Jul
04
2010

Grimme-Online-Award für fernsehkritik.tv und RTL-Kritik live bei RTL

Fernsehen lohnt sich normalerweise nicht. Eigentlich. Und doch haben all die schwachmatigen Sendungen, die Krawall- und Castingshows, Telenovelas und Dokusoaps im Privatfernsehen wie auch bei den öffentlich-rechtlichen Sendern tatsächlich auch etwas Gutes – denn ohne sie gäbe es den ausgesprochen unterhaltsamen Videopodcast fernsehkritik.tv nicht. Seitdem ich fernsehkritik.tv vor vielen Monaten entdeckte, verfolge ich die zwei Mal im Monat erscheindenden, meist so ca. 30-40 minütigen Beiträge mit großer Begeisterung, denn Holger Kreymeier betreibt das, was seit dem Ende von Kalkofes Mattscheibe in den Medien sträflich vernachlässigt wird: schonungsloses und fundiertes Sezieren des Mülls, der da tagtäglich auf die Bevölkerung losgelassen wird. Anders als Kalkofe geht fernsehkritik.tv aber nicht comedymäßig vor und persifliert die handelnden Personen nicht, sondern arbeitet die Schwachpunkte und bedenklichen Entwicklungen im Fernsehen durchaus sachlich, aber dennoch emotional heraus. Diese Arbeit zahlt sich nun aus, denn fernsehkritik.tv erhielt diese Woche den Grimme Online Award – ich gratuliere! Ein paar Impressionen von der Verleihung gibt es hier.

In seinem Blog dokumentiert Holger auch, was sonst so rund um den Fernsehwahn passiert. So berichtete er in „RTL-Kritik live bei RTL“ von der schönen Aktion zweier Leute, die sich bei einer der Live-Shows von der Fußball-WM, die RTL durchgeführt hat, in die Menschenmenge schmuggelten und dann ein großes Plakat in die Kamera hielten, das RTLs bekanntermaßen niveauloses Programm passend kommentierte, so dass es die Zuschauer an den Bildschirmen direkt sehen konnten. Sehr schön!

[…] Um überhaupt soweit zu kommen, hatten sich die Demonstranten vorher sehr genau überlegt, wie sie vorgehen. Sie bedruckten die Rückseite des Plakats mit der unverdächtigen Flagge Kameruns und schminkten sich selbst schwarz – was auch funktionierte: Die RTL-Security ließ sie aufs Gelände. Die Aufnahmeleitung des Senders sprach die vermeintlichen Kamerun-Fans sogar noch an und bat sie, ein kurzes Statement in der TV-Box abzugeben. Kein Wunder: Anhänger Kameruns waren hier natürlich deutlich weniger zu finden als Fans der Niederlande. Schließlich platzierten die Jungs sich unmittelbar vor der Bühne – und waren mit ihrer Medienkritik live bei RTL. Ist das nicht herrlich?

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9 Comments

  • Danke für den Hinweis auf fernsehkritik.tv! Kannte ich noch gar nicht. Gefällt!

    Comment | 4. Juli 2010
  • Horst

    Durch die vielen Erwähnungen in diversen Podcasts habe ich mir die letzte Folge von fernsehkritik.tv auch mal angetan. Irgendwie sehe ich da keinen Unterschied zum kritisierten Medium. Schade um die Zeit…

    Comment | 5. Juli 2010
  • Das sehe ich anders. Ich finde es – im Gegensatz zum Fernsehen – durchaus unterhaltsam und (je nach Folge) wird ja durchaus auch grundlegendere Medienkritik geübt. Aber natürlich muss nicht jeder alles mögen. :-)

    Comment | 5. Juli 2010
  • hrhr die story und das foto klasse :)

    danke für den tipp

    Comment | 6. Juli 2010
  • gnu

    @Horst: Möchtest du das Fernsehen komplett ignorieren? Vielleicht weil die passive Berieselung einfach nicht der Zustand ist, in den du deinen Geist versetzen möchtest? Weil dich die bewegten Bilder vom Denken und von den Menschen mit denen du zusammen bist ablenken?

    Falls ja, mir gehts genauso. STOP WATCHING – START LIVING!

    Comment | 6. Juli 2010
  • Horst

    @gnu: Komplett ignorieren tue ich es nicht. Es ist eben Unterhaltung. Wenn eine Fernsehsendung so tut, als würde sie informieren, muss man eben wissen, dass das immer einseitig ist. Die Öffentlich-Rechtlichen sind da leider nicht besser. Aber deswegen kann ich mir trotzdem einen Tatort ansehen und Spaß dabei haben.
    Fernsehkritik.tv ist eben auch so eine Unterhaltung, die so tut als würde sie informieren. Tut es aber nicht. Das ist langweilig und überflüssig. Da kann ich auch direkt 30 Minuten Astro-Tv und Co. gucken.

    Aber darüber muss man sich auch nicht aufregen. Das muss man ja nicht gucken. Ich rege mich ja auch nicht darüber auf, dass mir die Musik in der Oper nicht gefällt – ich gehe nicht hin. Ich rege mich nicht darüber auf, dass Computerspiel XYZ zu langweilig ist – ich spiele es nicht.

    Comment | 7. Juli 2010
  • Tatsächlich informiert fernsehkritik.tv aber schon: Da ich sonst kein Fernsehen schaue (abgesehen von den paar ausgesuchten Infosendungen) , erfahre ich so immerhin, was in der Fernsehwelt alles für ein Murks läuft (statt es sonst nur zu ahnen ;-). Gegen Unterhaltung spricht auch nicht grundsätzlich etwas… (zumal f.tv ja nur 2 Mal im Monat „läuft“) Wie Du schon schreibst, man muss es ja nicht schauen. Ich freue mich halt immer drauf, zumal ich so ein bisserl was von dem Wahnsinn mitbekomme, dem sich der Großteil der Menschen so aussetzt.

    Comment | 7. Juli 2010
  • fire9491

    Kreymeier benutzt zu seiner Kritik am Fernsehen das Stilmittel der Satire, dagegen ist nichts einzuwenden. Er überspitzt Sachverhalte, um so den Leuten den Spiegel vorzuhalten. Durch diese Satire will Kreymeier den spießigen Sumpf des TV bloßstellen.
    Aber dann sollte er auch dieses Stilmittel anderen Leuten zugestehen und genau das tut er nicht. In seinem Forum achten die Moderatoren peinlichst genau darauf, dass alle Beiträge nur in einem unterwürfig-sachlichen Ton gehalten sind. Satirische Beiträge, welche auch nur den Anschein erwecken, dass sie Kreymeier oder seine Website veralbern könnten, werden gnadenlos zensiert und gelöscht. Die Moderatoren sind noch größere Spießer als die Spießer, die Kreymeier kritisiert. Kreymeier ist nur ein kleiner Möchtegernkritiker, der andere Meinungen unterdrückt oder unterdrücken läßt. Die Moderation seines Forums ist geprägt von Willkür und heuchlerischer Toleranz.

    Comment | 17. Oktober 2010
  • Das kann sein, und wenn dem so ist, ist das traurig – aber moderiert er das Forum denn selbst? Naja, die Sendung ist trotzdem super, so bekomme ich wenigstens mal mit, was so im Fernsehen läuft. ;-)

    Comment | 17. Oktober 2010

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