Nov
22
2009

Fußball und der Kapitalismus

fb_pendantIch bin jetzt zwar nicht so der ausgemachte Mega-Fußballfan, interessiere mich aber durchaus ab und an für das, was in dieser „Welt des Spektakels“ geschieht. Im Zusammenhang mit meinem konsumkritischen Blog wird Fußball spätestens durch die aktuellen Ereignisse ein Thema – wer bisher so naiv war und noch glaubte, dass es hierbei nur um sportliche Auseinandersetzungen und nicht etwa überwiegend um finanzielle Interessen geht, dem dürften hoffentlich seit dieser Woche die Augen weiter geöffnet worden sein, als ein neuer Wett- & Bestechungsskandal die Fußballwelt „erschüttert“. (Die betroffenen Vereine und Medien müssen allerdings schon sehr blauäugig oder eher verlogen sein, wenn sie nun so tun, als wenn sie durch die neuesten Verschiebereien und Korruptionsvorwürfe komplett überrascht worden seien – auch hier griff bisher ja das Prinzip Verdrängen und Vertuschen, man versuchte, quasi um jeden Preis das Image vom Fußball als „sauberem, ehrlichem Sport“ zu retten.)

Tatsächlich finde ich die Entwicklung im Profisport, besonders gut im Fußball zu beachten, schon seit vielen Jahren ein treffendes Abbild der kapitalistischen Wirtschaftsweise und -logik – so wie auch auf den normalen Warenmärkten eine Tendenz zu immer größeren, mächtigeren Firmen zu verzeichnen ist, die die Spielregeln im internationalen Handel bestimmen, so konzentriert sich vor allem in den letzten 20 Jahren auch im Fußball immer mehr Einfluss und Macht auf immer weniger Vereine. Zudem werden (wie in Firmen) Unsummen an Spieler bezahlt und die Durchkommerzialisierung der Fußballwelt zeigt sich nicht zuletzt in den Bezeichnungen der Stadien („easy credit-Stadion“ in Nürnberg!) und sogar Ligen (Barclays Premier League in England oder Red Zac Erste Liga in Österreich!). Außerdem sind durch die Championsleague Konstrukte ins Leben gerufen worden, die dafür sorgen, dass die immer gleichen (wenigen) Top-Vereine immer mehr Geld scheffeln und so auch die immer besseren Spieler um sich scharen können. Kurz: es wird langweilig. Wenn sich dies auch nicht ganz so schädlich auswirkt wie in der „richtigen Welt“ der Wirtschaft, wo große Konzerne Konkurrenten zum Schaden der Bürger & Konsumenten ausschalten und ihre Macht zur Ausbeutung von Menschen und Ressourcen einsetzen.

Dazu passt auch dieser Beitrag aus dem WDR über Roter Stern Belgrad bzw. die Finanzgeschäfte mit Sportvereinen, in die auch staatliche Stellen verwickelt sind – ich zitiere den Text von YouTube dazu:

Belgrad: Wie die Privatisierung von Sportvereinen mit Hilfe der Regierung vollzogen wird. Grundstücke werden durch juristische Maßnahmen der Regierung in die Hände von dubiosen Konzernen gegeben.

In Zeiten der Krise kommen viele Investorengelder aus den Finanznetzwerken der mafiösen Vereinigungen – nicht nur aus Europa. Die Mafia sieht ihre größten Chance für Geldwäsche im großen Stil in Zeiten der Krise (Beispiel Wadan-Werft). Unternehmen sollten sich durch Wirtschaftsdetekteien über die Hintermänner der Investitionen informieren. Laut dem Autor Jürgen Roth “Mafialand Deutschland” gehen Investorengelder der kriminellen Vereinigungen über Konten und Finanz-Holdings aus der ganzen Welt, zur Verschleierung der kriminellen Vermögenseigner. Darunter auch sogenannte ehrenwerte geachtete Personen aus der Geschäftswelt und ihre Anwälte für deren juristische Absicherung.
Der Einfluss der Mafiastrukturen in der Wirtschaft und die persönlichen Verflechtungen in die Politik wächst stark!

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Kommentare: 11 | Gesellschaft,Wirtschaft | Schlagwörter: , , , , |

11 Kommentare »

  • Ha, als ob diese Sache unbekannt wäre. Vor ein paar Monaten gab es erst eine Reportage des ZDF über Korruption in den Fussballigen. Ich bin nicht überrascht. Fussball kratzt mich wirklich nicht, aber jetzt fängt es an interessant zu werden.

    Comment | 22. November 2009
  • Ja, genau das meine ich – es gab ja nun schon vorher so manchen Skandal im Fußball (im Profisport sowieso, da aber dann meist nur unter dem “Doping”-Vorwurf), der dann aber von den Verantwortlichen, insbesondere den Vereinen, erstaunlich schnell wieder unter den Teppich gekehrt wurde. Selbst AC Mailand, die ja des Betruges überführt wurden, durften ganz normal weiterspielen auf europäischer Bühne. Das ist lächerlich. “The show must go on”, das Volk will unterhalten werden… Mir graut’s schon wieder vor der schwarz-rot-goldenen Kollektivseligkeit im nächsten Jahr zur WM… :-/

    Comment | 22. November 2009
  • Alles nur eine Frage der Zeit, bis das ganze Schei*haus in Flammen aufgeht, und keiner mehr ins Stadion kommt bzw. die absolut überteuerten Devotionalien (Trikots etc.) kauft.
    Hoffentlich.

    Comment | 22. November 2009
  • @blyrik: Ja, schön wär’s. Aber wenn man sieht, wie die Leute wie bescheuert Fans von Vereinen sind, nur weil diese Erfolg haben (Real Madrid etc. machen ja mehr Geld mit Devotionalien als mit sonstwas! Und auch in Asien usw.!), ist meine Hoffnung da eher gering. Erfolg macht attraktiv, leider…

    Comment | 22. November 2009
  • Punksympathisant

    Hachja, und das Gottlieb-Daimler-Stadion heißt seit ein paar Jahren auch Mercedes-Benz-Arena…

    Mich regt auch auf, dass sogut wie alle Vereine Coca-Cola als Sponsor haben. Laider auch der VfB Stuttgart.

    Da gabs ja diesen schönen Film( http://konsumpf.de/?p=4379 ), den du mal vorgestellt hast, indem es unter anderem auch um Coca Cola als Monopol bei der FIFA WM geht…

    Hier in Deutschland ist das aber alles noch relativ harmlos! Do durfte sich ja ein Fußballverein in Leipzig nicht in Red-Bull Leipzig umbenennen, jetzt heißen sie RB Leipzig, aber soweit ich weiß dürfen sie ihr Logo – das dem Red-Bull-Logo ziemlich nahe kommt – nicht mehr verwenden.

    Mein Cousin ist 8 und FC Nürnberg-Fan. In seinem Zimemr hängt ein Club-Poster, wo am Rand ganz groß Coca-Cola steht, dann hab ich ihm gesagt, dass Coca-Cola doch blöd ist, und er meinte, dass das “Kult” ist… -.-

    Comment | 22. November 2009
  • Punksympathisant

    PS: Ich war schon VfB Stuttgart-Fan bevor sie 2007 Meister wurden (Ich hatte sogar in ebendieser Saison schon am 12. oder 13. Spieltag im Spiel gegen Bayern ein Plakat dabei “Wir werden Meister” :D ).

    Hier in Bayern sind natürlich sehr viele Bayern”fans”, die eigentlich nur Erfolgsfans sind, und ich war als kleiner Junge schon immer ein bisschen rebellisch und individuell, und wollte nicht das machen, was alle machen, so wurde ich Stuttgart-Fan. Ich fand damals wie heute, dass Bayern nur ganz, ganz wenig ECHTE Fans hat!

    Comment | 22. November 2009
  • @ punksympathisant: Genau deshalb meinte ich auch, dass der Fußball ein schönes Abbild des generelle kapitalistischen Systems ist. Denn so wie es in der Wirtschaft Marken und Produkte gibt, die als “rebellisch” oder “anders” gelten und mit denen sich eben dann eine gewisse Käuferschicht abgrasen lässt, so leben auch im Fußball Vereine davon, dass sie Fans hinter sich scharen, die die ganz großen Clubs ablehnen – obwohl sie halt nach exakt dem selben Prinzip funktionieren wie Bayern oder Schalke oder ManU oder wer sonst… Auch der VfB ist ein gewinnorientiertes Unternehmen. ;-)

    Comment | 22. November 2009
  • urb

    Die Entwicklungen sind bedauerlich! Insofern stimme ich euch vollkommen zu, dass gerade Fußball ein schönes Abbild des generellen kapitalistischen Systems ist. Metapher, passend zur Finanzwirtschaft: Zocken im Hinterzimmer! Sport und Vereinswirtschaft waren immer schon ein Nährboden von faschistoidem Geklüngle. Auch in Vereinen niedererer Ligen ist es an der Tagesordnung, dass im Rahmen von Versammlungen Grundstücke verhökert oder Geschäftchen in “freiester” Vergabe abgeschlossen werden. Und an was mich Fußballfans erinnern, dazu möchte ich mich gar nicht mehr äußern … Also passt schon alles prima zusammen, meine ich! Gruß urb

    Comment | 23. November 2009
  • Fußball und der Kapitalismus…

    Von Peter Marwitz | Konsumpf
    Ich bin jetzt zwar nicht so der ausgemachte Mega-Fußballfan, interessiere mich aber durchaus ab und an für das, was in dieser „Welt des Spektakels“ geschieht.

    Im Zusammenhang mit meinem konsumkritischen Blog wird F…

    Trackback | 23. November 2009
  • Fußball und der Kapitalismus…

    Von Peter Marwitz | Konsumpf | – Ich bin jetzt zwar nicht so der ausgemachte Mega-Fußballfan, interessiere mich aber durchaus ab und an für das, was in dieser „Welt des Spektakels“ geschieht.

    Im Zusammenhang mit meinem konsumkriti…

    Trackback | 24. November 2009
  • Heinrich

    wir haben ja diesen Komerz unicht nur im Fußball,schaut euch doch mal die Tabelle bei den Baskets an,da wird gekauft auf Teufel komm raus,aber die Verbände haben ja kein Interesse daran den Einkauf zu regulieren,den dann können sie nicht mehr so viel verdienen,denn denen ist es egal Wettbewerbverzehrung Changengleichheiten,das interessiert denen nicht

    Comment | 24. Dezember 2013

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