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RTL und die asoziale „Super Nanny“

„Mein Mülleimer”

Ich will mal stark annehmen (oder doch zumindest hoffen), dass nur die wenigsten meiner Stammleser sich den Quatsch anschauen, den Sender wie RTL tagtäglich in die Welt rotzen – vor allem die ganzen „Doku“-Formate, in denen manipuliert und getrickst wird, um die erwünschten Aufreger zu produzieren, sind seit jeher unter aller Kanone. Gerne wird da unter dem Deckmäntelchen der vermeintlichen Hilfe für in Not geratene Zuschauer und Familien mit gefaketen Inhalten Quote gemacht, ohne Rücksichtnahme auf die Würde der Beteiligten. Von daher ist die Aussage „Scheiß RTL [1]“ nach wie vor unumstößlich gültig. Ich selbst schaue seit längerem kein Privatfernsehen mehr, da ich von dem bunten, kommerzdurchsetzten Geblubber nur Pickel kriege. Mein einziges Fenster in diese Abgründe ist deshalb (wie ich auch schond es öfteren hier schrieb) Holger Kreymeiers fernsehkritik.tv [2], ein Video-Podcast mit einem kritischen Auge auf den Blödsinn, der den Leuten tagein, tagaus als televisionärer Abraum in die Wohnzimmer gebeamt wird.

Ein ganz besonders perfides Sendeformat ist die „Super Nanny“ – hier nistet sich ein Fernsehteam und eine „Diplom-Pädagogin“ (Katharina Saalfrank, die auch gerne durch Talkshows tingelt und sich für ihren Einsatz feiern lässt) ein oder zwei Wochen bei einer Familie ein, die Probleme mit der Erziehung ihrer Kinder hat und hält bei allem, was so passiert, immer voll mit der Kamera drauf. Das wäre an sich schon abartig genug, aber es sind mehr als nur leise Zweifel angebracht, ob das, was dann in der endgültigen Sendung über den Äther geht, wirklich der Realität entspricht, oder ob RTL (und gleiches gilt sicherlich auch für andere Sender) hier nicht nachgeholfen und bewusst eskaliert hat, um „schöne“ (also möglichst schockierende) Bilder zu erhalten. So hat diese Sendereihe gleich mehrere negative Auswirkungen – für die Familie, deren Leben televisionär ausgeschlachtet wird und die sich hinterher bloßgestellt sieht (wobei ich mich immer frage, wieso da überhaupt jemand mitmacht!), ohne dass ihr wirklich geholfen wurde. Für die Zuschauer, die mit Pseudo-Weisheiten und Möchtegern-Lösungen hinters Licht geführt werden. Und für die Gesellschaft als Ganzes, die bei solch voyeuristischem Fernsehen eher verroht und darauf eingeschworen wird, dass das Fernsehen dein Freund und Helfer ist.

Fernsehkritik.tv hat sich jedenfalls in der vorletzten (und auch in der neuesten) Folge mit einer betroffenen Familie unterhalten, die von der Super Nanny daheim besucht heimgesucht wurde – hier wird einmal mehr deutlich, mit welchen dubiosen, asozialen und unmoralischen Methoden RTL arbeitet!

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