Mai
14
2010

Blechen für Werbung?

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© adamsphoto, stock.xchng

Immer wenn man meint, man hätte schon alles an medialer Absurdität erlebt, kommt doch aus irgendeiner Ecke eine Idee, die einen neuen Tiefpunkt setzt. Ganz aktuell bemüht sich die Reklameindustrie darum, die Ergüsse der mal mehr, mal weniger Kreativen, die irgendein Produkt anpreisen oder einen Großkonzern grünwaschen, als wertvollen Content zu vermarkten und deshalb auch Gebühren von den Bügern dafür zu verlangen. Nein, das ist kein Scherz – nicht nur, dass der Werbe- und Marketingklimbim den Menschen ohnehin schon auf den Wecker fällt und alle Lebensbereiche gnadenlos durchzieht. Nun sollen wir tatsächlich, analog zu den Urheberrechtsabgaben, die von Sendern für PCs etc. angedacht sind, pauschal eine Abgabe für die tollen Erzeugnisse der Reklamefritzen löhnen. Hut ab, das ist wirklich mal kreativ, auf so eine dreiste Idee muss man erst einmal kommen… Das Fachhandelsmagazin IT-Business schreibt dazu in „Volkssport Urheberrechtsabgabe: Jetzt wollen Werbefilmer kassieren“:

[…] Stellen Sie sich vor: jemand schmeißt Ihnen ungefragt etwas in den Garten, deklariert es zur Kunst und verlangt von Ihnen als Gartenbesitzer dann quasi Eintrittsgeld – Sie finden das verrückt? Andere nennen es ein deutsches Geschäftsmodell. Das erste positive Urteil dazu ist bereits ergangen. […]

[…] muss deshalb jeder Besitzer eines PCs oder eines Festplattenrekorders dafür zahlen? Und ist es nicht pervers, dass auf der einen Seite die TV-Sender mit CI+ versuchen, die TV-Aufzeichnungen so zu reglementieren, dass die Werbeblöcke nicht übersprungen werden können, auf der anderen Seite dann genau damit eine Vergütungspflicht begründet wird? […]

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Kommentare: 3 | Fernsehen,Medien,Reklame | Schlagwörter: , , , , , |

3 Comments

  • Hah, das war absehbar! Zumindest wenn man vor knapp einem Monat diesen Artikel hier gelesen hat: „Spiele-Demos sollen kostenpflichtig werden„. Schon die Idee an sich ist dermaßen verrückt und realitätsfern,
    und eine gesonderte allgemeine Abgabe á la Urheberrechtspauschale (die ja durch den EuGH grad sowieso ins Wanken gerät) ist unwahrscheinlich. Woran sollte man diese Abgabe denn binden, also an welches Produkt?

    Aber hey, wenn jemand unbedingt pleite gehen WILL, dann ab dafür. Wenn Werbung ein bezahltes Produkt ist, müssten „die“ mir nämlich die Wahl lassen, ob ich das Zeug überhaupt will oder nicht. Und wie ich mich denn da wohl entscheide… hm.

    Ganz zu schweigen davon, dass ich für meinen Teil Werbung für aktive Massenverdummung halte und ich mich freuen würde, wenn ebendiese sich vermindert.

    Comment | 14. Mai 2010
  • Micha

    @Xiemeon
    Die „müssen“ Dir überhaupt keine Wahl lassen! Die hast Du jetzt auch schon nicht. Gebunden wird die Abgabe, wie bisher auch, an Aufzeichnungsgeräte und Leermedien. Bei jeder Leer-CD/DVD/Cassette etc. bei jedem CD/DVD-Brenner/VCR/DVD/HD-Recorder, Kopierer etc. zahlst Du bereits die normale Urheberrechts-Abgabe, ob Du willst oder nicht. Die würde dann halt für die netten Werbefritzen nochmal ein bißchen erhöht. Um da die „Wahl“ zu haben, müßtest Du auf all diese Kopiermöglichkeiten verzichten. Und das ist ulkigerweise genau das was diese Content-Mafiosi eigentlich wollen.

    Comment | 14. Mai 2010
  • […] hat uns allen denn noch so richtig gefehlt? Richtig, für Werbung zwangsweise bezahlen zu müssen – also noch mehr als dass, was man beim Kauf schon an Werbung mitbezahlt. […]

    Pingback | 14. Mai 2010

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