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Schenken bringt nichts / Die Amazon-Wichte(l)

Ja, Heiligabend – da will ich Euch doch zum einen ein paar schöne Festtage wünschen. Und zum anderen noch zwei Beiträge zum EIGENTLICHEN Thema, das Weihnachten antreibt: Konsum, Geschenke. Das BR-Magazin quer berichtete über die Auswüchse des Online-Versands – interessant zu sehen, dass die ganzen Internetversandhäuser im Grunde einen Teil ihrer Kosten auf den örtlichen Einzelhandel auslagern. „Annahme verweigert: Geschäfte boykottieren Pakete“:

Eigentlich sollte Internet-Handel den vorweihnachtlichen Einkaufsstress minimieren. Doch die Paketdienste werden der Paketflut kaum mehr Herr. Oft laden sie ihre Fracht lieber beim Ladengeschäft um die Ecke ab, wo der Empfänger das Paket dann abholen muss. Jetzt vor Weihnachten nimmt das Ganze bizarre Ausmaße an. Besonders dann, wenn die Ladenbetreiber ausgerechnet für die Internethändler zur Poststelle werden, die ihre die größte Konkurrenz sind. Das Amazon-Päckchen beim Buchhändler – viele Ladenbesitzer üben jetzt einen Paket-Boykott.

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Passend dazu auch der ausführliche, spannende Artikel im FreitagInside Amazon [1]“:

Bei dem Versandhandel kann man erleben, was unser Wunsch nach billigem Konsum anrichtet. Besonders wenn man im Weihnachtsgeschäft dort arbeitet. (…)

(…) Weihnachten ist für Amazon das, was für die Amerikaner Vietnam war: eine Herausforderung, die selbst den erfahrensten Einkaufs- und Distributionsleiter weinend zusammenbrechen lassen kann. Für das Weihnachtsgeschäft hat der Konzern in Großbritannien und Deutschland jeweils rund 15.000 zusätzliche Zeitarbeiter eingestellt. Das Wachstum, das Amazon zu einem der mächtigsten internationalen Unternehmen der Welt gemacht hat, soll und wird wohl auch weitergehen.

(…) Weihnachtlich geht es hier nämlich nicht zu: Das Unternehmen zahlt seinen Zeitarbeitswichteln in Großbritannien nur den Mindestlohn, in Deutschland weniger als zehn Euro. Aber Amazon ist die Zukunft des Einkaufens, und die Mitarbeiter erleben schon jetzt die Zukunft der Arbeit. Mithin eine Zukunft, in der solche internationalen Giganten wie eben Amazon mehr Macht haben werden als nationale Regierungen. (…)

In diesem Jahr besteht es vor allem aus großen Stapeln von X-Boxes und Kindles und dem aktuellen Jamie-Oliver-Kochbuch Cook Clever mit Jamie. Diese Promi-Kochbücher regen mich auf. Sie stapeln sich am Ende des Gangs so hoch wie der EU-Butterberg. Was mich aber wirklich fertig macht, ist der Barbie-Adventskalender. Immer wieder schleppe ich mich zu Sektion F, wo ich einen Karton öffne, einen herausnehme, den Karton zerkleinere und auf den Müll werfe. Der Kalender kommt aus China, wurde vom Frachthafen zu einem Auslieferungsdienst und dann hierher gebracht. Ich lege ihn nun auf meinen Wagen, gebe ihn an die Packer weiter, die ihn seiner letzten Bestimmung zuschicken: zu einem Kind. Nichts fängt den Weihnachtszauber besser ein als dieses blonde Busenwunder auf dem Kalender, das lauter Einkaufstüten trägt. (…)

Und Die Zeit stellt in einem Wirtschaftsartikel fest „Schenken bringt nichts [2]“ (jedenfalls nicht aus der Sicht des Homo Oeconomicus):

Weihnachtsgeschenke sind in der klassischen Ökonomie Quatsch. Sie führen allein zu Wohlfahrtsverlusten. Aber wie schenkt man volkswirtschaftlich effizient?

An Weihnachten nimmt die Irrationalität der Menschen ungewöhnliche Ausmaße an. Sie kaufen und kaufen und kaufen: Dinge, die niemand haben will und niemand braucht. Dinge, die einmal teuer produziert wurden und nach Heiligabend im Regal verstauben. Krawatten, Pullover, Sandwichtoaster. Sie nennen das Schenken. Für die klassische Ökonomie ist das großer Quatsch. Dem Homo Oeconomicus graut vor Weihnachten. Er denkt: Die Welt wäre eine bessere ohne Weihnachtsgeschenke. (…)

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