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„Für eine Ökonomie jenseits des Wachstums“

bild-3 [1]Mit Kirche & Religion habe ich ja herzlich wenig am Hut, aber als ich gestern bei „meinem“ Bio-Käsestand auf dem Wochenmarkt das EXTRABLATT [2] zum 1. Politischen Kirchentag Plön in die Hände bekam, war ich doch aufs Positivste überrascht, befasst sich diese Zeitung sich doch thematisch auch mit vielen Problemen, die mich hier im Blog des öfteren beschäftigen. So finden sich dort Artikel vieler Experten, z.B. von NGOs wie Attac oder Oxfam, u.a. über die „Fortschreitende Globalisierung“, „Die Finanzkrise: Vorgeschmack auf kommende Katastrophen“, „Schwimmt sogar in Milch – die politisch gesteuerte Überproduktion richtet weltweit Schaden an“, „Lukratives Geschäft mit der Krise – wie Banken und Versicherungen das Gemeinwesen skrupellos ausbeuten“, „Achtung Klimakrieg! Eine Warnung vor wohlfeilen Dramatisierungen“ und am Ende auch über das bedingungslose Grundeinkommen sowie den Beitrag „Für eine Ökonomie jenseits des Wachstums: Im Wege steht die globale Arbeitsteilung und das Geld- und Zinssystem mit seinen hohen Gewinnerwartungen“ von Niko Paech, Privatdozent für BWL (!) und Wirtschaftspädagogik an der Uni Oldenburg.

Paechs Artikel fasst einiges an Kritikpunkten zusammen, die vor allem in letzter Zeit an dem kapitalistischen Wirtschaftssystem, wie wir es kennen, laut wurden und die ich auch im Konsumpf schon des öfteren angesprochen habe. Hier ein paar Auszüge:

Die Klima-,Ressourcen- und aktuelle Finanzkrise belegen das Scheitern des auf Wachstum und Fremdversorgung basierenden Wohlstandsmodells. Zeit zum Innehalten: Anstelle eines expansiven „Weiter-so“ bietet sich das Konzept der Postwachstumsökonomie an, die zwar bescheiden dimensioniert, aber langfristig stabil ist.

Die ökonomische Nachhaltigkeitsforschung umfasst zwei Lager, die in unterschiedlicher Beziehung zum Wachstumsimperativ stehen. Die bislang dominante Strömung orientiert sich an der These, dass weitere wirtschaftliche Expansion nicht nur der Wohlstandsmehrung wegen erforderlich, sondern kraft technischen Fortschritts auch ökonomisch durchhaltbar sei. (…)

Wo die Folgen des Klimawandels nicht mehr abzuwenden sind, stellt sich nach derselben Logik die Verwertung der Krise als profitable Option dar: Welche neuen Produkt- und Techniklösungen lassen sich demnächst vermarkten, um mit wärmeren Sommern, dem Anstieg des Meeresspiegels, zunehmenden Sturmereignissen etc. fertig zu werden? (…)

Konträr geht das Konzept der Postwachstumsökonomie von folgenden Beobachtungen aus:
• In einer expandierenden Ökonomie bewirken „Bumerangeffekte“, dass Fortschritte an De-Materialisierung oder Ökologisierung durch Zuwächse der Nachfrage kompensiert werden. Deshalb nehmen, trotz Umwelttechnologie, die CO2-Emissionen permanent zu.

• Ein wichtiger Befund der sogenannten „Science of Happiness“ besagt, dass eine Steigerung des über Geld vermittelten materiellen Reichtums ab einem bestimmten Niveau das subjektive Wohlbefinden nicht weiter erhöht. Viele Konsumaktivitäten sind symbolischer Art,zielen auf soziales Prestige oder die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe oder „Szene“. Wer nicht mitzieht, verliert den Anschluss. Folglich ist ein immer höherer Konsumaufwand nötig, um die soziale Integration zu verteidigen. (…)

Ziele einer Postwachstumsökonomie
Eine ökologisch und sozial zukunftsfähige Ökonomie bedarf der Beseitigung jeglicher Wachstumsabhängigkeiten und -zwänge. Dazu zählen die Innovationsorientierung moderner Marktwirtschaften, das gegenwärtige Geld- und Zinssystem mit seinen hohen Gewinnerwartungen und das auf globaler Arbeitsteilung beruhende Modell der Fremdversorgung. (…)

Das komplette Extrablatt gibt es als kostenloses pdf hier herunterzuladen [3].

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