Dez
24
2009

Ich kaufe, also bin ich!

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© pitklad, stock.xchng

Statt irgendwelchen Technikplunder sollte man sich heute zu Weihnachten vielleicht lieber mal ein paar Minuten Zeit schenken, in denen man sich z.B. den kurzen Beitrag „Ich kaufe, also bin ich“ (>> mp3) von Deutschlandradio Kultur , einer Rezension des Buches „Leben als Konsum“ von Zygmunt Baumann, anhören kann. Gerade in diesen Tagen und Wochen des Turbokonsums kann es nicht schaden, sich die Auswirkungen des Daurkonsums auf unser Dasein einmal vor Augen, pardon, vor Ohren zu führen. ‘nen frohes Fest allerseits, übrigens. :)

Der Soziologe Zygmunt Bauman zeigt in seinem Essay auf, wie sehr der Konsum inzwischen unser aller Leben bestimmt, mehr noch: wie er zum zentralen Moment unserer Gesellschaft geworden ist. Bauman sieht in den Selbstdarstellungsportalen wie Facebook auch den Versuch, sich selbst zum Produkt zu machen.

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Kommentare: 6 | Gesellschaft,Konsumkritik | Schlagwörter: , , , |

6 Kommentare »

  • Punksympathisant

    Wann kommt der Konsumsong? ;)

    Comment | 24. Dezember 2009
  • Ja, ach ja, hätt ich fast vergessen. Nun ist’s ja fast schon wieder zu spät, Weihnachten ist ja quasi abgehakt (mental + konsumtechnisch)…

    Comment | 24. Dezember 2009
  • freut mich dass du die geschichte interessant findest! wollte das buch bereits konsumieren (;-)) mir wurde aber leider mitgeteilt, dass es nicht mehr zu haben ist da der verlag die produktion eingestellt hat?????? seltsam…

    frohe konsumfreie weihnachten wünsche ich!

    Comment | 24. Dezember 2009
  • m.ro

    Naja, den Beitrag empfand ich ja eher als Kaffeekränzchengelaber unter Journalisten (Bullshit-Bingo mit ein paar Fremdwörtern). Letztlich hat mich am meisten geärgert, wie die beiden Damen über die “pessimistische” Sichtweise des Autors nicht hinauskamen. Ihm des Weiteren sogar attestierten dies und das (in seiner unterstellten Eindimensionalität?) nicht sehen zu können.

    Für mich klang das eher so, als hätte die Reszensentin die Sichtweise des Autors nicht nachvollziehen können/wollen. Für mich offenbart sich das vor allem in der Aussage, ob das nicht alles immer schon so gewesen wäre mit dem Konsum. Konsumdenken bei der “Wahl des Lebenspartners” etc.

    Gefangen und eindimensional in Ihrem Denken sind für mich eher die beiden Journalistinnen, denn der Autor des Buches.

    Comment | 25. Dezember 2009
  • Ja, Journalisten sind halt auch nur Menschen bzw. in ihren engen Grenzen gefangen – und zu Weihnachten ist Kaffeekränzchengelaber doch bestens angebracht. :-) Mich macht das eher neugierig aufs Buch…

    Comment | 25. Dezember 2009
  • m.ro

    Ja, neugierig aufs Buch…

    Bei der Beschränktheit des Denkens und des gar nicht mehr anders vorstellen Könnens, kam mir Erich Fromm und seinem Konstrukt des “homo consumens” in den Sinn:

    http://www.1a-brainfactory.de/bgemb/gruende.htm

    Das ist Fromm in Reinform – 100% zu zitieren.

    “Um diesen Einwand ganz zu begreifen, müssen wir bedenken, von welchem Geist unsere heutige Industriegesellschaft erfüllt ist. Der Mensch hat sich in einen homo consumens verwandelt. Er ist unersättlich und passiv und versucht seine innere Leere mit einem ständigen, stets wachsenden Konsum zu kompensieren. Es gibt viele klinische Beispiele für diesen Mechanismus, bei dem übermäßiges Essen, Kaufen und Trinken eine Reaktion auf Depression und Angst ist. Konsumiert werden Zigaretten, Schnaps, Sex, Filme, Reisen, Bildungsgüter wie Bücher, Vorlesungen, Kunst. Der Mensch macht den Eindruck, als sei er aktiv und höchst angeregt, in seinem tiefsten Innern ist er jedoch erfüllt von Angst, ist er einsam, deprimiert und gelangweilt. (Langeweile kann als jene Art chronischer Depression begriffen werden, die man erfolgreich mit Konsum kompensieren kann.) Die Industriegesellschaft des zwanzigsten Jahrhunderts hat diesen neuen psychologischen Typ, den homo consumens, in erster Linie aus wirtschaftlichen Gründen geschaffen, d. h. um des notwendigen Massenkonsums willen, der durch die Werbung stimuliert und manipuliert wird. Aber der einmal geschaffene Charaktertyp beeinflußt seinerseits wieder die Wirtschaft und läßt das Prinzip der ständig zunehmenden Befriedigung vernünftig und realistisch erscheinen. Das Problem wird dadurch noch komplizierter, daß mindestens zwanzig Prozent der amerikanischen Bevölkerung in unzureichenden Verhältnissen leben, daß einige Länder Europas, vor allem die sozialistischen, noch keinen befriedigenden Lebensstandard erreicht haben und daß der größte Teil der Menschheit in Lateinamerika, Afrika und Asien kaum über dem Hungerniveau existiert. Jedes Argument, das sich für einen geringeren Konsum einsetzt, wird mit dem Gegenargument beantwortet, daß in den meisten Teilen der Welt der Konsum noch gesteigert werden müsse. Dies ist richtig; doch besteht die Gefahr, daß selbst in den heute noch armen Ländern das Ideal des maximalen Konsums richtungweisend für alle Anstrengungen wird, daß es den Geist der Menschen formen und daher auch weiterhin wirksam sein wird, wenn das optimale Konsumniveau bereits erreicht ist.

    Der heutige Mensch hat einen grenzenlosen Hunger nach immer mehr Konsum. Das hat folgende Konsequenzen: Da die Gier nach Konsum keine Grenzen mehr kennt, und da in absehbarer Zukunft keine Wirtschaft genug produzieren kann, um einem jeden einen unbegrenzten Konsum zu ermöglichen, kann es (psychologisch gesehen) niemals einen echten Überfluß geben, solange die Charakterstruktur des homo consumens vorherrschend ist. Der Gierige wird immer Mangel leiden, da er nie genug bekommt, ganz gleich, wieviel er hat. Außerdem möchte er alles, was die andern haben, auch besitzen und sieht in ihnen seine Konkurrenten. Daher ist er im Grunde isoliert und voller Angst. Er kann Kunst und andere kulturelle Anregungen nie wirklich genießen, weil er immer mehr haben möchte. Das bedeutet aber, daß die, welche auf dem Niveau des garantierten Einkommens leben würden, sich frustriert und minderwertig fühlten und daß die, welche mehr verdienen, Gefangene der Umstände bleiben würden, weil sie Angst hätten, die Möglichkeit zu einem maximalen Konsum einzubüßen. Aus diesen Gründen glaube ich, daß das garantierte Einkommen nur gewisse (wirtschaftliche und soziale) Probleme lösen würde, daß es aber nicht die erwünschte radikale Wirkung hätte, wenn wir nicht gleichzeitig das Prinzip des maximalen Konsums aufgeben.”

    Comment | 27. Dezember 2009

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