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Systemkrise: Kapitalismus als Abwicklungsfall?

[1]Quasi als passenden Nachschlag zu meinem prä/postrevolutionären Posting „Neustart Schweiz [2]“ von gestern möchte ich Euch heute einen weiteren mutmachenden Beitrag empfehlen, der zeigt, dass die „99% / Occupy Wall Street“-Protestbewegung, die sich derzeit bildet, seinen Nährboden keinesfalls nur bei Berufsrevolutionären und denjenigen Menschen, die sowieso schon seit jeher die Umtriebe des Kapitalismus kritisch sehen und begleiten, hat, sondern sich von der Idee her offenbar durchaus auf Unterstützung auch sehr unterschiedlicher Teile der Bevölkerung zählen darf. Die Stimmen, die sich unzufrieden mit dem jetzigen System und vor allem dessen Entwicklung in den letzten Jahren und Jahrzehnten zeigen und sich vorstellen können, dass es grundlegende Änderungen geben muss, werden zahlreicher. Die momentanen Demonstrationen und Proteste können von daher ein Anfang für einen wirklichen Umschwung und ein Umdenken werden.

Zumal eben auch immer mehr Medien die Proteste ernst nehmen und zumindest zum Teil auch mit Sympathie verfolgen – obwohl man an „Qualitätsmedien“ wie Spiegel Online gestern auch sehen konnte, wie man mit abfälliger Wortwahl gleich als Aufmacher auf der Startseite versucht, die neue Bewegung in Misskredit zu bringen oder sogar lächerlich zu machen – lest Euch mal diesen Text HIER [3] durch, vor allem den ersten Absatz, der auf süffisante Weise abschätzig daherkommt – Zitat „War den meisten nicht klar, gegen was sich ihre Wut richten sollte?“; so als wenn man den „dummen Demonstranten“ den Sinn des Ganzen genau vorgeben und vorbeten müsse. Wie es besser und objektiver geht, zeigt z.B. The Ambassador in „Occupy Wall Street, weltweit und in Berlin. Versuch einer Einschätzung [4]“.

Die Sendung quer im Bayerischen Fernsehen zeigte in „Systemkrise: Kapitalismus als Abwicklungsfall? [5]“ einige erstaunliche Beispiele dafür, wie salonfähig System- und Kapitalismuskritik inzwischen geworden zu sein scheinen (man muss natürlich immer vorsichtig sein, schließlich weiß man nicht, wie lange die Redakteure gesucht haben, bis sie die entsprechenden passenden O-Töne beisammen hatten; aber egal!) und dass es auch in der Wirtschaft und bei Banken (!) zu gären beginnt und sich Widerstand regt.

Beinahe jeden Tag wartet die Finanzkrise mit neuen Schreckensmeldungen auf, und so langsam wächst im Land die Einsicht, dass der Kapitalismus nicht die beste aller möglichen Welten ist. Einst marktgläubige Politiker ändern innerhalb weniger Tage ihre Meinung, ja sogar Unternehmer und Bankmanager plädieren plötzlich für ein Umdenken. Viele Bürger fangen nun an, das bislang unantastbare Modell Kapitalismus grundsätzlich in Frage zu stellen.


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