bei vielen Sachen dann eben doch nicht. Da ich aber überwiegend auf Wochenmarkt und im Bioladen einkaufe, gibt es in meinem Einkaufskorb nur sehr wenige bis gar keine Produkte der Branchengrößen. Wobei man manchmal ja gar nicht weiß, wer dahinter steckt, das ist ja auch da Schlimme. Wer denkt schon beim Kauf von Apollinaris daran, dass die inzwischen zu Coca Cola gehören zB? Naja, mein Wasser kommt aus der Leitung… :-)

    Comment | 2. August 2010
  • Martin W.

    @Peter:
    Recht hast Du, ich bin auch nur gelegentlicher Einkäufer in diesen großen Häusern. Wenn ich nicht auf dem Markt oder in Bioläden einkaufe, versuche ich zumindest die kleineren Anbieter zu unterstützen.

    Comment | 3. August 2010
  • Quarkspeise

    @Peter

    Wie genau versucht denn Disney zu formen? Was ist deren Agenda und woran kann man erkennen, daß sie diese versuchen umzusetzen?

    Denn das ist es, was ich hier nicht verstehe. Warum genau wird Disney bestreikt? Weil es böse ist ein großes Unternehmen mit (inzwischen sehr vielen) Beteiligungen zu sein?

    Und ich verstehe auch irgendwie die Implikation nicht, daß die Alternativen jetzt irgendwie besser werden. Die meisten Werkschaffenden da draussen tun das einfach nur um Geld zu verdienen (wie Disney). Warum ist das bei denen okay? Haben die keine Agenda? Sind deren Inhalte moralisch und gesellschaftlich alle perfekt?

    Ja, das pure Disney steht für Kitsch ohne Ende. Aber gerade, daß man den Leuten erklären muß, was Disney inzwischen noch alles so gehört, zeigt doch IMHO überdeutlich, daß Disney eben nicht überall Schema F durchzieht. Denn sonst wäre all die anderen Werke all der anderen Produzenten inzwischen längst ähnlich verbrämt wie alles wo Disney draufsteht.

    Das ist alles echt nicht schlüssig. Und wenn man sich mal das Blog der Familie anschaut, merkt man schnell, daß es nur um „Hauptsache nicht Disney“ geht, anstatt daß irgendwie thematisiert wird warum Disney-Produkte inhaltlich schlecht sind und der Rest besser.

    Comment | 3. August 2010
  • Bei dem Jahr ohne Disney geht es m.E. eher darum, sich mal ein Jahr lang bewusst zu machen, was man sonst so unbewusst und wie selbstverständlich konsumiert. Das ist per se schon mal eine gute Sache, finde ich.

    Lider steht Disney nicht nur für „Kitsch ohne Ende“, sondern nicht zuletzt auch für einen antiseptischen Gesellschaftsentwurf (siehe den Link zu ihrem Celebration-Dorf) – und vor allem für die 100%ige Durchkommerzialisierung von Kindheit und Fantasie. Klar machen andere große Firmen das auch, was es aber nicht besser macht! Und je größer Unternehmen werden, desto weniger Chancen haben Alternativen und alles läuft auf eine kulturelle Monokultur hinaus. Dies ist ja in den letzten Jahren und Jahrzehnten schon „gut“ auch hierzulande zu sehen, man muss nur mal in irgendeine Innenstadt gehen oder schauen, wie sich die Präsentation von Inhalten im Fernsehen auf ein „Niveau“ eigependelt hat, das auf grell & schnell setzt (MTV-Optik). Es geht also mitnichten darum, zu zeigen, wieso ein einzelnes Disney-Produkt Mist ist (dazu gibt es sicherlich auch viele Quellen im Netz), sondern eben um das Gesamtpaket. Disney steht dabei selbstredend nur stellvertretend für die anderen paar riesigen Medienkonglomerate (siehe Kommentar von chapultec weiter oben), die ebenfalls immer mächtiger werden.

    Comment | 3. August 2010
  • Quarkspeise

    Die vermeintliche 100% Durchkommerzialisierung ist nun aber gerade nichts, daß es exclusiv bei Disney gibt. Das ist doch bei den anderen großen Medienschaffenden hüben wie drüben nicht anders. Und gerade dieser Punkt irritiert mich.

    Natürlich ist es deswegen nicht weniger problematisch, nur weil Disney da wie alle anderen agiert. Aber gerade der Boykott ist an der Stelle albern, wenn er Disney meidet aber kein Problem hat sich bei den anderen zu bedienen.

    Und wenn ich sowas wie „MTV-Optik“ lese, komme ich nicht umhin zu vermuten, daß es hier gar nicht um einen vermeintlichen Kultur- oder Werteverfall geht, sondern um die Realisierung, daß die Welt da draussen nicht mehr so ist, wie sie noch in der eigenen Kindheit war. Gepaart mit einem „also ich habe alles was ich brauch, neue Ausdrucksformen sind überflüssig“.

    Diesen „man muß nur mal“-Satz haben schon unsere Eltern gesagt und deren Eltern davor. Das hat überhaupt nichts mit Medienkonglomeraten zu tun, sorry.

    Celebration-City ist zwar schön gruselig, aber taugt wirklich nicht als Beleg irgendeiner Disney-Agenda. Disney gibt da ein paar Verrückten genau das was die wollen. Kitsch hoch drei. Es ist ja nicht so, daß Disney jetzt Gated-Communities erfunden hätte.

    Das mit der Monokultur ist auch nur so eine Behauptung. Gerade wenn man sich die Liste anschaut, sieht man wie extreme diversifiziert sich Disney aufgestellt hat.

    Und jetzt bitte nicht in Verschwörungstheorie abdriften, daß die ja morgen alles auf einen Schlag auf eine Linie bringen. Das werden die nicht tun, da ihnen da Einnahmen verloren gehen.

    Disney ist seit Eisner ein großer Kaufmannsladen. Da gehts erstmal um Rendite und schon lange nicht mehr um das Ziel von Walter gute und saubere Unterhaltung zu bieten.

    Wenn Disney heute Firmen aufkauft, dann um im entsprechenden Marktsegment beteiligt zu sein und Gewinne einzustreichen, die man mit der Marke Disney nie machen könnte.

    Die wissen ganz genau, daß sie sehr vorsichtig seien müssen, bei welchen Produkten und Dienstleistungen der Name Disney assoziiert wird. Nicht weil die Leute irgendeinen Indoktrination fürchten, sondern weil nach wie vor in der westlichen Welt der Name Disney für Kinderkitsch steht.

    Das hat man wiedermal sehr gut gesehen, als Disney Marvel übernommen hat. Sofort ging das Gejammer los, daß ja jetzt in den Comics eine heile Welt ausbringen wird und Spiderman jede Woche Klopfer retten wird. Doch das wird nicht passieren, da Disney genau weiß, warum und womit Marvel sein Geld verdient.

    Und nochmal zur Monokultur: die ist erst dann ein Problem, wenn die Produzenten auch ein Monopol auf die Distribution haben. Das ist der Punkt wo man in der Kritik ansetzen muß. Denn hier kann man durchaus die Daumenschrauben ansetzen und andere Produzenten klein halten.

    Aber solange die Wege zwischen Konsumenten und Produzenten frei sind, kann Disney aufkaufen was es will. Wenn den Konsumenten der vermeintliche Einheitsbrei nicht schmeckt, können die ja jederzeit was anderes kaufen und ein neuer Marktteilnehmer hat in Nullkommanix ein Einkommen.

    Bei den bisherigen Vorwürfen bleibt bisher irgendwie nichts über jenseits von: die geben sich verdammt viel Mühe mit ihren Werken auf allen erdenklichen Wegen Geld zu verdienen.

    Auf irgendeine griffige Beschreibung, was denn nun die Agenda von Disney ist, der wir durch den riesigen Konzern nicht mehr entkommen können, warte ich immer noch. Könnte vermutlich daran liegen, daß es gar keine solche Agenda gibt, wenn man sich anschaut wie verschieden all die Firmen sind die inzwischen zu Disney gehören und das deren inhaltiche Ausrichtung keine spürbaren Änderungen erfahren haben.

    Comment | 3. August 2010
  • Und wenn ich sowas wie “MTV-Optik” lese, komme ich nicht umhin zu vermuten, daß es hier gar nicht um einen vermeintlichen Kultur- oder Werteverfall geht, sondern um die Realisierung, daß die Welt da draussen nicht mehr so ist, wie sie noch in der eigenen Kindheit war.

    Da ich mit der „MTV-Optik“ aufgewachsen bin, hat das damit wohl nicht so viel zu tun…. ;-) Mir geht es eher darum, dass eine Art Nivellierung von Unterschieden stattfindet (das hat nix mit persönlich bedauertem „Kultur- oder Werteverfall“ zu tun), indem die meisten Sender meinen, sie müssten genauso aussehen wie alle anderen auch. Und das wundert dann umso weniger, wenn man weiß, dass die vermeintliche Vielfalt an Sendern gar nicht existiert, da sie alle wenigen Großkonzernen gehören. Kein Wunder, dass sie dann alle gleich gestreamlinet (wenn es das Wort gibt) ausschauen und nach den gleichen Prinzipien senden … Genauso wie mittlerweile Innenstädte langweilig monoform geworden sind und von 1€- und H&M-Läden dominiert werden, dazu noch ein paar Mal McD und Subway. Es lohnt sich nicht mehr, dort hinzugehen, für mich jedenfalls nicht.

    Was Disneys Agenda angeht – woher soll ich sie kennen bzw. wissen, ob es eine gibt…?! Ich glaube auch mitnichten, dass es da einen kleinen Notizzettel gibt, auf dem jemand den „Disney-Weltbeherrschungsplan“ in drei Punkten notiert hat, nach dem dann alle im Konzern funktionieren müssen. So läuft das nicht, auch nicht bei so einem Konzern wie Bertelsmann, der ja hierzulande eine ähnlich starke Stellung hat wie Disney in den USA. Trotzdem wird man versuchen, eine Art kohärentes Konzernimage in allen Produkten nach vorne zu bringen, und dies ist eben dann potentiell gefährlich, je mehr so eine Firma besitzt und also beeinflussen kann. (Es gab da doch mal dieses Beispiel von Wal-Mart, die ein Nirvana-Album erst dann in ihr Sortiment aufgenommen haben, nachdem die Plattenfirma das Cover geändert und einen besonders kontroversen Song gestrichen hatte…) Die Beeinflussung der Distributionskanäle funkitioniert halt über Marktmacht, so dass viele Anbieter eben sich gemüßigt fühlen, Disney-Produkte zu führen. Das ist wie der Coca Cola-Scheiß, den es auch überall gibt, obwohl man genauso gut Alternativen anbieten könnte…

    Naja, ich konsumiere aber eh keine Produkte aus dem Hause Disney. Auch nicht aus dem Hause Bertelsmann, nebenbei bemerkt. ;-)

    Comment | 3. August 2010
  • Quarkspeise

    Hachja, die Fernsehkonzerne. Wußtest Du, daß z.B. bei Pro7Sat1 darauf geachtet wird, daß die Sender komplementär aufgestellt sind? D.h. das man eben nicht überall das gleiche sendet, sondern darauf achtet sich gegenseitig eben nicht die Zuschauer wegzunehmen? Man will mit seinen Sendern alle (werberelevanten) Zielgruppen erreichen, gerade ohne das eine Einheitsprogramm zu präsentieren.

    Natürlich gibt es zwischen den Gruppen massive Klone. Was bei der einen Gruppe funktionierte, wird natürlich auch bei der anderen versucht. Aber ich beschwere mich ja auch nicht, daß mehr als ein Bäcker Brötchen verkauft und es die Dinger jetzt überall gibt.

    Das die Innenstädte so uniform geworden sind, liegt btw. auch unglaublich an dieser dummen menschlichen Eigenschaft Bekanntem eher zu vertrauen als Unbekanntem. Deswegen rennt man ja eher zu einer Filiale einer Kette, weil man weiß was man erwartet (gut wie schlecht) als das man sich erst die „Arbeit“ macht herauszufinden, was denn dieser unbekannte Laden da tut. Aber das ist nun ein völlig anderes Thema. :)

    Wenn es keinen Disney-Weltbeherschungsplan gibt, was ist dann gleich nochmal die Kritik? Verhindert Disney alternative Produzenten? Drängen die bessere Unterhaltung aus dem Markt? Soll Disney wirklich nur gemieden werden, weil sie „zu groß“ geworden sind?

    Wie ich schon schrieb: Knackpunkt sind die Distributionskanäle. Und solange z.B. WalMart nicht der einzige Laden ist wo man Musik kaufen kann, ist es völlig okay, daß man dort kein Nirvana verkaufen kann. Mein Bäcker hat auch nie Alben der Lassie-Singers vertrieben.

    Wenn Disney oder andere Großkonzerne ihre Macht dazu nutzen Monopole zu erzeugen und zu sichern, dann muß man da richtig mit dem Knüppel draufhauen. Aber auf Basis der eigenen Fantasie Vorverurteilung zu betreiben, ist schlichtweg mutig. Denn Ausdenken kann man sich alles mögliche. Das darf nie alleinige Handlungsmaxime sein!

    Ich glaube Dir btw. gern, daß Du glaubst keine Produkte aus dem Hause Disney oder Bertelsmann zu konsumieren. Aber ich bin mir sicher, daß Du es trotzdem tust. Und es wäre mal spannend Deinen jüngerung Konsum durchzugehen und genau nachzuschauen. >:)

    Comment | 3. August 2010
  • Hachja, die Fernsehkonzerne.

    Die ja meist zu größeren Medienkonzernen gehören…

    Wußtest Du, daß z.B. bei Pro7Sat1 darauf geachtet wird, daß die Sender komplementär aufgestellt sind?

    Nee, aber davon ist auch nicht viel zu merken. ;-P

    Aber ich beschwere mich ja auch nicht, daß mehr als ein Bäcker Brötchen verkauft und es die Dinger jetzt überall gibt.

    Der Vergleich hinkt so aber gewaltig. Es wäre eher so, als wenn alle Läden nur noch eine Geschmacksrichtung vertrieben, also Du z.B. nur noch fettreduzierte Labberbrötchen mit 10 E-Zusätzen und Analogkäse kaufen könntest.

    Das die Innenstädte so uniform geworden sind, liegt btw. auch unglaublich an dieser dummen menschlichen Eigenschaft Bekanntem eher zu vertrauen als Unbekanntem. Deswegen rennt man ja eher zu einer Filiale einer Kette, weil man weiß was man erwartet (gut wie schlecht) als das man sich erst die “Arbeit” macht herauszufinden, was denn dieser unbekannte Laden da tut. Aber das ist nun ein völlig anderes Thema.

    Hm, aber damit allein kann man das sicherlich nicht erklären, da es ja früher, bevor die komplette „Verkettung“ losging (so Anfang der 90er) durchaus sehr vielgestaltige Innenstädte gab, also da war Iserlohn nicht gleich Wanne-Eickel. Es liegt, denke ich, an der zunehmenden Konzentration auf den Märkten und daran, dass nur große Firmen sich die immer weiter steigenden Mieten in den Top-Lagen leisten können. Und eben die Großkonzerne via Marketing und Reklame omnipräsent sind und es genügend Menschen gibt, die glaube, dass es „cool“ sei und sie ihrer Individualität dadurch Ausdruck verleihen, indem sie dort kaufen, wo alle anderen auch kaufen.

    Wie ich schon schrieb: Knackpunkt sind die Distributionskanäle. Und solange z.B. WalMart nicht der einzige Laden ist wo man Musik kaufen kann, ist es völlig okay, daß man dort kein Nirvana verkaufen kann.

    Tatsächlich konnte man die CD bei WalMart kaufen, aber eben in der entschärften Version. Diese Form von Zensur durch Marktmacht finde ich sehr bedenklich (dass die Plattenfirma da mitgespielt hat, ist auch sehr arm, das muss man mal sagen!). Aber dazu gibt es ja genügend Infos im Netz, auch hier im Blog zum Thema „Vorauseilende Zensur durch Werbeentzug“ etc.

    Soll Disney wirklich nur gemieden werden, weil sie “zu groß” geworden sind?

    Das wäre schon mal ein guter Grund, ja.

    Ich glaube Dir btw. gern, daß Du glaubst keine Produkte aus dem Hause Disney oder Bertelsmann zu konsumieren. Aber ich bin mir sicher, daß Du es trotzdem tust. Und es wäre mal spannend Deinen jüngerung Konsum durchzugehen und genau nachzuschauen. >:)

    Kannste gern machen – da ich herzlich wenig kaufe (abgesehen von Nahrungsmitteln), ist das recht übersichtlich. ;-) Die einzige Gelegenheit wäre bei einem Buch, das eventuell in einem Verlag erschien, der zu Bertelsmann gehört – da ich Bücher aber meistens antiquarisch kaufe, verdienen die da auch eher weniger dran…

    Zu Kritik an Disney empfehle ich auch das Schwarzbuch Markenfirmen, da wird auch ein wenig hinter das „saubere Image“ geschaut, insbesondere bei den Produktionsbedingungen für den bunten Plastikplunder, den der Konzern als Spielzeug vertreibt.

    Comment | 3. August 2010
  • Quarkspeise

    Bevor hier der Eindruck ensteht, daß ich Disney für Kritik-frei halte: dem ist mitnichten so. Disney hatte in der Vergangenheit extrem kritikwürdige Phasen und wird auch in Zukunft nicht plötzlich philantropisch werden.

    Ich finde halt nur den Fokus auf den vermeintlichen Disney-Einheitsbrei nicht nachvollziehbar, da es den nicht gibt, wenn man auch das einbezieht, was eben nicht unter dem Label Disney da draussen vermarktet wird.

    Die Familie boykottiert ja Disney eben nicht, weil die Produktion fragwürdig, oder deren Einstellung zur Rechten homosexueller Parkmitarbeiter verbesserungswürdig ist, etc. Stattdessen versteigt man sich in der Annahme eines Kulturimperialismuses der bisher nicht belegt wurde.

    Comment | 3. August 2010
  • Bevor hier der Eindruck ensteht, daß ich Disney für Kritik-frei halte: dem ist mitnichten so.

    Das beruhigt mich zu lesen. :-)

    Stattdessen versteigt man sich in der Annahme eines Kulturimperialismuses der bisher nicht belegt wurde.

    Den braucht man gar nicht explizit zu belegen, denn den sieht man ja direkt daran, wie weit verbreitet Disney-Produkte sind. Ob nun mit oder ohne Master-Plan wird hier weltweit durch ihre Filme usw. ein gewisses Image und ein gewisser „Lifestyle“ verbreitet bzw. von mir aus auch verschiedene Lifestyles (je nach Marke), aber dennoch etwas industriell Vorgestanztes. Wenn in einer eher kleinen Stadt wie Kiel ein neuer Disney/Pixar-Reißer anläuft, wird bei der begrenzten Zahl an Kinoleinwänden signifkant mehr durch diese Streifen belegt und es ist weniger Platz für anderes. Wobei es natürlich egal ist, ob in einem Cinemaxx nun ein Actionfilm mehr oder weniger läuft… ;-)

    Comment | 3. August 2010
  • Punksympathisant

    Okay, dass viele Medien dazu gehören ist die eine Sache, die aber – solange dadurch nicht zu viel Meinungsmache und -manipulation betrieben wird – in erster Linie noch nichts schlechtes ist.

    Die andere Sache:

    Was ist so schlecht an Disney? Okay, es ist auf Profit aus, aber das ist ja praktisch jedes noch so kleine Unternehmen!

    Solange das Erreichen von Profit mit fairen und menschenwürdigen Mitteln passiert, spricht doch nichts dagegen!

    Comment | 4. August 2010
  • Ich will die ganze Diskussion jetzt nicht noch mal ausrollen… :-O Gegen große Marktmacht spricht viel, da Alternativen wegfallen bzw es anderen, kleineren Firmen schwer gemacht wird. Mal abgesehen davon, dass Disney und ähnliche Konzerne Kinder & Jugendliche das Leitbild von Konsum/Kommerz als Spaß vermitteln. Im „Culture Jamming“-Buch von Kalle Lasn wird so etwas ja auch gut beschrieben (unabhängig von Disney als solchen).

    „Okay, es ist auf Profit aus, aber das ist ja praktisch jedes noch so kleine Unternehmen!“

    Es ist nicht nur auf Profit aus, sondern auf immer steigenden Profit, auf Wachstum, auf Befriedigung der Börsenspekulanten („Anleger“) und muss also immer weiter wachsen und sich immer weiter ausdehnen und immer mehr umsetzen. Das ist nicht bei „jedem noch so kleinen Unternehmen“ so. Ich z.B. (als quasi Ein-Mann-Unternehmen) will weder expandieren noch Konkurrenten verdrängen oder aufkaufen usw. usf. ;-)

    „Solange das Erreichen von Profit mit fairen und menschenwürdigen Mitteln passiert, spricht doch nichts dagegen!“

    Lies Dir bitte mal die Kommentare davor durch, was Quarkspeise zu der Firmenpolitik schrieb – und ansonsten empfehle ich in solchen Fällen immer auch das Schwarzbuch Markenfirmen. ;-) (Die Produktionsbedingungen für den Plastikmüll (den Disney als „Spielzeug“ vertreibt) sind nämlich alles andere als toll, z.B.)

    Ich zitiere mal aus Wikipedia:

    Disney erhielt 2006 den Public Eye Award für seine Weigerung, die Firmen in China preiszugeben, die das Spielzeug für Disney herstellen. Das Unternehmen schützt damit seine Zulieferer vor Kontrollen.

    Eine staatliche Untersuchung in Kanada im Jahr 2001 stieß auf extreme Zustände im Walt-Disney-Zulieferbetrieb KTBA Inc. in Laguna Hills in Kalifornien: Etwa 800 Arbeiter stellten dort Kopfschmuck und Zauberstäbe her, bekamen aber einen Stundenlohn von nur 1,35 US-Dollar – der gesetzliche Mindestlohn liegt aber bei 6,25 US-Dollar. Außerdem waren Kinder im Alter von 7 bis 15 Jahren in der Fabrik beschäftigt. Die Walt Disney Company bestritt, dafür verantwortlich zu sein, erklärte sich jedoch Mitte Dezember 2001 bereit, 903.000 US-Dollar Entschädigung für die Arbeiter zu zahlen.[8]

    Auch in Bangladesch herrschten bis zum Herbst 2002 kritische Umstände in einem Zulieferbetrieb: Die Arbeiterinnen mussten täglich 14 bis 15 Stunden Disney-Shirts nähen und wurden zudem noch von ihren Aufsehern geschlagen. Als Entlohnung erhielten sie 5 US-Cent pro Disney-Shirt, das der Konzern für 17,99 Dollar pro Shirt verkaufte. Organisationen wie das National Labor Committee begannen die Zustände öffentlich zu machen, und Disney stoppte daraufhin alle Aufträge im Zulieferbetrieb. Der öffentliche Druck führte dazu, dass sich die Arbeitsbedingungen in der Firma schlagartig verbesserten.[8]

    Auch in Hongkong veröffentlichte Anfang 2001 eine kritische Konsumentengruppe einen Bericht über schlimme Missstände in chinesischen Fabriken, die Produkte der Walt Disney Company herstellen. 18 Stunden Arbeitszeit täglich, durchgehend sieben Tage die Woche und das viele Monate lang. 16-jährige Mädchen erhielten pro Monat 38 bis 63 Euro. Diese Entlohnung liegt unter dem gesetzlich vorgeschriebenen Standard. Auch die in Hongkong ansässige chinesische Menschenrechtsorganisation Students and Scholars Against Corporate Misbehavior (SACOM) dokumentierte von Mai bis Oktober 2005 zahlreiche Missstände in Zulieferbetrieben des Disney-Konzerns in China: Die Entlohnung lag unter dem gesetzlichen Mindeststandard, und die Arbeitszeiten lagen über dem gesetzlich erlaubtem Ausmaß. Der Disney-Konzern verhindert bewusst eine wirksame öffentliche Kontrolle der Arbeitsbedingungen durch Geheimhaltung der Namen der Zulieferbetriebe.[8]

    oder das hier aus der FAZ:

    Der Disney-Konzern hat den Vertrieb des neuen Bush-kritischen Dokumentarfilms „Fahrenheit 911“ von Oscar-Gewinner Michael Moore verboten.

    Moore mutmaßte am Mittwoch in einer Stellungnahme, daß Disney im Vorfeld der amerikanischen Präsidentschaftswahlen auf Druck des Präsidentenbruders Jeb Bush gehandelt habe. Bekanntlich spare der Micky-Maus-Konzern in seinen Vergnügungsparks und Studios im Bundesstaat Florida, dessen Gouverneur Jeb Bush ist, Millionen von Steuerdollars. Die seien offenbar „gefährdet“ gewesen. In Florida war bei den Wahlen im Jahr 2000 unter nie vollständig aufgeklärten Umständen eine knappe, aber entscheidende Stimmenmehrheit für George W. Bush ausgezählt worden.

    Comment | 4. August 2010
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