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Lesetipps: Danke, KiK! | H&M | Künstlerwettbewerb Anti-Konsum | Deutsches Fleisch

[1]Hm… bzw. H&M! Das eine oder andere Mal habe ich die Modekette hier ja schon kritisch beäugt, wobei der schwedische Konzern vermutlich nicht schlimmer ist als andere große „normale“ Modefirmen, aber da die Schweden halt besonders erfolgreich und in den Innenstädten omnipräsent sind, ziehen sie halt des Öfteren skeptische und prüfende Blicke der Öffentlichkeit auf sich. So hat sich auch die Nachhaltigkeitsplattform Utopia im Rahmen ihrer Konzernchecks schon diverse Male H&M angenommen – und da deren Erkenntnisse an Aktualität nichts eingebüßt haben und durchaus symtpomatisch für einen großteil der Bekleidungsbranche stehen, will ich sie Euch an dieser Stelle auch einmal vorstellen – „H&M auf dem Prüfstand: hauchdünnes Bioprogramm [2]“:

(…) Im November vergangenen Jahres deckte die ARD-Sendung „Report Mainz“ auf, dass die Mitarbeiter einer Zulieferfirma – in aller Regel Frauen – in Bangladesch nicht nur zum Teil die Nächte durcharbeiten müssen, sondern auch geschlagen und beschimpft wurden. Man habe nach dem Wechsel des Managements deutliche Anzeichen für Verbesserungen gesehen, dennoch sei die Fabrik mittlerweile durch den Eigentümer geschlossen worden, teilt Hendrik Alpen von H&M mit. Obwohl das sicher nicht die Lösung sei, die sich der Konzern gewünscht hätte.

Das Beispiel verdeutlicht ein Grundproblem: Als eine der weltweit umsatzstärksten Modeketten hat H & M großen Einfluss auf die Produktpreise. „Zwingt“ der Konzern Zulieferer dazu, bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen, ohne jedoch zugleich mehr für die Produkte zu zahlen, ist er nicht glaubwürdig. Denn woher sollen die höheren Löhne kommen, woher das Geld für weitere Arbeitskräfte?

„Die konsequente Umsetzung unseres Verhaltenskodex steigert die Effizienz, etwa in Bezug auf die Qualität“, entgegnet Alpen, „eigene Produktionsstätten sind für H&M keine realistische Option.“ Eine Fair-Trade-Line sei derzeit nicht angedacht, er wolle dies für die Zukunft aber nicht ausschließen, so Alpe.: „Wir möchten soweit wie möglich Nischenprodukte verhindern und möglichst allen Lieferanten faire Bedingungen bieten.“ Solange H & M aber keine eigenen Produktionsstätten unterhält, in denen der Kodex angewendet wird, ist es leicht das Unmögliche zu fordern und auf die Verantwortung der Zulieferbetriebe zu verweisen. (…)

Bessere Alternativen
In der Greenpeace-Textil-Fibel oder Kirsten Broddes sehr empfehlenswertem Buch „Saubere Sachen“ wird die Komplexität grüner Mode bewusst: Auch Ökobaumwolle kann von Arbeiterinnen gegen einen Hungerlohn unter giftigem Chemikalieneinsatz verarbeitet worden sein, Rohstoffalternativen sind aus nicht-nachhaltigem Erdöl oder genmanipuliertem Mais – es fällt schwer, den Überblick zu behalten, was insbesondere Großkonzerne als „öko“ verkaufen. Doch rundweg fair und ökologisch wirtschaftende Labels sind auf dem Vormarsch, besitzen zwar keine Filialen an jeder Ecke, sind dafür aber glaubwürdiger als ihre großen Konkurrenten, wenn sie etwa ihre Produzenten noch persönlich kennen. Und der höhere Preis kann leicht durch Qualität wettgemacht werden, wenn ein Kleidungsstück länger als eine Saison getragen werden kann und immer noch gut aussieht – neben Second-Hand ohnehin die nachhaltigste Lösung, zugleich aber auch der größte Widerspruch zur Mode als solcher. Ein bisschen zeitloser dürfen die Klamotten also ruhig werden, und so lautet das Fazit in einem Satz: Es muss nicht H & M sein, wenn doch, dann bitte zur Organic Cotton Line greifen.

Und gleich noch mal etwas aus der Modebranche – der Billigproduzent KiK steht seit jeher noch viel stärker in der Kritik als beispielsweise H&M, und das aus guten Gründen. Werden hier doch Mitarbeiterrechte und die Rechte bei den Zulieferern besonders mit Füßen getreten, bloß damit alles „schön billig“ angboten werden kann. Der manomama-Blog machte mich nun auf eine geradezu unfassbar zynische und brutal ehrliche Reklame von KiK aufmerksam – „Danke, KiK! [3]“. Dort wird nun mit dem Spruch geworden „Lieber echte Karriere als falsche Ideale“, so als wenn das Sich-Einsetzen für faire Arbeitsbedigungen, für Nachhaltigkeit etc. „falsche Ideale“ wären und das einzige, was zählt, doch die eigene Karriere sei. (Im Zusammenhang mit der Arbeit in diesem Unternehmen von „Karriere“ zu sprechen, dürfte sich für die meisten KiK-Angestellten eh wie Hohn anhören.) Weil ich nicht weiß, wie das rechtlich ausschaut, will ich mal darauf verzichten, diese Reklame hier abzubilden, aber Ihr könnt sie Euch ja wie gesagt bei manomama anschauen, wo es auch diese schöne geadbustete Variante der Anzeige gibt:

Womit wir auch schon beim Thema sind – aktiv werden im Zusammenhang mit Adbusting und Culture Jamming. Für alle diejenigen unter Euch, die künstlerisch begabt sind, gibt es einen Künstlerwettbewerb des Artcollectors Club unter dem Thema „Anti-Konsum [4]“:

Die Sozial-politische Bewegung des „Anti-Konsum“ gewinnt mit der politischen Lage immer mehr Unterstützer: Junge Menschen besetzen die Wall Street, jedes Jahr wird ein „Buy Nothing Day“ einberufen, ein junger Hobby-Aktionär foppt den BBC mit kontroversen Aussagen wie „Ich gehe jeden Abend zu Bett und träume von einer Rezession. Mit dem richtigen Plan kann man eine Menge Geld verdienen“ und im Internet tauchen Foren „für kreative Konsumkritik“ auf. Und die Kunst befindet sich mitten in dieser Konsumwelt, in der Künstler Werke schaffen, die für siebenstellige Euro-Beträge „über den Ladentisch gehen“. Aber wie können sich junge Künstler in ihrer Kunst mit diesem doch so realen Thema in der Gesellschaft auseinenandersetzen?

Wir widmen uns ganz bewusst in der Vorweihnachtszeit diesen „heißen“ Themen und rufen Euch daher auf, an dem Künstlerwettbewerb „Anti-Konsum / Anti-Consumerism“ teilzunehmen.

Was wir von euch wollen

Unter dem Slogan „Kaufst du noch oder denkst du schon?“ bitten wir Künstler alle Facetten der Gesellschaft zu durchleuchten, die das Thema Konsum so mit sich bringt: Stürzt euch auf die Wegwerfgesellschaft, auf Billigst-Angebote, die Werbung, auf die Auswüchse der Wirtschaftslage, Gagen von Fußballern, hysterische Kunstmärkte, ….  Schickt uns Fotos, T-Shirts, Ölgemälde, Kollagen, Stencils, Drucke, Texte, Graffiti … – dies ist ein offener Wettbewerb ohne Kategorien. Bei uns kann jeder mitmachen, der über 18 Jahre alt ist. Hier wird keiner nach einem Kunststudiums oder ähnlichem gefragt – wir wollen Eure Kreativität und keine Diplome!

Und noch etwas Unerfreuliches zum Schluss – dass Fleischkonsum nicht nur für die Tiere, die unter schlimmen Bedingungen gemästet und geschlachtet werden, unerquicklich ist, sondern oft genug auch ungesund und schädlich für die Umwelt, sollte ja mittlerweile Allgemeingut geworden sein; spätestens seit dem Bestseller „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer. Die taz greift dieses Thema nun zum Glück mal wieder auf und erinnert daran, dass in anderen Ländern Natur zerstört wird, damit unser Schlachtvieh hierzulande so günstig wie möglich gemästet werden kann. Ein unhaltbarer Zustand! „Fremdes Land für deutsches Fleisch [5]“:

Die Deutschen benötigen eine Fläche von der Größe Österreichs, nur um ihren Hunger auf Fleisch zu stillen. Für den Anbau des Viehfutters und die Weiden seien 8,42 Millionen Hektar des weltweit knappen Agrarlandes nötig, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie der Umweltorganisation WWF. Mindestens 23 Prozent davon befinde sich außerhalb Europas, denn auf 1,9 Millionen Hektar stünden Sojapflanzen, die fast vollständig importiert werden. (…)

(…) Jeder Bundesbürger sorgt mit seinem Fleischverzehr im Schnitt dafür, dass laut Studie auf 1.000 Quadratmeter Futtermittel angebaut werden müssen. Ein Schweinebraten-Gericht bedarf demnach 3,12 Quadratmeter Anbaufläche pro Person, 71 Prozent davon für den Fleischanteil. Zum Vergleich: Für einen vegetarischen Pasta-Teller mit Tomatensoße sind nur 0,46 Quadratmeter Acker nötig. Der große Unterschied liegt vor allem darin, dass viel mehr der in Pflanzen gespeicherten Energie verloren geht, wenn Tiere sie in Fleisch umwandeln, als wenn Menschen die Pflanzen direkt essen. (…)

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