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Lesetipps: Politiklabor Island | Umtausch-Irrsinn | Wirtschaft ohne Wachstum | Arme Schweine

Schon seit einiger Zeit ist es ja hochspannend, zu beobachten, was auf Island geschieht – nach dem Crash ihres Finanzsystems wurden nämlich nicht die EU-üblichen neoliberalen Programme aufgelegt, sondern radikal durchgegriffen. Banken enteignet etc. Nun ist man dort noch einen Schritt weiter gegangen und zeigt dem Rest der Welt mal, wie moderne Politik und Bürgerbeteiligung aussehen kann – hierzulande werden die Piraten für ähnliche Ideen verlacht, dort führt man sie einfach mal durch, wie die Süddeutsche Zeitung in „Politiklabor Island – Eine Verfassung wie Wikipedia [1]“ zeigt:

In einem einzigartigen Experiment haben Islands Bürger an Regeln für ihr Zusammenleben geschrieben. Jetzt soll das Parlament über die neue Verfassung abstimmen. Doch das alte Island der Fischbarone und Bankmanager wehrt sich.  (…)

Die neue Verfassung, sie ist auch der Versuch eines neuen Anfangs. Island wurde besonders hart von der Finanzkrise getroffen, kein Land stürzte tiefer. Mit dem luxuriösen Leben, das die Privatisierungswelle und der Boom Anfang des Jahrhunderts den 320.000 Inselbewohnern beschert hatten, war es schlagartig vorbei, als Ende 2008 die drei größten Banken pleitegingen. Es blieben ein Berg von Schulden, Wut auf geldgeile Manager und rücksichtslose Politiker – sowie der Wille, es künftig anders, besser zu machen. (…)

Eine Gruppe von Bürgern brachte daher einen Prozess in Gang, unterstützt von der Regierung aus Links-Grünen und Sozialdemokraten, die im Frühjahr 2009 an die Macht gekommen war und noch immer amtiert. Knapp tausend zufällig ausgewählte Isländer äußerten Wünsche, lieferten Ideen. Im November 2010 wurde aus 523 Kandidaten ein Bürgergremium aus 25 Personen gewählt. (…)

Genug hat so mancher in der westlichen Welt auch vom Konsumirrsinn, der diese Wirtschaft manisch am Laufen hält. Die Zeit brachte ein komplettes Dossier zum Thema Wirtschaften ohne Wachstum – wie man sieht, ist dieses Thema also aktueller denn je und sogar im Mainstream angekommen. Nur die Politik schläft weiter, als wäre Wirtschaftswachstum die Lösung unserer Probleme. „Jan Müller hat genug [2]“:

Die Wirtschaft muss wachsen, wachsen, wachsen, sagen Politiker aller Parteien. Aber wozu eigentlich? Plädoyer für einen bescheideneren Kapitalismus.

(…) Es ist der Refrain der Finanzkrise, der Euro-Krise, der Schuldenkrise: mehr Umsatz, mehr Gewinn, mehr Wachstum! In jedem Industrieland ist er zu hören. Politiker aller Parteien wollen, dass die Unternehmen ihres Landes von Jahr zu Jahr mehr Autos, mehr Zahnbürsten, mehr Fernseher, mehr T-Shirts, mehr Schreibtischstühle produzieren. In fünf Jahren, in zehn Jahren, in zwanzig Jahren. Immer mehr. (…)

Spätestens dann wäre es an der Zeit für eine naheliegende Erkenntnis: Wirtschaftswachstum erhöht das menschliche Wohlergehen, aber nicht auf ewig, und deshalb ist ewiges Wachstum unsinnig. Viel stärker als der Wohlstand ist in Deutschland in den vergangenen Jahren die Erschöpfung gewachsen. Selbst das Wasser zeigt schon Spuren der Müdigkeit. In Flüssen und Seen sammeln sich die Reste der Antidepressiva, die jenen Menschen verschrieben werden, die dem Druck der Arbeitswelt nicht mehr standhalten. Früher hätten sie vielleicht an etwas gedacht, das ihnen fehlt und das sie sich dank der Schufterei bald kaufen können. Sie hätten durchgehalten. Heute fehlt vielen das materielle Ziel. (…)

Welche Folgen der übermäßige Konsum hat, muss ich hier ja vermutlich nicht mehr groß darlegen. Mich freut es aber schon, wenn das Thema auch in den Medien auf die Tagesordnung gesetzt wird. So brachte Plusminus neulich einen kleinen Beitrag darüber, was das exzessive Shoppen im Internet so alles mit sich bringt an Umweltbelastungen. Gerade große Versandhäuser werben ja gerne mit kostenloser Lieferung und Rückgabe, und so lassen sich manche Leute dazu verführen, einfach mal im großen Stile zu bestellen – und anschließend die Hälfte wieder zurückzuschicken. „Umtausch-Irrsinn [3]“ – das Video dazu könnt Ihr Euch auf der Website direkt ansehen:

Die Hermes-Paketannahme in einem Frankfurter Zoo-Geschäft: Hier landet, was die Kunden kurz zuvor erst im Internet bestellt hatten. Es sei einfacher, von zu Hause etwas auszuwählen und dann wieder zurückzuschicken, finden die Käufer. Genau so kennt Hermes-Paket-Shop-Betreiber Michael Gärtner seine Kunden. Und die Frauen stehen bei ihm besonders oft im Laden: „Wir haben aber natürlich auch Kundinnen, die öfters die Woche kommen, drei bis vier Mal. Und dann haben wir Kundinnen, die sammeln die Pakete und kommen dann auf einmal mit zehn Retouren an.“

Die Rücksendung von online bestellten Artikeln – ein neues Massenphänomen. (…)

Mit sinnvollerem Konsum, nämlichethisch korrekter Kleidung, der Vermeidung von Kinderarbeit und fairer Bezahlung beschäftigt sich übrigens ein neuer Blog namens Fashion Kleidung [4], den ich hiermit kurz vorstellen möchte:

Wir möchten auf die Problematik unserer Kaufgewohnheiten hinweisen und gemeinsam Alternativen entdecken.
Wir haben mit jedem Kauf die Möglichkeit zu entscheiden ob wir die Bedingungen unter denen das Produkt hergestellt wurde durch unseren Konsum unterstützen wollen oder nicht. Richtig treffen können wir diese Entscheidung aber nur wenn wir über die Produktionskette bestmöglich aufgeklärt sind. Deshalb setzten wir uns dafür ein, dass Produktionsketten möglichst Transparenz dargestellt werden müssen. Denn wer würde würde eine Hose schon kaufen, wenn er wüsste das dafür Kindersklaven in Fabrikhallen für die Profitgier weniger schuften müssen?

Und zum Schluss noch eine neue Veröffentlichung zum Thema Fleischkonsum – Anfang des Jahres erschien der „Fleischatlas“ der Heinrich-Böll-Stiftung, Le Monde Diplomatique und dem BUND. Er verdeutlicht Daten und Fakten zum Fleischkonsum und zur Ausbeutung von Umwelt und Tieren. Das Werk gibt es als kostenloses PDF – HIER [5]. (via De-Brand [6])


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