- Konsumpf – Forum für kreative Konsumkritik – Culture Jamming, Nachhaltigkeit, Konzernkritik, Adbusting - http://konsumpf.de -

Lecker Plastik

Irgendwie haben wir uns schon daran gewöhnt, dass die sog. Lebensmittelindustrie relativ bedenkenlos umstrittene Inhaltsstoffe in ihren Produkten verwendet, weil sie günstiger sind als andere. Kommt es dann irgendwann zu einem Skandal oder decken Recherchen dies auf, wird dann irgendwann vielleicht mal umgeschwenkt. Zu dem Zeitpunkt hat man die Verbraucher aber schon jahrelang mit den entsprechenden Sachen belastet. So wie im Fall des „Mikroplastiks“ – kleinen Kügelchen, die über den Umweg von Kosmetikprodukten am Ende im Trinkwasser und der Milch und somit auf dem Tisch der Menschen landen. Das NDR-Magazin Markt brachte dazu letztes Jahr einen Beitrag, der nachdenklich stimmt. Plusminus hat das Thema jetzt noch einmal aufgegriffen – Plastikkügelchen in Lebensmitteln und Kosmetika [1]:

Plastikkügelchen in Lebensmitteln und Kosmetika

Einzelne Honigsorten und Trinkwasser sind teilweise durch mikroskopisch kleine Plastikkugeln verunreinigt. Es besteht der Verdacht, dass diese auch aus Pflegeprodukten wie Duschgels, Peelingcremes oder Zahnpasta stammen könnten. Das sogenannte Mikroplastik gelangt über das Abwasser in die Umwelt und verteilt sich dort. Experimente an Miesmuscheln haben gezeigt,dass die Partikel sich bei Muscheln, die sehr viel Wasser filtern, im Gewebe einlagern. Dort bildeten sich anschließend Entzündungen.

Mikroplastik reinigt mechanisch

Die zumeist aus Polyethylen hergestellten Mikroplastik-Teilchen werden unter anderem in Pflegemitteln mit Peelingeffekt und speziellen Zahncremes eingesetzt. Die Plastikkügelchen sollen für einen mechanischen Reinigungseffekt sorgen. Bei einigen Produkten beträgt der Anteil der Plastikkügelchen am Gesamtinhalt bis zu zehn Prozent.

Experte: Plastikteilchen auch in der Luft

„Wir können davon ausgehen, dass das Mikroplastik überall in der Atmosphäre zu finden ist“, sagt Gerd Liebezeit, emeritierter Professor am Institut für Chemie und Biologie des Meeres der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg. Seine Vermutung: Das Plastik gelangt über die Luft auch in Lebensmittel. Der Wissenschaftler hat in 19 untersuchten Honigsorten Fasern und Plastikfragmente gefunden, in vier Proben befanden sich außerdem Plastikkügelchen. Auch in Regenwasser ist Plastikmaterial entdeckt worden, wie es in Kosmetikprodukten verwendet wird. Professor Liebezeit fordert deshalb: „Die Verwendung von Plastikteilchen in Kosmetik- und Reinigungsprodukten sollte verboten werden.“

Verwandte Beiträge: